Montag, 8. Oktober 2012

Hautzellen für Wunschkinder, Kontrazeptiva gegen unerwünschte Kinder


Dr. Edith Breburda

"Die freie Ausgabe von Kontrazeptiva trägt dazu bei Abtreibungen zu verhindern", berichtet eine US-Studie vom 4. Oktober 2012. In St. Louis hatten 9.000 arme, nicht versicherte Frauen und Teenager freien Zugang zu sämtlichen Verhütungsmitteln die auf dem Markt sind. "Da der Preis keine Rolle spielte entschieden sich viele für die teuerste Art der Verhütung, die Hunderte von Dollars kostet aber auch die sicherste ist," schreibt Lauran Neergaard am 6. Oktober für die Asoociated Press.
"Diese Frauen hatten am wenigsten unerwünschte Schwangerschaften" berichtet Dr. Jeffery Peipert aus Washington. "Vor allem Teenager profitierten davon. Nur 6,3 von 1000 wurden schwanger. Im Vergleich dazu lag die  Geburtenrate im Jahr 2010 bei Teenagern bei 34 von Tausend." sagt Dr. Peipert. "Auch die Abtreibungen verringerten sich. Nur eine einzige Abtreibung sei verzeichnet worden von Frauen die Zugang zu freien Verhütungsmittel hatten," berichtet Dr. Peipert's Team in der Fachzeitschrift Journal Obstetrics and Gynecology. "Die Studie kam genau zur richtigen Zeit, weil sie bestätigt wie vorteilhaft das neue Gesundheitsgesetz ist", schlußfolgert der Experte.
 "Unsere Gesellschaft möchte die Rate der ungewollten Schwangerschaften und Abtreibungen verringern. Diese Studie habe ergeben, dass der Zugang zu freien Verhütungsmittel hilft dieses Ziel zu verwirklichen," erklärt Alina Slaganicoff, Direktorin der Women's Health Policy der Kaiser Family Fundation. Das neue Gesundheitsgesetz der USA verlangt die freie Ausgabe von Kontrazeptiva an Frauen die eine Arbeitsplatz haben und somit versichert sind.
Kritisiert wurde die Studie nicht und so sieht sich Jeanne Monahan von der Konservativen Familien Beratungsstelle veranlaßt zu beanstanden, dass die Ausgabe derartiger Mittel das sexuelle Verhalten risikofreudiger machen. "Die Autoren der Studie reden von den teuren Verhütungsmitteln, die alleinige Sicherheit bieten. Das bedeutet, dass  es zu mehr Schwangerschaften kommen kann, wenn man zur weniger wirksamen billigen Pille greift."
Ist die Studie wirklich aussagekräftig? Sie wurde an armen Ungesicherten durchgeführt. Das neue Gesundheitsgesetz hingegen können nur arbeitende, und somit krankenversicherte Frauen in Anspruch nehmen. In den USA ist die Krankenversicherung immer an eine Arbeitsstelle gekoppelt.
Reproduktive Dienste wie In-Vitro-Fertilisation werden in den USA nicht von den Krankenkassen gedeckt und nicht kostenfrei angeboten. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck daran  die Fruchtbarkeit vom Sexualtrieb zu entkoppeln. In Japan ist es gelungen Mäuse-Hautzellen so zu manipulieren, dass diese wieder zu Eizellen werden. Eingepflanzt in eine Leihmutter entstanden so Mäuse-Babys. Man bediente sich der induzierten pluripotenten Methode, für die der Japaner Shinya Yamanaka  aus Kyoto/San Francisco, 2012 den Nobelpreis für Medizin erhält.
Forscher entnahmen den Kern einer Hautzelle und drehten den Entwicklungsvorgang zurück. Die ausdifferenzierte Hautzelle wurde reprogrammiert. Hautzellen sind ausgereift und diploid. Man kann sagen, die Zeituhr im Zellkern einer Hautzelle wird einfach zurückgesetzt. Allerdings ist man nicht in der Lage soweit zurück zu gehen, dass die Zellen wieder haploid werden, d.h. so haploid wie der Kern einer Ei- und Samenzelle. Wissenschaftler der Kyoto Universität in Japan berichteten am Donnerstag dem 4. Oktober 2012 im Science Magazin online über das Mäuse-Experiment. Sie