Samstag, 9. Februar 2013

Humane embryonale Stammzellforschung in den USA, Schimpansen unerwünscht

Dr. Edith Breburda
F.I.A.M.C. 

Das Nationale Gesundheitsinstitut der USA, das National Institute of Health (NIH), ist eine weltweit renommierte Einrichtungen für biomedizinische Forschung.
Die Behörde des Ministeriums für Gesundheitspflege und Soziale Dienste verfügt über ein jährliches Budget von rund 29 Mrd. US-$. an Bundesforschungsmitteln, die an Universitäten und eigene Forschungseinrichtungen vergeben werden.
Forscher, die mit Schimpansen arbeiten, wollen in Zukunft auf diese Versuchstiere in der biomedizinischen und Verhaltensforschung verzichten. Der Veterinärmediziner K.C. Lloyd vom Primatenzentrum der Universität von Kalifornien, Davis, USA, sieht keine Notwendigkeit Schimpansen als Versuchstiere zu halten. Man solle den Tieren ein Gnadenbrot gewähren und sie ganz einfach in "Rente" schicken.
Lloyd bezieht sich auf eine 84-seitige Studie vom Dezember 2011, welches das Institut für Medizin (IOM) vorlegte. Diese Studie hatte bestätigt, dass Schimpansen als Versuchstiere unnütz seien. Der Direktor des NIH, Francis Collins, will nun Richtlinien festlegen, wonach biomedizinische Versuche an Schimpansen nur dann noch gerechtfertigt sind, wenn sie aus ethischen Gründen nicht am Menschen, oder anderen Versuchstieren vorgenommen werden können und wenn die Tiere in ihrem ethologischen Umfeld bleiben.
Das NIH prüfte daraufhin seine eigenen Projekte. Die Hälfte von 22 Studien, die das NIH fördert, müssten demnach eingestellt werden. Von den 9 immunologischen und infektiösen Affenstudien können nur 3 weiter laufen. 5 der weiteren 13 genetischen Untersuchungen, z. B. mit humanen embryonalen Stammzellen bei Primaten, müssten gestoppt werden.
Die Haltungsbedingungen der Versuchstiere sollen verändert werden. Jedes Tier sollte genügend Platz haben. Der Neurologe Daniel Geschwind von der Universität Kalifornien in Los Angeles schlug vor Verhaltensstudien in Zukunft in Tierparks oder Zoos vorzunehmen.
Kathleen Conlee, Vizepräsidentin der Humane Society der USA, der Tierschutzgesellschaft Amerikas, ist begeistert: "Wir sind sehr zufrieden und hoffen, das NIH wird diese Vorschläge bald umsetzen. Ich glaube, sie reflektieren das, was die Gesellschaft von uns verlangt."
Alle 13 Mitglieder des NIH Rates stimmten dafür, die Ratschläge zu akzeptieren. NIH-Direktor Collins möchte noch weitere Meinungen einholen. In 60 Tagen will er entscheiden. Offen bleibt, wer die Kosten für die 700 Affen übernehmen soll, die nun in den Ruhestand gehen?
Die Gelder, mit denen das NIH arbeitet, sind Steuergelder. Seit 3 Jahren kämpfen in den USA zwei Wissenschaftler vor Gericht dafür, damit Steuergelder nicht in der humanen embryonalen Stammzellforschung verwendet werden. Im März 2009 erlaubten neue Richtlinien, dass NIH-Mittel für die embryonale Stammzellforschung eingesetzt werden können. Bundesrichter Royce Lambert stoppte diesen Beschluß und begründete seine Entscheidung mit der damit verbundenen Tötung menschlichen Lebens in seinem embryonalen Stadium. Das sogenannte Dickey-Wicker Amendement untersagt Steuergelder für eine Forschung einzusetzen die Leben zerstört.
Am 7. Januar 2013 verwarf das Oberste Gericht der USA diesen Beschluß wieder und gab einem Einspruch recht. "Dadurch endet eine lange Schlacht, die grosse Schatten auf die humane embryonale Stammzellforschung geworfen hatte", schreibt J. Kaiser im ScienceINSIDER dieses Tages.
Amy Comstock Rick, Präsidentin der Vereinigung Advancement of Medical Research in Washington DC., unterstützt die humane embryonale Stammzellforschung. Sie nennt das Urteil vom 7. Januar 2013 einen Sieg für Wissenschaftler, Patienten und die ganzen Biomedizinischen Gemeinschaft. "Eine vielversprechende Forschung kann nun ungehindert fortschreiten, da die Hindernisse der Finanzierung erfolgreich aus dem Weg geräumt wurden", erläuterte sie.
Sind wirklich alle Hindernisse beseitigt?
Ein weiterer Bericht von J. Kaiser vom 7. Februar 2013 in Science weist auf ein ethisches Dilemma ganz eigener Art hin. Das NIH untersuchte seine etwa 200 humanen embryonalen Stammzellinien, die finanziell gefördert werden und fand heraus, dass Ei- und Samenzellspender nicht ihr Einverständnis gegeben hatten, dass ihr genetisches Material dazu verwendet wird, Embryonen für Stammzellinien zu klonen.
Im Juli 2009 forderte Präsident Obama das NIH auf, neue ethische Richtlinien in Bezug auf die Stammzellforschung zu erstellen. Damals hieß es, dass Stammzellinien nur aus Embryonen entstehen dürfen, die für die künstliche Befruchtung nicht benötigt wurden. Die neuen Richtlinien ließen ausser Acht, dass in Fertilisationskliniken auch mit gespendeten Ei- und Samenzellen gearbeitet wird.
Die Rockefeller-Universität in New York äusserte sich besorgt. Viele Reproduktionskliniken weisen ihre Spender nicht darauf hin, dass ihre Ei- oder Samenzellen eventuell für die Forschung benutzt werden. Amy Wilkerson und Kathaliya Wongsatittham sowie die Bioethikerin Josephine Johnston stellten Nachforschungen an, wer die Spender der NIH-Linien sind und ob diese auch ihr Einverständnis für eine Verwendung in der Stammzellforschung gegeben hatten.
Bei 50 von 200 NIH-Stammzellinien bestehen Zweifel. Wilkerson fordert das NIH darauf hinzuweisen, dass einige Linien nicht den Guidelines entsprechen. In Zukunft sollten Fertilisationskliniken ihre Spender bitten, ihr Einverständnis für die Stammzellforschung zu geben. Auch sollten die Spender der Klinik bekannt sein. Die Kliniken argumentieren immer mit dem Datenschutz ihrer Spender. Johnston ist jedoch der Meinung, dass ethische Angelegenheiten über dem Datenschutz der Spender stehen, die zudem auch ein Recht hätten, zu erfahren, wozu ihre Spende eventuell noch verwendet wird. 


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