Freitag, 16. Dezember 2011

Das Café-Baby


Fünf Prozent aller Kinder in den USA haben ihr Dasein einem Samenspender zu verdanken. Ein KATH.NET-Hintergrundbericht von Edith Breburda



New York (kath.net) Künstliche Befruchtung bei allen möglichen Tierarten gekonnt auszuüben, bereitet so manchem Tiermedizinstudenten Kopfzerbrechen und benötigt viel Fingerspitzengefühl. Künstliche Befruchtung ist jedoch schon lange nicht mehr eine rein veterinärmedizinische Angelegenheit. Frauen die ohne Partner ein Kind wollen, wenden sich meist an Samenbanken, "Sperm-Agency's" (Samen-Agenturen), oder suchen im Internet. Spender für Samenbanken im Alter zwischen 21 und 39 haben einen Vertrag und spenden für etwa zwei Jahre ihren Samen.

Samen-Agenturen rekrutieren ihre Spender über das Internet, sie lassen ihn wissen, zu welchem Zeitpunkt er seinen Samen bereitstellen muss. Die Versendung erfolgt über einen Kurierdienst damit Anonymität gewahrt bleibt. 5% aller Kinder in USA haben ihr Dasein einem Samenspender zu verdanken –allerdings wissen sie meist nichts über Ihren Vater, der die Rechte auf seine Vaterschaft abgegeben hat. In den USA werden nur die nötigsten Daten des Samenspenders festgehalten wie Blutgruppe, Hautfarbe und eine geforderte Gesundheitsinformation. "Wir haben mehr Regeln, um einen Gebrauchtwagen zu kaufen als eine Samenspende zu erwerben", bemerkte Debora L. Spar, Präsidentin der Barnard Colleges und Autorin des Artikels "The Baby Business: How Money, Science and Politics Drive the Commerce of Conception", neulich gegenüber der New York Times. Da es keine Information über die Väter gibt, sondern eventuell nur seine „Kennzeichen-Nummer“, gründeten im Jahr 2000 Wendy Kramer und ihr Sohn Ryan, sowie weitere Kinder von Donor[Spender]-Vätern, das "Donor Sibling Registry." 8894 Halbgeschwister fanden bereits zueinander. Registriert sind 34560 Mitglieder. Die Webseite wird täglich von Tausenden besucht. Der Focus der Organisation will Ei-, Samen- und Embryospender ausfindig machen. Anrufe werden getätigt, vor allem vor Weihnachten, damit Geldspender gefunden werden um die Samenspenderfindung zu finanzieren. Beth Gardner und Partnerin Nicole suchen schon seit langem einen Samenspender, berichten sie einem Reporter der U.S. Zeitung Newsweek vom Oktober 2011 in der Rubrik Gesundheit und Fruchtbarkeit (Health-Fertility). Zuerst wendeten sie sich an die üblichen Samenbanken, wo man Spender mit allem nur vorstellbaren Hintergrund finden kann: adelig, intellektuell... einfach alles.Nur der Preis für die Angelegenheit war den beiden Frauen zu hoch. Außerdem war der Vater anonym. Sie wollten, daß ihre Kinder später die Möglichkeit hätten etwas über ihren Vater zu erfahren. Ein paar Mausklicks und die Suchenden befanden sich im "Internetuntergrund", der aus einem Mischmasch von Anzeigen und nur für Mitglieder von Webseiten bestand, die alle das gleiche Ziel hatten: Samenspender anzupreisen. Die meisten Spender behaupten, sie hätten keine Erbkrankheiten und seien gesund. Auch verzichten sie auf ihre Elternrechte. Im Unterschied zu ihren offiziellen Konkurrenten wollten sie kein Geld für ihre Spende und gaben ihre Identität preis. Ihre Kinder könnten sie so später kontaktieren. Einige Männer gaben unverblümt zu, damit ihren Genpool verbreiten zu wollen.Beth und ihre Lebenspartnerin, die in der Nähe von San Diego wohnen, wägten die Spender sorgsam ab. "Viele waren sehr gebildet", erklärt die 35 jährige Beth. Wie so viele Frauen die sich in Ihrer Situation befinden zogen sie die künstliche Befruchtung, im Gegensatz zu der auch angebotenen natürlichen Befruchtung, vor. Beth und Nicole versuchten alles so zu arrangieren, dass man sich in einem Café traf. Der Donor [Spender] verschwand in der Herrentoilette, um danach sein kleines Latex-Gefäß den beiden Frauen zu übergeben. Danach saß man noch zu einer Tasse Café beieinander. Schwanger wurden die Frauen diesmal nicht. Sie versuchten es weiter mit einer "Free Donor Registry Website", die so ähnlich wie eine Partnerschaftsvermittlungs-Agentur funktioniert und sehr verbraucherfreundlich ist, behauptet Beth. Die Agentur verfügt über 400 Spender und hat bis jetzt zwölf Schwangerschaften erzielt. Frische Samenzellen, kostenfrei erhältlich, können nun, dank der modernen Reproduktionsmedizin, weltweit versendet werden. Frauen, egal in welchem Stand, können jederzeit (anonym) schwanger werden, ohne dem Vater jemals begegnet zu sein. Viele Frauen sind der Meinung, dass ihr Kind seinen Vater kennen sollte. Spermienbanken verweigern jedoch die Preisgabe der Identität der Väter. Somit sind Webseiten usw. für dieses Geschäft beliebter. Die Annahme, dass nur Lesben, die sich ein Kind wünschen, diesen Weg der Reproduktion gehen, ist falsch. Geschiedene, Alleinstehende, die eine Abtreibung hinter sich haben oder Karrierefrauen, die nun im reiferen Alter ein Kind wollen, aber auch Ehepaare die natürlicherweise kein Kind bekommen, sind unter den Usern ausfindig zu machen. „Wendy“ identifizierte sich auf einer Webseite als Ehefrau. Ihr Mann ist zeugungsunfähig. Er suchte zusammen mit Wendy ein Kind. Allerdings sollte es durch künstliche Befruchtung erzeugt werden. Das fühle sich eher als sein eigenes Kind an, gibt der Ehemann zu bedenken. Ray, der seinen wahren Namen nicht preisgibt und 2009 seine eigene Donor-Webseite gründete, behauptet, der natürliche Weg sei erfolgreicher. Er selber habe bereits zwei Kinder über "one-night stands" gezeugt.Mütter geben an, nur das Beste für ihr Kind zu wollen, der beste Vater soll es sein, wenn sie sich ihren Traum vom Kind erfüllen. Ein Mann behauptete, er habe einen überdurchschnittlich hohen IQ, berichteten Beth und Nicole. Er wolle den Frauen helfen, hochintelligente Kinder zu bekommen und damit die Gesellschaft zu verändern. Und doch waren U.S. Amerikaner entsetzt, als im September 2011 darüber berichtet wurde, dass ein Vater durch seinen Samen 150 Kindern das Leben ermöglicht hatte. Mediziner warnen, weil sich seltene Erbkrankheiten auf solche Weise schneller ausbreiten sowie Halbgeschwister unwissentlich untereinander heiraten könnten. In den Niederlanden wurde bereits folgender Fall bekannt: ein Mann litt unter dem Asperger's Syndrome (eine milde Form von Autismus), verschwieg seine Krankheit und wurde mittels Samenspende Vater von 22 Kindern. Samenspendern und Banken wird oft Geldgier vorgeworfen.U.S. College-Schüler können im Jahr bis zu $12.000 durch ihre Samenspende verdienen. Viele Kinder in Schulen der USA sind Donorkinder. Internetseiten sind gefüllt mit Berichten von unglücklichen Kindern, die ihre Geschichte der Welt kundtun. Sie sind frustriert, verängstigt und deprimiert. Jeder könnte ihr Vater sein. Sie fühlen sich halb adoptiert. "Das ganze System ist schwer geschädigt", sagt Wendy, Gründerin des "Donor Sibling Registry" die auf ihre Weise hilft, Halbgeschwister ausfindig zu machen.


