Freitag, 16. Dezember 2011

Das Café-Baby


Fünf Prozent aller Kinder in den USA haben ihr Dasein einem Samenspender zu verdanken. Ein KATH.NET-Hintergrundbericht von Edith Breburda



New York (kath.net) Künstliche Befruchtung bei allen möglichen Tierarten gekonnt auszuüben, bereitet so manchem Tiermedizinstudenten Kopfzerbrechen und benötigt viel Fingerspitzengefühl. Künstliche Befruchtung ist jedoch schon lange nicht mehr eine rein veterinärmedizinische Angelegenheit. Frauen die ohne Partner ein Kind wollen, wenden sich meist an Samenbanken, "Sperm-Agency's" (Samen-Agenturen), oder suchen im Internet. Spender für Samenbanken im Alter zwischen 21 und 39 haben einen Vertrag und spenden für etwa zwei Jahre ihren Samen.

Samen-Agenturen rekrutieren ihre Spender über das Internet, sie lassen ihn wissen, zu welchem Zeitpunkt er seinen Samen bereitstellen muss. Die Versendung erfolgt über einen Kurierdienst damit Anonymität gewahrt bleibt. 5% aller Kinder in USA haben ihr Dasein einem Samenspender zu verdanken –allerdings wissen sie meist nichts über Ihren Vater, der die Rechte auf seine Vaterschaft abgegeben hat. In den USA werden nur die nötigsten Daten des Samenspenders festgehalten wie Blutgruppe, Hautfarbe und eine geforderte Gesundheitsinformation. "Wir haben mehr Regeln, um einen Gebrauchtwagen zu kaufen als eine Samenspende zu erwerben", bemerkte Debora L. Spar, Präsidentin der Barnard Colleges und Autorin des Artikels "The Baby Business: How Money, Science and Politics Drive the Commerce of Conception", neulich gegenüber der New York Times. Da es keine Information über die Väter gibt, sondern eventuell nur seine „Kennzeichen-Nummer“, gründeten im Jahr 2000 Wendy Kramer und ihr Sohn Ryan, sowie weitere Kinder von Donor[Spender]-Vätern, das "Donor Sibling Registry." 8894 Halbgeschwister fanden bereits zueinander. Registriert sind 34560 Mitglieder. Die Webseite wird täglich von Tausenden besucht. Der Focus der Organisation will Ei-, Samen- und Embryospender ausfindig machen. Anrufe werden getätigt, vor allem vor Weihnachten, damit Geldspender gefunden werden um die Samenspenderfindung zu finanzieren. Beth Gardner und Partnerin Nicole suchen schon seit langem einen Samenspender, berichten sie einem Reporter der U.S. Zeitung Newsweek vom Oktober 2011 in der Rubrik Gesundheit und Fruchtbarkeit (Health-Fertility). Zuerst wendeten sie sich an die üblichen Samenbanken, wo man Spender mit allem nur vorstellbaren Hintergrund finden kann: adelig, intellektuell... einfach alles.Nur der Preis für die Angelegenheit war den beiden Frauen zu hoch. Außerdem war der Vater anonym. Sie wollten, daß ihre Kinder später die Möglichkeit hätten etwas über ihren Vater zu erfahren. Ein paar Mausklicks und die Suchenden befanden sich im "Internetuntergrund", der aus einem Mischmasch von Anzeigen und nur für Mitglieder von Webseiten bestand, die alle das gleiche Ziel hatten: Samenspender anzupreisen. Die meisten Spender behaupten, sie hätten keine Erbkrankheiten und seien gesund. Auch verzichten sie auf ihre Elternrechte. Im Unterschied zu ihren offiziellen Konkurrenten wollten sie kein Geld für ihre Spende und gaben ihre Identität preis. Ihre Kinder könnten sie so später kontaktieren. Einige Männer gaben unverblümt zu, damit ihren Genpool verbreiten zu wollen.Beth und ihre Lebenspartnerin, die in der Nähe von San Diego wohnen, wägten die Spender sorgsam ab. "Viele waren sehr gebildet", erklärt die 35 jährige Beth. Wie so viele