Monday, April 20, 2015

Kinder, Nein Danke


 Dr. Edith Breburda

Im April 2015 hatte ein Artikel in der New York Times den Titel No Kids for Me, Thanks. Kinderlosigkeit ist ein zunehmender Trend. Soziologen führen das auf die Ichbezogenheit zurück. „Das ich-ich-ich, rund um die Uhr, wird uns schon in die Wiege gelegt. Eigentlich sollten wir diese Einstellung, spätestens nach dem Kleinkindalter, verlieren“, bemerkt Patti Maguire in ihrem Blog (1).
Die heutige Generation geht zu sehr in den weltlichen Anforderungen auf. Kaum einer hat mehr Interesse daran, Kinder zu bekommen. „Ich werde niemals eine gute Mutter sein“ behauptet eine Frau. Ein anderer erklärt: „Meine Gene möchte ich keinem anderen wünschen.“

 Sich selber als mangelhaft, ja fast unwürdig zu beschreiben, um Kinder zu bekommen, hat nichts mit einer demütigen Einstellung zu tun. Es zeigt eher, dass wir uns mit unserer von Gott gegebenen Rolle: „Seid fruchtbar und mehret Euch“, nicht mehr identifizieren.
Die New York Times bezieht sich auf das Buch: Selfish, Shallow and Self-Absorbed: Sixteen Writers on the Decision Not to Have Kids. Einer der Autoren des Buches erinnert sich an Kinder, die sein Tennisspiel störten, währenddessen die Mutter das einfach tolerierte. Diese Episode diente als Beweis dafür, dass: „Kinder und Eltern die Priorität haben, das zu tun, was immer sie wollen. Ob andere dabei belästigt werden, spielt keine Rolle.“ Vielleicht handelten die Eltern zu nachsichtig und eventuell hatten sich die Kinder schlecht benommen, nur deswegen kann man doch nicht alle Kinder über einen Kamm scheren und behaupten, sie zu verabscheuen. Soll es nur noch Erwachsene auf dieser Welt geben, um dem  egozentrischen Verhalten einiger Genüge zu tun?
Eine von fünf Frauen in den USA bekommt nie in ihrem Leben Kinder, berichten Wissenschaftler in einer Studie des Pew Research Centers. 1970 war es eine von zehn Frauen, die ohne Nachwuchs blieb. Das alles ereignet sich in einer Zeit, in der die moderne Biomedizin in der Lage ist, unfruchtbaren und alten Frauen dazu zu verhelfen, biotechnologisch designte Kinder zu bekommen.
Für einige Menschen, die sich eigentlich noch reproduzieren könnten, zählen Kinder dennoch zu den unbequemen Dingen im Leben. Die Vereinigung, Ausstieg aus der Zeugung, hat mittlerweile viele Anhänger. Es handle sich dabei einfach nur um die andere große Wahl, die Frauen in ihrem Leben treffen können. Eine Tagung, wie Frauen, die ihr Erbe neu definieren, (Redefining Feminine Legacy) und kinderfrei glücklich werden können, findet im Oktober 2015 in Cleveland statt.
Auf der Agenda des ersten NotMom Gipfels stehen Themen wie: Empfängnisverhütung, Probleme am Arbeitsplatz, Haustiere, Reisen, Gesundheit und die lästigen Beziehungen mit verschiedenen Mitmenschen. Auf der Redefining Feminine Legacy Webseite kann man weiterhin lesen, wie Frauen ihr Erbe weitergeben können, damit es lange anhält (2).
Aber haben unsere weltlichen Errungenschaften einen langanhaltenden Wert? Vergeht unser Ruhm nicht oft, sobald wir gestorben sind. Eventuell werden unsere Taten noch in Geschichtsbüchern festgehalten. So gesehen, können wir nur unsere Kinder in den Himmel mitnehmen.
Vielleicht ist die Gesellschaft an dieser Einstellung nicht ganz unschuldig. Sexualkundelehrer realisieren zunehmend, dass sie jungen Menschen zu viel Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft gemacht haben. Grundschüler wissen, wie man Sex ohne Nachwuchs haben kann. Es wird hingegen fast immer schwieriger für junge Paare, ein Baby zu bekommen. Neben Umweltfaktoren, die nicht ganz unschuldig an einer zunehmend zu verzeichnenden Unfruchtbarkeit sind, muss das junge Paar erst einmal umdenken lernen. Sie hören immer wieder, unter allen Umständen ein Kind zu vermeiden. In Dänemark wurde der Lehrplan für die Sex-Aufklärung bereits umgestellt. Jetzt erklärt man den Teenagern, wie man schwanger wird. „Für viele Jahre haben wir nur über geschützten Sex gesprochen. Wir wollten verhindern, dass Teenager schwanger werden. Nun sehen wir, dass Frauen keine Kinder mehr haben wollen. So müssen wir umdenken, um die Geburtenrate wieder anzuheben. Wir sind nicht das einzige Land, das über den demographischen Wandel klagt“, erläutert Marianne Lomholt, Direktorin des dänischen Sexualaufklärungs-Programmes (3).
Lord Winston Hammersmith, einer der renommiertesten In-Vitro-Fertilisation Pioniere, reiste im März 2013 durch Neu Seeland, um Teenager in den Schulen über die Gefahren der Unfruchtbarkeit aufzuklären. Sein Rat, sie sollen nicht zu lange damit warten, Kinder zu bekommen, lautete: „Ich möchte Leute darauf aufmerksam machen, dass die Fruchtbarkeit sehr schnell bei Frauen abnimmt, je älter sie werden. Das liegt einfach in der Biologie der Frau. Die Gesellschaft muss kinderreiche Familien unterstützen. Es handle sich hierbei um einen ganzheitlichen Ansatz, der uns viel besser dient, als Eizellen einzufrieren oder aufwändige In-Vitro-Fertilisationen durchzuführen.“ Die Welt fühlt sich sehr schnell zu irgendwelchen Neuheiten, die Scheinlösungen versprechen, hingezogen. Vielleicht ist uns besser gedient, wenn wir zurück zu den Wurzeln gehen. So wird in stabilen Familien-Verhältnissen ein effizienter Weg gesehen, Kinder erfolgreich zu erziehen. „Die In-Vitro-Fertilisation hat eigentlich nur falsche Hoffnungen geweckt. Seine Erfolgsrate ist extrem niedrig.“ Als man Lord Winston fragte, was er davon hält, dass Wissenschaftler GOTT spielen und Embryonen genetisch modifizieren, warnte er vor dieser sehr gefährlichen Technik. „Um Krankheiten zu vermeiden, sollte man lieber darauf achten, was die Mutter während einer Schwangerschaft konsumiert. Wir müssen die Umwelt in der Gebärmutter ändern. Eine gute Gesundheitsversorgung der Mutter spielt da eine sehr wichtige Rolle (4).“