Montag, 17. Oktober 2011

Unterrichte die Kinder im Glauben und im Katechismus



Our Lady of Good Help” ist der erste anerkannte Marienerscheinungsort der USA. Impressionen vor Ort von Edith Breburda


Green Bay (kath.net) Vor 152 Jahren erschien die Muttergottes in Wisconsin/USA. Erst letztes Jahr war der Ort offiziell als Erscheinungsort anerkannt worden, kath.net hatte berichtet. Bischof David Ricken von Green Bay feierte am vergangenen Sonntag, dem 9. Oktober 2011, das Hochamt mit den vielen Pilgern, die die ganze Nacht durchgebetet hatten. 
„Our Lady of Good Help“ ist eine kleine Kapelle sprichwörtlich in "the middle of nowhere", in einem kleinen Fleck im Staat Wisconsin, im Mittelwesten der USA, und ist doch etwas ganz Besonderes für die Katholiken Nordamerikas. Es handelt sich nämlich um den einzigen anerkannten Erscheinungsort des nördlichen Kontinents, an dem die Muttergottes erschienen ist. 
Der Erscheinungsort ist noch immer ein Insidertipp. Kein Tourismus, keine Hotels, keine Devotionalienläden, keine Gasthäuser. Nur eine kleine Straße, umzäunt von grasenden Kühen der Leistungsrasse „Holsteiner“. 
Viele Pilger pilgern von weit her zum Heiligtum, besonders, seit es seit Mitte dieses Sommers von Patres des Ordens "Father's of Mercy" betreut wird. Die Elf-Uhr-Messe ist auch werktags voll, man kann nur einen Platz ergattern, wenn man pünktlich ist. Während der Predigt kräht der Hahn von der Nachbarfarm, die schon fast zerfallen ist. Weihrauchgeruch vermischt sich mit würziger Landluft und manchmal kommt eine frische Brise vom Lake Michigan heraufgeweht.
Eindrücke, die sich dem Pilger im Oktober 2011 aufdrängen
Ein ungewöhnliches, fast himmlisches Sommerwetter herrscht und die Bäume auf der Peninsula färben sich rot. 26 km vom Bischofssitz Green Bay entfernt befindet sich die kleine Kapelle, die direkt über dem Erscheinungsort erbaut worden ist. Im ihrem Keller steht eine Statue von "Our Lady of Good Help". Auf dem Weg von der Kapelle zur Krypta sieht man ein paar Dutzend Krücken an der Wand.
Die Wisconsin Erscheinung wurde am 10. Dezember 2010 anerkannt. 
1859 erschien die Muttergottes der jungen Belgischen Einwanderin Adele Josephine Brise. Sie wollte eigentlich nicht mit den Eltern auswandern sondern in Belgien Ursulinin werden. Ihr Beichtvater riet ihr mit den Eltern mitzugehen, sie könne doch vielleicht in der Neuen Welt in ein Kloster eintreten. 
Um 1850 kamen viele Einwanderer aus Belgien. Sie besiedelten die waldreiche Halbinsel, die von Green Bay aus in den Michigansee hineinreicht. Der Staat Wisconsin wurde 1848 gegründet. Es war den Einreisenden nicht bekannt, dass der Wald, mit dem sie Geld machen wollten nicht viel wert war, weil die Bäume wegen des sehr rauen Klimas im Winter nicht sehr hoch waren. 
Adeles Eltern verließen Anfang Juni 1855 die Belgische Provinz Brabant. Sieben Wochen dauerte die Reise bis New York. Im August waren sie auf der Halbinsel von Wisconsin angekommen und kauften sich Land. 
Adele war durch einen Jugendunfall - sie kam in Kontakt mit Lauge - auf einem Auge blind und nur sehr dürftig gebildet. Sie war eine sehr gläubige junge Frau. 
Die Bevölkerung in dieser Region von Wisconsin wuchs 1840-1850 sehr schnell. Die kirchliche Betreung konnte nicht mithalten. Die Einwanderer waren auf der Halbinsel verstreut. Viele der Neuankömmlinge bauten sich Holzblockhütten, die ihnen jedoch keineswegs Schutz im Winter boten. Viele Familien erfroren in ihren Hütten gleich im ersten Winter nach ihrer Ankunft. Dazu kam die Asiatische Cholera, die die Leute hinwegraffte. 
Adele und ihre Familie mussten elf Meilen in die Kirche laufen, um den einzigen Priester der Halbinsel zu erreichen. Für viele Familien der Halbinsel schien ein geordnetes religiöses Leben unmöglich, so verlor so mancher der Einwanderer seinen Glauben. Vor allem den Kindern fehlte es an Bildungsmöglichkeiten. 
Eines Tages, im Oktober 1859 auf dem Weg zur Mühle, sah Adele eine weiss gekleidete Frau zwischen zwei Bäumen stehen. Adele erschrak, die Vision verschwand langsam. Als sie ihren Eltern von dem Gesehenen berichtete meinten diese es handle sich um eine arme Seele für die Adele beten solle. 
Am folgenden Sonntag, dem 9. Oktober, war Adele mit ihrer Schwester und einer Freundin auf dem Weg zur Hl. Messe. Auch diesmal sah sie die Erscheinung am gleichen Ort. Ihre Begleiterinnen sahen nichts. Adele offenbarte sich ihrem Beichtvater an, der sie ermutigte die Erscheinung im Namen Gottes zu fragen wer sie sei und was sie wolle. "...Ich bin die Königin des Himmels. Bete für die Sünder, dass sie sich bekehren, sonst kann ich die Strafen meines Sohnes nicht länger aufhalten. Versammle die Kinder in diesem wilden Land und unterrichte sie in ihrem Glauben und in allem, was sie für ihre Erlösung brauchen. Den Katechismus, wie sie das Kreuzzeichen zu machen haben und wie sie die Sakramente empfangen sollen. Das ist, was ich von Dir wünsche. Gehe und habe keine Angst, ich werde Dir helfen..." 
Adele blieb diesem Auftrag bis zu ihrem Tod im Jahr 1896 treu. 50 Meilen von ihrem Haus entfernt wanderte sie die Halbinsel auf und ab, um Kindern Religionsunterricht zu erteilen. Weder schlechtes Wetter noch sonst irgend eine Anstrengung scheute sie um von Hof zu Hof zu ziehen. Ein Priester schlug Adele vor, Geld zu sammeln um eine Schule und einen Konvent zu bauen, damit die Kinder zu ihr und sie nicht zu ihnen gehen muss. Dankbare Eltern schickten sehr bald ihre Kinder zu Sr. Adele wie sie sie nun nannten. 
Einige Frauen gesellten sich zu ihr und sie lebten nach den Regeln des Dritten Ordens des Hl. Franziskus. Schwester Adele selber ist sehr verkannt worden. Ihre eigenen Mitschwestern waren ihr oft nicht freundlich gesonnen, aber Adele ertrug alle Widerwärtigkeiten ohne zu klagen, mit viel Vertrauen und erstaunlicher Courage.
Der erste Bischof von Green Bay, Joseph Melcher, verbot den Pilgern die Kapelle zu besuchen. Er handelte aus Unwissenheit und weil er nicht richtig informiert worden war, schreiben die Chronisten. Er drohte Sr. Adele mit der Exkommunikation wenn sie weiterhin von der Erscheinung berichte. 
Einmal, als Adele mit ihren Schulkindern der Sonntagsmesse beiwohnte wurde sie nicht in die Kirchenbank gelassen und so kniete sie während der ganzen Messe im Mittelgang der Pfarrkirche. Bischof Melcher besann sich und suchte Adele mit zwei Ärzten auf, die ihren Geisteszustand überprüfen sollten. Die Pilger protestierten und so wollte der Bischof ihre Schule schliessen und verlangte den Schlüssel. Sr. Adele kaufte das Nachbar-Grundstück um notfalls dort eine Schule zu bauen. Dann übergab sie dem Bischof den Schlüssel. Ihre Bemerkung, der Bischof wäre nun verantwortlich für die Kinderseelen, bewirkte, dass Adele den Schlüssel zurückbekam. Der zweite Bischof von Green Bay, F. X. Krautbauer, besuchte unangemeldet die Kapelle. Adele erfuhr erst später davon und entschuldigte sich, dass ihr Pastor, der genauestens über die Erscheinung wußte, den Bischof nicht empfangen hatte. Adele fragt den Bischof, was sie sich habe zu schulden kommen lassen, dass die Kirche so abweisend gegenüber dem Erscheinungsort sei. Ob Adeles Anfrage die Meinung des Bischof's gegenüber dem Wallfahrtsort änderte, ist nicht bekannt. Zumindest kamen immer mehr Pilger und auch die Schule florierte. 
Die erste Kapelle über dem Erscheinungsort baute Adeles Vater. 1861 wurde eine steinerne Kapelle errichtet. Sie hatte die Aufschrift, "Notre Dame de Bon Secours, priez pour nous" was dem Ort den Namen gab „Unsere Liebe Frau der Guten Hilfe“. 
Der Ort wurde eine sehr beliebte Pilgerstätte und so wurde eine grössere Kapelle 1880 gebaut. 
Green Bay ist heutzutage bekannt durch seine Papierfabriken. Holzfäller schlugen grosse Schneisen in den Krüppelwald der Halbinsel. Das Holz fing am 8. Oktober 1871 Feuer und ein Brand vernichtete Siedlungen und Wälder. Fast 2000 Leute kamen in den Flammen ums Leben. Als der Feuersturm auf den Erscheinungsort zuraste weigerte sich Adele den Ort zu verlassen. Sie organisierte statt dessen eine Prozession der Pilger, die mit der Statue der Muttergottes rosenkranzbetend um die Kapelle gingen. Die Pilger, die Zuflucht gesucht hatten, ihr Vieh und der Erscheinungsort blieben unversehrt. Nur der Zaun des Wallfahrtsortes erlitt Feuerschaden. Ein kleiner Brunnen versorgte alle mit Wasser. 
Fast 4.900 Quadratkilometer Land wurden zerstört, es war der schlimmste Brand in der Geschichte der USA. Für die Leute war das das Wunder, das alle Zweifel an der Erscheinung endgültig ausräumte. Es dauerte nicht lange und über viele Wunder wurde berichtet, blinde Kinder sahen wieder, Verkrüppelte konnten wieder gehen. Gehörlose konnten wieder hören. Tuberkulosekranke Jugendliche wurden geheilt-alle während einer Wallfahrt zu "Our Lady of Good Help." Bischof Ricken von Green Bay zelebrierte die Hl. Messe am 152. Erscheinungs-Gedächtnistag, dem 9. Oktober 2011. 
In seiner Predigt ermunterte Bischof David Ricken von Green Bay die Gläubigen, fröhlich aber auch couragiert unsere Mitmenschen zu evangelisieren und die Kirche zu verteidigen. Die Muttergottes war und ist der größte Evangelist. 
Die Pilger sprachen von einer tiefen und innigen Feier und empfanden grossen Dank für alle die Gnaden, die die Mutter Gottes an diesem Ort austeilte. Dem Ort, an dem Die Königin des Himmels die Erde berührte.