reprogrammierten Hautzellen von Mäusen bis zu dem Stadium, wo sie embryonalen Zellen ähnlich sind. D.h. den Zellen die man einem Embryo am 5. Tag seiner Entwicklung entnimmt und ihn dabei abtötet. Da man aber nicht weiss wie man derartige Zellen, die man entweder  einem Embryo entnimmt oder zurück programmiert, wieder  neu entwickelt, d.h. differenziert, bedient man sich eines Tricks. Die Wissenschaftler von Kyoto vermischten diese reprogrammierten Zellen mit Mäuse-Eierstockzellen und implantierten dieses Gemisch in den Eierstock von Mäusen. Nach 4 Wochen entnahmen sie dieses Gemisch wieder und hatten so unreife Eizellen gewonnen. Diese liess man im Labor nachreifen, mit Samenzellen von Mäusen befruchten und in ein surrogates Muttertier einpflanzen. 3 Mäuse-Babys wurden so gewonnen. Diese wiederum wurden normal befruchtet und warfen dementsprechend Jungtiere.
Ein derartiges Verfahren macht man sich generell zunutze um pluripotente  embryonale oder induzierte Stammzellen zu differenzieren. D.h. vereinfacht gesagt, wenn man z.B. eine Nierenzelle haben will, implantiert man  humane embryonale Stammzellen in die Niere einer Maus und läßt das umgebende Organ die Arbeit tun (siehe auch Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Kindel E-Books).  
Dr. Katsuhiko Hayashi, ein Mitarbeiter der japanischen Studie räumt ein, dass das Verfahren viel zu mühselig und ineffizient ist um bei Menschen angewendet zu er werden.
Von der Maus zum Menschen ist ein langer Weg. Man weiss, dass Verfahren die erfolgreich bei der Maus wirken nicht beim Menschen arbeiten. Oder dort gerade das Gegenteil bewirken (Promises of New Biotechnolgoies, ISBN, Ean13 0615548288 / 9780615548289).
"Das Ganze bleibt wahrscheinlich nur eine Vision der Technik", sagt Dr. Hayashi. "Die biologischen Unterschiede werden wir nie überwinden. Auch wenn wir als Ausgansmaterial Hautzellen nehmen und diese zurück programmieren, müssen wir generell mehr darüber wissen wie Eizellen gebildet werden und das ist immer noch ein Mysterium".
Die Schwierigkeiten sind so groß, dass viele Wissenschaftler daran zweifeln sie jemals  überwinden zu können. Andere sind wiederum optimistischer, oder  utopischer? Man spekuliert, dass man auf diese Weise Millionen von Frauen zum eigenen Kind verhelfen könnte. Der biologischen Uhr der Frau, wie auch ihrer Unfruchtbarkeit könnte man damit entgegenwirken. Technische wie auch ethische Gründe lassen allerdings daran zweifeln, dass  derartige Verfahren in der nahen Zukunft realisiert werden.
Dr. Greely, Juraprofessor in Standford glaubt, dass wir in 20 bis 40 Jahren soweit sind. "Ehepaare die bestimmte Eigenschaften in ihren Kindern haben wollen müssen  sich nicht mehr der gefahrvollen Prozedur der eigenen Eizellgewinnung unterziehen, sondern nehmen lieber eine Hautzelle. In der Zukunft werden so Eizellen gewonnen und auf genetische Defekte analysiert. So wird man viel besser wählen können, welches Kind man sich einpflanzen läßt. Auch erwünschte Eigenschaften wie blaue Augen oder sportliche Talente könnten ausgewählt werden".
Debra Mathews vom John Hopkins Berman Bioethischen Institut bezweifelt , dass jemals ein Markt für derartige Verfahren vorzufinden sein wird. "Und die Menschen werden auch nicht aufhören Geschlechtsverkehr zu haben. Ich würde die Sicherheit der Methode in Frage stellen," gibt Lawrence Goldstein, Direktor des Stammzellforschungs-Programms der Universität von Kalifornien in San Diego zu bedenken. "Es sieht aus als würden wir an solchen Kindern herumexperimentieren."

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