Donnerstag, 28. Juli 2016

Venezuelaner verbringen ihre Tage in der Warteschlange


Dr. Edith Breburda
Veröffentlicht in: Christliches Forum, 28.7.2016
Die ökonomische Lage in Venezuela verschlechtert sich zunehmend. Leute stehen geduldig in größter Hitze vor einem Laden. Unfreiwillig wurden sie Zeugen, wie ein Mann mit einer Pistole einen Jungen Namens Pererz bedroht, damit dieser sein Handy hergebe. Perez ergreift die Flucht. Doch bevor er den Eingang zur Drogerie erreicht hat, strecken ihn acht Schüsse nieder. Er fällt zu Boden. Blut tropft auf den Asphalt. Die Leute in der Schlange scheinen ungerührt und hoffen, ihre Drogerieartikel zu erhalten.

„Um zu überleben, sind wir darauf angewiesen, zu warten. Alles andere ist zweitrangig. Du musst sicherstellen, dass du das, was du brauchst, bekommst. Alles andere darf dich nicht irritieren. Mitleid ist hier fehl am Platz“, sagt der Drogist Heide Mendoza.

Die Warteschlangen vor den Läden sind in Venezuela nicht nur länger, sondern auch gefährlicher geworden. Es ist der einzige Lebensinhalt -und immer öfter endet er tödlich.
Mehr als zwei Dutzend Leute und ein kleines Mädchen sind in den letzten 12 Monaten vor den Geschäften umgekommen. Eine 80-jährige Frau wurde zu Tode getrampelt, als ihre Mitmenschen anfingen, den Laden vor ihr zu stürmen. Immer öfters kann so etwas nun passieren, weil in Venezuela die lebensnotwendigsten Dinge fehlen.

Die Ökonomie des Landes kann sich mittlerweile in der Länge der Warteschlangen vor den Läden des Landes messen. Im Durchschnitt steht man 35 Stunden in der Woche an. Das ist dreimal länger als noch vor zwei Jahren. 

Nachdem die Ökonomie zusammenbrach, schlagen sich die Leute regelrecht um die alltäglichen Dinge. Konflikte, Kämpfe und auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein, sind da vorprogrammiert. Venezuelas Ölvorkommen sind schon lange verbraucht.

Die Misswirtschaft der Sozialisten führte dazu, dass das Land selber nichts mehr produzierte und mehr importieren musste. Die Versorgung brach langsam zusammen. Bald war kein Geld für die einfachsten Dinge mehr da. Politiker sorgen sich heute mehr über die Lebensmittelknappheit als über die Sicherheit des Landes. Das erstaunt, weil Venezuela ein Land mit der größten Selbstmordrate ist.

Verzweiflung facht die Gewalt auf den Straßen an. Die Medizinstudentin Maria Sanchez hat den gleichen gelangweilten Blick in ihren Augen wie alle anderen hier. Als sich jedoch eine Frau vordrängeln wollte, schlug sie auf diese ein, bis sie schließlich davonhumpelte. Den Rest der Wartezeit presste Sanchez ihre Lippen zusammen, während ihre Mutter leise neben ihr weinte: „Wenn Du auf die Straße gehst, musst du voller Energie sein, damit du nicht von anderen hereingelegt oder betrogen wirst. Die Not hat ein schreckliches Gesicht“, sagt sie. 

Keiner ist von dem Engpass verschont. Selbst in den wohlhabendsten Vierteln von Caracas stehen die Einwohner mit ihren 20 Liter-Kanistern in einer langen Schlange und hoffen, dass der Wasserlaster vorbeikommt. 

Die ärmere Bevölkerung muss zum Fuß eines Berges gehen. Dort streiten sie sich um das Quellwasser. An automatischen Geldmaschinen bekommt man unter der Woche umgerechnet 8 Euros pro Tag. Die Warteschlangen werden besonders am Freitag sehr lange. 

In Venezuela vermeidet man es, bar zu zahlen. In den kleinen Läden kann man nur noch eine Kreditkarte benutzen. Jede Nacht stehen Kunden vor Autowerkstätten an, um eine der wertvollen Autobatterien zu ersteigern, die am anderen Morgen, kurz nach Eröffnung, nicht mehr zu bekommen sind. 

