Freitag, 17. Juni 2011

USA: Zwei Reproduktionsmediziner hören auf die Stimme ihres Gewissens

Der eine Arzt kündigte, weil die künstliche Befruchtung das Ideal der Ehe zerstört; der andere trieb auf Wunsch der Mutter bei einer Achtlingsschwangerschaft keine überzähligen ungeborenen Kinder ab. Von Edith Breburda


Chicago (kath.net) Anthony Caruso, berühmter Reproduktionsmediziner aus Chicago, kündigte seine Stelle, nachdem er realisierte, dass künstliche Befruchtung der falsche Weg ist, kinderlosen Ehepaaren zu helfen.

"Ich kann Ihnen nicht sagen wie sehr es mir in der Seele leid tut anderen Leuten geschadet zu haben" betonte Caruso gegenüber EWTN, dem katholischen Fernsehsender der USA. Der Reproduktionsmediziner war eine Kapazität auf seinem Gebiet, sein Anliegen unterschied sich nicht von dem seiner Kollegen, den sehnlichsten Wunsch vieler Paare zu erfüllen, Kinder bekommen zu können, damit sie glücklich werden. Mit Entsetzen stellte der Endokrinologe jedoch fest, daß er mit seiner Arbeit an der zunehmenden Objektivierung bzw. Vergegenständlichung von Kindern teilnimmt. Als Caruso seinen Kollegen dies offenbarte. erntete er dafür nur Hohn uns Spott. Trotz allem war der Arzt bestürzt, so viele Menschen in die Irre geführt zu haben. In einer Ehe opfert man sich für den anderen, so der Experte. Künstliche Befruchtung zerstört dieses Ideal, denn nun kann ein Mensch selbst bestimmen, wann und wie viele Kinder er haben will. Caruso zog seine Konsequenzen und kündigte seine Stelle.

EWTN News berichtete am 9. Juni 2011 auch über Michael Kamrava, der seine Lizenz als Arzt am 1. Juli 2011 verlieren wird. Kamrava assistierte im Januar 2009 Nadya Suleman und implantierte alle ihre durch künstliche Befruchtung erzeugten Embryonen in den Mutterleib. Die geborenen Achtlinge erregten damals das Aufsehen der Welt. Medizinethiker waren damals geschockt, als die Mutter im Januar 2009 in Los Angeles acht Babys auf die Welt brachte. Der Fertilisationsklinik im berühmten Beverly Hill stand daraufhin ein Gerichtsverfahren ins Haus. Die kalifornische Gesundheitsbehörde prüfte, ob der behandelnde Arzt Kamrava seine medizinische Fürsorgepflicht verletzt hat, da die künstliche Familienplanung normalerweise nur zwei oder drei Embryos für eine Einpflanzung vorsieht.

Die 33 jährige alleinerziehende Mutter hatte bereits 5 Kinder. Auch diese kamen durch künstliche Befruchtung auf die Welt. Die Mutter wollte, dass alle ihre durch In-Vitro-Fertilisation erzeugten Embryos eingepflanzt werden. Sie wollte nicht, dass die Ärzte selektieren, wer ihr Kind werden darf und wer nicht. Auch später, als sie erfuhr, daß sie acht Kinder bekommt, wollte sie nicht, dass eines ihrer Kinder abgetrieben wird. Schon immer hatte sie den Wunsch eine große Familie zu haben, verteidigte sich die werdende Mutter. Sie erachtete es als schmerzlicher, ein Kind durch eine Abtreibung zu verlieren, als alle acht zur Welt zu bringen. Die Achtlinge, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen und die alle überlebten, erregten großes Aufsehen in der Presse. Man redete von Kinderwahn anstatt Kinderwunsch. Unter die gleiche Kategorie zählte man 60- oder 70-jährige werdende Mütter, die Designer-Babys zur Welt bringen, oder Eltern, die ein Kind nur deshalb empfangen, weil sie einen Spender für ein anderes bereits vorhandenes krankes Kind brauchen. Künstliche Befruchtung macht es möglich, ein Geschwisterkind zu zeugen und auszuwählen, das sich als Zell- und Organspender eignet.

Dass die Mutter der Achtlinge ihre insgesamt 14 Kinder nur mit Hilfe staatlicher Unterstützung aufziehen konnte, hatte für heftige Empörung gesorgt. James Gifro, Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe der New Yorker Universität verteidigte sich damals. “Es sei nicht seine Aufgabe, Leuten zu sagen, wie viele Kinder sie bekommen dürfen. Er sei Arzt und nicht Polizist”.

Eigentlich hatte die Mutter der Achtlinge nur konsequent das getan, was die In-Vitro- Fertilisations-Technik bietet. Warum sollte man den Ärzten plötzlich ihre Approbation entziehen, wo sie doch ihren Lebensunterhalt mit diesem für sie tagtäglichem “Geschäft” verdienen? Die Öffentlichkeit war der Meinung man hätte die Mediziner verpflichten sollen, überzählige ungeborene Kinder abzutreiben. Der Wunsch der Mutter hätte in keinem Fall ausschlaggebend sein dürfen, da es ja letztendlich auch um das Wohl der einzelnen Babys ging. Die Ansicht, daß weniger Babys eine bessere vorgeburtliche Entwicklung durchlaufen, hätte der Mutter einleuchten müssen. Egal, ob es darüber Daten gibt oder nur Theorien. Man wollte die Gynäkologen nun regresspflichtig machen, damit sie und nicht die Steuerzahler für den Unterhalt der Achtlinge aufkommen. Darf ein Arzt einer Mutter ihr Recht auf Reproduktion verweigern? Handelt es sich um einen Skandal, heraufbeschworen von dem mitschuldigen medizinischen Personal?. Ist unsere Weltanschauung diesbezüglich gespalten und mißt man mit zweierlei Maß? Bisher schien es die Öffentlichkeit kaum zu interessieren, daß mit Steuergeldern ganz selbstverständlich Abtreibungen und humane embryonale Stammzellenforschung finanziert werden.

Ist der Elternwunsch entscheidend und bietet die Reproduktionsmedizin Eltern die technische Möglichkeit für Designerkinder und damit indirekt auch eine Rechtfertigung für eine Mutter, ihr Kind im Mutterschoß zu töten? Es scheint ein Dilemma zu sein, weil man entweder auf das Wohl der Kinder schaut, oder auf das Recht der Eltern. Medzinethiker waren besorgt um das Wohlergehen der acht Babys, man scheint aber nicht betroffen, wenn Embryos ausselektiert und entsorgt werden da ihre Augen blau anstatt braun sind (s. E.Breburda, Verheissungen der neuesten Biotechnologien, Christiana Verlag, 2010). 

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