Sind Frauen ohne Kinder wirklich glücklich? Aber warum nehmen kinderlose Paare oft Hunde als eine Art Kinderersatz an? Eine Studie des US-Science Magazin's erklärte die Interaktionen einer Mutter mit ihrem Baby durch Hormone. Wie Wissenschaftler herausfanden, beruht die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind auf dem Hormon Oxytocin. Takefumi Kikusui, ein Tierverhaltensforscher von der Universität von Azabu, in Sagamihara, Japan, ist daran interessiert, warum Oxytocin Vertrauen, Muttergefühle und Nächstenliebe hervorbringt. „Wenn eine Mutter ihrem Kind in die Augen schaut, steigt sowohl ihr, als auch der Oxytocin-Gehalt des Kindes an. Dieser Mechanismus bewirkt, dass das Kind die Blicke der Mutter erwidert, was die Hormonwerte weiterhin erhöht. Dieses sich steigernde Feedback ist gedacht, um die emotionalen Bindung zwischen Mutter und Kind zu verfestigen, in einer Zeit, wo sich das Kind nicht anders ausdrücken kann.“
Kikusui, der seit 15 Jahren Hundebesitzer ist, fragte sich nun, ob derselbe Mechanismus auch auf Hunde zutrifft.
Eine Studie, an der 30 Hunde und ihre Besitzer teilnahmen, bestätigte diese Theorie. Wenn sich Hunde und ihre Besitzer in die Augen schauten, verzeichneten die Hunde einen Anstieg von 130% des Hormons, während bei ihren Besitzern 300% mehr Oxytocin gemessen wurden. Die Studie lässt vermuten, dass eine Beziehung zwischen einem Menschen und seinem Hund die gleiche Oxytocin Kaskade in Gang setzt, die normalerweise zwischen einer Mutter und ihrem Baby stattfindet. Dieser Vorgang mag eine Rolle gespielt haben, um Hunde zu domestizieren. „Auch wenn wir Hunde oft als unsere Babies ansehen, heißt das noch lange nicht, dass sie uns umgekehrt als ihre Mütter betrachten“, erläuterte Jessica Oliva, eine Doktorandin der Monash Universität aus Melbourne in Australien (5). Die Studie erklärt zumindest, wieso es dem Hund gelungen ist, unser engster Begleiter zu werden. Muttergefühle sind demnach in jeder Frau vorhanden, nur manchmal setzen wir sie anders ein, als von der Natur her vorgesehen.