Alle Einwohner des Landes, auch Kinder, wissen aufgrund ihrer Passnummer, wann und wo sie bestimmte Dinge kaufen dürfen. Schon lange bevor die Geschäfte öffnen, gehen Gerüchte herum, wo es die beste, stets zugeteilte Ware gibt. 

Einige fälschen ihre Pässe, um zusätzliche Güter zu erhalten. Schwangere und alte Leute werden beim Warten bevorzugt. Dennoch stehen jedem nur zwei Dinge zu. Am längsten steht man für das an, was am knappsten ist: -Lebensmittel.
Eine Studie der Simon Bolivar Universität berichtet, dass neun von zehn Menschen nicht genug Nahrungsmittel kaufen können.

Die Preise schossen in die Höhe. Schuld daran ist die Angst, leer auszugehen. Dass der Schwarzmarkt unter den Bedingungen floriert, erklärt sich von alleine. Denn es kommt trotzdem vor, dass einige Lebensmittel horten. 

Die Wartenden lassen sich nicht irritieren. Nie wissen sie, was sie bekommen werden, wenn sie endlich an der Reihe sind. Wenn die Lebensmittel-Transporter ankommen, öffnen die Läden sehr pathetisch ihre Türen, damit die Wartenden sehen, was es heute zu kaufen gibt. Manchmal kann man nur noch Hundefutter bekommen. 

Und wenn die Enttäuschung dann zu groß ist, um sie ertragen zu können, dann stürmen die Bürger Venezuelas einfach den Laden, so wie das Hunderte im Juni 2016 taten. „Wir verhungern“, rechtfertigte einer die Aktion. Der Lebensmitteltransporter war schon lange wieder weg, und die Türen wurden einfach zu zögerlich geöffnet. Soldaten bewachen die Ausgabe der Lebensmittel. Sie zögern keinesfalls, Tränengas zu benutzen. So sind bereits drei Leute vom Militär erschossen - und Hunderte verhaftet worden. 

Nicht weit von der Stelle, wo Perez erschossen wurde, verbrannte der aufgebrachte „Mob“ einen Dieb. Nachdem der Verletzte fortgebracht wurde, gesellte sich derjenige, der das Feuer gelegt hatte, seelenruhig zu den Wartenden. 

Auch wenn Gewalt in der Luft liegt, passieren in so einer Schlang auch ganz gewöhnliche Dinge. So hat Merlis Moreno vor einem Hühnchenladen ihre Tochter geboren. Die 21-Jährige merkte, dass sie ihre Wehen bekam, als sie bei glühender Hitze in den Stadtbus von El Tigre einstieg. Sie hatte keine andere Wahl, als trotzdem einkaufen zu gehen, weil sie nichts mehr zu essen hatte.
Der Hausmeister des Supermarktes half ihr, das Kind zu entbinden. Ein alter Lumpen, den sie fanden, diente als Windel. 

In der Schlange für Toilettenpapier sangen die wartenden Kinderlieder, als sie Zeugen wurden, wie ein kleiner Junge laufen lernte. Kinder machen ihre Hausaufgaben, und junge Männer nutzen die langen Stunden, um junge Frauen kennen zu lernen, auch ohne Onlinedating.

Sasha Ramos hat die Beziehung zu ihrem Freund in der Warteschlange für Rasierklingen abgebrochen. Es war ihr sehr peinlich, so viele Zeugen zu haben. Sie hatte sich bei ihm beschwert, dass sie die ganzen Einkäufe erledigen müsse. Er stürmte wutentbrannt davon, und sie stand alleine in der Schlange und stierte vor Scham in den Boden. 
„Er war so rücksichtslos. Ich hätte ihm ja fast vergeben. Dieses ewige Warten ist nicht gut für die Liebe“, sagt Ramos.