Mittwoch, 31. August 2011

SELEKTION BEI UNERWÜNSCHTEN MEHRLINGSSCHWANGERSCHAFTEN

Assistierte Reproduktion und Pränataler Fetozid

von Dr. Edith Breburda



NEW YORK, 31. August 2011 (ZENIT.org). -  Die New York Times veröffentlichte am 10. August 2011 einen Artikel über Jenny. Eine eigentlich ganz normale Familienmutter, die im Alter von 45 Jahren noch einmal ein Kind bekommen wollte, obwohl ihre älteren Kinder schon fast flügge geworden waren. Seit sechs  Jahren experimentierten Reproduktionsmediziner an ihr herum. Jenny kann ein Lied singen von Hormoninjektionen, Eizellen, die sie von einer Eizellspenderin aussuchte, da sie selber schon im vorgerückten Alter war, und vor allem über die hohen Rechnungen der Fruchtbarkeitskliniken. Oft war sie bitter enttäuscht. Doch jetzt war sie schwanger und in der 14. Woche. Es hatten sich zwei Embryos eingenistet.
Reproduktionsmediziner hatten Leben „kreiert", was auf natürlichem Wege nicht mehr möglich zu sein schien. Paradoxerweise hatten sie zu viel Leben kreiert  und  vor allem eine Mehrlingsschwangerschaft. Ein Ausweg war, das „überzählige"  Baby intrauterin zu töten. Man spricht von Embryonenreduktion, rein technisch handelt sich um eine selektierte Abtreibung. Auch Jenny und ihr Mann trafen die Entscheidung eines der beiden gesunden Feten mit einer Kaliumchlorid (Potassium Chloride) - Injektion abtreiben zu lassen. In den USA werden auch zum Tode Verurteilte mit einer Kalium-Chlorid-Injektion exekutiert.
Jenny beschreibt sich selbst als eine gute Mutter, aber Zwillinge würden ihre Kräfte bei weitem übersteigen und ihren schon fast erwachsenen Kindern würde die mütterliche Liebe nicht mehr so zuteil werden, wenn sie sich um zwei Babys kümmern müsste. Sie wollte ein Kind, das sie und ihr Mann doch irgendwie selber geschaffen hatten, wenn auch auf medizinisch-technischem Wege. Gemeinsam suchten sie eine Eizellspenderin, die Eizellen wurden dann mit dem Samen des Ehemannes befruchtet und schließlich in Jennys Uterus eingebracht. Sie hatten von Anfang an die Kontrolle über diese Schwangerschaft und sich nur für ein Kind zu entscheiden war konsequent. „Wenn wir 15 Jahre jünger wären und auf natürliche Weise Zwillinge empfangen hätten oder finanziell besser gestellt wären, hätten wir niemals einen Zwilling abtöten lassen. Zu einem „natürlich" empfangenen Kind hat man einen anderen, nicht so fremden Bezug. „ Niemals hätten wir auch nur entfernt daran gedacht, da hineinzupfuschen", bemerkte Jenny gegenüber der New York Times Reporterin Ruth Padawer.
Jenny räumte ein, dass sie Schuldgefühle habe. Sie und ihr Mann würden niemandem von der Tötung des Zwillings erzählen.
Ärzte und Klinikpersonal, die ein Zwillingskind selektieren und töten, sind verunsichert. Sie fühlen sich unwohl, selbst wenn sie sonst nichts gegen Abtreibung einzuwenden haben. Vielleicht erinnern sie sich an die Studie: „Wired to Be Social: The Ontogeny of Human Interaction" vom 7. Oktober 2010 (PLoS one). Dr. Umberto Castiello von der Universität Padua berichtet hier von Zwillingen, die bereits in der 14. Schwangerschaftswoche zueinander Kontakt aufnehmen und sich gegenseitig beeinflussen. Sie haben Kenntnisse über ihr Umfeld und wissen, dass sie nicht alleine im Uterus sind.
Die heutige Gesellschaft sieht Kinderlosigkeit als Krankheit an und künstliche Befruchtung als Therapie. Aber was ist das für eine Behandlung, wenn Reproduktionsmediziner Mehrlings-Schwangerschaften „reduzieren"? Künstliche Befruchtung führt oft zu Mehrlings-Schwangerschaften, da man mehrere Eizellen befruchtet, in der Hoffnung, dass sich wenigstens eine in der Uterus-Schleimhaut einnistet. Die Uterusschleimhaut selbst wird durch Hormone vorbereitet. Neueste Forschungen zeigen, dass sich ein Embryo besser einnistet, wenn die Gebärmutterschleimhaut dicker ist. Verhütungsmittel bewirken eine Verdünnung der Uterusschleimhaut und verhindern damit eine Einnistung  zwischen dem 7-9 Lebenstag. Reproduktionsmedizinische Techniken, die zum Kinderbekommen (IVF) oder Nichtbekommen (Kontrazeptiva) eingesetzt werden, sind im Allgemeinen mit einer sehr hohen „Verlustrate" bzw. „Sterberate"- verbunden. Die „Behandlung" von Megaschwangerschaften bedeutet einen selektiven Embryozid bzw. Fetozid. Argumentiert wird, dass durch Mehrlingsschwangerschaften das Leben aller Kinder und eventuell der Mutter gefährdet würde. Man nimmt die Tötung Unschuldiger in Kauf, damit letztlich ein Kind geboren werden kann. Es wird behauptet, auf diese Weise Menschenleben zu retten.
Die Kirche bezeichnet in dem Dokument Dignitas Personae die „In Vitro Fertilisation“ als Quelle aller ethischen Probleme. Sie betrachtet die „Intrauterine Selektive Reduktion“ von Ungeborenen als eine Unrechtssituation, die durch die IVF geschaffen wurde. Der Mensch selbst hat durch sein Handeln bewirkt, dass es zu Mehrlingsschwangerschaften kommt. Die Tötung eines Kindes kann damit nicht gerechtfertigt werden.
Unfruchtbare Ehepaare stehen der Reproduktionsmedizin mit einer gewissen Konsumenten-Einstellung gegenüber. Man könnte fast meinen, es herrsche die unterschwellige Meinung, „wer zahlt schafft an". Das Kind wird zum Objekt herabgewürdigt. Seine Entstehung beruht auf dem Wunsch der Eltern.  Durch  die Erzeugung eines Embryos im Labor scheint die Würde und Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben verloren gegangen zu sein. Dignitas Personae betont die „unveränderliche Würde und den Wert jedes einzelnen unwiederholbaren Menschen, der ins Leben gerufen worden ist".
Der US- Mediziner Dr. Hunnell schreibt am 17. August 2011:  „IVF turns pregnancy into a shopping expedition.. with deadly results", dass einige Ehepaare nicht zur biologischen Elternschaft berufen sind. „Gott verlangt von uns niemals, etwas Unmoralisches zu tun, um unserer Berufung gerecht zu werden. Wenn einige nur durch reproduktionsmedizinische Maßnahmen Eltern werden können, dann trifft auf solche Ehepaare die Berufung zu einer biologischen Elternschaft nicht zu.“
*Die Autorin ist als Biomedizinexpertin in Madison, der Metropole der US-Stammzellenforschung, tätig. Im deutschen Sprachraum veröffentlichte sie neben der Autorentätigkeit für die Lebensschutzorganisation ALfA unter anderem das Buch:
Edith Breburda: Die Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Stein am Rhein, Christiania Verlag 2010.