Veröffentlicht im Christlichen Forum am 27. April 2015

[1] Maguire P.: New York Times: No Kids for me, Thanks. Society, Aleteia 17. April 2015
[2] The NotMom.com, Celebrating women without children by choice or by chance. http://thenotmom.com/the-not-mom-summit-2015/
[3] Roberts S.: The New Sex Ed: Have babies before it’s too late! Society, Aleteia, 16. April 2015
[4] Roberts S.: Fertility treatment pioneer calls for caution. Demography is Destiny. MercatorNet.com, 13 März 2014
[5] Grimm D.: How dogs stole our hearts. Science 16. April 2015

Saturday, April 4, 2015

Das verändert Familienbild in den USA


Dr. Edith Breburda

Siehe auch: Christliches Forum, 20. April 2015

Im September 2015 werden zwei Millionen Menschen mit Papst Franziskus in Philadelphia das Welt-Treffen der Familien feiern. Ein paar Monate vor diesem Ereignis könnte es passieren, dass der Oberste Gerichtshof der USA die Gesetze für die traditionelle Familie ändert und auch gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt. Das Verständnis für Familie und Ehe hat sich seit der sexuellen Revolution geändert.
Wie ist es soweit gekommen?
Die Einführung der Pille in den 50iger und 60iger Jahren machte es möglich, Sex  ohne Folgen haben zu können.
Die rezeptfreien Pille danach, die jetzt in Deutschland zugelassen wurde, „wird Geschlechtskrankheiten en masse verursachen, den demographischen Wandel und Unterhaltszahlungen für jeden zweiten Mann stoppen”, erläutert der Arzt Dr. Johannes[1].

Der Heilige Papst Johannes Paul II warnte im Evangelium Vitae vor den Gefahren, die der Gebrauch von Verhütungsmitteln mit sich bringt. “Der Mensch macht die persönliche Erfüllung zum Mittelpunkt seines Lebenszweckes. Damit strebt er eine egozentrische Freiheit an, die sich von der wahren Freiheit separiert.“
Freiheit bedeutet, das zu tun, was immer Du tun willst. Wobei die Grenzen des Anderen beachtet werden sollen. Freiheit bedeutete auch Disziplin und Selbstbeherrschung und darf einen nicht versklaven. Wenn wir den Sex von der Reproduktion trennen, machen wir ihn zu einer sterilen Handlung, die nicht mehr seine Intention erfüllt. Mit Hilfe von reproduktiven Technologien überlassen wir das Kinderkriegen Mitarbeitern von Fertilitäts-Kliniken und Ei- und Samenzell- Agenturen. Elternschaft wird heute als ein kommerzielles Vorhaben betrachtet. Kinder werden nicht mehr so gezeugt, wie es die Biologie vorsieht. Sie mutieren zu einem rechtlichen Gegenstand, der den Absichten und Wünschen des Erwachsenen zugeordnet wird.  
Liebe ist eine Handlung, ein Versprechen, eine Verpflichtung, ein willentlicher Akt und nicht ein Gefühl oder eine Stimmung, die Schmetterlinge im Bauch hervorruft. Wenn die Emotionen vergehen, kann man die Scheidung einreichen. Einen Grund muss man nicht mehr erwähnen. Man handelt ganz so, wie es uns in jeder Soap- Opera vorgespielt wird.
Man fragt sich gar nicht mehr, was der Zweck einer Ehe ist. Als eine dauerhafte Beziehung wird sie schon lange nicht mehr angesehen. Rayan T. Anderson, schreibt in seinem Buch: What is Marriage: a Man and a Woman: A Defense, dass eine Ehe immer die Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau ist. 