Für ältere Leute ist das tägliche Einkaufen eine große Qual. Irama Carrero mustert die Leute, die in dem gehobenen Viertel von Karakas vor ihr stehen. Dann wurde ihr Blick starr, und sie fiel nach hinten. Keiner versuchte, sie aufzufangen. Als sie wieder zu sich kam, musste sie sich übergeben. Keiner verließ seinen Platz. Nur ein junger Mann erbarmte sich, die alte Dame in die Notaufnahme zu bringen. Im Taxi beichtete sie ihrem Retter, dass sie seit gestern nichts mehr zu essen hatte.
Die Schlangen bezeugen, wie arm die Bevölkerung geworden ist. Kaum einer hat mehr Zeit zum Arbeiten. Das Durchschnittsgehalt liegt sowieso nur bei 15 Euro, und die Inflation hat sich verdreifacht. Es zahlt sich nicht aus, arbeiten zu gehen. Die Felder sind nicht bewirtschaftet, und Lehrer verlassen das Klassenzimmer, um einkaufen zu gehen. 

Selbst Regierungsbeamte sind am Nachmittag nicht mehr in ihrem Büro, denn auch sie müssen einkaufen gehen. „Die meisten Leute verdienen mehr Geld an der chaotischen Situation“, sagt David Smilde, der Venezuela Experte in Washington/USA. 

Man hat die Warteschlangen in ein Business verwandelt. Maria Luz Marcano verleiht Plastik-Stühle und aufgeladenen Handys. Man kann bei ihrem improvisierten Concierge-Stand seine Tasche abgeben. Sie verdient mehr als in ihrem alten Job. „Ich liebe es, eine unabhängige Berufstätige zu sein“, sagt Marcano.

Aus: Hanna Dreier, Beleaguered Venezuelans spend all day in line. Wisconsin State Journal, Saturday July 16th. 2016

Donnerstag, 7. Juli 2016

Essen, eine neue Religion, die ein ewiges Leben auf Erden verspricht

Dr. Edith Breburda 
Superfood, Rohkost, Vegetarisch, Vegan, Brain Food, Gluten freie Diät, Figur besorgter Ökomenschen, Locavores, Low Carb und so viele andere neue Trends der gesunden Ernährung huldigen unserem Körper. Erklärt man Essen zu einer neuen Religion, deren Mitglieder schlank, fit, schön sind?  
Man gilt schon fast als asozial, wenn man nicht in einen Fitnessclub eingeschrieben ist. In den Gesundheitstempeln werden die neuesten Cardio-How to burn fat und Grocery-Store Tours usw. neben Joga angeboten. Ein hochdotierter persönlicher Trainer steht den manchmal auch eingebildeten Übergewichtigen zur Verfügung, hässliche Pfunde loszuwerden.
Im Internet findet man, wie man sich ernähren muss, um Alzheimer oder Krebs loszuwerden. Das was wir essen, sei ungesund. Ratgeber erregen mit ihrem wissenschaftlichen Anhauch die Gemüter. Es heißt, Wurst und Fleischwaren verursachen Darmkrebs; Zucker zerstört Darmbakterien. Auch Milch kann krank machen.

Auswege aus der Fehlernährung werden uns von selbsternannten Experten angeboten. Ihre Anweisungen schüchtern uns so ein, dass wir unüberlegt ihren Ratschlägen folgen und dafür tief in die Tasche greifen. Wir verzichten ungezwungen auf Nahrungsmittel, die wir eigentlich lieben. Veganer meiden sämtliche Lebensmittel tierischen Ursprungs, während es bei Vegetariern nur Fisch und Fleisch ist. Die Paläo-Diät verbietet Getreide und Milch aufzunehmen und die Clean-Food-Anhänger verabscheuen industriell zubereitete Nahrung. Die Regale in den Geschäften sind vollgestopft mit Gluten- und Lactose freien Produkten, obwohl in Deutschland nur geschätzte 15 Prozent an einer Lactoseintoleranz leiden und nur 1:500 kein Gluten vertragen.

Dr. Weil, dessen Trufood Restaurants von essensbewussten Kunden überrannt werden, vermarktet sich, wie so viele andere, als „spiritueller Führer“.
Kritik ist bei den Anhängern des US-Mediziners, so wie des Wirtschaftsingenieurs Nico Richter oder der Physikerin Attila Hildmann unerwünscht. Alle drei sind keine Köche. Sie bereichern sich persönlich mit ihren Gesundheitstipps, die sie leichtgläubigen Verbrauchern geben. Der vollendete Körper, ein Trainingsarmband, das jede Sünde registriert, vereint Fitnessbesessene in einer Art Glaubensgemeinschaft.