Freitag, 19. August 2011

Für die embryonale Stammzellforschung braucht man Eizellen - Gefährliches Verfahren der Gewinnung, viele ethische Probleme

Gefährliches Verfahren der Gewinnung, viele ethische Probleme

Von Dr. Edith Breburda



MADISON, 19. August 2011 (ZENIT.org). - Die Forschung mit embryonalen Stammzellen gilt nach wie vor als das Non plus Ultra der modernen Medizin. Die sogenannten pluripotenten embryonalen Stammzellen, die durch Zerstörung eines Embryos gewonnen werden, besitzen rein theoretisch das Potential sich in alle 220 Zelltypen des Körpers zu verwandeln. Forscher sind jedoch nach eigenen Angaben noch weit davon entfernt, embryonale Stammzellen in Organ- oder Nervenzellen zu verwandeln. Organe für Transplantate sind rar, adulte Stammzellforscher sehen den kürzeren Weg zum erwünschten Erfolg darin, adulte Stammzellen direkt in andere Körperzellen zu verwandeln. Ein Schritt der in der Medizin bereits angewandt wird, denn man hat festgestellt, dass auch adulte Stammzellen eine gewisse Plastizität besitzen, die man bisher nur embryonalen pluripotenten oder induzierten pluripotenten Stammzellen zugeschrieben hatte. Bevor man jedoch die Differenzierung der Zellen erforschen kann, egal ob man embryonale oder induzierte Stammzellen heranzieht, muss man sehr viele Hindernisse überwinden. Bei induzierten Stammzellen nimmt man ausdifferenzierte Organ- oder Hautzellen und dreht die Uhr zurück, bis sie wieder fähig sind, sich in alle 220 Zellen zu differenzieren. Allerdings wird die Rückverwandlung der bereits ausdifferenzierten Zellen durch das sogenannte epigenetische Gedächtnis blockiert. Diese Blockade zu lösen ist fast unmöglich. Daher ist die Anzahl von induzierten Zellen sehr klein.
Dr. Hwang aus Süd Korea, bekannt durch den größten Forschungs-Skandal, nahm für seine Versuche frische Eizellen. Forscher sehen darin die Überlegenheit der humanen embryonalen Stammzellen gegenüber den „ethisch unbedenklichen" induzierten pluripotenten Stammzellen. Die humane embryonale Stammzellforschung benötigt humane Eizellen. Dr. Hwang wurde zu Fall gebracht, weil er Eizellen „ethisch nichtakzeptabel" von Mitarbeiterinnen gewonnen hatte.
Bioethiker der USA streiten sich darum, ob man Eizellspenderinnen vergüten solle oder nicht. Eine Eizellenentnahme ist sehr aufwändig. Die Eizell-Spenderin verbringt etwa 50 Stunden in ambulanter Behandlung mit Bluttests, Ultraschalluntersuchungen, Hormon-Injektionen und am Ende mit der nicht ungefährlichen Eizellentnahme. Die Eierstöcke werden mit Follikel-stimulierenden Hormonen angeregt. Dabei reifen mehrere Eizellen heran. Mit zunehmender Stimulation nehmen allerdings auch die Komplikationen zu, wie z. B. das lebensbedrohliche Hypersimulationssyndrom, das bei der Spenderin zu Nierenversagen, Thromboembolien, Atembeschwerden, Unfruchtbarkeit und Tod führen kann. Mit hohen Hormongaben werden mehr Eizellen mit Chromosomenanomalien gebildet. Angestrebt wird eine Stimulation die zu 10-15 Eizellen führt. Judy Norsigian, die Direktorin einer US-Frauen-Gesundheitsorganisation, genannt „Our Bodies Ourselves", ist besorgt, dass man Spenderinnen alle diese Risiken verschweigt, aus Angst, dass sich weniger freiwillige Spenderinnen melden (Breburda, Promises of New Biotechnologies, Kindle Amazon Ebook, 2011).
Wissenschaftler versuchen seit langer Zeit, Ei- und Samenzellen im Labor herzustellen. Nicht nur, um fundamentale Fragen der Reproduktionsmedizin besser zu verstehen, sondern auch, um neue Wege zu gehen, um unfruchtbaren Paaren zu helfen, oder auch, damit die Stammzellforschung nicht mehr von Spenderinnen abhängig ist. Am 4. August 2011 veröffentlichte das Science Magazin einen Artikel von D. Normille mit dem Titel: „Sperm Made (Mostly) in a Dish Produce Normal Mice." Embryonale und induzierte Stammzellen können sich theoretisch auch in Ei- und Samenzellen umwandeln. Viele Wissenschaftler hatten bei diesen Umwandlungs-Experimenten in den letzten Jahren allerdings keinen Erfolg.
Jetzt ist es einem Team der Kyoto Universität in Japan gelungen, einen Weg zu finden, Mäuse-Samenzellen aus embryonalen Mäusezellen zu gewinnen, welche erfolgreich Nachwuchs erzeugten. Diese Forschungsergebnisse könnten in ferner Zukunft dazu führen, die männliche Unfruchtbarkeit einzudämmen, berichtete Mitinori Saitou, der Chef des Kyoto-Teams. Ei- und Samenzellen entwickeln sich aus sogenannten Keimzellen, die schon in einem sehr frühen Stadium im Embryo vorhanden sind. Zu embryonalen Stammzellen gaben die Forscher ein Gemisch aus Eiweißen und Wachstumshormonen, um keimzellenähnliche Zellen zu gewinnen. Diese Keimzellen wurden in den Hoden von unfruchtbaren Mäusen gepflanzt und daraus entwickelten sich normale Samenzellen mit denen man Mäuse-Eizellen befruchtete und in Leihmuttertiere pflanzte. Die daraus entstandenen Mäuse waren fähig, sich weiterhin fortzupflanzen. Saitou erklärte, dass noch viele Hürden zu überwinden seien. Letztendlich wolle man auch Eizellen im Labor züchten. „Wir müssen sehen, ob unser Mäuserezept auf den Menschen übertragbar ist", erklärte Saitou. Die bisherige Praxis zeigt jedoch, dass viele Experimente nur bei der Maus gelingen, aber niemals bei Menschen.
*Die Autorin ist als Biomedizinexpertin in Madison, der Metropole der US-Stammzellenforschung, tätig. Im deutschen Sprachraum veröffentlichte sie neben der Autorentätigkeit für die Lebensschutzorganisation ALfA unter anderem das Buch:
Edith Breburda: Die Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Stein am Rhein, Christiania Verlag 2010.

Dienstag, 16. August 2011

Darf man tiefgefrorene Embryonen adoptieren?

Bei jeder In-Vitro-Befruchtung entstehen überflüssige Embryonen. Was tun mit diesen jungen Menschen, töten, medizinischen Forschungszwecken zuführen, adoptieren? Von Edith Breburda



Madison (kath.net) Bei jeder In-Vitro-Befruchtung entstehen zahlreiche überflüssige Embryonen. Sie werden zunächst eingefroren (genauer: kryokonserviert) und stehen für eventuelle weitere In-Vitro-Fertilisationen zur Verfügung. Doch was soll mit mit diesen jungen Menschen geschehen, wenn sich die Eltern gegen sie entscheiden? Soll man sie töten, medizinischen Forschungszwecken zuführen, adoptieren?

"Ob man tiefgefrorene Embryos aus ethischer und moralischer Sicht adoptieren kann, darüber hat der Vatikan noch nicht gesprochen. Rom wird diesem Ansinnen ablehnend gegenüber stehen", erklärte der bekannte Bioethiker Pfr. Tadeusz Pacholczyk im März 2004 in einer kleinen Runde in Madison, Wisconsin
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Pfarrer Pacholczyk meinte damals, die Kirche sei gegen die künstliche Befruchtung und so würde das Thema, tiefgefrorene Embryos zur Adoption freizugeben von der Kirche nicht unterstützt werden. Mann müßte zudem annehmen, dass dann vermehrt In-Vitro-Fertilisation (IVF) zum Einsatz käme und diese im Nachhinein gerechtfertigt wird. Gegen diese Art der Adoption würde sich die Kirche immer aussprechen, so der Experte. 

Die Kirche hat bis jetzt nur in dem Dokument Dignitas Personae, veröffentlicht am 12. Dezember 2008, dem Fest der Muttergottes von Guadalupe, Patronin der Ungeborenen, auf die unzähligen gefrorenen Embryos hingewiesen und die Frage aufgeworfen was man mit ihnen tun soll. Sie für Forschungszwecke freizugeben oder als Biomüll zu entsorgen ist unakzeptabel. Das Dokument weist darauf hin, dass es lobenswert wäre diese Embryos zurück in Leihmütter zu verpflanzen. Allerdings würde eine Embryo-Adoption weitere Probleme mit sich bringen wie z.B. die der rechtswidrigen Ersatzmutterschaften. 

