Freitag, 8. Januar 2016

Ärztliche Sterbehilfe widerspricht der Rolle des Arztes, als Heiler.

Dr. Edith Breburda

Christliches Forum, 20. Februar 2016
Wird 2016 Sterbehilfe in der gesamten USA legalisiert? In Amerika wird darüber heftig diskutiert. Anstoß dazu gab die Legalisierung im Bundestaat Kalifornien.

Viele Organisationen, untere ihnen die Gesellschaf für Behinderte, Pro-Life und andere Glaubensgemeinschaften sprechen sich gegen ein „Recht zu Sterben“ aus.

Am einflussreichsten ist die Amerikanische Medizinische Gesellschaft (AMA), die gegen Euthanasie und Abtreibung sind.
Ein derartiges Handeln hat schwerwiegende Folgen auf die Gesellschaft und widerspricht der Rolle des Arztes, als Heiler.
Vom 7.-9. Januar 2016 veranstaltete die Amerikanische Medizinische Gesellschaft in Tucson, Arizona, eine Tagung in der Gesetzgeber mit führenden Ärzten der USA über Strategien und Innovationen in der Medizin berichteten. Das Thema war, die heutigen Interessen in die Realität von Morgen umzusetzen.  Die Amerikanische Medizinische Gesellschaft betont vor allem den Schutz des Arzt-Patienten Verhältnisses.
Hauptsprecher war der Standford Bestsellerautor und Infektiologe Prof. Dr. Abraham Verghese.
Er hob die längst vergessene Rolle des Arztes als Heiler hervor. Heute im Zeitalter der Bigdata verliert man den Blick auf den Patienten. Während sich früher der Arzt, seine Kollegen und Studenten am Krankenbett versammelten und Smalldata registrierten, trifft man sich heute im Konferenzraum.
Ein Kinderarzt, der in die Amerikanische Gesellschaft für Pädiater aufgenommen werden will, muss 8 kleine Patienten in der Stunde sehen. Im Durchschnitt darf der Kranke nur 14 Sekunden über seine Beschwerden reden, bis er vom Arzt unterbrochen wird. Für eine richtige Anamnese ist keine Zeit.
Patienten müssen sofort allerlei Tests, inklusive CT, Roentgen durchlaufen, bevor man sie manuell untersucht. Vielleicht leidet der Kranke nur an Windpocken, aber das sieht man erst, nachdem die Testresultate vorliegen, wobei man es mit einem Blick diagnostizieren hätte können. Viele Mediziner sind sich nicht mehr bewusst, dass der Patient auch einen Rücken hat. Einfache Anamnese Geräte, wie z.B. ein Reflexhammer, hat heute kein Arzt mehr in der Kitteltasche. In der Abrechnung erscheint jedoch, dass alle Reflexe geprüft wurden.
In einem hyperdigitalen computerisierten Zeitalter vergisst man, dem Patienten seine Aufmerksamkeit zu schenken. Der Durchschnittsarzt verbringt seinen Tag mit 4000 Computerklicks. Er kämpft sich durch elektronische Daten und sieht den Patienten fast überhaupt nicht mehr. Ein Computerscreen lenkt ihn ab und ist nicht selten schuld an einer Fehldiagnose. 
Für einen Patient ist es nicht wichtig, wie viel Titel der Arzt erworben hat, sondern wie mitfühlend und geübt er mit ihm interagiert. Das Geheimnis, welches einen guten Arzt ausmacht, ist, wie sehr er sich seiner Patienten annimmt. Früher, als die Medizin längst noch nicht so fortgeschritten war, sah man Ärzte als Helden der Menschheit an. Obwohl man kaum Krankheiten heilen konnte, gaben sie dem Patienten Hoffnung. Man war nicht mehr machtlos gegenüber einem Gebrechen, weil der Arzt als Heiler auftrat. Man fühlte sich dem Arzt verbunden und hatte eine besondere Beziehung zu ihm. Seine Tätigkeit wurde zu einem Ritual, die einen transformierte und zur Heilung beitrug. Der Patient wurde akzeptiert und ernstgenommen. Auch wenn der Arzt nicht viel mehr machte, als eine ordentliche Anamnese durchzuführen, und dem Patienten zuhörte. Gerade Geschichten geben uns Anleitungen für das Leben.
Das 1887 entstandene Gemälde „The Doctor“ (The Tate, Britain) von Sir Luke Fildes zeigt uns recht beeindruckend den idealen, hingebungsvollen guten Arzt der damaligen Zeit.  


Die zentrale Figur ist der sich konzentrierende Arzt, der seine Blicke auf den kleinen Patienten richtet, der sein Krankenlager auf Stühlen errichtet hat. Im Hintergrund steht der hilflose Vater, der seine Hand auf die Schulter seiner betenden Frau legt. Das Britische Medizinische Journal schreibt 1892 über das Gemälde. „Das Bild zeigt den typischen Arzt. Einen ehrlichen Gentleman, der sein Bestes tut, um unser Leiden zu erleichtern. 
Eine ganze Bibliothek voller Bücher würde nicht reichen, den Berufsethos des Arztes besser zu beschreiben. Durch Mr. Fildes sehen wir den Arzt als einen hingebungsvollen, vertrauensvollen Mann der sich voller Zuneigung seiner Patienten annimmt. Auch wenn er in der prae-Antibiotischen Zeit selber hilflos war, Infektionen zu heilen, leistete er doch Beistand. Im Grunde ist er fast genauso hilflos wie die Eltern, die nur 3 Meter von ihm weg und vier Gesellschaftsklassen unter ihm sind. Die Standesunterschiede verschwimmen in dem Bild, in dem sehr viel Mitgefühl und eine humanitäre Bindung dargestellt werden (1).

Offen bleibt die Frage, wann ein Arzt heute noch am Bett des Patienten sitzt? Man hat ja nicht mal mehr die Zeit, den Kranken zu berühren. Für den Bestsellerautor der New York Times und Arzt Professor Abraham Verghese ist es ein großes Anliegen, eine Balance zwischen Tradition und Technologie in der Medizin zu finden. Die Arzt-Patienten-Beziehung muss beschützt werden. Weder die Klinik-Verwaltung noch der Gesetzesgeber sollten dem Arzt vorschreiben, wie er mit dem Patienten interagieren muss. Das trifft besonders zu, wenn man dem Arzt den Auftrag erteilt, mit seinem Patienten eine Sterbe- und Palliativ-Diskussion zu führen und dies per Unterschrift nachweisen muss. Gesetzesgeber sollten nicht ultimative in Fragen, wie Abtreibung oder Sterbehilfe, das letzte Wort haben.
Die Amerikanische Medizinische Gesellschaft ist davon überzeugt, dass man es dem Arzt überlassen muss, die optimale und angebrachte Behandlung anzuwenden. Er muss weiterhin fähig sein, diese Dinge mit seinem Patienten ehrlich zu diskutieren. Alles andere gefährdet das Patienten Arzt Verhältnis (2).


Literatur
Moore J: What Sir Luke Fildes 1887 painting The Doctor can teach us about the practice of medicine today. The Britisch Journal of General Practice, 1. March 2008,
State Legislative Strategy Conference. Propelling Today’s advocacy into tomorrow’s reality. Tucson, AZ. Jan. 7-9 2016
 

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