Fasten und sich im Trainingsraum zu geißeln, sind Eigenschaften, denen man früher Mönchen zukommen ließ. Fast schon dogmatisch wird die inhaltstoffarme Nahrung verteidigt. Man dichtet ihr eine Heilwirkung an, obwohl sie bei näherer Betrachtung ungesund ist. Intoleranz trifft jeden, der seinen Körper nicht perfektioniert. Dennoch herrscht Unsicherheit darüber, wie man denn nun seinen Körper behandeln muss, um ein ewiges Leben schon hier auf Erden zu erhalten.

Essen muss vor allem die benötigten Nährstoffe enthalten und satt machen. Fett, Zucker, Zusatzstoffe aber auch Getreide und tierische Produkte sollen dennoch fehlen. Markenzeichen ist oft der Preis der Nahrung, ganz so, als ob dies eine Garantie für die Wirkung sei. Die Qualität lässt trotzdem zu wünschen übrig. Nur sehr selten berichtet man darüber, wie sehr z.B. Chiasamen und Quinola mit Umweltgiften belastet sind (1).


Auf Genuss und Freude am Essen, welches man früher in der Gemeinschaft aufnahm, wird in Amerika verzichtet. Dass die Familie zum Essen zusammenkommt, das gibt es an Thanksgiving in Amerika; dem Land, wo man sich selbst um die gesunde Nahrung der Haustiere Sorgen macht.
Auch der Hund soll ernährungsbewusst fressen. In kalifornischen Restaurants gehört eine Speisekarte für Fifi zum guten Ton. Man bedankt sich vielmals bei dem Hund, wenn dieser das ihm auf einem Teller gereichte Essen auffrisst.

Vergessen sind die Menschen, die nichts zu essen haben; die versuchen, irgendetwas auf den Teller zu bekommen. Im übersättigten Kalifornien, ist man allerdings entsetzt, wenn in Süd-Korea Hunde auf der Speisekarte stehen. Wahrscheinlich ist es nicht das einzige Land, das pro Jahr 2.5 Millionen Hunde und Katzen als Nahrungsmittel verarbeitet. 

Wir kennen Korea als den Produzenten von Samsung, Hyandai, Kia, LG, Sk, und Daewoo. Wie kann so ein Land Hunde in verlausten, engen Käfigen halten? Von Geburt an kennen diese Tiere nichts anderes als Schmerz. Vor ihren Augen werden ihre Leidensgenossen erhängt, geschlagen, sie bekommen ihre Kehlen durchgeschnitten und werden oft noch lebend verbrannt oder in heißes Wasser geworfen.

Der Mythos, dass, je mehr der Hund leidet, desto besser sein Fleisch schmeckt, steigert die Phantasie der Schlächter, die Tiere zu quälen. Katzen müssen für ein Gesundheitselixier immer lebend gekocht werden.

Jedes Tier kann so enden. Selbst Jindos, eine besondere und unter Artenschutz stehende Hunderasse, die als Nationaler Schatz gilt, werden nicht verschont. Viele Besitzer haben auf diese Weise schon ihren Hund verloren. Sie wissen, wo ihr geliebter Begleiter gelandet ist. Der Endverbraucher hat keine Ahnung, welches Tier er konsumiert. Es war vielleicht der Hund des Nachbarn.

Ein anderes Problem besteht für die Leute, die in Korea neben einer sehr unsanitären Hundefarm leben. Das Wasser ist verschmutzt, und ein Gestank liegt in der Luft. Das Zitat von Mahatma Gandhi:
„Die Größe einer Nation und sein moralischer Fortschritt wird danach beurteilt, wie sie ihre Tiere behandeln“, kommt Protestlern auch nicht zugute. Die Farmen überschatten das Leben aller Menschen. Kinder werden unbewusst zu Zeugen der Grausamkeiten; denn manchmal werden die Hunde gleich neben einer Schule gehalten.

Die Hauptfrage bleibt, wie gesund es ist, sich mit Fleisch von diesen Hunden zu ernähren, die mit meist verdorbenen, Parasiten befallenen Essensabfällen gefüttert wurden und zahlreiche Medikamente und Antibiotika verabreicht bekamen.

