Freitag, 1. März 2013

Testosteron und die Pille danach


Dr. Edith Breburda

Das Männer-Hormon Testosteron wird oft mit ungezügelter Gewalt in Zusammenhang gebracht. Gerade jetzt wird viel  über Vergewaltigung und die Pille danach diskutiert. Wird die Zudringlichkeit der Männer durch ein Hormon gesteuert? Das "Handbook of Crime Correlates" untersucht, ob Testosteron und Kriminalität zusammenhängen. Oscar Pistroius wurde plötzlich zum Paradebeispiel des Mythos um Testosteron. Der Titel der Münchner Abendzeitung lautete: "Schoss Pistorius im Testosteron-Wahn?" Zu diesem Zeitpunkt wusste man noch nicht, welchen Inhalt die Ampullen enthielten, die man bei Pistorius fand.
In der Tiermedizin redet man von Hengstmanieren und kastriert ein Tier, um es umgänglicher zu machen. Oft nimmt man dafür in Kauf, wertvolles Genmaterial zu verlieren. Besonders erfolgreiche Pferde werden deshalb für Unmengen von Geld geklont.
Dass männliche Vögel während der Paarungszeit aggressiver werden, haben Verhaltensforscher als "Challenge-Hypothese" bezeichnet.
Wissenschaftler meinen, Männer werden zunehmend aggressiver, wenn ihre Testosteron Werte signifikant erhöht sind. US-Verteidiger plädieren bei sexuellen Gewalttätern mit hohen Testosteronwerten auf mildernde Umstände.
Karin Kneissel, eine führende Nahostexpertin, betitelte ihre letztes Buch: "Testosteron macht Politik".
Die Autorin beobachtete, dass sexueller Frust Männer in den Aufstand treibt. Als Beispiel gibt sie den Arabischen Frühling an. Bei der Revolution auf dem Tahrir-Platz in Kairo waren auffällig wenig Frauen anwesend.
Kneissel ist der Meinung: "...das hat weniger mit den Moralvorstellungen als vielmehr mit sexuellem Frust zu tun. Strengere Moralvorschriften als noch vor 30 Jahren verwehren unverheirateten jungen Menschen in Ägypten jeglichen sexuellen Kontakt. Die sexuelle Frustration bei jungen Männern treibt den Umsturz voran", schreibt sie.
So sieht Kneissel auch mit zunehmender Besorgnis die Zunahme von Männern in China infolge der Einkindpolitik. "Männer weisen fast zehnmal soviel Testosteron auf als Frauen, und das führt zu einer größeren Risiko- und Aggressionsbereitschaft", erklärt sie in ihrem Buch.
Wissenschaftler streiten, ob diese These wahr oder falsch ist.
 "Der Nachteil vieler Studien ist, dass sie lediglich den Testosteronspiegel der Probanden mit deren Verhalten vergleichen. Denn Testosteron beinflusst nicht nur das Verhalten, sondern auch den Hormonspiegel", erläutert Dr. Matthias Wibral vom Zentrum für  Neurowissenschaften der Universität Bonn.
Eine interessante Frage stellt Michael van den Heuvel in seinem Artikel: "Testosteron: Der Aggro-Mythos"(erschienen im DocCheck vom 25.2.2013): Können Hormone  zum Mörder machen? Wir assoziieren Oscar Pistorius mit Spitzensport, Mord und Doping.
Kann der durch Testosteron-Einnahme auftretende Hemmschwellverlust toleriert werden? Und fallen nicht auch Hemmschwellen, wenn eine Vergewaltigung durch die Einnahme der Pille danach keine weiteren Folgen für den Vergewaltiger mit sich bringen? Jeder Samenspender muss fürchten, dass er herangezogen wird, Alimente zu zahlen.
Verharmlosen wir die Vergewaltigung, wenn wir sagen, ein Schwangerschaft entsteht erst, wenn der Embryo sich am 7.-9. Tag nach der Empfängnis in der Gebärmutter einnistet.
Einige reden sogar fälschlicherweise von einem "Präembryo-Status", in dem sich der Mensch in seiner Embryonalentwicklung vor der Nidation befindet. Ohne uns bewusst zu sein, dass es sich bei einem "Präembryo" im eigentlichen Sinne des Wortes um eine befruchtete Eizelle handelt. Vertuschen wir damit biologische Fakten?  - dass neues Leben mit der Befruchtung entsteht.
Hormonpräparate, welche -nebenbei gesagt- horrende Nebenwirkungen haben, sind auf einem zweifachen Wirkprinzip aufgebaut. Einmal beeinflussen sie die Aktivität der Eierstöcke und danach die Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung des Embryos. Wenn der Eisprung trotz allem stattfindet, kann sich der Embryo nicht einnisten. Die Pille danach kann somit eine frühabtreibende Wirkung haben.  

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