Vater und Mutter geben ihren Kindern Schutz, geborgen aufzuwachsen. Es ist eine anthropologische Wahrheit, dass sich beide Geschlechter ergänzen. Beide Geschlechter sind notwendig, um neues Leben hervor zu bringen. Kinder brauchen Vater und Mutter, erklären uns die Soziologen. Am besten entfalten sie sich, wenn sie von ihren biologischen Eltern großgezogen werden. Fast die Hälfte der Erstgeburten in den USA haben eine unverheiratete Mutter. Familien sind instabil, wenn Eltern nur zusammenleben, ohne verheiratetet zu sein. Alleinerziehende Eltern sind oft prädestiniert, arm zu sein. Kinder, die ohne Vater aufwachsen, werden oft drogenabhängig, kriminell oder werden selber als Teenager schwanger.
In der heutigen Hook-up-Kultur, die ubiquitär für amerikanische Universtäten scheint, wird Sex als eine andere Form der Entspannung angesehen. Sex hat keine tiefere Bedeutung mehr und dient  nur dem Mann, seine sexuellen Begierden auszuleben. Die Frau wird abgestumpft, ihre wirklichen Gefühle spielen keine Rolle. Dazu kommen eventuell ungewollte Schwangerschaften, vermehrte Geschlechtskrankheiten, ein erhöhte Gefahr von sexueller Gewalt sowie emotionale und psychische Probleme, die den Weg zu einer authentischen Liebe mit Hindernissen zuschütten[2].
Wie es scheint, streben wir heute eine Ehe an, in der das Geschlecht der Partner in den Hintergrund rückt.
Selbst die Italienischen Modeschöpfer Domenico Dolce und Stefano Gabbana betrachten die Naturgesetzte als die Norm. Sie stießen mit ihrer Aussage, die sie in einem Interview in der Zeitung Panorama[3] machten: „Wir sind Gay und gegen die Homo-Ehe" auf Ablehnung.
Sie wurden massiv kritisiert, als sie weiterhin verkündeten, dass nur die traditionelle Familie als authentisch betrachtete werden könne. Kinder sollten ohne künstliche Befruchtung entstehen. Man kann sie nicht von Leihmüttern, die ihre Gebärmutter vermieten, bekommen. Das Leben muss durch einen Akt der Liebe weitergegeben werden. Leben hat einen natürlichen Werdegang, den wir nicht ändern können. Domenico Dolce wurde sogar noch deutlicher, er sagte: „Kinder der Chemie sind synthetische Babys. Uteri bietet man zum Vermieten an und Samen kann man sich aus einem Katalog aussuchen. Nicht einmal Psychiater sind darauf vorbereitet, mit den Folgen dieser Experimente umzugehen.“
Als sich Elton John, der selber zwei surrogate Söhne mit seinem Partner David Furnish hat, darüber mit der Bemerkung beschwerte, dass diese Ansichten mittelalterlich seien, lenkten die Designer ein.
Sie gaben zu, dass sie die Lebensentscheidungen anderer Leute respektieren. Im Gegenzug forderten sie, Respekt vor unterschiedlichen Ansichten füreinander aufzubringen.
Sir Elton John ärgerte sich am meisten über das Statement der Designer, dass Kinder, die für Gleichgeschlechtliche gentechnisch erschaffen werden, in einer bestimmte Weise synthetisch seien.
 „Wie kann man es wagen, meine wunderschönen Kinder als synthetisch zu bezeichnen? Schande soll über dich kommen, wenn du mit deinen Zeigefinger wackelst und voreingenommen über die In-Vitro-Fertilisation denkst. Legionen von lieben Menschen, Homosexuellen und Heterosexuellen,  haben das Wunder der IVF in Anspruch genommen, um ihren Traum nach Kindern zu erfüllen. Das archaische Denken von Dolce und Gabbana ist nicht mehr zeitgemäß, so wie ihre Mode.“
Doug Mainwaring, ein Schriftsteller, der für das Witherspoon Institute arbeitet, kommentiert den Vorfall. „Man muss bedenken, dass Sir Elton John 63 Jahre alt war, als er sein erstes Kind mithilfe einer Surrogat-Mutter bekam. Sein Partner David Furnish war 48, und beim zweiten Sohn 50. Wenn der jüngere Sohn aus der Schule kommt, werden die Väter 81 und 68 Jahre alt sein. Verdienen Kinder nicht biologische Eltern, Mutter und Vater und nicht zwei Opas, wenn ihre Kinder noch klein sind? Die beiden mögen zwar ihre Kinder lieben, trotzdem bleibt die Frage, ob das Interesse der Kinder nicht vor den Wünschen egoistischer Eltern Vorrang hat.
Normalerweise wird der In-Vitro-Technologie eine Altersgrenze gesetzt, ganz so wie der Adoption. Doch Kinder durch den Kauf von Gameten in einem gemieteten Uterus herzustellen, unterliegt keinerlei Regulierung. Jedes unfruchtbare Paar, das mit einer Adoptionsgesellschaft zusammenarbeitet, weiß, dass es nach einer Altersgrenze von 40 Jahren kein Neugeborenes mehr adoptieren darf. Aber zahlenden weißen Männern, die ihre Familie mit eigens für sie angefertigten Kindern bestücken wollen, scheinen keinerlei Grenzen auferlegt zu sein.
Domenico Dolce erregte mit dem Begriff synthetische Babyss Aufsehen. Aber es gibt im Leben Dinge, die eben nicht geändert werden können. Dass sich Mann und Frau ergänzen, ist unabdingbar. Es handelt sich nicht um eine religiöse Erfindung. Es ist unabdingbar in unser Herz geschrieben, spiegelt sich in unserer DNA wieder und wir können es überall um uns herum entdecken: Das Naturgesetz. Es kann nicht ausgetrickst oder verändert  werden. Zumindest nicht ohne unvorhersehbare Folgen. Warum haben wir so eine Eile, den Begriff der Ehe neu zu definieren? Auch wenn Gerichte vorgeben, die besten Absichten zu haben. Die Leidtragenden sind die Kinder. Wir werden erst darüber erfahren, wenn sie alt genug sind, um uns über ihr Schicksal zu berichten[4].“


