Donnerstag, 6. August 2015

Werden Steuerzahler entmündigt, wenn es um Pränataltests und Planned Parenthood geht?



Dr. Edith Breburda

Veröffentlicht Christliches Forum und Journalistenwatch 7/8. August 2015

Pränataltests, wie der PraenaTest®, sollen Frauen die Sorge nehmen, ein behindertes Kind zu bekommen. Er sei für das Ungeborene ungefährlich, erläutert die Hompage des Anbieters LifeDocexx. Der Pränatalmediziner Hagemann sagt über die Tests: "Sie bieten nur  begrenzte Informationen und können nur etwas über die genetischen Dispositionen aussagen, aber nichts über eine Bewertung des ganzen Kindes und seiner Lebensqualität."
Ab der vollendeten neunten Schwangerschaftswoche bietet der PraenaTest® an: Trisomie 21(Down Syndrom), 18 und 13, das Klinefelter, Turner, Triple X und das XYY-Syndrom bei einem ungeborenen Kind sowie auch auf Wunsch das Geschlecht des Kindes festzustellen. Der Tagesspiegel schreibt 2014, dass nur 1 von 12 Kindern mit Trisomie 18 oder 13 das erste Lebensjahr überlebt. Aber ein Todesurteil muss das noch lange nicht sein. Eine der gelisteten Krankheiten zu haben ist nicht gleichbedeutend mit einem frühen Tod. 97 Prozent der Familien mit einem behinderten Kind sind glücklich und dankbar, dass es Teil ihres Leben ist.
Es bleibt dahingestellt, ob der Test Sorgen nimmt, oder eher Ängste schürt. Viele Frauen sind hilflos, wenn sie erfahren, dass ihr Kind behindert ist. Der PraenaTest® hat eine hohe Sensitivität und Spezifität, nur kann er auch falsch positiv sein, da er nur freie Chromosomenaberrationen erfasst und keine Mosaike oder strukturellen Aberrationen wie Translokationen. Fällt der Test positiv aus, folgt eine invasive Untersuchung mit all den Risiken und psychischen Belastungen für die Schwangere. Bei der Fruchtwasseruntersuchung oder Probennahme vom Mutterkuchen liegt das Risiko, das Kind zu verlieren bei 0.5 bis 2 Prozent. Die Hemmschwelle, einen Bluttest durchzuführen, sei niedriger, schreibt die Pharmazeutische Zeitung online Nr. 12/2014. Somit ist die Untersuchung dennoch gefährlich für das Kind, denn wird eine der Krankheiten diagnostiziert, wird es abgetrieben, obwohl es ein langes und erfülltes Leben führen könnte (siehe hierzu auch: Reproduktive Freiheit, free for what?, ISBN-10: 0692447261, ISBN-13: 978-0692447260) (1).
Demzufolge selektiert der Test. Im allgemeinen werden Screeningverfahren (wie z.B. Brustkrebsfrüherkennung) nur dann angewendet, um bei den Betroffenen durch eine Therapie bessere Heilungschancen in Aussicht stellen zu können. Das Gen-Ethische Netzwerk sprach sich bereits am 26. März 2009, aus Anlass der Unterzeichnung der UN-Behindertenkonferenz durch die Bundesregierung Deutschlands, gegen die Selektion durch Pränataldiagnostik aus. „Logik und Praxis der vorgeburtlichen Diagnostik widersprechen nicht nur dem darin formulierten Ziel der Inklusion, sondern verstärken darüber hinaus die Diskriminierung und den Ausschluss von Menschen mit Beeinträchtigungen. Die gezielte Suche nach Hinweisen auf eine spätere Behinderung des Kindes ist Ausdruck eines abwertenden Blickes auf Menschen, die mit solchen Behinderungen leben und dient der vorgeburtlichen Selektion (2).
Viele Behinderungen entstehen durch Unfälle oder degenerative Erkrankungen, somit wird das Töten von Ungeborenen nicht dazu beitragen, eine Welt ohne Behinderungen zu erzielen. Aber dadurch, dass wir Behinderungen schon von Anfang an als Makel ansehen, den es zu entfernen gilt, wird sich auch der Umgang mit diesen Behinderten verändern. Hier schließt sich meiner Meinung nach auch der Kreis um das Thema Sterbehilfe,“ schreibt der Autor des Blogs, Neuro?Logisch!, aus dem Leben eines jungen Assistenzarztes (3).

Der Gemeinsame Bundesauschuss, das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland, überlegt, den PraenaTest® als eine Regelleistung der Krankenkassen zu übernehmen. Für viele, wie auch den Blogautor, ist es unverständlich, dass Kassenbeiträge dazu benutzt werden um Behinderte zu selektieren. Man solle sich lieber um das Wohl der Familien kümmern. Gegner des Testes argumentieren schon lange, dass wir mit derartigen Praktiken den Weg zum Designerbaby ebnen. So gesehen könnte wir bald in einer Gesellschaft leben, in der nur die mittels Gentechnik künstlich entstandenen Babies ein Recht auf Leben haben (4).