Der Selige Papst Johannes Paul II. forderte 1996 Wissenschaftler dazu auf die Produktion von Embryos einzustellen. Eine Embryoadoption wurde nie zuende diskutiert, heißt es in dem Artikel "Vatican Rules Out Adoption of Frozen Embryos - at Least for Now", vom 12. Dezember 2008. 

Anfang Juni 2011 fand im Christendom College in Front Royal, Virginia, eine Bioethik-Konferenz statt zu der Pfr. T. Pacholczyk vom National Catholic Bioethics Center (NCBC), Bishop Robert Morlino (Diözese Madison, WI), Chairman des NCBC Zentrums von Philadelphia, und Dr. Janet Smith, Sexual Ethik Expertin des Sacred Heart Major Seminars in Detroit geladen hatten. In einer der Sitzungen diskutierte Father Pacholczyk mit Dr. Smith ausgiebig um das moralische und ethische Thema der Embryoadoption. Dr. Smith stand einer Embryoadoption positiv gegenüber und bezeichnete sie als eine Art Adoption. Die Kirche sei zwar gegen die künstliche Befruchtung, aber man müsse hier anders an die Sache herangehen. So ähnlich wie wenn eine Mutter das Kind ihrer Schwester austrägt weil diese Krebs hat und nicht dazu in der Lage sei, ein Kind zu bekommen.

Pfr. Pacholczyk widersprach seiner Kollegin. Der Priester erläuterte das Eheliche Recht, das ausschließlich dem Ehemann ein "Recht" auf den Körper seiner Frau gibt. Er bezog sich auf ein Gespräch mit einem Freund und Vater von 5 Kindern, der es ablehnte, dass seine Frau einen fremden Embryo austrägt. Seine Frau, so der Freund weiter, sollte nur und allein von Ihm Kinder austragen. Der Zweck heilige niemals die Mittel, meinte der Bioethik-Experte und letztlich würde die In-Vitro-Fertilisation durch Embryoadoptionen zum Boomen kommen. "So tragisch es für diese 500 000 gefrorenen menschlichen Wesen ist - wir können diesen Weg nicht gehen und wir haben uns selber in diese Lage gebracht" sagte Fr. Pacholczyk. Dr. Smith glaubt nicht, dass die sexuelle Beziehung zwischen einem Ehepaar durch eine Embryo- Adoption gefährdet würde. Ein Kind auszutragen sei das Gleiche wie einem fremdem Kind Muttermilch zu geben (K. Gilbert, Top Catholic ethicist duel over frozen embryo adoption. Aug. 2. 2011). 

Unabhängig von diesen Ansichten könnte uns die Handhabung von Embryoadoptionen viel eher einen Aufschluß über die moralische und ethische Verantwortbarkeit geben. Übriggebliebene Embryos werden in Fruchtbarkeitskliniken bei äußerst niedrigen Temperaturen in flüssigem Stickstoff aufbewahrt (kryokonserviert). Mehr und mehr Paare diskutieren über die Möglichkeit diese Embryos zu adoptieren. Courtney und Tim A. konnten kein Kind empfangen. Sie wollten einen tiefgefrorenen Embryo adoptieren, um ihn vor der humanen embryonalen Stammzellforschung zu bewahren. 11 tiefgefrorene Embryos standen zur Verfügung, nur 3 überlebten den Auftauprozess. Am 15. September 2003 gebar Courtney schließlich einen Jungen. Beide Eltern waren überglücklich. "Mein Sohn und jedes Baby ist ein Wunder" sagte die Mutter dem Nationalen Fernsehen. "Für mich ist jeder Embryo, obwohl noch so klein, ein Kind - ich habe meinen Sohn in einer Petrischale gesehen und kann nicht verstehen wie man ein Kind für Forschungszwecke spenden kann".

2002 schrieb der Schottische Theologe Jon Berkman, dass Embryoadoptionen dazu führen könnten mehr Embryos zu erzeugen. Biologen sehen die Prozedur in sich selbst als zerstörerisch an, da nur wenige der Embryos, in dem obigen Fall nur einer von 11, das Licht der Welt erblicken (s. Kindle ebook "Promises of New Biotechnologies", E. Breburda).

Donnerstag, 28. Juli 2011

Wie es christlichen Standesbeamten und den Kindern ergeht

New York erlaubt die Homo-„Ehe“. Christliche Standesbeamte kündigen. Und neue Probleme um das Sorgerecht der Kinder treten auf, wenn sich die gleichgeschlechtlichen Partner wieder trennen. Von Edith Breburda


New York (kath.net) Das neue New Yorker Gesetz zur homosexuellen „Ehe“ vom 24. Juli 2011 wurde euphorisch gefeiert. Das Standesamt blieb den ganzen Tag offen. Wer in New York heiraten will, muss sonst zwischen der Ausstellung der Ehelizenz und der Ehe-Zeremonie 24 Stunden warten. Doch am Sonntag war alles anders. 

Mehr als 60 Richter und viele Freiwillige boten 823 homosexuellen Paaren an, sie zu "verehelichen", und zwar ohne Wartezeit. Eigentlich ist das Standesamt am Sonntag geschlossen, aber viele Beamte machten eine Ausnahme, um - wie sie sagen - diesen "historischen Tag" zu feiern.
Einen Tag nach Inkrafttreten des Gesetzes klagten ein Vertreter des New Yorker "Vereins der Verfassungsmäßigen Freiheit" und ein Rabbi gegen das neue Gesetz mit dem Argument, das Gesetz sei viel zu schnell durchgezogen worden. Die übliche Warteperiode von drei Tagen zwischen der Vorstellung eines neuen Gesetzes und der Abstimmung wurde zudem nicht eingehalten. In der Debatte wurden nur Gesetzes-Befürworter zugelassen.Christliche Standesbeamte kündigen
Doch was passiert mit Standesbeamten, die dem neuen Gesetz in New York kritisch gegenüber stehen? Manche können es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, einer gleichgeschlechtlichen "Heirats“-Zeremonie vorzustehen.
Rosemary Centi, eine Katholikin, trat am 24 Juni, als das neue Gesetz in Kraft trat, von ihrer Stelle zurück, berichtete CBS 6 News. Zehn Jahre lang hatte sie Ehen geschlossen. 
Ihr Chef äußerte sein Unbehagen gegenüber Centis Entscheidung. "Ich war überrascht, wir alle legen einen Eid ab, der Bevölkerung zu dienen und versprechen, den Gesetzten zu folgen", betonte Ken Runion gegenüber CBS 6 News. "Egal welche persönliche Einstellung wir haben - gleichgeschlechtliche Ehen sind nun einmal legal und wir müssen diesen Gesetzen Folge leisten." 
Auch Laura Fotusky berichtet: "Ich kann nicht meine Unterschrift unter etwas setzten, das gegen Gott ist. In der Bibel steht, dass Gott die Ehe zwischen Mann und Frau geschaffen hat; die Ehe ist ein göttliches Geschenk, das die Familie und Kultur schützt." 
Von Befürwortern des neuen Gesetzes werden solche Einwände als religiöser Fanatismus abgetan. "Es muss hart für solche bigotte Menschen sein, die sich als Märtyrer fühlen und mit der Bibel argumentieren", schreibt Kaili Joy Gray in Daily Kos Media LLC. 
Zudem ist mehr und mehr zu beobachten, dass in den USA Homo-„Eheleute“ bevorzugt behandelt werden, um Kinder zu adoptieren. Katholische Einrichtungen, die sich weigern, Kinder an gleichgeschlechtliche Paare zu vermitteln, verlieren ihre staatlichen Zuschüsse. 
Trennung und Sorgerechtsstreit um die Kinder
Kinder, die durch künstliche Befruchtung erzeugt wurden, sind die Leidtragenden, wenn eine solche Partnerschaft auseinander geht. Gerichte können beschließen, ob das Kind dem nicht-biologischen Elternteil oder der Mutter zugesprochen wird. Geburtsmütter kämpfen um das Sorgerecht ihrer durch künstliche Befruchtung entstandenen Kinder.
Key Mullen und ihre Partnerin Michele Hobbs wollten 2003 ein Kind durch künstliche Befruchtung bekommen; Hobbes fungierte als Mit-Elternteil (coparented), während Mullen das Kind austrug. 
2007 trennten sich die beiden Frauen und Mullen entschied, ihre leibliche Tochter von Hobbes fernzuhalten. Hobbes klagte vor Gericht das Sorgerecht ein, aber ohne Erfolg, da die Geburtsmutter ihr kein geteiltes Sorgerecht einräumen wollte. 
Bei biologischen Eltern würde das Sorgerecht im Falle einer Scheidung beiden Eltern zukommen, oder einem Elternteil zugesprochen werden. Bei "Coparenting", so das Gericht, verhalte sich die Sachlage anders und das Recht der Kindererziehung wird der biologischen Mutter allein zugesprochen. 
"Es handelt sich um einen großen Sieg für die Elternrechte", betonte Mathew D. Staver, Gründer der Liberty Counsel Gesellschaft und Dekan der Juristischen Fakultät der Christlichen Liberty University von Lynchburg, Virginia: Hobbes stand in keiner Beziehung zur Tochter von Mullen. Eine Person, die weder biologischer Elternteil ist noch das Kind adoptiert hatte, kann man de facto nicht als Elternteil bezeichnen. Ein emotionales Band zum Kind sei nicht ausschlaggebend, ein Sorgerecht einzuräumen. 
Der Gerichtsspruch von Ohio erinnert an den Aufsehen erregenden Fall „Lisa Miller“, der in Montpelier, VT, vor Gericht kam. Lisa Miller, eine Christin und Ex-Lesbe, floh 2009 mit ihrer leiblichen Tochter Isabell aus den USA, bevor ihre ehemalige lesbische Partnerin das Sorgerecht für Isabell zugesprochen bekam. Damit wurde Lisa zur meistgesuchten Frau der USA und der ausländischen Polizei, aber auch der Presse. 
Die heute achtjährige Isabell wurde durch künstliche Befruchtung erzeugt. Die damalige Partnerin von Miller, Janet Jenkins, hat Isabell nicht adoptiert. 2003 trennte sich Miller von Jenkins, nachdem sie jahrelang von ihr missbraucht worden war. 
Miller schwor ihrer lesbischen Vergangenheit ab und ging mit Isabell nach Virginia, wo beide den christlichen Glauben als Baptisten annahmen. Um Isabell vor Jenkins zu beschützen, wurde jeglicher Kontakt mit ihr vermieden. Jenkins reichte eine Klage auf Sorgerecht beim Gericht in Vermont ein. Richter Richard Cohen gab der Klage statt, obwohl es im Staat Vermont nicht "automatisch" Elternrechte für unverheiratete Partner gibt. Jenkins durfte nun, so oft sie wollte, Isabell kontaktieren.
Miller wandte sich wiederum an das Gericht, weil sie an ihrer Tochter traumatische Veränderungen wahrnahm und nicht wollte, dass ihre Tochter Jenkins weiterhin sieht. 2009 veranlasste Richter Cohen, dass Isabell ihrer Mutter weggenommen werden sollte und Jenkins das alleinige Sorgerecht erhalten sollte. 
Doch bevor es überhaupt zum Richterspruch kam, waren Miller und Isabell bereits verschwunden. Es wird angenommen, dass Miller nach Nicaragua floh. Als Fluchthelfer kommt ihr Mennonitischer Pfarrer Timothy Miller in Frage (mit dem sie nicht verwandt ist). Nicaraguanische Mennoniten berichteten der Presse, sie hätten Miller und Isabell aufgenommen. Die Polizei von Nicaragua weiß nicht, ob sich Miller im Land befindet oder nicht, sie habe zwar Hinweise, könne diese aber nicht der Öffentlichkeit preisgeben. 
Pastor Timoty Miller wurde sofort vom FBI wegen Beihilfe zur Flucht angeklagt. Momentan wartet er auf ein Gerichtsverfahren. Allerdings nicht im Gefängnis, das durfte er gegen eine Kaution von US $25.000 verlassen. 
Mennoniten und Quäker aus Nicaragua berichteten der Presse, dass sie den beiden mit der gleichen Selbstverständlichkeit halfen, wie ihre Glaubensbrüder im Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861-1865 entflohenen Sklaven Hilfestellung gaben, um nach Kanada zu gelangen. Auf der Webseite der "Pastor Miller Hilfsvereinigung (TimoMiller.org)" fragt man sich, wieso einem biologisch nicht Verwandten, der keine Adoption beantragt hat, Elternrechte zugesprochen werden können. 
Gleichgeschlechtliche Ehen sind in den meisten Staaten der USA nicht anerkannt, auch deswegen, damit solche Situationen nicht auftreten, sagen Beobachter des Miller-Falles. 

