Montag, 24. März 2014

Kein Wasser - keine Ernte - keine Jobs

Umweltschutz versus Landwirtschaft in Kalifornien/USA
Dr. Edith Breburda

Mit der Erfindung von genetisch manipulierten Feldfrüchten wollte man die Welternährung sichern; Ungeziefer den Garaus machen und damit die Ernteerträge steigern. Doch wie sieht es in Wirklichkeit mit den GMO's aus? Waren die Ziele zu hoch gesteckt und revangiert sich nun die Umwelt?
Moderne Biotechnologien stecken immer noch in den Kinderschuhen und doch stehen wir vor noch größeren Problemen, als vor der Zeit der genetischen Manipulationen.
Einen kleinen Wurm, den Corn Rootwurm, wollte das Agrarbusiness vernichten, indem der Bazillus Thuringensis (BT) in die Maispflanzen eingebaut wurde. Inzwischen wurde der Wurm jedoch gegen das Gift, welches der Bazillus freisetzt, resistent. Darüber berichtet eine Studie in der Fachzeitung Proceedings of the National Academy of Science vom 17. März 2014. Den Ratschlag, den die Experten liefern ist, man hätte BT-Mais neben herkömmlichen Maissorten anbauen sollen, um derartige Resistenzen zu verhindern. 
Ist so ein Ratschlag überhaupt realistisch in einem Land, wie den Vereinigten Staaten von Amerika? Pflanzen-Diversität und der Vorrat von Saatgut ist zwar der Grundstein für eine Zivilisation. In vielen Ländern werden heute jedoch Landwirte gezwungen, patentierte GMO-Pflanzensorten zu kaufen. Auch dürfen sie kein eigenes Saatgut verwenden. Dabei besteht die Gefahr, dass Sorten durch Krankheiten verloren gehen und andere Sorten nicht mehr zur Verfügung stehen. In den Vereinigten Staaten sind 90% der Pflanzen genverändert. Genmais der ersten Generation ist seit 1995 auf dem Markt. 2013 wurde in den USA auf einer Gesamtfläche von 70 Millionen Hektar genmanipuliertes Saatgut ausgebracht. Deutschland hat eine Staatsfläche von 35 Millionen Hektar.
Die Gentechnik förderte, auch in den USA, großflächige Monokulturen. 
Überall wird die gleiche Maissorte angebaut, egal, ob es sich um ein trockenes oder feuchtes Gebiet handelt. Viele der ursprünglichen landwirtschaftlichen Sorten, die an die Umwelt angepasst waren, sind nicht mehr vorhanden. Moderne Pflanzen, die als Monokulturen angebaut wurden, haben das verursacht. Große Agrarmonopol-Firmen verkaufen patentierte genmanipulierte Mais-, Soja-, Raps-, und Baumwollsamen. Selbst In Indien, einem Land, berühmt für seine Baumwolle, werden 95 Prozent der Baumwolle von der US-Biotechnik-Firma Monsanto kontrolliert, mit dem Ergebnis, dass bereits 250.000 Bauern in Indien Selbstmord begangen haben und damit die Zukunft ihre Kinder vollends zerstörten.
Jedoch nicht einmal Wissenschaftler, wie der französische Genforscher Professor Gilles-Eric Séralini, der 2012 in einem wissenschaftlichen Journal Rattentumorfotos mit der dazugehörigen Schockstudie: <<Genmais macht Krebs>>, publizierte, konnte sich gegen die GMO's durchsetzen. Auch die Feststellung von Prof. Séralini, dass Pestizide viel giftiger sind, als von den Herstellern deklariert wird, ließ am  "Erfolg der GMO's" keine Zweifel aufkommen.
Die Furcht, dass genetisch variierte Kulturpflanzen letztendlich zu einer Hungersnot führen können, ist durchaus gerechtfertigt. 
Mais ist zum Beispiel eine Pflanze, die in sehr trockenen Gebieten wächst. Später gab es Sorten, die genau dem jeweiligen Klima der Region angepaßt waren. Es gab Maissorten für arme Böden in trockenen Gegenden und in feuchteren Landstrichen. Bauern benutzten ihr eigenes Saatgut. Es gab Fruchtfolgen und Zwischenfrüchte, wie Leguminosen. Diese sicherten den Stickstoffgehalt im Boden. Jedes Jahr wurde die Anbaufrucht gewechselt. Doch all das existiert heute nicht mehr.
Der britische Thronfolger Prinz Charles hat vor der durch genmanipulierte Lebensmittel verursachten größten Umweltkatastrophe aller Zeiten gewarnt. Mit dem Anbau genetisch veränderter Pflanzen sei ein gigantisches Experiment mit der Natur und der gesamten Menschheit gestartet worden, das schon jetzt z.B. in Nordindien und Westaustralien den Wasserhaushalt stark gefährdet. (Globale Chemisierung, vernichten wir uns selbst, vernichten wir uns selbst, ISBN-10: 0615926657, ISBN-13: 978-0615926650).