Gerade jetzt, wo in den USA der Organverkauf von abgetriebenen Babies heftigst diskutiert wird, sehen einige extreme Feministinnen nichts Falsches darin, Ungeborene so zu zerstückeln, damit die bestmöglichste Qualität ihrer Organe am profitbringendsten an die Forschung verkauft werden kann. Eine Autorin der Zeitung Slate bemerkte dazu: „Die graphischen Darstellungen der abgetriebenen Kinder waren wohl gedacht, um uns abzuschrecken. Wir sollten überzeugt werden wie grausam und barbarisch diese Art des Tötens ist. Aber ich sehe nicht den Tod in diesen Videos. Das was ich sehe ist Hoffnung.“
Ruth Marcuse die Kolumnistin der Washington Post, schreibt hingegen: „Wenn dich das Schlachthof-Fachsimpeln, welches das Center for Medical Progress in seinen Videos zeigt, nicht bestürzt, musst du dich fragen, ob etwas mit dir nicht stimmt.“
Am 5.8.2015 schreibt J. Goldberg in einem Artikel für das Wisconsin State Journal folgendes (5):
„Es ist ein guter Anfang, wenn wir uns eingestehen, dass uns das Video über die Praktiken von Planned Parenthood betroffen macht. Die Abtreibungslobby ist so euphorisch über die Vorteile einer Abtreibung, dass die bittere Realität vertuscht wird. Wenn eine Frau ihr Kind behalten will, ist es ein Baby. Aber wenn sie es nicht bekommen will, handelt es sich nur um einen Gebärmutterinhalt. Routinemäßig sprechen die Medien von „Gewebe“, anstatt von „Organen“. Auch wenn das medizinisch gesehen zwei verschiedene Dinge sind. Wenn man nun über Organe wie Herz, Lunge, Gehirn usw. redet, wissen wir, dass es sich um einen menschlichen Körper handelt und nicht um „Gebärmutter-Inhalte“. Wenn wir verschiedene Wörter gebrauchen, um ein und das selbe zu beschreiben, ändern wir nichts an der Sachlage. Sonst würden wir Wissenschaft mit Magie verwechseln. Wenn wir entsetzt sind über das, was wir in dem Video sehen, könnte uns das veranlassen, Abtreibung in einem anderen Licht zu sehen. In der heutigen Gesellschaft möchte man keine Fotos über Dinge sehen, die uns zu nahe treten. An erster Stelle kommen die Gefühle. So muss man sich daran erinnern, dass Empfindungen eine Rolle spielen. Thomas Jefferson schrieb einmal: <<Einen Mann zu zwingen, die Verbreitung von Ideen zu finanzieren, an die er nicht glaubt, und die er verabscheut, ist sündig und tyrannisch>>.
Wenn Leute wirklich nicht merken, dass ein Baby, das Arme und Beine, ein Gesicht und ein Gehirn hat, ein menschliches Wesen ist, das geschützt werden oder zumindest etwas mehr Respekt verdienen sollte, werden sie wahrscheinlich nie verstehen, was eine Abtreibung ist. Sie sollten jedoch ihren Mitmenschen einräumen, das anders zu betrachten. So gesehen sollte man auch keinen zwingen mit seinen Steuergeldern Abtreibungen zu finanzieren. Wir würden sofort kritisieren, wenn staatliche Mittel an Einrichtungen gegeben werden, die gleichgeschlechtliche Ehen diskriminieren. Deswegen sollte man anstreben, die staatliche Finanzierung für Planned Parenthood einzustellen (6)“.

Literatur:

  1. E.Breburda: Reproduktive Freiheit, free for what? Scivias Verlag, Juni 2015
  2.   http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/GID/223/dokumentation/pr%C3%A4nataldiagnostik-untergr%C3%A4bt-inklusionhttp:
  3. http://news.doccheck.com/de/blog/post/2773-praenatest-ein-sicherer-test-nur-fuer-die-schwangere/
  4. PraenaTest: Ein sicherer Test nur für die Schwangere, DocCheckNews, 6.8.2015
  5. Jonah Goldberg: Why Planned Parenthood should be defunded. Wisconsin State Journal, 5.8.2015
  6. http://host.madison.com/news/opinion/column/guest/jonah-goldberg-why-planned-parenthood-should-be-defunded/article_b0d2aa16-019c-5981-99bf-080d2630b388.html

1 Kommentar:

  1. In Deutschland werden alle Steuerzahler, gleich welchen Glaubens oder nichtglaubens, dazu heran gezogen, mit ihren Steuern die grossen, christlichen Kirchen mit zu finanzieren, weil der Einfluss der Kirchenhierarchien es geschafft hat, von Anfang an, die Trennung von Staat und Kirche zu verhindern.
    Wenn Andersgläubige das hinnehmen müssen, werden noch so christliche Christen hinnehmen müssen, dass Steuergelder auch für reproduktive Medizin im Gesundheitswesen eingesetzt werden.

    Die Alternative wäre eine sofortige und völlige Trennung von Staat und Kirche, was den kirchlichen Hierarchien den Verlust von vielen Milliarden an Steuergeldern bedeuten würde.

    Wollen Sie das wirklich? Nein? Dann beklagen Sie sich bitte nicht, dass die Behandlungen von Frauen im Gesundheitswesen auch aus Ihren Steuergeldern finanziert werden.

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