Literatur:




[1] Dr. Johannes Videoblog, Die Pille danach: Gefährliche Freigänger, DocCheck News, 27.03.2015
[2] Newman R.: The 5 ways the sexual revolution has divorced us from each other, Aleteia, 2. April 2015
[3] http://www.panorama.it/news/cronaca/dolce-gabbana-lunica-famiglia-quella-tradizionale/
[4] Mainwaring D.: Nature vs. Synthetics: What’s at Stake in the Dolce and Gabbana controversy. The Public Discourse 2. April 2015

Tuesday, March 31, 2015

Genetische Manipulationen an menschlichen Embryos mit unabsehbaren Folgen

Dr. Edith Breburda


sieh auch Zenit 3. April 2015
In Großbritannien können Paare ab Oktober 2015 ganz offiziell In-Vitro-Fertilisationen mit drei Spendern durchführen. Bereits am 3. Februar 2015 hatte das britische Unterhaus  eine entsprechende Gesetzänderung vorbereitet. Genetisch modifizierte Embryos durften bisher nicht implantiert werden. Doch am 24. Februar entschied sich das Oberhaus, der Implantation genetisch modifizierter Embryos, nach einer langjährigen Debatte,  stattzugeben.  
Viele Frauen, deren Eizell-Mitochondrien defekt sind, hoffen darauf, gesunde Kinder haben zu können. Zudem können sie sicher sein, die Erkrankung nicht an ihre Nachkommen weiterzuvererben.
Robert Meadowcroft, Geschäftsführer von Muscular Dystrophy UK, einer britischen Wohltätigkeitsorganisation, bemerkt dazu: "Wir geben Frauen die wertvolle Chance, Erkrankungen aus den Familienstammbaum zu tilgen und die Zahl derer zu reduzieren, die mit den verheerenden Folgen der Erkrankung konfrontiert sind."

