Montag, 17. Oktober 2011

Unterrichte die Kinder im Glauben und im Katechismus



Our Lady of Good Help” ist der erste anerkannte Marienerscheinungsort der USA. Impressionen vor Ort von Edith Breburda


Green Bay (kath.net) Vor 152 Jahren erschien die Muttergottes in Wisconsin/USA. Erst letztes Jahr war der Ort offiziell als Erscheinungsort anerkannt worden, kath.net hatte berichtet. Bischof David Ricken von Green Bay feierte am vergangenen Sonntag, dem 9. Oktober 2011, das Hochamt mit den vielen Pilgern, die die ganze Nacht durchgebetet hatten. 
„Our Lady of Good Help“ ist eine kleine Kapelle sprichwörtlich in "the middle of nowhere", in einem kleinen Fleck im Staat Wisconsin, im Mittelwesten der USA, und ist doch etwas ganz Besonderes für die Katholiken Nordamerikas. Es handelt sich nämlich um den einzigen anerkannten Erscheinungsort des nördlichen Kontinents, an dem die Muttergottes erschienen ist. 
Der Erscheinungsort ist noch immer ein Insidertipp. Kein Tourismus, keine Hotels, keine Devotionalienläden, keine Gasthäuser. Nur eine kleine Straße, umzäunt von grasenden Kühen der Leistungsrasse „Holsteiner“. 
Viele Pilger pilgern von weit her zum Heiligtum, besonders, seit es seit Mitte dieses Sommers von Patres des Ordens "Father's of Mercy" betreut wird. Die Elf-Uhr-Messe ist auch werktags voll, man kann nur einen Platz ergattern, wenn man pünktlich ist. Während der Predigt kräht der Hahn von der Nachbarfarm, die schon fast zerfallen ist. Weihrauchgeruch vermischt sich mit würziger Landluft und manchmal kommt eine frische Brise vom Lake Michigan heraufgeweht.
Eindrücke, die sich dem Pilger im Oktober 2011 aufdrängen
Ein ungewöhnliches, fast himmlisches Sommerwetter herrscht und die Bäume auf der Peninsula färben sich rot. 26 km vom Bischofssitz Green Bay entfernt befindet sich die kleine Kapelle, die direkt über dem Erscheinungsort erbaut worden ist. Im ihrem Keller steht eine Statue von "Our Lady of Good Help". Auf dem Weg von der Kapelle zur Krypta sieht man ein paar Dutzend Krücken an der Wand.
Die Wisconsin Erscheinung wurde am 10. Dezember 2010 anerkannt. 
1859 erschien die Muttergottes der jungen Belgischen Einwanderin Adele Josephine Brise. Sie wollte eigentlich nicht mit den Eltern auswandern sondern in Belgien Ursulinin werden. Ihr Beichtvater riet ihr mit den Eltern mitzugehen, sie könne doch vielleicht in der Neuen Welt in ein Kloster eintreten. 
Um 1850 kamen viele Einwanderer aus Belgien. Sie besiedelten die waldreiche Halbinsel, die von Green Bay aus in den Michigansee hineinreicht. Der Staat Wisconsin wurde 1848 gegründet. Es war den Einreisenden nicht bekannt, dass der Wald, mit dem sie Geld machen wollten nicht viel wert war, weil die Bäume wegen des sehr rauen Klimas im Winter nicht sehr hoch waren. 
Adeles Eltern verließen Anfang Juni 1855 die Belgische Provinz Brabant. Sieben Wochen dauerte die Reise bis New York. Im August waren sie auf der Halbinsel von Wisconsin angekommen und kauften sich Land. 
Adele war durch einen Jugendunfall - sie kam in Kontakt mit Lauge - auf einem Auge blind und nur sehr dürftig gebildet. Sie war eine sehr gläubige junge Frau. 
Die Bevölkerung in dieser Region von Wisconsin wuchs 1840-1850 sehr schnell. Die kirchliche Betreung konnte nicht mithalten. Die Einwanderer waren auf der Halbinsel verstreut. Viele der Neuankömmlinge bauten sich Holzblockhütten, die ihnen jedoch keineswegs Schutz im Winter boten. Viele Familien erfroren in ihren Hütten gleich im ersten Winter nach ihrer Ankunft. Dazu kam die Asiatische Cholera, die die Leute hinwegraffte. 
Adele und ihre Familie mussten elf Meilen in die Kirche laufen, um den einzigen Priester der Halbinsel zu erreichen. Für viele Familien der Halbinsel schien ein geordnetes religiöses Leben unmöglich, so verlor so mancher der Einwanderer seinen Glauben. Vor allem den Kindern fehlte es an Bildungsmöglichkeiten. 
Eines Tages, im Oktober 1859 auf dem Weg zur Mühle, sah Adele eine weiss gekleidete Frau zwischen zwei Bäumen stehen. Adele erschrak, die Vision verschwand langsam. Als sie ihren Eltern von dem Gesehenen berichtete meinten diese es handle sich um eine arme Seele für die Adele beten solle. 
Am folgenden Sonntag, dem 9. Oktober, war Adele mit ihrer Schwester und einer Freundin auf dem Weg zur Hl. Messe. Auch diesmal sah sie die Erscheinung am gleichen Ort. Ihre Begleiterinnen sahen nichts. Adele offenbarte sich ihrem Beichtvater an, der sie ermutigte die Erscheinung im Namen Gottes zu fragen wer sie sei und was sie wolle. "...Ich bin die Königin des Himmels. Bete für die Sünder, dass sie sich bekehren, sonst kann ich die Strafen meines Sohnes nicht länger aufhalten. Versammle die Kinder in diesem wilden Land und unterrichte sie in ihrem Glauben und in allem, was sie für ihre Erlösung brauchen. Den Katechismus, wie sie das Kreuzzeichen zu machen haben und wie sie die Sakramente empfangen sollen. Das ist, was ich von Dir wünsche. Gehe und habe keine Angst, ich werde Dir helfen..." 
