Mittwoch, 15. Juni 2016

Wie begegnen wir der Trauer, wenn unser Glaube in Frage gestellt wird?

Dr. med. vet. Edith Breburda

Christliches Forum,  22. Juni 2016
Bischof John Noonan von Orlando schrieb am Montag: „Wir müssen um den Weltfrieden beten und die Würde des Menschen unter allen Umständen beschützen.“
Die Schießerei in Orlando am 12. Juni 2016 wird als die schlimmste in der Geschichte der USA bezeichnet. In den frühen Morgenstunden eröffnete der 29-jährige Omar Mateen von Port St. Lucie in Florida das Feuer in einem homosexuellen Nachtclub. 49 Menschen wurden getötet, 53 sind zum Teil schwer verletzt.
Der Präsident von Amerika redete von einer Terrorattacke. Wenn man den Opfern die das Massaker überlebt haben zuhört, danken sie zu aller erst Gott, nicht erschossen worden zu sein und schätzen es, dass man überall auf der Welt für sie betet.
Chase Strangio, Anwalt der Civil Liberties Union der USA (ACLU/ Amerikanischen zivilen Freiheits Union) kritisierte hingegen den Aufruf vieler Amerikaner, für die Opfer zu beten. So mehren sich auch Slogans wie „don’t pray“. Die ACLU sieht zudem nicht den sich zur ISIS bekennenden Täter als den Hauptschuldigen an, sondern macht die Christen dafür verantwortlich.
Er bezeichnete die Solidarität zu den Opfern als Islamophobie. Für ihn haben doch gerade Christen dieses Klima geschaffen. Christen beeinflussen seiner Meinung nach den Gesetzgeber, auf die Gewissensfreiheit zu achten, wenn es z.B. darum geht, Homosexuelle Hochzeiten auszutragen. „Im letzten halben Jahr gehen 200 anti-homosexuelle Anzeigen auf christliche Organisation zurück. So stimmt die Behauptung nicht, dass der Islam die Schuld an dem Massaker trägt?“.
Auch für Eunice Rho klingt der Aufruf, für die Opfer zu beten und sich solidarisch ihnen gegenüber zu zeigen, wie Hohn. Sind es doch gerade die Gesetzesmacher, die am schärfsten gegen die Homolobby voranschreiten.
Christliche Organisationen in Amerika widersprechen diesem Ansinnen. Ihre Intention ist nach wie vor, jedes menschliche Leben zu schützen, unabhängig von seinen sexuellen Neigungen.
Christliche Führer sagen: jeder hat das Recht nicht an einer Homohochzeit teilzunehmen. Das heißt aber noch lange nicht, dass dies in Verbindung mit dem Massaker in Orlando steht.
Der Direktor des religiösen Witherspoon Institutes Matthew Franck erklärte gegenüber dem Nachrichtensender CNA: "Das Festhalten an der christlichen Lehre über die Ehe ist nicht mit Gewalt gleichzusetzen. Christen, welche die Ehe nicht neudefinieren und die ihren Glaubens-Grundsätzen treu bleiben, hassen keinen Menschen. Gesetze, die gemacht werden, um ihre Freiheit zu schützen, sind nicht gegen die Homolobby gerichtet. Man kann seine politischen Gegner nicht einfach als das Übel selber dämonisieren und damit mundtot machen."
Der Jurist Robert George von der Princeton Universität, sagt man könne in der gegenwärtigen Situation die Aussagen, die nach so einem Horrorakt gemacht wurden, nicht auf die Waagschale legen. Es handele sich um ein traumatisierendes Ereignis, und wenn wir böse oder traurig sind, sagen wir oft viel Unüberlegtes. Wir sollten deshalb nicht mit dem Finger aufeinander zeigen, sondern miteinander trauern.
Kommentare wie z.B. aus dem Römerbrief, 12:15: „Wir weinen mit denen, die ihre Lieben verloren haben - und mit denen, die über die Gewalttätigkeiten dieser Welt trauern....“, findet man seitdem in den Tweeds der Medienseiten (1).
Es ist ganz natürlich, Anteilnahme mit den Trauernden zu zeigen. Nur müssen wir im Namen der Solidarität unseren Glauben über Bord schmeißen und gegen unser Gewissen handeln? Wenn z.B. ein Betrunkener, oder Andersgläubiger die hl. Kommunion empfangen will, ist dann der Glaubenshüter per se verpflichtet sie diesem zu geben, nur weil die Person in Trauer ist?
Neulich las man in den Medien über eine Beerdigung. Die Tochter der Verstorbenen ging kurz vor Beginn des Requiems in die Sakristei und stellte dem Priester ihre lesbische Partnerin vor. Dem Priester war keine Zeit gegeben, näher mit der Tochter zu reden. Als diese zum Priester kam, um die hl. Kommunion zu empfangen, verweigerte er diese der Frau diskret, was sie veranlasste, zum Kommunionhelfer zu gehen.