Dienstag, 12. Juli 2011

USA: GEHIRNTOD - PRO UND CONTRA MACHEN SCHLAGZEILEN


Vorgesehene Organspenderin aus dem Koma erwacht


Von Dr. Edith Breburda
PHILADELPHIA, Dienstag, 12. Juli 2011 (ZENIT.org). - Tadeusz Pacholczyk (Philadelphia), Doktor der Neurowissenschaften, Priester und Bioethiker desNationalen Katholischen Bioethikzentrums (NCBC) der USA, ist durch seine unzähligen Artikel in der katholischen Welt der USA und darüber hinaus bekannt. Einer seiner letzten Artikel, der in jeder Diözesan-Zeitung Nord Amerikas abgedruckt wurde, beschäftigt sich mit der Frage der Organtransplantation und des Gehirntodes.

Am 25. Juni 2011 verweist der Ethiker in seinem Artikel: „Does the Catholic Church have doubts about braindeath?" (Hat die Katholische Kirche Zweifel an dem Hirntod) darauf, dass man Medizinern die Kompetenz, jemanden für hirntot zu erklären, nicht absprechen sollte. Es handle sich um ein rein wissenschaftliches und nicht um ein theologisches Feld, Zeichen des Hirntodes zu deuten.

Laut Pacholczyk seien sichere Todeszeichen der Herzstillstand, wenn die Totenstarre eintrete und wenn der komplette Verlust der Gehirnfunktion nachweisbar sei. Der Hirntod als neurologisches Kriterium des Todeszeitpunktes werde laut einer Rede, die Papst Johannes Paul der II. im August 2000 gehalten hat, auch von der katholischen Kirche anerkannt. Die Medizin habe immer den Hirntod als solchen akzeptiert, da lebenserhaltende Geräte in der modernen Medizin zum Einsatz kämen, die einen eigentlich schon nicht mehr Lebenden weiteratmen ließen. Neue Entwicklungen der Medizin „täuschten" über den Tod des Patienten hinweg, so Pacholczyk.

Die Amerikanische Medizinische Gesellschaft, die Amerikanische Akademie für Neurologie und renommierte Harvard Professoren sähen das Versagen der Hinströmeals irreversibel an. Die Päpstliche Akademie für das Leben, der Päpstliche Rat für Beschäftigte im Gesundheitsdienst, die Päpstliche Akademie der Wissenschaften u. a. unterstützten die medizinische Lehrmeinung, durch neurologische Kriterien den Tod zu definieren und würden diese unzweifelhaft anerkennen. Eine Verwirrung der Definition hätte zur Folge, dass wertvolle Zeit verloren gehe, um Organtransplantationen vorzubereiten, erläuterte der Bioethiker in seinem Artikel.

Trotz allem zweifeln viele Katholiken in Amerika und anderswo daran, ob ein Hirntoter wirklich tot ist.

Am 5. Juli 2011 berichtete eine kanadische Zeitung über eine als hirntot erklärte Organspenderin. Bei der 76- jährigen Quebecerin wurde von Ärzten im „Sainte Croix de Drummondville-Krankenhaus“ der Hirntod diagnostiziert. Sie war kurz zuvor wegen entzündeten Zahnfleischs operiert worden. Gleich nach der Operation wurde ihr feste Nahrung verabreicht. Die Frau verschluckte sich und fiel ins Koma. Die Mediziner kontaktierten die Familienmitglieder mit der Mitteilung, ihre Mutter sei für hirntot erklärt worden, man habe sie vergeblich reanimiert, eine Hoffnung auf Regeneration bestehe nicht. Die Ärzte warteten auf die Freigabe zur Organspende.

Die geschockten Angehörigen, die zwar keineswegs einer Organspende abgeneigt waren, verlangten jedoch weitere Untersuchungen, um sicher zu gehen, daß die Mutter wirklich tot war. Am nächsten Morgen erwachte die Patientin aus ihrem Koma, setzte sich in ihrem Bett auf und aß ein Joghurt.
„Wenn wir uns für eine Organspende entschlossen hätten, hätten wir sie umgebracht", so der Sohn. Für die Tochter macht es keinen Sinn, mit alten und kranken Menschen so zu verfahren. Sie ist froh, der Mutter einen Organspendentod erspart zu haben. Die Mutter selber hat ihre Familie sofort wiedererkannt, sie kann laufen und reden und alles scheint normal. Die Familie will das Krankenhaus verklagen.

Der Fall von Quebec ist bei weitem keine allein dastehende Anekdote. Hirntod als legitime Todesursache anzusehen, wird zunehmend von betroffenen Angehörigen, aber auch von besorgtem medizinischen Personal hinterfragt. Einige äußern ihren Unmut und sehen die Kriterien für Hirntod als „Entschuldigung" an, um Organtransplantate zu erhalten, am besten möglichst frisch.

Eine neuere Untersuchung der Sahlgrenska Akademie der Universität von Göteborg in Schweden zeigt, dass die Hälfte der schwedischen intensivmedizinischen Krankenschwestern die Kriterien und Methoden der Befunderhebung „Hirntod" anzweifeln.

