Freitag, 16. März 2012

"Power-Nonne" untergräbt Autorität der katholischen US-Bischöfe


Schwester Carol Keehan ist eine schillernde Figur in den heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Obama-Regierung und den katholischen Bischöfen der USA. Von Edith Breburda


Washington (kath.net) Am 6. März 2012 sagte US-Präsidentschaftskandidat Rick Santorum in einer Wahlrede: "Unsere Rechte erhalten wir von unserem Schöpfer und bekommen sie nicht von der Regierung. Die Regierung muss die Rechte der Bürger beschützen. Die Regierung darf nicht von oben herab Befehle geben und Kontrolle ausüben. Präsident Obama glaubt, er kann besser für die Bürger entscheiden als diese selber. Es geht um fundamentale Rechte - die Regierung zwingt dich, Versicherungen zu kaufen, die dir deine Freiheit nehmen und gegen dein Gewissen sind". Kardinal Dolan, Vorsitzender der Amerikanischen Bischofskonferenz, der mit verschiedenen anderen Organisationen wie EWTN gegen die Gesetzesreform von "Obamacare" klagt, die im Grunde nichts verändert hat, äußerst sich genauso besorgt über die scheinbare Überheblichkeit des "Weißen Hauses". Dolan schreibt in seinem Internetblock: "Das Weiße Haus meint, es müsse die Bischofskonferenz anweisen, damit wir den ‘erleuchteten‘ Eingebungen der wohlgesonnen Gesundheits-Gesetz-Korrektur Folge leisten. Es wird so getan, als ob wir Bischöfe unsere katholische Lehre nicht kennen oder verstehen würden. Deshalb müssen uns die von ‘ihnen‘ auserwählten Katholiken erklären, wie man die religiöse Freiheit zu verstehen hat."

