Montag, 20. April 2015

Kinder, Nein Danke


 Dr. Edith Breburda

Im April 2015 hatte ein Artikel in der New York Times den Titel No Kids for Me, Thanks. Kinderlosigkeit ist ein zunehmender Trend. Soziologen führen das auf die Ichbezogenheit zurück. „Das ich-ich-ich, rund um die Uhr, wird uns schon in die Wiege gelegt. Eigentlich sollten wir diese Einstellung, spätestens nach dem Kleinkindalter, verlieren“, bemerkt Patti Maguire in ihrem Blog (1).
Die heutige Generation geht zu sehr in den weltlichen Anforderungen auf. Kaum einer hat mehr Interesse daran, Kinder zu bekommen. „Ich werde niemals eine gute Mutter sein“ behauptet eine Frau. Ein anderer erklärt: „Meine Gene möchte ich keinem anderen wünschen.“

 Sich selber als mangelhaft, ja fast unwürdig zu beschreiben, um Kinder zu bekommen, hat nichts mit einer demütigen Einstellung zu tun. Es zeigt eher, dass wir uns mit unserer von Gott gegebenen Rolle: „Seid fruchtbar und mehret Euch“, nicht mehr identifizieren.
Die New York Times bezieht sich auf das Buch: Selfish, Shallow and Self-Absorbed: Sixteen Writers on the Decision Not to Have Kids. Einer der Autoren des Buches erinnert sich an Kinder, die sein Tennisspiel störten, währenddessen die Mutter das einfach tolerierte. Diese Episode diente als Beweis dafür, dass: „Kinder und Eltern die Priorität haben, das zu tun, was immer sie wollen. Ob andere dabei belästigt werden, spielt keine Rolle.“ Vielleicht handelten die Eltern zu nachsichtig und eventuell hatten sich die Kinder schlecht benommen, nur deswegen kann man doch nicht alle Kinder über einen Kamm scheren und behaupten, sie zu verabscheuen. Soll es nur noch Erwachsene auf dieser Welt geben, um dem  egozentrischen Verhalten einiger Genüge zu tun?
Eine von fünf Frauen in den USA bekommt nie in ihrem Leben Kinder, berichten Wissenschaftler in einer Studie des Pew Research Centers. 1970 war es eine von zehn Frauen, die ohne Nachwuchs blieb. Das alles ereignet sich in einer Zeit, in der die moderne Biomedizin in der Lage ist, unfruchtbaren und alten Frauen dazu zu verhelfen, biotechnologisch designte Kinder zu bekommen.
Für einige Menschen, die sich eigentlich noch reproduzieren könnten, zählen Kinder dennoch zu den unbequemen Dingen im Leben. Die Vereinigung, Ausstieg aus der Zeugung, hat mittlerweile viele Anhänger. Es handle sich dabei einfach nur um die andere große Wahl, die Frauen in ihrem Leben treffen können. Eine Tagung, wie Frauen, die ihr Erbe neu definieren, (Redefining Feminine Legacy) und kinderfrei glücklich werden können, findet im Oktober 2015 in Cleveland statt.
Auf der Agenda des ersten NotMom Gipfels stehen Themen wie: Empfängnisverhütung, Probleme am Arbeitsplatz, Haustiere, Reisen, Gesundheit und die lästigen Beziehungen mit verschiedenen Mitmenschen. Auf der Redefining Feminine Legacy Webseite kann man weiterhin lesen, wie Frauen ihr Erbe weitergeben können, damit es lange anhält (2).
Aber haben unsere weltlichen Errungenschaften einen langanhaltenden Wert? Vergeht unser Ruhm nicht oft, sobald wir gestorben sind. Eventuell werden unsere Taten noch in Geschichtsbüchern festgehalten. So gesehen, können wir nur unsere Kinder in den Himmel mitnehmen.
Vielleicht ist die Gesellschaft an dieser Einstellung nicht ganz unschuldig. Sexualkundelehrer realisieren zunehmend, dass sie jungen Menschen zu viel Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft gemacht haben. Grundschüler wissen, wie man Sex ohne Nachwuchs haben kann. Es wird hingegen fast immer schwieriger für junge Paare, ein Baby zu bekommen. Neben Umweltfaktoren, die nicht ganz unschuldig an einer zunehmend zu verzeichnenden Unfruchtbarkeit sind, muss das junge Paar erst einmal umdenken lernen. Sie hören immer wieder, unter allen Umständen ein Kind zu vermeiden. In Dänemark wurde der Lehrplan für die Sex-Aufklärung bereits umgestellt. Jetzt erklärt man den Teenagern, wie man schwanger wird. „Für viele Jahre haben wir nur über geschützten Sex gesprochen. Wir wollten verhindern, dass Teenager schwanger werden. Nun sehen wir, dass Frauen keine Kinder mehr haben wollen. So müssen wir umdenken, um die Geburtenrate wieder anzuheben. Wir sind nicht das einzige Land, das über den demographischen Wandel klagt“, erläutert Marianne Lomholt, Direktorin des dänischen Sexualaufklärungs-Programmes (3).
Lord Winston Hammersmith, einer der renommiertesten In-Vitro-Fertilisation Pioniere, reiste im März 2013 durch Neu Seeland, um Teenager in den Schulen über die Gefahren der Unfruchtbarkeit aufzuklären. Sein Rat, sie sollen nicht zu lange damit warten, Kinder zu bekommen, lautete: „Ich möchte Leute darauf aufmerksam machen, dass die Fruchtbarkeit sehr schnell bei Frauen abnimmt, je älter sie werden. Das liegt einfach in der Biologie der Frau. Die Gesellschaft muss kinderreiche Familien unterstützen. Es handle sich hierbei um einen ganzheitlichen Ansatz, der uns viel besser dient, als Eizellen einzufrieren oder aufwändige In-Vitro-Fertilisationen durchzuführen.“ Die Welt fühlt sich sehr schnell zu irgendwelchen Neuheiten, die Scheinlösungen versprechen, hingezogen. Vielleicht ist uns besser gedient, wenn wir zurück zu den Wurzeln gehen. So wird in stabilen Familien-Verhältnissen ein effizienter Weg gesehen, Kinder erfolgreich zu erziehen. „Die In-Vitro-Fertilisation hat eigentlich nur falsche Hoffnungen geweckt. Seine Erfolgsrate ist extrem niedrig.“ Als man Lord Winston fragte, was er davon hält, dass Wissenschaftler GOTT spielen und Embryonen genetisch modifizieren, warnte er vor dieser sehr gefährlichen Technik. „Um Krankheiten zu vermeiden, sollte man lieber darauf achten, was die Mutter während einer Schwangerschaft konsumiert. Wir müssen die Umwelt in der Gebärmutter ändern. Eine gute Gesundheitsversorgung der Mutter spielt da eine sehr wichtige Rolle (4).“