Ich bin zu Pfarrer Marcel gegangen, um die hl. Kommunion zu empfangen“, sagt die Frau. „In diesem Moment legte er seine Hand über den Kelch, schaute mir in die Augen und sagte: Ich kann Ihnen keine Kommunion geben, weil sie mit einer Frau zusammen sind und das ist in den Augen der Kirche eine Sünde.“
Nach der Messe zeigte die Frau den Priester an und dieser wurde daraufhin vom Priesteramt suspendiert. Sie wollte damit nur verhindern, dass es anderen Personen so geht wir ihr. Deshalb fand sie es wichtig, dass der Priester gehen muss (2).

Literatur
1) CNA: ACLU Blame Claim: Christians caused Orlando shooting, 14.6.2016
2) Hayes C.: Catholic priest refuses lesbian communion at her own mothers funeral. Irish Central, 3. März, 2012

Adulte Stammzellen ermöglichen dauerhafte Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Dr. med. vet. Edith Breburda

Adulte Stammzellen helfen Schlaganfallpatienten noch nach Jahren. Knochenmarkzellen, die man sechs Monate bis 3 Jahre nach einem Apoplex injizierte, verbesserten erheblich die Lebensqualität.

Die Fachzeitschrift Stroke (Paywall) berichtet über 18 Probanden, denen genetisch veränderte Zellen in das durch einen Schlaganfall veränderte Gehirn eingepflanzt wurden. Studienleiter Prof. Gary Steinberg von der Neurochirurgie der Standford University in Kalifornien erforschte, wie sicher, machbar und wirksam seine Behandlung ist.
Eine 71-jährige Frau, die zum Beginn der Studie nur ihren linken Daumen bewegen konnte, kann jetzt gehen und ihren Arm über ihren Kopf heben. Die deutlichsten Verbesserungen betrafen Stärke, Koordination, Gehfähigkeit, die Fähigkeit, die Hände zu benutzen und das Kommunikationsvermögen“, erklärt der Professor.
Mesenchymale adulte Stammzellen aus dem Knochenmark wurden dahingehend verändert, dass sie ein (Notch-) Signal beeinflussen, welches die Zelldifferenzierung reguliert. Die Zellen können sich zwar nicht in Nervenzellen umwandeln, sie produzierten jedoch Wachstumsfaktoren, welche andere Moleküle und Proteine beeinflussen: „Vereinfacht gesagt verwandeln sie das adulte Gehirn in das Gehirn eines Neugeborenen, welches sich sehr gut von einem Schlaganfall erholen kann“, erklärt Steinberg.
Die genmanipulierten Zellen überlebten im Tiermodell einige Monate. Die Rehabilitation scheint von Dauer. Das Unternehmen SanBio aus Kalifornien, welches neurologische Behandlungen erforscht, will Prof. Seinberg weiterhin unterstützen. Das britische Unternehmen ReNeuron hat bereits mit der Phase-2-Studie an 21 Patienten angefangen.
Versuche, bei denen Stammzellen intravenös verabreicht werden, sind jedoch nicht so erfolgreich. Einige Patienten klagten im Zusammenhang mit dem chirurgischen Eingriff über Kopfschmerzen. Deshalb sind weitergehende Untersuchungen dringend notwendig. Prof Steinberg plant eine Phase-2b-Studie, zu der sich bereits 156 Patienten gefunden haben. Ein Drittel der Teilnehmer bekommt eine Scheinbehandlung. Bleiben die Ergebnisse weiterhin so erfolgversprechend, gehen sie in Phase 3 über.
Wir haben noch viel zu lernen, unter anderem, welche Zelle die richtige für den Job ist, die richtige Dosis und den richtigen Übertragungsweg. Die Ergebnisse legen nahe, dass Stammzellentherapie selbst Monate oder Jahre nach einem Schlaganfall die Rehabilitation fördern könnten, was vielen Menschen Hoffnung gibt, die derzeit mit einer Behinderung leben“, erklären die Experten.