Die vom Weißen Haus auserwählte Katholikin ist die Vinzentinerin Schwester Carol Keehan. Sie ist eine der einflussreichsten Frauen der USA, was die Gesundheitsreform anbetrifft. Sr. Keehan wurde oft mit Präsident Obama und Vizepräsident Joe Biden fotografiert. Medien zitieren sie als die "Katholische Autorität" bezüglich Krankenkassenreformen. Ihr ist es zu verdanken, dass auch Katholiken 2010 dem Gesundheitsgesetz (Obamacare genannt), zustimmten.Schwester Keehan, Krankenschwester von Beruf, wurde 2005 Präsidentin der Katholischen Gesundheitsgesellschaft (Catholic Health Association/CHA), der Krankenhäuser, Altenheime, Chirurgische Zentren und Kliniken unterstehen. Eine Organisation, die am meisten dazu beitrug in den USA Krankenversicherungen für alle einzuführen, wobei die Gesellschaft nicht im Namen der katholischen Kirche spricht oder sich an ihrer Moral orientiert. 
Die katholische Kirche ist für die Einführung von Krankenversicherungen, jedoch nicht auf Kosten ihrer Glaubenslehre. Der neue Gesundheitsgesetzentwurf vom März 2009 sagte nichts darüber aus, ob Abtreibungen finanziert werden und ob das Gewissen des medizinischen Personals geschützt ist.Sr. Keehan's Ziel war es, Krankenversicherung für alle zugänglich zu machen, koste es was es wolle. Sie stellte sogar ihre persönliche Meinung über die Lehrmeinung der Kirche, auch wenn das bedeutete, die bischöfliche Autorität zu unterminieren. Kraft ihres Amtes als Präsidentin der CHA war sie die "Most powerful Person in Healthcare" wie sie die führende Zeitung Modern Healthcare im August 27, 2007 bezeichnete. Auch ihr persönliches Gehalt von $962,467 im Jahre 2010 bestätigen das.Sr. Keehan war der festen Überzeugung, dem Gesetzesentwurf sei zuzustimmen und „Kleinigkeiten“, wie die Finanzierung von Abtreibungen seien später zu klären. Die Schwester berief sich auf ihre 15-jährige Erfahrung. Als sie 1989 Präsidentin des Providence Krankenhauses in Washington wurde, hatte sie trotz der roten Zahlen nie Arme abgewiesen. Auch jetzt sollte man die größere Sache, die Krankenversicherung der Armen, im Auge haben. Sr. Keehan war voll des Lobes, dass nun sogar der Präsident der USA sich "ihrer Sache" annahm.Einige Bischöfe warnten, sie wollten keine Katze im Sack kaufen. Die Schwester beruhigte und gab an, dass moralische und ethische Bedenken fehl am Platz seien. Sie war zuversichtlich, dass das neue Gesetz die Finanzierung von Abtreibungen mit Staatsmitteln verbietet und auch auf das Gewissen des medizinischen Personals achtet.Als die Einwände der Bischöfe zunahmen drängte die Schwester, über das Gesetz schnell zu entscheiden. Am 28. Januar 2010 schrieb sie in einem Brief an das Weiße Haus: "Politische Gegebenheiten und Bedenken sollten nicht dazu führen, die letzte Gelegenheit zu verpassen, unseren Armen die Chance auf eine Krankenversicherung zu geben." Am 25. Februar 2010 wiederholte sie: "Der Preis, den wir zahlen wenn wir nicht handeln, ist zu hoch". Als der Präsident das neue Gesetz am 23. März 2010 unterzeichnete, erhielt Schwester Carol einen der dazu benutzten Stifte, als Dank, dass sie dazu beigetragen hatte, die nötig Stimmenmehrheit zu bekommen. Auch ein Foto mit ihr und dem Präsidenten wurde veröffentlicht. 
Das Time Magazin ehrte Schwester Carol 2010 als eine der "100 einflussreichsten Menschen der Welt". Leute, die im Konflikt mit der Kirchenhierarchie standen, bejubelten sie. Die Liste der Ehrungen von Schwester Carol durch verschiedene Zeitungen ist lang.Als am 20. Januar 2012 die Obama-Administration von Katholischen Krankenhäusern, Schulen, Hochschulen und anderen Institutionen verlangte, ihren Angestellten ab August 2013 kostenfreie Sterilisationen, Abtreibungen und die Ausgabe von Kontrazeptiva zu gewähren, gesellte sich Sr. Carol zu den Protestierenden gegen das Gesetz. Sie reihte sich damit in die "treuen Katholiken" ein, die in dieser Forderung des Präsidenten einen Verstoß gegen die religiöse Freiheit sahen. Denn der Staat kann und darf in den USA auf seine Bürger keinen Zwang ausüben. So etwas steht im klaren Gegensatz zur amerikanischen Verfassung. Katholische Einrichtungen in den USA können nicht gezwungen werden, entgegen ihrer religiösen Überzeugung die Kosten für Kontrazeptiva, Abtreibungen und Sterilisationen zu übernehmen.Eine Woche nach stürmischen Protesten lenkte die Obama-Administration mit einer sogenannten "Gefälligkeit" (accomodation) ein, die darin bestand, dass nunmehr katholische Krankenkassen diese Kosten übernehmen sollen. Schwester Carol und mit ihr 50 andere Ordensschwestern, die man als "Magisterium of Nuns" bezeichnet, obwohl sie keinerlei moralische Autorität besitzen, unterstützten den „Kompromiss“. Schwester Carol schrieb: "Die katholische Gesundheitsorganisation (CHA) ist sehr erfreut über die Ankündigung des Weißen Hauses, dass eine Lösung erzielt wurde, die im Einklang mit der religiösen Freiheit und dem Gewissen der Katholischen Institutionen steht" ( Anne Cary 02/28/12, Who is Sister Keehan?).Bereits am 21.Mai 2010 wiesen drei Bischöfe, die sich besonders mit dem Thema der Gesundheitsreform beschäftigten, darauf hin, dass sie diejenigen seien, die auf die Moral und Auslegeng der Lehrmeinung der Kirche achten müssen und es nicht Aufgabe katholischer Medizinischer Gruppen (Catholic Health Association) sei, Orientierungshilfen zu geben und den Kongress zu beraten. Die CHA habe grundlegenden Auffassungen der Kirche widersprochen und somit zur Verwirrung innerhalb der Katholiken beigetragen.Schwester Carol schien sich noch nie darum gekümmert zu haben, dass sie nicht die oberste Autorität der katholischen Kirche ist. Im Gegenteil, sie fuhr fort "Ratschläge" zu erteilen und lobte am 22. Dezember 2010 das Katholische St. Josefs Krankenhaus in Phoenix, das eine Abtreibung erlaubte. Damit widersprach sie öffentlich dem Diözesanbischof Thomas Olmsted der befunden hatte, dass das Krankenhaus mit der durchgeführten Abtreibung gegen die ethischen und religiösen Richtlinien katholischer Gesundheitseinrichtungen verstoßen hatte. Die Bezeichnung "katholisch" wurde dem Krankenhaus aberkannt.Als nun Schwester Keehan die "sogenannte" Abänderung des Gesetzes befürwortete und auch die Jesuitenzeitschrift "America magazine" die Katholische US-Bischofskonferenz heftig kritisierte, weil sie die Abänderung von "Obamacare" nicht akzeptiert, bemerkte das Weiße Haus und die Demokraten, dass die Einheit unter den Katholiken schwindet, was ein gegebener Anlaß war, an der Glaubwürdigkeit der Bischöfe zu zweifeln. Kardinal Dolan beschwörte am 3. März 2012 alle Katholiken zu handeln. "Es ist ein religiöser Kampf, es geht nicht um die Gesundheit der Frauen (oft hört man die Pille wäre ein "lebensrettendes Medikament", obwohl sie eine frühabtreibende Wirkung hat und nachweislich z.B. Krebs erzeugt), nicht um Kontrazeptiva, sondern es geht um eine nie dagewesene unbefugte, radikale Einmischung, die der Kirche ihre Fähigkeit abspricht zu lehren, zu dienen und sich selbst zu heiligen". "Nichts sollte zwischen einem Menschen und Gott stehen," erklärt Kardinal Francis George von Chicago in einem YouTube Video. Wenn ein Mediziner gegen die Todesstrafe ist, kann man ihn nicht zwingen, einem Verurteilten die Todesspritze zu geben. Es sei eines der fundamentalsten Grundrechte, dem Mitmenschen zuzugestehen, sein Gewissen achten zu dürfen. So darf auch medizinisches Personal nicht vom Staat gezwungen werden, gegen sein Gewissen zu handeln."

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