Frauen die sich in Ihrer Situation befinden zogen sie die künstliche Befruchtung, im Gegensatz zu der auch angebotenen natürlichen Befruchtung, vor. Beth und Nicole versuchten alles so zu arrangieren, dass man sich in einem Café traf. Der Donor [Spender] verschwand in der Herrentoilette, um danach sein kleines Latex-Gefäß den beiden Frauen zu übergeben. Danach saß man noch zu einer Tasse Café beieinander. Schwanger wurden die Frauen diesmal nicht. Sie versuchten es weiter mit einer "Free Donor Registry Website", die so ähnlich wie eine Partnerschaftsvermittlungs-Agentur funktioniert und sehr verbraucherfreundlich ist, behauptet Beth. Die Agentur verfügt über 400 Spender und hat bis jetzt zwölf Schwangerschaften erzielt. Frische Samenzellen, kostenfrei erhältlich, können nun, dank der modernen Reproduktionsmedizin, weltweit versendet werden. Frauen, egal in welchem Stand, können jederzeit (anonym) schwanger werden, ohne dem Vater jemals begegnet zu sein. Viele Frauen sind der Meinung, dass ihr Kind seinen Vater kennen sollte. Spermienbanken verweigern jedoch die Preisgabe der Identität der Väter. Somit sind Webseiten usw. für dieses Geschäft beliebter. Die Annahme, dass nur Lesben, die sich ein Kind wünschen, diesen Weg der Reproduktion gehen, ist falsch. Geschiedene, Alleinstehende, die eine Abtreibung hinter sich haben oder Karrierefrauen, die nun im reiferen Alter ein Kind wollen, aber auch Ehepaare die natürlicherweise kein Kind bekommen, sind unter den Usern ausfindig zu machen. „Wendy“ identifizierte sich auf einer Webseite als Ehefrau. Ihr Mann ist zeugungsunfähig. Er suchte zusammen mit Wendy ein Kind. Allerdings sollte es durch künstliche Befruchtung erzeugt werden. Das fühle sich eher als sein eigenes Kind an, gibt der Ehemann zu bedenken. Ray, der seinen wahren Namen nicht preisgibt und 2009 seine eigene Donor-Webseite gründete, behauptet, der natürliche Weg sei erfolgreicher. Er selber habe bereits zwei Kinder über "one-night stands" gezeugt.Mütter geben an, nur das Beste für ihr Kind zu wollen, der beste Vater soll es sein, wenn sie sich ihren Traum vom Kind erfüllen. Ein Mann behauptete, er habe einen überdurchschnittlich hohen IQ, berichteten Beth und Nicole. Er wolle den Frauen helfen, hochintelligente Kinder zu bekommen und damit die Gesellschaft zu verändern. Und doch waren U.S. Amerikaner entsetzt, als im September 2011 darüber berichtet wurde, dass ein Vater durch seinen Samen 150 Kindern das Leben ermöglicht hatte. Mediziner warnen, weil sich seltene Erbkrankheiten auf solche Weise schneller ausbreiten sowie Halbgeschwister unwissentlich untereinander heiraten könnten. In den Niederlanden wurde bereits folgender Fall bekannt: ein Mann litt unter dem Asperger's Syndrome (eine milde Form von Autismus), verschwieg seine Krankheit und wurde mittels Samenspende Vater von 22 Kindern. Samenspendern und Banken wird oft Geldgier vorgeworfen.U.S. College-Schüler können im Jahr bis zu $12.000 durch ihre Samenspende verdienen. Viele Kinder in Schulen der USA sind Donorkinder. Internetseiten sind gefüllt mit Berichten von unglücklichen Kindern, die ihre Geschichte der Welt kundtun. Sie sind frustriert, verängstigt und deprimiert. Jeder könnte ihr Vater sein. Sie fühlen sich halb adoptiert. "Das ganze System ist schwer geschädigt", sagt Wendy, Gründerin des "Donor Sibling Registry" die auf ihre Weise hilft, Halbgeschwister ausfindig zu machen.


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