Adele blieb diesem Auftrag bis zu ihrem Tod im Jahr 1896 treu. 50 Meilen von ihrem Haus entfernt wanderte sie die Halbinsel auf und ab, um Kindern Religionsunterricht zu erteilen. Weder schlechtes Wetter noch sonst irgend eine Anstrengung scheute sie um von Hof zu Hof zu ziehen. Ein Priester schlug Adele vor, Geld zu sammeln um eine Schule und einen Konvent zu bauen, damit die Kinder zu ihr und sie nicht zu ihnen gehen muss. Dankbare Eltern schickten sehr bald ihre Kinder zu Sr. Adele wie sie sie nun nannten. 
Einige Frauen gesellten sich zu ihr und sie lebten nach den Regeln des Dritten Ordens des Hl. Franziskus. Schwester Adele selber ist sehr verkannt worden. Ihre eigenen Mitschwestern waren ihr oft nicht freundlich gesonnen, aber Adele ertrug alle Widerwärtigkeiten ohne zu klagen, mit viel Vertrauen und erstaunlicher Courage.
Der erste Bischof von Green Bay, Joseph Melcher, verbot den Pilgern die Kapelle zu besuchen. Er handelte aus Unwissenheit und weil er nicht richtig informiert worden war, schreiben die Chronisten. Er drohte Sr. Adele mit der Exkommunikation wenn sie weiterhin von der Erscheinung berichte. 
Einmal, als Adele mit ihren Schulkindern der Sonntagsmesse beiwohnte wurde sie nicht in die Kirchenbank gelassen und so kniete sie während der ganzen Messe im Mittelgang der Pfarrkirche. Bischof Melcher besann sich und suchte Adele mit zwei Ärzten auf, die ihren Geisteszustand überprüfen sollten. Die Pilger protestierten und so wollte der Bischof ihre Schule schliessen und verlangte den Schlüssel. Sr. Adele kaufte das Nachbar-Grundstück um notfalls dort eine Schule zu bauen. Dann übergab sie dem Bischof den Schlüssel. Ihre Bemerkung, der Bischof wäre nun verantwortlich für die Kinderseelen, bewirkte, dass Adele den Schlüssel zurückbekam. Der zweite Bischof von Green Bay, F. X. Krautbauer, besuchte unangemeldet die Kapelle. Adele erfuhr erst später davon und entschuldigte sich, dass ihr Pastor, der genauestens über die Erscheinung wußte, den Bischof nicht empfangen hatte. Adele fragt den Bischof, was sie sich habe zu schulden kommen lassen, dass die Kirche so abweisend gegenüber dem Erscheinungsort sei. Ob Adeles Anfrage die Meinung des Bischof's gegenüber dem Wallfahrtsort änderte, ist nicht bekannt. Zumindest kamen immer mehr Pilger und auch die Schule florierte. 
Die erste Kapelle über dem Erscheinungsort baute Adeles Vater. 1861 wurde eine steinerne Kapelle errichtet. Sie hatte die Aufschrift, "Notre Dame de Bon Secours, priez pour nous" was dem Ort den Namen gab „Unsere Liebe Frau der Guten Hilfe“. 
Der Ort wurde eine sehr beliebte Pilgerstätte und so wurde eine grössere Kapelle 1880 gebaut. 
Green Bay ist heutzutage bekannt durch seine Papierfabriken. Holzfäller schlugen grosse Schneisen in den Krüppelwald der Halbinsel. Das Holz fing am 8. Oktober 1871 Feuer und ein Brand vernichtete Siedlungen und Wälder. Fast 2000 Leute kamen in den Flammen ums Leben. Als der Feuersturm auf den Erscheinungsort zuraste weigerte sich Adele den Ort zu verlassen. Sie organisierte statt dessen eine Prozession der Pilger, die mit der Statue der Muttergottes rosenkranzbetend um die Kapelle gingen. Die Pilger, die Zuflucht gesucht hatten, ihr Vieh und der Erscheinungsort blieben unversehrt. Nur der Zaun des Wallfahrtsortes erlitt Feuerschaden. Ein kleiner Brunnen versorgte alle mit Wasser. 
Fast 4.900 Quadratkilometer Land wurden zerstört, es war der schlimmste Brand in der Geschichte der USA. Für die Leute war das das Wunder, das alle Zweifel an der Erscheinung endgültig ausräumte. Es dauerte nicht lange und über viele Wunder wurde berichtet, blinde Kinder sahen wieder, Verkrüppelte konnten wieder gehen. Gehörlose konnten wieder hören. Tuberkulosekranke Jugendliche wurden geheilt-alle während einer Wallfahrt zu "Our Lady of Good Help." Bischof Ricken von Green Bay zelebrierte die Hl. Messe am 152. Erscheinungs-Gedächtnistag, dem 9. Oktober 2011. 
In seiner Predigt ermunterte Bischof David Ricken von Green Bay die Gläubigen, fröhlich aber auch couragiert unsere Mitmenschen zu evangelisieren und die Kirche zu verteidigen. Die Muttergottes war und ist der größte Evangelist. 
Die Pilger sprachen von einer tiefen und innigen Feier und empfanden grossen Dank für alle die Gnaden, die die Mutter Gottes an diesem Ort austeilte. Dem Ort, an dem Die Königin des Himmels die Erde berührte.




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