Samstag, 12. Dezember 2015

In Memoriam, Univ.-Prof. Dr. agr., Dr. habil. Prof. h.c. Dr. h.c. Josef Eduard Breburda

Biographie von Univ.-Prof. Dr. agr., Dr. habil. Prof. h.c. Dr. h.c. Josef Eduard Breburda
07.10.1931-28.11.2015
15.11.2015


Josef Eduard Breburda wurde am 07.10.1931 in Karwin, Oberschlesien nahe Moravská Ostrava, geboren. Seine Vorfahren lebten in Prag, Tschechien. Als Erstgeborener eines Schulrektors verlebte er eine glückliche Kindheit in der milden Landschaft rund um den Hirschberger See in Böhmen. Viele Stunden verbrachte er mit seinem Vater auf dem Hochstand oder beim Pilze sammeln.
1938 bei der Eingliederung der seit über 800 Jahren überwiegend von Deutschen besiedelten Grenzgebiete im Westen, Norden und Süden der Tschechoslowakei in das Deutsche Reich, kam sein Onkel als katholischer Bürgermeister in das KZ Dachau. Auch sein Vater, der nicht der NSDAP angehörte, geriet in Schwierigkeiten. Er sollte sich von seiner polnischen Frau scheiden lassen. Wegen dieser unerfreulichen Situation meldete sich sein Vater zum Militär und leistete seinen Kriegsdienst zunächst in Russland und später in Frankreich ab. Als die Amerikaner ihre Offensive im Mai 1945 in Metz /Frankreich starteten, ergab er sich als Oberleutnant mit seiner Truppe von 120 Mann und geriet bis 1947 in Gefangenschaft.
1945 entkam Josef nur knapp einer Verschleppung nach Sibirien, als er von einem schon fahrenden russischen LKW absprang.
Seine Familie wurde nicht vertrieben und durfte bei Verwandten in Schlesien bleiben. Deutsch wurde von nun an nicht mehr gesprochen. Josef besuchte das tschechische Gymnasium. Nach der Schule arbeitete Josef im Gastbetrieb seiner Tante, in der Landwirtschaft und im Bergwerk, um seine Mutter und Geschwister zu unterstützen. Er wurde zum Vaterersatz für die jüngeren Geschwister.
Im Oktober 1948 erhielt er die Genehmigung der amerikanischen Botschaft in Prag nach Westdeutschland umzusiedeln. Als Flüchtling verließ er die damals schon kommunistische Tschechoslowakei.
Nach drei Monaten beschloss er das Bischöfliche Gymnasium in Viernheim, Hessen wieder zu verlassen. Er begann eine Lehre als Landwirtschaftsgeselle. Drei Jahre später war er als staatlich geprüfter Landwirt unter den wenigen, die für das Studium der Agrarwissenschaften zugelassen wurden. Sein Studium finanzierte er sich selbst in verschiedenen Jobs – auch in der Brauerei und als Bauarbeiter.

Nach seiner Promotion 1958 bei Prof. Dr. Ing. H. Kuron, Institut für Bodenkunde und Bodenerhaltung, arbeitete Dr. Josef Breburda bis 1964 als Wissenschaftlicher Assistent am Institut für kontinentale Agrar- und Wirtschaftsforschung (Osteuropa-Institut) der Universität Gießen. 1959/60 forschte er als erster Austauschwissenschaftler der Bundesrepublik Deutschland ein Jahr in der Sowjetunion (Universität Moskau).
1965 habilitierte er sich an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Justus Liebig Universität Giessen und wurde 1967 Professor für Bodenkunde und Bodenerhaltung. 1972 bis 1979 und 1985 bis 1990 war er Geschäftsführender Direktor des Zentrums für kontinentale Agrar- und Wirtschaftsforschung der Justus Liebig Universität Giessen, 1972 und 1973 Dekan des Fachbereichs „Umweltsicherung“ sowie 1976 und 1977 Dekan des Fachbereichs „Angewandte Biologie und Umweltsicherung“ der Universität Giessen, 1985 und 1986  Geschäftsführender Direktor des Instituts für Bodenkunde und Bodenerhaltung der Universität Giessen, 1993 bis 1995 Geschäftsführender Direktor des „Tropeninstituts“ der JLU - und 1989 bis 1999 Partnerschaftsbeauftragter der Universitäten Gießen und Kazan/Russland.
Prof. Dr. Breburda veröffentlichte 200 wissenschaftliche Publikationen in deutschen und internationalen Fachzeitschriften sowie sieben Monographien und 23 Bücher. Er betreute 20 Dissertationen und zahlreiche Diplomarbeiten, hielt Vorlesungen und Seminare über Quartärgeologie und Bodenkartierung, Bodenerosion und Bodenerhaltung, über die Bodengeographie Eurasiens, Bodenversalzung und Desertifikation, Bodennutzung in Trockengebieten. Er leitete bodenkundliche Forschungsprojekte in Nordafrika, Zentralasien, Sibirien, China und Indien, die von der EU, der Max- Planck-Gesellschaft und Bundesministerien finanziert wurden. Prof. Breburda organisierte und leitete 20 wissenschaftliche Exkursionen mit jeweils 40 Studenten und Wissenschaftlichen Mitarbeitern nach Osteuropa, in alle Teile der damaligen Sowjetunion und in die VR China.
1987 wurde Prof. Breburda in Nanking/China zum Ehrenprofessor (Prof.h.c.) der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (Academia Sinica) ernannt.
1998 erhielt er von Bundespräsident Herzog das Bundesverdienstkreuz und 1999 in Kazan/Russland vom Rektor der Universität die Ernennungsurkunde zum Dr. h. c..
Giessener Anzeiger, 12,.12.2015



Er war Mitglied des "Collegium Carolinum", eine wissenschaftliche Vereinigung der Universitätsprofessoren, die ursprünglich aus Böhmen und Mähren kam . "

1969 - erhielt er als Gastprofessor der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften einen Forschungsaufenthalt am Institut für Bodenverbesserung in Prag-Zbraslav und war 2001-2002 Gastprofessor am Department für Bodenkunde der Universität von Wisconsin in Madison/ USA.  

Neben Lateinkenntnissen, sprach er Russisch, Tschechisch, Slowakisch, Polnisch, Kroatisch, Englisch und Französisch.
Seine Studenten nannten ihn den „hl. Josef“, wobei er in der Stadt als „fliegender Professor“ bekannt war.
Im Oktober 1961 heiratete er die approbierte Apothekerin Hildegard Scheid, Tochter einer
Gutsbesitzerfamilie bei Straubing/Bayern, in St. Peter in München. Sein Schulkamerad aus Böhmisch Leipa, Pater Angelus Graf Waldstein, OSB, zelebrierte die Hochzeitsmesse.
Prof. Dr. Josef Eduard Breburda lebte seit 2001 bis zu seinem Tode am 28. November 2015 bei seinem Sohn, Univ.-Prof. Dr.med. Christian Breburda, und seiner Tochter, Dr. med. vet. Edith Breburda, in den USA. Er war ein beliebter Wissenschaftler, liebevoller Ehemann und Vater. 
Giessener Allgemeine Zeitung, Dez. 2015

(Seine Biographie- Vom Heimatboden vertrieben zum Weltbodenforscher, Kindle Ebook  ).
 

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