Das hochtoxische Fleisch beeinträchtigt die Gesundheit der Menschen, was Diabetes und Krebs auslösen kann. Das Nahrungsmittel ist prädestiniert, Lebensmittelvergiftungen beim Endverbraucher hervorzurufen. Es ist zwar eine alte Tradition, Hundefleisch zu konsumieren, trotzdem sollte man damit brechen. Normalerweise verbindet uns Stolz und Freude, Gebräuche aufrecht zu erhalten. Sie sollten genossen werden, von den Menschen, die sich damit identifizieren. Hundefleisch zu essen, erfüllt keines dieser Ansprüche. Es passt nicht zu dem Bild, das wir von Korea haben.
Das Gewerbe wird geduldet, unterliegt aber keinen offiziellen Regulierungen, man sollte es auch niemals legalisieren. 

Tierschützer aus den USA prangern an, dass führende Mitglieder der Koreanischen-Gesellschaft damit angeben, Hundefleisch zu essen. Damit verharmlost man das Übel, was einen Rückschritt der Kultur bedeutet. In einer modernen, aufgeschlossenen Kultur sollte man keine Hunde oder Katzen verspeisen. In den Philippinen und Thailand ist dies bereits verboten. Die Hoffnung der Protestler ist es, auch China, Vietnam und Indonesien dazu zu bewegen, mit dem grausamen Töten der Tiere aufzuhören. Das würde nicht nur den Tieren im Land zugute kommen, sondern allen Tieren, die momentan irgendwo auf der Welt unter den inhumanen Bedingungen leiden (2).


Die moderne Küche orientiert sich allerdings mehr, als uns lieb ist, an den alten Gebräuchen. Nicht, dass es sich überall um Hundefleisch handelt. Nein, in der Stadt Mexico City können Touristen des City’s Ferstin de Insectos Comestibles (des City-Festes der Essbare Insekten) lange schwarze Insekten, die in Schokolade gehüllt sind, verkosten. Die Würmer sind tot, und wenn man nicht so sehr darauf achtet, was man sich auf der Zunge zergehen lässt, kann man es fast genießen.

Zumindest haben die Lebensmittel der Ureinwohner sehr viel Proteine. Mexico hat die kulinarische Tradition ihrer Vorfahren wiederentdeckt. „Wollen sie Fliegen mit ihrem Gericht?“, fragen sie ihre Kunden. Es gibt Honig-Ameisen, die auf einem Schokoladenstückchen liegen, Pizzas, verziert mit gegrillten Grasshüpfern, Brötchen mit Fliegenlarven und Tocos mit „escamoles“. Die Ameiseneier sind eine Delikatesse, die man auch als Mexikanischen Kaviar bezeichnet. „Wir versuchen unsere aztekisch-gastronomischen Wurzeln wiederzuentdecken“, sagt Laurencio Lopez Maya, der Besitzer des Restaurants, Tlacoyotitlán. Als Delikatesse findet man auf seiner Speisekarte eine besondere Käfersuppe und chinicuile (Maguye Wurm) quesadillas.

Früher aßen die Azteken 92 verschiedene Insekten. Viele von ihnen waren eine Delikatesse. „Als Mexikaner zierten wir uns sie zu essen, aber nun liegen wir im Trend, sie unseren Kunden anzubieten“, sagt Lopez (3) .

Viele schauen bei der Nahrung, die als gesund deklariert wird, am besten nicht so sehr hinter die Kulissen. Nicht alles, was wir konsumieren, fördert unser Wohlbefinden. Die Unverträglichkeite kann auch schon bei Rohkost und Vollkornprodukten auftreten. Man muss dazu nicht einen kulinarischen Trip in ferne Länder unternehmen. 

 


Auszug aus dem demnächst erscheinenden Buch: „Gentopia, das gelobte Land“, von E. Breburda

REFERENZEN:

[1] Urologenblog: „Ich bin Klempner von Beruf“, Ideologischer Eifer. 2. 7.2016
[2] Koreandogs.com, The south Korean dog meat trade. Compassion through action, 2016
[3] Kroth M.: You want flies with that? Sampling the fare at the Mexican capital’s edible insect celebration. Hemisphere, June 2016



Mittwoch, 15. Juni 2016

Wie begegnen wir der Trauer, wenn unser Glaube in Frage gestellt wird?

