Freitag, 13. Januar 2012

Wird Selbstmord salonfähig?


Wird Selbstmord salonfähig?

Seit wann ist es ein Menschenrecht, jemanden zu erlauben mir eine tödliche Spritze zu geben?"


Von Dr. Edith Breburda 
Madison (kath.net) Zwei Eheleute erschossen sich, es handelte sich um Selbstmord. Der bekannte amerikanischer Rundfunkjournalist Bill Heywood (75) wollte nicht weiterleben ohne seine Frau Susan (70), die an einer tödlichen Herzerkrankung litt. Andere schwererkrankte Menschen sind aus verschiedenen Gründen nicht fähig, ihren Selbstmord ohne Hilfe Dritter durchzuführen. Doch die Übergänge vom Selbstmord über aktive Sterbehilfe auf Patientenwunsch bis zur mehr oder weniger freiwilligen Euthanasie sind fließend.
In Kanada wurde im Dezember 2011 eine Umfrage über diese Themen durchgeführt. 1.160 Kanadier ab 18 Jahre wurden am 13. Dezember 2011 nach ihrer Meinung befragt, ob Ärzte ihren Patienten die "Todesspritze" verabreichen dürfen. 67 Prozent befürworteten einen ärztlich assistierten Selbstmord. 21 Prozent waren dagegen und 12 Prozent unentschieden (T. Blackwell, National Post, Ontario, Dez. 29, 2011). Befürworter und Gegner sind der Meinung, dass das Ergebnis einer Umfrage nicht ausschlaggebend sein sollte, um Gesetze zu ändern. Lorne Bozinoff, Vorsitzender der Umfrage "Forum Research", interpretierte, dass Kanadier sich dem Trend anderer Länder, wie z.B. der Schweiz, wo der begleitete Freitod gang und gebe sei, anschließen wollen.
Dem widerspricht Alex Schadenberg, Direktor der Euthanasie Prävention. "Die Frage ist nicht, ob Kanadier Euthanasie und Sterbehilfe legalisiert haben wollen, sondern was sie wirklich wollen." Schadenberg beruft sich auf eine andere Umfrage (Environics poll) von LifeCanada von 2010. In dieser hatten sich nur 21 Prozent der Kanadier für eine Sterbehilfe ausgesprochen. 47 Prozent befürchten, dass alte, behinderte, kranke, verwirrte Leute ohne ihre Einwilligung euthanasiert werden könnten, da dieses bereits in anderen Ländern passiere. 66 Prozent in dieser Umfrage hoffen auf eine Verbesserung der Palliativpflege. 76 Prozent machen sich Sorgen, dass alte Leute unter Druck gesetzt werden könnten, ihren eigenen Tod durch Sterbehilfe anzustreben. Schadenberger fügt hinzu: Eigentlich wollten sie, „dass wir uns besser um sie kümmern".
Russell Ogden von der Farewell Foundation, einer Pro-Euthanasie-Organisation, argumentierte gegenüber der Nationalen Post Nachrichten-Agentur, dass Kanada assistierten Suizid legalisieren sollte. Dabei bezeichnete er das "Recht auf Selbstmord als ein Menschenrecht. Er berief sich auf Schwerkranke, die vor Gericht gegangen seien und für das Recht kämpften, euthanasiert zu werden. Sue Rodriguez war so ein Fall, der vor 20 Jahren behandelt worden war. Sie fragte damals, "Wem gehört mein Leben?" Viele Kanadier antworten, es gehöre mir selber. So einfach ist das für Russel Ogden.
Schadenberg kann Euthanasie nicht als Menschenrecht anerkennen. "Es geht eher darum, ob ein Arzt das Recht hat, den Tod seiner Patienten bewusst durch eine Injektion herbeizuführen, oder am Ableben seiner Patienten aktiv beteiligt zu sein". Schadenberg fragt: "Seit wann ist es ein Menschenrecht, jemanden zu erlauben mir eine tödliche Spritze zu geben?"
Über den gemeinsamen Selbstmord des Scottsdaler Ehepaares waren jedenfalls viele, und nicht nur die Freunde von Bill und Susan Heywood, entsetzt. Bill war ein beliebter und berühmter Radiosprecher. Seit 35 Jahren war er überglücklich mit Susan verheiratet. Freunde beschrieben das Paar als "Siamesische Zwillinge" da sie immer zusammen waren. Gray Edens, ein Freund von Bill, wusste um die schwere Herzkrankheit von Susan. Wenn er danach fragte, wich der sonst so leutselige Bill der Antwort aus. Auch finanzielle Schwierigkeiten, die das Paar hatte, waren bekannt. Am 6. Januar 2012 berichtete die Polizei von Scottsdale gegenüber "Arizona Republik", dass das Ehepaar seine Beerdigung arrangiert und Anweisungen an die Familie und Freunde hinterlegt habe. Bill oder Susan legte eine Notiz vor die Zimmertür, auf der stand, dass sich zwei Selbstmörder in dem Raum befänden. Diesen Zettel fand das Zimmermädchen am nächsten Tag. Zwei Pistolen wurden neben den leblosen Körpern gefunden. Es sei ziemlich klar, dass alles geplant worden war betonte der Polizeibeamte.
Bill und Susan hatten am Valentinstag 1977 geheiratet. 2009 verloren sie ihr Haus und zogen in eine kleine Wohnung in Phoenix. Susans Gesundheitszustand belastete Bill immer mehr. Er brauchte seine Frau, ohne sie konnte er nicht leben, sagten Freunde. Aber auch Bill wusste das und so schien es nur eine Lösung zu geben.
So undurchsichtig die Geschichte auch zu sein scheint, muss man doch wissen, dass viele Amerikaner, vor allem sogenannte Snowbirds, die den Winter in den wärmeren Staaten verbringen, von ihren eigenen Kindern allein gelassen werden. Es ist nicht selten, dass Ehepaare ihre Kinder seit 20 Jahren nicht mehr gesehen haben. Schadenberg's Analyse, dass man sich besser um die alten Mitmenschen kümmern, sollte ist so gesehen nicht falsch. 

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