Am 20. März 2014 publizierten die Environmental Research Letters, dass die zunehmende Erwärmung durch den Klima-Wandel vor allem den Haupt-Feldfrüchten schadet. Mais, Sojabohnen und Weizen sind besonders anfällig für hohe Temperaturen und der Ernteverlust könnte bis zum Ende des Jahrhunderts  bis zu 52% betragen.
Im Frühjahr 2014 klagen Amerikaner, dass sie mehr Geld für ihr Frühstück ausgeben müssen, weil Kaffee, Orangensaft und Bacon teurer geworden sind. Bauern schlachteten ihre Schweine, weil sie wegen Trockenheit kein Futter mehr hatten.
Dazu kommt der porcine epidemic diarrhea Schweinevirus, der im Winter 2013 die Wildschweine der USA befallen hat. Man befürchtet, dass die Durchfallkrankheit auch die Hausschweine infizieren und ein Ferkelsterben von 80-100% bewirken könnte. Die Kaffeepreise steigen, bedingt durch eine Dürre in Süd-Brasilien, dem größten Kaffeeanbaugebiet der Welt. Das sogenannte Citrus-greening, ausgelöst durch eine Milbe, zerstört Orangenplantagen in Florida (Rothwell S. Prices spike for breakfast food. The Arizona Republic, 22.3.2014). 
Schon heute wird über eine Wasserknappheit in Kalifornien berichtet. Mit Kalifornien assoziiert man Hollywood oder Silicon Valley. <<Einen Platz wo alles grüner, wärmer, feuchter und wilder ist>>, singt Katy Perry aus Santa Barbara in ihrem Lied <<California Gurls>>. Kaum einer denkt an Kalifornien als das Land, welches die Hälfte aller Früchte und Gemüsearten in den USA produziert. 98% der Mandeln, Pistazien und Walnüsse wachsen in dem US-Bundesstaat des früheren Gouverneurs Arnold Schwarzenegger. 1/3 der Milch liefert Kalifornien. Die Lebensmittelkette "Trader Joe" (ALDI), bezieht seinen Wein aus Kalifornien.
Für Kaliforniens Politiker steht der Tierschutz über der Landwirtschaft. Die Lebensmittelproduktion leidet darunter. Bisher war es nur die Trockenheit, die den Bauern zusetzte. Mark Watt, ein Rinder-Farmer der dritten Generation, ist überzeugt, dass die Wasserknappheit, unter der die Farmer in Kalifornien leiden, menschenverursacht ist. Umweltschützer existieren für ihn nicht. "Viele von denen kümmern sich nicht um die Natur, das sind alles nur Querulanten." Neulich sprach er mit einem Kongress- Abgeordneten und dieser eröffnete ihm, er wolle 1,3 Millionen Acres Farmland in Sumpfgebiete umwandeln. Und nächstes Jahr sollen die Bauern noch mehr Land verlieren, Es handle sich angeblich um Maßnahmen, die dem fallenden Grundwasserspiegel entgegenwirken sollen, so der Abgeordnete. Melonen, Broccoli, 72 Millionen Salatköpfe, Paprika und Krautköpfe müssen schon jetzt aus Mexiko importiert werden. Bauern im Central Valley lassen bereits ihr Land wegen Wassermangel brach liegen. Ausgenommen davon sind ihre Mandelbäume. Sie zahlen viel Geld, um ihre Bäume halten zu können. Vor ein paar Jahren kostete es 40 Dollars, um einen Acre Land zu bewässern. Heute ist der Preise auf 1.300 Dollars gestiegen. Bauern graben tiefe Brunnen, wobei jede einzelne Bohrung bis zu 1 Million Dollars kostet. Die Brunnen versiegen jedoch nach 5 Jahren. Daneben ist das Grundwasser oft zu salzig, um Feldfrüchte damit zu bewässern. Farmer im Osten des Central Valleys haben noch genug Wasser in den Brunnen, fangen aber auch schon an tiefer zu bohren. Mark Watt ist besorgt, nicht mehr zu verändernde Umwelt-Schäden anzurichten, wenn er seinen Brunnen leer-geschöpft hat. "Wenn das Wasser verbraucht ist kann es nicht mehr erneuert werden", gibt er zu bedenken. Politiker machen den Klimawandel und die Trockenheit dafür verantwortlich, dass die Bauern kein Wasser mehr haben. Selbst im Jahr 2006, als es viel regnete und schneite, erhielten sie nur 45% des benötigten Wassers zur Bewässerung. Die Administration verkündete, sie müsse Fische, wie den 7 cm langen Delta-Smelt, den Steelhead Fisch oder Chinook Lachs, schützen. 