Gegner dieser Innovation sehen in der Technik eine Form der Eugenik. Sie reden von Designer-Babys und unkontrollierbaren Konsequenzen. "Wir öffnen die Büchse der Pandora", warnt die konservative Abgeordnete des Unterhauses, Fiona Bruce. Der Fertilitätsexperte der Labour-Partei, Dr. Robert Winterson, verwahrt sich gegen Anschuldigungen, dass sich Ärzte in die Natur einmischen. <<Wir versuchen nicht, Gott zu ersetzten, sondern wir versuchen, sein Werk zu verbessern>>.
Die Mitochondrien, die außerhalb des Zellkerns im Zytoplasma oder Zellleib liegen,  werden nur von der Mutter vererbt, weil  bei der Befruchtung nur der Kern der Samenzelle mit der Eizelle verschmilzt. So wird eine Dysfunktion der Mitochondrien, welche auf Mutationen der Mitochondrialen DNA (mtDNA) beruhen, ausschließlich durch die Mutter vererbt.
Bisher konnten kranke Mütter nur Kinder bekommen, wenn sie ein Kind adoptierten oder   eine Spender-Eizelle künstlich befruchtet wurde.  Andere Möglichkeit bestanden in der Präimplantationsdiagnostik, der Chorionzottenbiopsie, einer Diagnostik von Chromosomenstoerungen, bzw. der Amniozentese, einer Fruchtwasseruntersuchung , wobei bei einem kranken Kind eine Abtreibung empfohlen wird. 
Die britische Behörde für menschliche Befruchtung und Embryologie hatte 2014  ein Expertengremium einberufen, um die Sicherheit der verschiedenen Methoden des Mitochondrienaustausches zu untersuchen.  Die besten Erfolge wurden mit dem Maternal Spindle Transfer (MST) und dem Pronuklear Transfer (PNT) erzielt. Das Expertenteam ist der Ansicht, dass ohne die Verfahren eine kranke Mutter die Mutationen  der Mitochondrialen DNA an ihre Kinder weitervererben würde, und sich dadurch eine tödliche  Erkrankung entwickeln könnte.
Um dem Eingriff mehr Sicherheit zu verleihen, sollte die Spender-Mutter der biologischen Mutter so ähnlich wie möglich sein.
Wie findet der Mitochondrienaustausch  statt?
Beim MST repariert man zuerst die Eizelle. Vereinfacht gesagt wird der haploide Zellkern, das heißt, die Spindel mitsamt den assoziierten Chromosomen aus der mütterlichen Eizelle entnommen und in eine zuvor entkernte Spender-Eizelle, die in ihrem Zellleib gesunde Mitochondrien hat, transplantiert.  Danach findet die Befruchtung unter dem Mikroskop satt. Man injiziert eine Spermie direkt in die Eizelle. Im Fachjargon nennt man das eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion.
Beim PNT findet der Eingriff am bereits entstandenem Embryo statt. Nach der In-Vitro-Fertilisation wird der diploide Zellkern entnommen und in eine entkernte Eizelle eingepflanzt. Bei beiden Verfahren, kann es allerdings dazu kommen, dass beim Transfer der Kerne auch Mitochondrien der Mutter aus Versehen verschleppt werden.
Die Chromsomale DNA besteht aus etwa 25.000 Genen. Sie ist völlig anders organisiert als die aus 37 Genen bestehende Mitochondriale DNA, die einen bakteriellen Ursprung hat. Die Mitochondriale DNA macht nur einen Bruchteil von 0.2 Prozent aller Gene aus. Schätzungen zufolge hat eines von 200 Neugeborenen eine krankhafte Mutationen in seinen Mitochondrien. Eine dadurch bedingte Krankheit tritt in 1:5.000 bis 1:10.000 Fällen auf.
Da die Mitochondrien, vereinfacht ausgedrückt, die Energiequellen des Organismus sind, verursachen sie meist Schädigungen des Nervensystems, der Muskeln und der Augen. Das Ausmaß und die Schwere einer Erkrankung hängt vom Anteil der Mutationen im Vergleich zur unmutierten mtDNA ab. Eine reife Eizelle kann bis zu 100.000 Kopien der mtDNA enthalten. Der Zufall entscheidet letztendlich, ob eine Krankheit wirklich weitervererbt wird. Deshalb kann ein Kind einen sehr hohen Anteil an mutierten Genen erhalten, während seine Mutter nur geringe Mutationen aufweist.  
In den USA wurden zwischen 1997 und 2002  einige Kinder, die drei Eltern haben, geboren.  Durch einen Zytoplasmatransfer half man älteren Frauen, die trotz vieler In-Vitro-Fertilisationen kinderlos bleiben, mittels dieser Technik, doch noch dazu schwanger zu werden.