Literatur
Aho-Ritter A.: Stammzellen nach Schlaganfall: Läuft wider. DocCheck News, 13. Juni 2016
 

Freitag, 3. Juni 2016

Wenn man einen Schöpfergott verleugnet, zählt das Leben eines vom Aussterben betroffenen Gorillas mehr als das eines Jungen

Dr. med.vet.Edith Breburda


Christliches Forum, 6.6.2016
Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir unsere Tiere fast abgöttisch lieben. Die Nachricht, dass ein Gorilla im Zoo von Cincinnati erschossen wird und eine Frau wegen ihres Hundes stirbt, erregt dennoch die Gemüter.
Als der Engländer Eric Blair, der unter dem Synonym George Orwell bekannt wurde, als Polizist in der Kolonie Burma tätig war, musste er einen Elephanten erschießen, weil dieser einen Tagelöhner getötet hatte. Orwell gibt uns in seinem Bericht „Shooting an Elephant“, einen Einblick in die Gepflogenheiten des Imperialismus. Seine Kollegen waren damals sehr entrüstet. Ihr Kommentar: „Es ist eine Schande, einen wertvollen Elephanten, wegen eines einfachen Mannes zu töten,“ beschreibt die damalige Gefühlsleere gegenüber den Mitmenschen.
Diese Art der Kosten-Nutzenrechnung ist leider nicht ein Relikt aus der Kolonialzeit. Sonst würden Tierpfleger nicht angeklagt werden, weil sie einen 17-jährigen Gorilla töteten, um einem vierjährigen Jungen zu helfen.
Seitdem häufen sich die Beschwerden, dass das falsche Leben gerettet wurde.
„Es leben 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Wieso müssen wir deshalb einen vom Aussterben bedrohter Gorilla töten, um einen Jungen zu befreien?“, schrieb ein US-Bürger auf einer Medienseite.
Wesley J. Smith, ein Amerikanischer Anwalt und Autor, erläutert in der Onlinezeitung First Things:
 „Derartige Reaktionen verwischen die sozialen und rechtlichen Unterschiede zwischen Mensch und Tier und deuten auf das Ende des humanen Exzeptionalismus hin. Die dreiste Behauptung, das Leben eines Affen sei wertvoller als das eines Kindes, ist schon weiter in der Gesellschaft verbreitet, als wir annehmen. Dieser Sinneswandel ist in einer Welt, die nicht mehr christlich geprägt ist und die einen Schöpfergott, der uns Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, zunehmend verleugnet, vorhersehbar. So gesehen ist die Empörung vieler Tierfreunde plausibel, wenn ein vom Aussterben bedrohter westlicher Tiefland-Gorilla erschossen wird. Wir denken nur noch daran, bestimmte Quoten einzuhalten, deshalb Sorgen wir uns um unsere Menschenaffen.“
Papst Johannes Paul II, redet bereits in seiner Enzyklika: „Evangelium-Vitae“ von einer „neuen Form von Anschlägen auf die Würde des Menschen“.
In der Öffentlichkeit herrscht zunehmend die Meinung, Verbrechen gegen das Leben im Namen der Rechte und der individuellen Freiheit am Ende sogar zu genehmigen. Er warnt vor einer Tyrannei der Starken über die Schwachen, wenn wir menschliches Leben nur nach seinen Leistungen bewerten.
