Sonntag, 3. Januar 2016

Eine französische Ordensschwester fand das Haus der Muttergottes in Ephesus

Dr. Edith Breburda
Die Vinzentinerin Schwester Marie de Mandat Grancey (1837-1915) hatte die feste Absicht das Haus der Muttergottes in Ephesus, der heutigen Türkei, zu finden.

Christlicher Tradition zufolge lebte nach der Auferstehung Christi der Apostel Johannes mit der Mutter Gottes in Ephesus. Wo dieses Haus stand, wusste niemand, bis die französische Ordensschwester Marie es sich zum Ziel gesetzt hatte, es zu finden.
Schwester Marie stammte aus einer Pariser Adelsfamilie. Die Hälfte des Jahres wohnte ihre Familie in Burgund, die andere Zeit verweilte sie in Paris.
1857 wurde Marie Novizin der Vinzentinerinnen. Dieser Ordensgemeinschaft gehörte Sr. Catharine Labouré an, welche von der Muttergottes den Auftrag für die Verbreitung der Wundertätigen hatte.
Marie sollte ihr Leben den Armen widmen. Zusammen mit sechs Mitschwestern kümmerte sie sich in einem französisches Waisenheim um 55 Kinder. Sie lehrte den Mädchen nähen. Bald kamen auch Mädchen aus der Stadt zu ihnen. Viel der unterernährten Kinder hatten Läuse.
Die große Verehrung von Sr. Marie zur Gottesmutter ließ sie die Gemeinschaft der Kinder Mariens gründen, deren Vorstand sie wurde. Mit wahrer Passion und Liebe lehrte sie ihre Kinder, sich mit der Gottesmutter zu vereinigen. Sie ermahnte sie immer wieder, alles zu meiden, was ihrem Glauben und ihrer Würde schaden könnte. „Verhalte dich wie die Muttergottes“, sagte sie ihren Schützlingen.
1870 während des französisch-preußischen Krieges wurde Sr. Marie in ein anderes Waisenheim nahe Paris versetzt.
Sie wurde in dieser sehr gefährlichen und turbulenten Zeit zur Oberin ernannt. Es gelang ihr trotzdem, ihren Schwestern und Kindern ein gutes Zuhause zu bieten. 16 Jahre verbrachte sie an diesem Ort und konnte mit Hilfe des Geldes ihres Vaters, der sie sehr unterstützte, ein weiteres Waisenheim bauen.
1886 rief Papst Leo der XIII französische Missionare auf, im Nahen Osten zu helfen. Sr. Marie meldete sich sofort und ging nach Smyrna, dem heutigen Izmir, in die Türkei.
Das dortige Krankenhaus war in einem beklagenswerten Zustand. Wieder benutzte sie eigene Mittel, um Patienten und Angestellten zu helfen. Sie selber lebte in Armut. In einem an das Krankenhaus angrenzenden Gebäude richtete sie eine Näherei ein und gründete eine Schule. Sie kümmerte sich um Muslime und Christen.
In dieser Zeit stieß sie auf das Buch von Clemens Brentano über das Leben der Muttergottes und des Hl. Johanes in Ephesus nach den Visionen der seligen Anna Katharina Emmerick, das sie in Deutsch las. Es inspirierte sie, das Haus zu suchen.
Sie gab das Buch zwei Priesterfreunden, die, sobald sie das Buch studiert hatten, davon überzeugt waren, dass sie es finden werden. Das Haus musste sich in nächster Nähe von dem Ort befinden, wo sie durch Gottes Vorsehung lebten.
Auf ihren Eseln startete die erste Suchexpedition im Julie 1891. Sie benutzten die Aufzeichnungen von Anna Katharina als ihre Kartographie. Am 29. Julie fanden die drei Katholiken, ein griechisch Orthodoxer Priester und ein Muslim das Haus.
Mit der Hilfe von Archäologen gelang es Schwester Marie, die Ruinen dem ersten Jahrhundert zuzuordnen. Darüber war eine Kirche aus dem vierten Jahrhundert gebaut worden.
Am 21. Oktober 1891 erhielt Schwester Maire die Erlaubnis, das Haus und das angrenzende Gelände zu erwerben. Ihr Vater kaufte für sie am 15. November 1892 auch den Berg, auf dem das Haus stand. Mit seinen Mitteln konnte das Haus restauriert und zu einem Wallfahrtsort umgewandelt werden.
Dabei fand man drei Steine, die von dem Kamin stammten, den der Apostel Johannes gebaut hatte. Der Eckstein des Hauses wurde der Mandat-Grancey Familie in Frankreich übergeben, die ihn in ihrer Hauskapelle aufbewahren.
Schwester Marie lebte ein engagiertes, tugendhaftes und gehorsames Leben, das aller Anhänglichkeit dieser Welt entsagte.
Am 21. Januar 2011 eröffnete die Diözese von St. Joseph in Kansas City des US-Bundesstaates Missouri ihren Seligsprechungsprozess. Man wählte diese Diözese, weil sie besonders die Muttergottes von Ephesus verehrt und der Wallfahrtsort durch die amerikanische Gemeinschaft von Ephesus in Kansas City unterhalten wird. In Missouri gibt es die Benediktinerinnenabtei, die besonders die Muttergottes von Ephesus verehrt.
Zudem war es der Erzdiözese von Smyrna unmöglich, den Wallfahrtsort selber in Stand zu halten. Sie haben nur wenige Gelder und leben unter der ständigen Angst vor Terroranschlägen. Sie baten Kansas City um Hilfe. Am 13. September 2014 wurde eine Heilige Messe in der Kathedrale von Kansas City zelebriert. Anlass war die Fertigstellung aller Dokumente zur Seligsprechung von Sr. Marie, die nach Rom gesendet wurden.
Die Entdeckung des Hauses in Ephesus bleibt etwas Besonderes für alle Gläubigen. Ephesus wird als der heiligste Ort des Christentums bezeichnet, den jedes Jahr mehr als eine Millionen Pilger besuchen.
Papst Paul VI, der Heilige Johannes Paul II und Papst Emeritus Benedikt XVI. besuchten den Ort. Bereits am 18. August 1961 erklärte der Heilige Papst Johannes XXIII., dass der Besuch des Hauses mit einem vollkommenen Ablass verbunden ist (1).
Interessant ist, dass die selige Anna Katharina Emmerick selber Schneiderin war und Sr. Marie sehr viel Wert darauf legte, ihren Anbefohlenen das Nähen zu lehren.

Literatur
1) Knap P.: How one French nun founds Mary’s Shrine. Meet Sr. Marie, who was determined to find the Ephesus Home. National Catholic Regiser,2. Jan. 2015

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Translate