Gealterten Eizellen injizierte man frisches Zytoplasma und die darin enthaltenen Mitochondrien aus einer Spender-Eizelle.  Mit Hilfe dieser Verjüngungs Methode wurden Kinder "geschaffen". Dann verbot die Amerikanische Food und Drug Administration, FDA, die Technik aus Sicherheitsgründen. Großbritannien ist jetzt daran interessiert, was aus diesen Kindern von damals in Bezug auf ihren Gesundheits- und Entwicklungszustand geworden ist[i].
Science Magazine hatte am 13. 3. 2015 eine Warnung von Wissenschaftlern veröffentlicht. Don’t edit embryos, hieß es in dem Artikel. Forscher sollen unter keinen Umständen weder das Genom von menschlichen Embryos, noch humane Ei- oder Samenzellen manipulieren.
Es geht um eine Technik, die als CRISPR und Zink-Finger Nuklease bekannt ist und die es Wissenschaftlern ermöglicht, Gene auszutauschen bzw. ganz auszulöschen. Heutzutage kann man sehr elegante, präzise mikrochirurgische Eingriffe in das Erbgut einer lebenden Zelle vornehmen. In der Molekularbiologie bezeichnet man den Vorgang als die <<clustered regularly interspaced short palindromic repeats>>, kurz CRISPR-Cas 9. Mit diesem Konstrukt kann man Nukleinsäurensequenzen aus dem Erbgut herausschneiden. Für 55 Dollars bekommt man die einschlägige Software, um die Scheren herzustellen, die man benötigt, die gewünschten Gensequenzen herauszuschneiden.
Was allerdings die Folgen eines Eingriffes sind, bei dem man Gene aus dem Erbgut entfernt, weiß man nicht. Wir kennen nicht die Gesetze, die den Organismus regulieren. Wir wissen nicht welche Gene am Ausbruch einer Krankheit beteiligt sind[ii].
Die mikrochirurgischen Instrumente ermöglichten es bisher bessere Tiere zu züchten, um an ihnen die Rolle der einzelnen Gene zu studieren.
Man will dadurch auch Gen-Mutationen bei Patienten  korrigieren. Vor allem Mutationen in Blut-, Muskel- oder Tumor-Zellen. Wissenschaftler nutzten diese Techniken erst kürzlich, um einen genetisch modifizierten Affen zu erzeugen. Es gibt Hinweise, dass man genau das Gleiche mit menschlichen Embryos versuchen will. Die Studie stehen kurz vor der Veröffentlichung.
<<Das ist unsicher und unethisch. Vererbbare menschliche genetische Modifikationen sind sehr risikoreich. Ihr therapeutischer Nutzen ist unbedeutend >>, protestiert Edward Lanphier und vier andere Wissenschaftler in ihrem Kommentar am 12. März 2015 in dem Magazin, Nature[iii].
<<Man kann nur dann medizinische Eingriffe ethisch rechtfertigen, wenn sie bewiesen haben sicher zu sein und wenn keine Gefahren auf die nachkommenden Generationen ausgehen>>, schreiben einige Forscher. Sie fordern dazu auf, alle Experimente die es erlauben Gene in Spermien, Eizellen oder Embryos zu manipulieren, sofort zu stoppen. <<Man solle erst einmal öffentlich über die wissenschaftlichen und ethischen Folgen derartiger Experimente diskutieren. Vor allem über den jüngsten Einsatz der mitochondrialen DNA-Ersatz-Therapie in England>>, betont Lanphier, der Direktor von Sangamo BioScience in Richmond, Kalifornien. Seine Firma will Menschen mit Gentherapien behandeln. <<Es gibt einen großen Unterschied , ob ich Körperzellen genetisch therapiere oder Keimzellen. Dazwischen liegen klare ethische Grenzen>>, argumentiert Lanphier.
 George Daley, ein Stammzellforscher des Bostoner Kinder Krankenhauses der Harvard Medical School stimmt überein.
<< Eine öffentliche Diskussion ist wichtig. Selbst Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass es momentan viel zu früh ist und wir viel zu wenig über die Sicherheit wissen, um auch nur irgendwelche Anläufe zu nehmen, die Keimzellen von Embryos zu manipulieren. Wir brauchen eine ausführliche Diskussion, ob es überhaupt erlaubt sein sollte solche Technologien zuzulassen>>, beteuert er[iv]. 



[i] Aho-Ritter A.: IVF: Flotter Dreier per Gesetz. DocCheck,30.März 2015
[ii] Albrecht J. und Kastilan S.: Können wir es besser? Frankfurter Allgemeine, Gentechnik, 23.03.2015
[iii] Lamphier et al.: Don’t edit the human germ line. Nature, 12 März 2015
[iv] Vogel G.: Don’t edit embryos, researchers warn. Science/AAAS News. 3.13. 2015

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