Sind Frauen ohne Kinder wirklich glücklich? Aber warum nehmen kinderlose Paare oft Hunde als eine Art Kinderersatz an? Eine Studie des US-Science Magazin's erklärte die Interaktionen einer Mutter mit ihrem Baby durch Hormone. Wie Wissenschaftler herausfanden, beruht die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind auf dem Hormon Oxytocin. Takefumi Kikusui, ein Tierverhaltensforscher von der Universität von Azabu, in Sagamihara, Japan, ist daran interessiert, warum Oxytocin Vertrauen, Muttergefühle und Nächstenliebe hervorbringt. „Wenn eine Mutter ihrem Kind in die Augen schaut, steigt sowohl ihr, als auch der Oxytocin-Gehalt des Kindes an. Dieser Mechanismus bewirkt, dass das Kind die Blicke der Mutter erwidert, was die Hormonwerte weiterhin erhöht. Dieses sich steigernde Feedback ist gedacht, um die emotionalen Bindung zwischen Mutter und Kind zu verfestigen, in einer Zeit, wo sich das Kind nicht anders ausdrücken kann.“
Kikusui, der seit 15 Jahren Hundebesitzer ist, fragte sich nun, ob derselbe Mechanismus auch auf Hunde zutrifft.
Eine Studie, an der 30 Hunde und ihre Besitzer teilnahmen, bestätigte diese Theorie. Wenn sich Hunde und ihre Besitzer in die Augen schauten, verzeichneten die Hunde einen Anstieg von 130% des Hormons, während bei ihren Besitzern 300% mehr Oxytocin gemessen wurden. Die Studie lässt vermuten, dass eine Beziehung zwischen einem Menschen und seinem Hund die gleiche Oxytocin Kaskade in Gang setzt, die normalerweise zwischen einer Mutter und ihrem Baby stattfindet. Dieser Vorgang mag eine Rolle gespielt haben, um Hunde zu domestizieren. „Auch wenn wir Hunde oft als unsere Babies ansehen, heißt das noch lange nicht, dass sie uns umgekehrt als ihre Mütter betrachten“, erläuterte Jessica Oliva, eine Doktorandin der Monash Universität aus Melbourne in Australien (5). Die Studie erklärt zumindest, wieso es dem Hund gelungen ist, unser engster Begleiter zu werden. Muttergefühle sind demnach in jeder Frau vorhanden, nur manchmal setzen wir sie anders ein, als von der Natur her vorgesehen.

Veröffentlicht im Christlichen Forum am 27. April 2015

[1] Maguire P.: New York Times: No Kids for me, Thanks. Society, Aleteia 17. April 2015
[2] The NotMom.com, Celebrating women without children by choice or by chance. http://thenotmom.com/the-not-mom-summit-2015/
[3] Roberts S.: The New Sex Ed: Have babies before it’s too late! Society, Aleteia, 16. April 2015
[4] Roberts S.: Fertility treatment pioneer calls for caution. Demography is Destiny. MercatorNet.com, 13 März 2014
[5] Grimm D.: How dogs stole our hearts. Science 16. April 2015

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