„Besondere klinische Tests, die zu der Diagnose führen sowie weiterführende Analysen und ein Röntgenbild des Kopfes werden nur bei einigen Patienten vorgenommen, obwohl das schwedische Gesundheitssystem diese Untersuchungen für alle Patienten vorschreibt", berichtet Anne Flodén, die Autorin der Studie.

*Die Autorin ist als Biomedizinexpertin in Madison, der Metropole der US-Stammzellenforschung, tätig. Im deutschen Sprachraum veröffentlichte sie neben der Autorentätigkeit für die Lebensschutzorganisation ALfA unter anderem das Buch:
Edith Breburda: Die Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Stein am Rhein, Christiania Verlag 2010.

Freitag, 17. Juni 2011

USA: Zwei Reproduktionsmediziner hören auf die Stimme ihres Gewissens

Der eine Arzt kündigte, weil die künstliche Befruchtung das Ideal der Ehe zerstört; der andere trieb auf Wunsch der Mutter bei einer Achtlingsschwangerschaft keine überzähligen ungeborenen Kinder ab. Von Edith Breburda


Chicago (kath.net) Anthony Caruso, berühmter Reproduktionsmediziner aus Chicago, kündigte seine Stelle, nachdem er realisierte, dass künstliche Befruchtung der falsche Weg ist, kinderlosen Ehepaaren zu helfen.

"Ich kann Ihnen nicht sagen wie sehr es mir in der Seele leid tut anderen Leuten geschadet zu haben" betonte Caruso gegenüber EWTN, dem katholischen Fernsehsender der USA. Der Reproduktionsmediziner war eine Kapazität auf seinem Gebiet, sein Anliegen unterschied sich nicht von dem seiner Kollegen, den sehnlichsten Wunsch vieler Paare zu erfüllen, Kinder bekommen zu können, damit sie glücklich werden. Mit Entsetzen stellte der Endokrinologe jedoch fest, daß er mit seiner Arbeit an der zunehmenden Objektivierung bzw. Vergegenständlichung von Kindern teilnimmt. Als Caruso seinen Kollegen dies offenbarte. erntete er dafür nur Hohn uns Spott. Trotz allem war der Arzt bestürzt, so viele Menschen in die Irre geführt zu haben. In einer Ehe opfert man sich für den anderen, so der Experte. Künstliche Befruchtung zerstört dieses Ideal, denn nun kann ein Mensch selbst bestimmen, wann und wie viele Kinder er haben will. Caruso zog seine Konsequenzen und kündigte seine Stelle.

EWTN News berichtete am 9. Juni 2011 auch über Michael Kamrava, der seine Lizenz als Arzt am 1. Juli 2011 verlieren wird. Kamrava assistierte im Januar 2009 Nadya Suleman und implantierte alle ihre durch künstliche Befruchtung erzeugten Embryonen in den Mutterleib. Die geborenen Achtlinge erregten damals das Aufsehen der Welt. Medizinethiker waren damals geschockt, als die Mutter im Januar 2009 in Los Angeles acht Babys auf die Welt brachte. Der Fertilisationsklinik im berühmten Beverly Hill stand daraufhin ein Gerichtsverfahren ins Haus. Die kalifornische Gesundheitsbehörde prüfte, ob der behandelnde Arzt Kamrava seine medizinische Fürsorgepflicht verletzt hat, da die künstliche Familienplanung normalerweise nur zwei oder drei Embryos für eine Einpflanzung vorsieht.

Die 33 jährige alleinerziehende Mutter hatte bereits 5 Kinder. Auch diese kamen durch künstliche Befruchtung auf die Welt. Die Mutter wollte, dass alle ihre durch In-Vitro-Fertilisation erzeugten Embryos eingepflanzt werden. Sie wollte nicht, dass die Ärzte selektieren, wer ihr Kind werden darf und wer nicht. Auch später, als sie erfuhr, daß sie acht Kinder bekommt, wollte sie nicht, dass eines ihrer Kinder abgetrieben wird. Schon immer hatte sie den Wunsch eine große Familie zu haben, verteidigte sich die werdende Mutter. Sie erachtete es als schmerzlicher, ein Kind durch eine Abtreibung zu verlieren, als alle acht zur Welt zu bringen. Die Achtlinge, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen und die alle überlebten, erregten großes Aufsehen in der Presse. Man redete von Kinderwahn anstatt Kinderwunsch. Unter die gleiche Kategorie zählte man 60- oder 70-jährige werdende Mütter, die Designer-Babys zur Welt bringen, oder Eltern, die ein Kind nur deshalb empfangen, weil sie einen Spender für ein anderes bereits vorhandenes krankes Kind brauchen. Künstliche Befruchtung macht es möglich, ein Geschwisterkind zu zeugen und auszuwählen, das sich als Zell- und Organspender eignet.

Dass die Mutter der Achtlinge ihre insgesamt 14 Kinder nur mit Hilfe staatlicher Unterstützung aufziehen konnte, hatte für heftige Empörung gesorgt. James Gifro, Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe der New Yorker Universität verteidigte sich damals. “Es sei nicht seine Aufgabe, Leuten zu sagen, wie viele Kinder sie bekommen dürfen. Er sei Arzt und nicht Polizist”.

Eigentlich hatte die Mutter der Achtlinge nur konsequent das getan, was die In-Vitro- Fertilisations-Technik bietet. Warum sollte man den Ärzten plötzlich ihre Approbation entziehen, wo sie doch ihren Lebensunterhalt mit diesem für sie tagtäglichem “Geschäft” verdienen? Die Öffentlichkeit war der Meinung man hätte die Mediziner verpflichten sollen, überzählige ungeborene Kinder abzutreiben. Der Wunsch der Mutter hätte in keinem Fall ausschlaggebend sein dürfen, da es ja letztendlich auch um das Wohl der einzelnen Babys ging. Die Ansicht, daß weniger Babys eine bessere vorgeburtliche Entwicklung durchlaufen, hätte der Mutter einleuchten müssen. Egal, ob es darüber Daten gibt oder nur Theorien. Man wollte die Gynäkologen nun regresspflichtig machen, damit sie und nicht die Steuerzahler für den Unterhalt der Achtlinge aufkommen. Darf ein Arzt einer Mutter ihr Recht auf Reproduktion verweigern? Handelt es sich um einen Skandal, heraufbeschworen von dem mitschuldigen medizinischen Personal?. Ist unsere Weltanschauung diesbezüglich gespalten und mißt man mit zweierlei Maß? Bisher schien es die Öffentlichkeit kaum zu interessieren, daß mit Steuergeldern ganz selbstverständlich Abtreibungen und humane embryonale Stammzellenforschung finanziert werden.

Ist der Elternwunsch entscheidend und bietet die Reproduktionsmedizin Eltern die technische Möglichkeit für Designerkinder und damit indirekt auch eine Rechtfertigung für eine Mutter, ihr Kind im Mutterschoß zu töten? Es scheint ein Dilemma zu sein, weil man entweder auf das Wohl der Kinder schaut, oder auf das Recht der Eltern. Medzinethiker waren besorgt um das Wohlergehen der acht Babys, man scheint aber nicht betroffen, wenn Embryos ausselektiert und entsorgt werden da ihre Augen blau anstatt braun sind (s. E.Breburda, Verheissungen der neuesten Biotechnologien, Christiana Verlag, 2010). 

Freitag, 10. Juni 2011

NEUES PROSTAGLANDIN-PRÄPARAT IN AMERIKA ZUGELASSEN

Hochgefährliche Anwendung auch für Abtreibungen „zu Hause“ ohne Arzt intendiert

Von Dr. Edith Breburda

NEW YORK, Freitag, 10. Juni 2011 (ZENIT.org). - Misoprostol, ein neues Medikament, angewandt in der Geburtshilfe, wurde am 3. Juni 2011 von der Weltgesundheitsorganisation WHO in New York für die USA zugelassen. Es soll eingesetzt werden bei Frauen, um nachgeburtliche Blutungen zu stillen und kann so vielen Frauen das Leben retten, sagt das WHO-Statement. Es ist aber auch für selbstinduzierte Abtreibungen zugelassen.

Ärzte sprechen von einer Wunderdroge, die Frauen im Wochenbett das Leben rette. Das Präparat muss weder kühl gelagert, noch mit einer Spritze steril verabreicht werden.
Maternal Life International (Mütterliches Leben International) zeigt sich eher skeptisch, denn die Frauensterblichkeit in medizinisch unterversorgten Gebieten liegt sowieso höher. Misoprostol erweckt nun den Eindruck, die Sterblichkeit der Mütter im Wochenbett in derartigen Gegenden zu verringern, was jedoch nicht der Fall ist.

