Mittwoch, 15. Juni 2016

Adulte Stammzellen ermöglichen dauerhafte Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Dr. med. vet. Edith Breburda

Adulte Stammzellen helfen Schlaganfallpatienten noch nach Jahren. Knochenmarkzellen, die man sechs Monate bis 3 Jahre nach einem Apoplex injizierte, verbesserten erheblich die Lebensqualität.

Die Fachzeitschrift Stroke (Paywall) berichtet über 18 Probanden, denen genetisch veränderte Zellen in das durch einen Schlaganfall veränderte Gehirn eingepflanzt wurden. Studienleiter Prof. Gary Steinberg von der Neurochirurgie der Standford University in Kalifornien erforschte, wie sicher, machbar und wirksam seine Behandlung ist.
Eine 71-jährige Frau, die zum Beginn der Studie nur ihren linken Daumen bewegen konnte, kann jetzt gehen und ihren Arm über ihren Kopf heben. Die deutlichsten Verbesserungen betrafen Stärke, Koordination, Gehfähigkeit, die Fähigkeit, die Hände zu benutzen und das Kommunikationsvermögen“, erklärt der Professor.
Mesenchymale adulte Stammzellen aus dem Knochenmark wurden dahingehend verändert, dass sie ein (Notch-) Signal beeinflussen, welches die Zelldifferenzierung reguliert. Die Zellen können sich zwar nicht in Nervenzellen umwandeln, sie produzierten jedoch Wachstumsfaktoren, welche andere Moleküle und Proteine beeinflussen: „Vereinfacht gesagt verwandeln sie das adulte Gehirn in das Gehirn eines Neugeborenen, welches sich sehr gut von einem Schlaganfall erholen kann“, erklärt Steinberg.
Die genmanipulierten Zellen überlebten im Tiermodell einige Monate. Die Rehabilitation scheint von Dauer. Das Unternehmen SanBio aus Kalifornien, welches neurologische Behandlungen erforscht, will Prof. Seinberg weiterhin unterstützen. Das britische Unternehmen ReNeuron hat bereits mit der Phase-2-Studie an 21 Patienten angefangen.
Versuche, bei denen Stammzellen intravenös verabreicht werden, sind jedoch nicht so erfolgreich. Einige Patienten klagten im Zusammenhang mit dem chirurgischen Eingriff über Kopfschmerzen. Deshalb sind weitergehende Untersuchungen dringend notwendig. Prof Steinberg plant eine Phase-2b-Studie, zu der sich bereits 156 Patienten gefunden haben. Ein Drittel der Teilnehmer bekommt eine Scheinbehandlung. Bleiben die Ergebnisse weiterhin so erfolgversprechend, gehen sie in Phase 3 über.
Wir haben noch viel zu lernen, unter anderem, welche Zelle die richtige für den Job ist, die richtige Dosis und den richtigen Übertragungsweg. Die Ergebnisse legen nahe, dass Stammzellentherapie selbst Monate oder Jahre nach einem Schlaganfall die Rehabilitation fördern könnten, was vielen Menschen Hoffnung gibt, die derzeit mit einer Behinderung leben“, erklären die Experten.

Literatur
Aho-Ritter A.: Stammzellen nach Schlaganfall: Läuft wider. DocCheck News, 13. Juni 2016
 

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