Vor 20 Jahren erläuterte der Heilige Papst Johannes Paul II, dass wir in der modernen Gesellschaft eine Kultur des Todes haben, in der ein Feindbild gegenüber Behinderten aufgebaut wird. Aber nicht nur ihnen gegenüber, sondern jedem, der durch seine Existenz den Wohlstand und Lebensstil des begünstigteren Mitmenschen beeinträchtigt.
Das Paradoxe ist, dass sich Tierschützer eigentlich immer als Gegner einer derartigen Kultur sahen. Sie setzten sich für die Rechter der Armen, Ausgebeuteten ein und verliehen denen eine Stimme, die keine haben. Plötzlich wird dem Leben eines Gorillas im Namen der Gerechtigkeit Vorrang gegeben.
Die Frage kommt auf, wieviel ein Menschleben wert ist?
Der Irische Nobelpreisträger für Literatur von 1925, George Bernhard Shaw, erstellt ein Zukunft-Szenario, in dem wir uns vor einer Kommission rechtfertigen müssen, ob wir überhaupt weiterleben dürfen. Denjenigen, die nicht fähig sind, sich selbst zu erhalten, sollte man sagen: “Ihr Leben ist für uns nicht profitabel und damit auch für sie selbst nutzlos (1).”
Dass wir den Respekt voreinander verlieren, sieht man in vielen US-Schulen. Kinder dürfen nicht mehr diszipliniert werden. Lehrer haben sich daran gewöhnt, von ihren Schülern angeschrien, bedroht und geschlagen zu werden. Es gibt Berichte, dass sie sich nicht mal mehr trauen, die Polizei zu holen, und wenn sie es doch tun, storniert der Direktor der Schule den Notruf. Zu groß ist die Sorge, so etwas könnte dem Ruf seiner Schule schaden. Auch Lehrer müssen mittlerweile Angst um ihre Stelle haben, wenn sie Kindern schlechte Noten geben (2).
Vielleicht haben wir heute mehr Respekt vor Tieren. Wenn man in den USA einen Hund aus dem Tierheim „adoptieren“ will, ist das eine lange Prozedur. Bei den leisesten Anzeichen einer Misshandlung von Tieren droht dem Besitzer eine Gefängnisstrafe, zumindest verliert er sofort seinen Job.
Tierbesitzer werden heute ganz selbstverständlich als Hundeeltern bezeichnet. Sie selber reden von ihren Babys. Der 43-jaehrigen Liz Krenzke aus Yorkville ging es nicht anders. Am ersten Juni besuchte sie ihre Freundin. Gegen 3 Uhr früh wollte sie ihren Hund Jax aus dem Auto holen, doch dieser entwischte und rannte davon. Als sie ihn auf der Straße gefunden hatte und ihn holen wollte, wurde sie von einem Lastwagen erfasst, der sie tötete.
„Sie liebte ihren Hund so sehr, dass sie für ihn starb“, sagte Liz Freundin Haney. „Ich hörte den Unfall und dachte, Jax sei überfahren worden. Aber er saß auf der Veranda, als ich heimkam. Jax hatte den Unfall überstanden. Er war nur sehr schmutzig.“ Krenzek war seit 20 Jahren Gefängnisaufseherin. „Sie erhellte uns stets die dunkelsten Stunden. Dein Tag wurde sofort besser, wenn sie mit dir sprach (3).“


Literatur
1)    Lindeman M. How tears for Gorilla waters seeds for the culture of death. 31 May 2016, Aleteia, Society
2)    Vicky McKenna: Blood on the blackboard: Violence against teachers in Milwaukee public schools, Milwaukee’s News/talk show station.AM 1310, 2. June 2016
3)    Leary P. Yorkville woman hit, killed by truck while chasing her dog. Wisconsin State Journal, 1. June 2016

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