Dr. Joe DeCook, ein Arzt der Pro-Life Bewegung Amerikas, vergleicht das Präparat mit dem Rauschmittel Morphin: „Es kann benutzt werden, um Gutes oder auch Schlechtes zu tun."
In Deutschland wurde Misoprostol im Januar 2006 vom Markt genommen. Es war nur für die Behandlung von Magen-Darmkrebs zugelassen. Für eine andere Indikation hatte der Hersteller nie einen Antrag gestellt, trotz zahlreicher Studien, die einen Einsatz in der Gynäkologie und Geburtshilfe sinnvoll erscheinen ließen.

Die WHO hatte aufgrund der guten Erfahrungen mit dem „umgewidmeten Offlabel- Medikament“ dieses bei Indikationen wie Zervixpriming (Erweiterung der Zervix) und bei der Geburtseinleitung zugelassen (siehe Frauenarzt 2003, 8:882-5 und Homepage).
Immer öfter wird der spontane Wehenbeginn nicht mehr abgewartet. Obwohl die WHO (Fortaleza-Konsensus-Konferenz, 1985) in ihrer „Mutterfreundlichen Kindergeburtsinitiative"(Mother-friendly Childbirth Initiative) davor warnt, eine Technisierung der Geburten aus Gründen der Praktikabilität und ohne medizinische Indikation zu „erzwingen". Frauen sprechen in Internetforen über das schlimmste Erlebnis, das sie mit einer „induzierten", vorangetriebenen Geburt je hatten.

In der Geschichte der Frauenheilkunde wurden ursprünglich Prostaglandine, d. h. induzierte medizinische Verfahren angewendet, um eine Geburtseinleitung im Rahmen der medikamentösen Abtreibung im ersten und zweiten Trimenon vorzunehmen.

Die Weltgesundheitsorganisation fürchtet nun, dass das am 3. Juni 2011 für den US Markt zugelassene Präparat Misoprostol von nicht medizinisch geschulten Frauen angewendet wird, um eine Abtreibung „zu Hause" durchzuführen. Damit könnte es für diejenigen, die es einnehmen, auch gewisse Risiken bergen. Das neue Präparat wurde für den Privatgebrauch freigegeben, aber gerade in ländlichen Gebieten der USA, wo die Gesundheitsversorgung suboptimal ist und keine Notaufnahmeeinrichtungen vorhanden sind, könnte die nicht medizinisch überwachte Einnahme von Misoprostol zum Problem werden.

Die Intention ist, dass mit dem neuen Präparat eine Abtreibung ohne den Arzt vorgenommen werden kann. In Vietnam waren 1.734 Frauen in die Vorversuche für das Medikament involviert. Abtreibungen wurden bis zum 63. Schwangerschaftstag durchgeführt, ohne das Mitwirken eines Arztes.

Die WHO und die Bundesarzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten versichern, daß das neue Präparat bald weltweit im Handel sein wird.
Gynuity, eine Organisation, die sich für die Aufklärung der Bevölkerung bezüglich Reproduktionsmedizin einsetzt und in den USA arbeitet, unterstützt selbstinduzierte Abtreibungen und versucht, sie in ein positives Licht zu stellen. 2009 wurde berichtet, dass sich Gynuity gegen Gesetze ausspricht, die die Personenwürde des ungeborenen Kindes hervorheben wollen. Etwas besorgt war die Organisation über eine eigene Studie, die 2002 zeigte, dass Misoprostol Geburtsfehler beim Ungeborenen hervorrufen kann, wenn das Kind die eigene Abtreibung „überleben" sollte. Meistens handelt es sich um Klumpfüße, Gesichtsnervenabnormalitaeten und nicht vollständig ausgebildete Finger.

Ein Viertel der medikamentös induzierten Abtreibungen schlagen fehl und benötigen dringend eine medizinische Versorgung. Vor allem Abtreibungen, die nach der 7. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden, setzen das Leben der Mutter auf das Spiel.
*Die Autorin ist als Biomedizinexpertin in Madison, der Metropole der US-Stammzellenforschung, tätig. Im deutschen Sprachraum veröffentlichte sie neben der Autorentätigkeit für die Lebensschutzorganisation ALfA unter anderem das Buch:
Edith Breburda: Die Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Stein am Rhein, Christiania Verlag 2010.

TOLERANZ UM JEDEN PREIS?

Amerikanische Katholiken sind besorgt um ihre Religionsfreiheit

Von Dr. Edith Breburda

ROCKFORD, Freitag, 10. Juni 2011 (ZENIT.org). - Amerikanische Katholiken sind besorgt, dass ihnen ihre religiösen Freiheiten immer mehr genommen werden. Grund für diese Annahme ist ein neues Gesetz, erlassen vom Bundesstaat Illinois. Im Mittleren Westen der USA hat am 26. Mai 2011 die Diözese von Rockford beschlossen, aus einem Adoptionsprogramm für Kinder auszusteigen. Die Diözese will keine Kinder an unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare vermitteln. In Texas beschloss ein Richter, dass während einer Abschlussfeier der High-School Worte religiösen Inhaltes nicht benutzt werden dürfen, da ein Elternpaar der Meinung war, dass ein Gebet ihrem Sohn sowie allen Teilnehmern schade.
Am 26. Mai erklärte die Diözese von Rockford, Illinois, in einer Pressekonferenz, dass ihre Wohlfahrtsorganisation „Catholic Charities" in Zukunft keine Adoptionsvermittlungen sowie Pflegeeltern-Dienste mehr in ihren Geschäftsstellen anbieten werde. Am 1. Juni 2011 trat das "Illinois Religious Freedom Protection and Civil Union Act"-Gesetz in Kraft. Es legalisiert gleichgeschlechtliche Partnerschaften und unverheiratete Liaisonen. Den Lebensgefährten sollen so alle Rechten zukommen, die normalerweise Ehepartner haben. Das Gesetz zwingt katholische Mitarbeiter, Kinder an unverheiratet zusammenlebende Paare sowie an gleichgeschlechtliche Partner zu vermitteln. Die katholische Wohlfahrtsorganisation wird unter anderem mit 7.5Millionen US $ aus Staatsgeldern finanziert, und so muss die Diözese den Landesgesetzen Folge leisten, wenn sie weiterhin Adoptionen vermitteln oder sogenannte „Pflegeeltern-Dienste" in Ihren Geschäftsstellen anbieten will.
Die Versuche der katholischen Einrichtungen, Paare, die nicht im Einklang mit der Lehrmeinung der Kirche stehen, an andere Agenturen verweisen zu dürfen, scheiterte. Die Diözesansprecherin Penny Weigert bedauerte es sehr, dass der Staat von Illinois nicht einlenke, obwohl viele religiöse Gemeinschaften die Gesetzgeber sprichwörtlich angefleht hätten.
Seit über 100 Jahren bietet Catholic Charities einen Adoptionsservice und Pflegefamilien-Service an. Momentan arbeitet die Agentur mit etwa 350 Familien der Diözese zusammen. 58 Mitarbeiter werden nun ihre Stellen verlieren, da die Angestellten nicht gegen ihr Gewissen oder gegen die Lehrmeinung der Kirche handeln wollen. So schwer es für die Diözese war, diese Entscheidung zu treffen, sie will sich nicht vom Staat diktieren lassen und ihre Moralvorstellungen des Geldes wegen hinten an stellen.
In einem anderen Bundestaat der USA, in San Antonio in Texas, fanden die Stimmen des atheistischen Elternpaares Christa und Danny Schultz hingegen sehr viel Beachtung. Sie waren besorgt, dass ihrem Sohn Schaden zugefügt werde, wenn er mit Worten wie Gott oder Gebet bei seiner Schulabschlussfeier konfrontiert würde. Chef-US-Bezirksrichter Fred Biery's entschied daraufhin, dass bei der Graduiertenfeier der Oberschule, die am 4. Juni 2011 stattfand, keinerlei Gebet gesprochen werden durfte und auch nicht der Name Gott oder ein Amen erwähnt werden sollte, da dies den Teilnehmern der Feier schaden würde.
Jedem, der diesem Urteilsspruch zuwider handelt, droht eine Gefängnisstrafe. Aufgeregte amerikanische Katholiken kommentieren, dass dies dem ersten Staatsgesetz der Meinungsfreiheit widerspräche.
„Wir können das tun, was wir wollen und sollten nicht darauf achten müssen, gewisse Dinge nur tun zu dürfen, wenn es dem Anderen auch genehm ist. Katholischen Christen darf es nicht verboten werden das zu tun, was ihre Religion ausmacht. Ein Christ spricht ganz natürlich jeden Tag vom lieben Gott und keiner hat das Recht, ihn gesetzlich zu belangen, wenn er nicht den Mund hält", erläuterte ein Journalist.
*Die Autorin ist als Biomedizinexpertin in Madison, der Metropole der US-Stammzellenforschung, tätig. Im deutschen Sprachraum schreibt sie unter anderem für die Lebensschutzorganisation ALfA. 

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