1992 wurde bereits  das Central-Valley Projekt gestartet, wonach riesige Wasserflächen den Fischen überlassen werden sollen. Dieses neue Gesetz induzierte eine regelrechte Schlammschlacht zwischen Farmern und Umweltschützern. 1994 verlangten Umweltschützer Wasser aus dem Firant-Damm zu entnehmen, um die lang verschwundene Fischerei in einem ausgetrockneten Arm des San Joaquin Flusses wiederzubeleben. 
Senatorin Dianne Feinstein unterstütze das Vorhaben, obwohl sie erst der Meinung war, dass so ein Vorhaben verheerende Folgen für 10.000 Farmer haben würde. Es handelte sich um den Kaltwasser Lachs, der das letzte Mal 1940 in diesem Gebiet gesehen wurde. Diese Fische brauchen besonders viel Wasser. Mark Watt behauptet, es ginge den Umweltschützern letztendlich gar nicht um den Fisch. Sie wollen nur das Wasser. In den letzten Jahren wurden den Farmern 400.000 Acres entzogen, um zu testen, wie sich der Lachs einleben würde. Wasser wird für alles Mögliche verbraucht, nur nicht für die Landwirtschaft. In den letzten 7 Jahren bestimmten Regulierungen, dass Unmengen von Süßwasser in das Meer abflossen, damit der 7 cm lange Smelt-Fisch nicht in den Wasserpumpen der Bauern landet. "Das ist die größte Sorge der Umweltschützer". Umweltschützer waren überzeugt, bei der Errichtung eines Dammes den Holunder-Käfer schützen zu müssen. Als der Damm dann fertig war, bestand das U.S. Army Corps of Engineers and Fish and Wildlife darauf, wegen der Flora und Fauna verschiedene Areale zu überfluten. Als diese Gebiete dann begutachtet wurden, fand man Eulen, die dort nisteten. Die Eulen wurden daraufhin vor dem Überfluten der Flächen in ein anderes Gebiet evakuiert. Dass die Eulen von alleine wegflogen und nach der "Flut" wieder zu ihren Plätzen zurück kamen, störte dabei keinen, bemerkt Mark Watt. "Die Umweltschützer sind sehr belastend für uns Farmer. Man übersieht dabei, dass die Bauern des Zentralen Tales von Kalifornien Pioniere sind, Wasser zu erhalten, um die Produktivität des Landes zu steigern." Jedes Jahr kommen Farmer aus der ganzen Welt nach Tulare zur Landwirtschafts-Ausstellung. Mr. Watt hat auf seinem Hof GPS-gesteuerte Traktoren, die selber fahren. Maschinen, welche Pistazien von den Bäumen schütteln und diese auffangen, noch ehe sie zu Boden fallen. Selbst die Bewässerung ist sehr effizient, weil Laserstrahlen benutzt werden, um das Land einzuebnen. Umweltschützer bezeichnen die Überflutung von Ackerland, die auch die Bodenentsalzung fördert, als Wasserverschwendung.
"Was machen wir, wenn unsere Kuhställe leer sind, weil wir die Tiere nicht mehr füttern können? Die Arbeitslosenzahl steigt und Eiscreme wie Häagen-Dazs wird es keine mehr geben. Früher fand man auf Plakaten in Kalifornien: <<Food grows where water Flows>> Heute kann man sagen: <<No Water = No Jobs>>".
Abgeordnete besuchen die Region, selbst der US-Präsident kam und versprach 135 Millionen Dollars Entschädigung für die Farmer. Kurze Zeit später kam der erhoffte Regen, doch um den Smelt Fisch zu schützen, wurde auch diesmal Süßwasser, das für die Bewässerung von 95.000 Acres ausgereicht hätte, in den Ozean entlassen (Finley A. The weekend interview with Mark Watt, How the other California Lives, The Wall Street Journal, March 8-9, 2014). 

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