Dr. med. vet. Edith Breburda

Bischof John Noonan von Orlando schrieb am Montag: „Wir müssen um den Weltfrieden beten und die Würde des Menschen unter allen Umständen beschützen.“
Die Schießerei in Orlando am 12. Juni 2016 wird als die schlimmste in der Geschichte der USA bezeichnet. In den frühen Morgenstunden eröffnete der 29-jährige Omar Mateen von Port St. Lucie in Florida das Feuer in einem homosexuellen Nachtclub. 49 Menschen wurden getötet, 53 sind zum Teil schwer verletzt.
Der Präsident von Amerika redete von einer Terrorattacke. Wenn man den Opfern die das Massaker überlebt haben zuhört, danken sie zu aller erst Gott, nicht erschossen worden zu sein und schätzen es, dass man überall auf der Welt für sie betet.
Chase Strangio, Anwalt der Civil Liberties Union der USA (ACLU/ Amerikanischen zivilen Freiheits Union) kritisierte hingegen den Aufruf vieler Amerikaner, für die Opfer zu beten. So mehren sich auch Slogans wie „don’t pray“. Die ACLU sieht zudem nicht den sich zur ISIS bekennenden Täter als den Hauptschuldigen an, sondern macht die Christen dafür verantwortlich.
Er bezeichnete die Solidarität zu den Opfern als Islamophobie. Für ihn haben doch gerade Christen dieses Klima geschaffen. Christen beeinflussen seiner Meinung nach den Gesetzgeber, auf die Gewissensfreiheit zu achten, wenn es z.B. darum geht, Homosexuelle Hochzeiten auszutragen. „Im letzten halben Jahr gehen 200 anti-homosexuelle Anzeigen auf christliche Organisation zurück. So stimmt die Behauptung nicht, dass der Islam die Schuld an dem Massaker trägt?“.
Auch für Eunice Rho klingt der Aufruf, für die Opfer zu beten und sich solidarisch ihnen gegenüber zu zeigen, wie Hohn. Sind es doch gerade die Gesetzesmacher, die am schärfsten gegen die Homolobby voranschreiten.
Christliche Organisationen in Amerika widersprechen diesem Ansinnen. Ihre Intention ist nach wie vor, jedes menschliche Leben zu schützen, unabhängig von seinen sexuellen Neigungen.
Christliche Führer sagen: jeder hat das Recht nicht an einer Homohochzeit teilzunehmen. Das heißt aber noch lange nicht, dass dies in Verbindung mit dem Massaker in Orlando steht.
Der Direktor des religiösen Witherspoon Institutes Matthew Franck erklärte gegenüber dem Nachrichtensender CNA: "Das Festhalten an der christlichen Lehre über die Ehe ist nicht mit Gewalt gleichzusetzen. Christen, welche die Ehe nicht neudefinieren und die ihren Glaubens-Grundsätzen treu bleiben, hassen keinen Menschen. Gesetze, die gemacht werden, um ihre Freiheit zu schützen, sind nicht gegen die Homolobby gerichtet. Man kann seine politischen Gegner nicht einfach als das Übel selber dämonisieren und damit mundtot machen."
Der Jurist Robert George von der Princeton Universität, sagt man könne in der gegenwärtigen Situation die Aussagen, die nach so einem Horrorakt gemacht wurden, nicht auf die Waagschale legen. Es handele sich um ein traumatisierendes Ereignis, und wenn wir böse oder traurig sind, sagen wir oft viel Unüberlegtes. Wir sollten deshalb nicht mit dem Finger aufeinander zeigen, sondern miteinander trauern.
Kommentare wie z.B. aus dem Römerbrief, 12:15: „Wir weinen mit denen, die ihre Lieben verloren haben - und mit denen, die über die Gewalttätigkeiten dieser Welt trauern....“, findet man seitdem in den Tweeds der Medienseiten (1).
Es ist ganz natürlich, Anteilnahme mit den Trauernden zu zeigen. Nur müssen wir im Namen der Solidarität unseren Glauben über Bord schmeißen und gegen unser Gewissen handeln? Wenn z.B. ein Betrunkener, oder Andersgläubiger die hl. Kommunion empfangen will, ist dann der Glaubenshüter per se verpflichtet sie diesem zu geben, nur weil die Person in Trauer ist?
Neulich las man in den Medien über eine Beerdigung. Die Tochter der Verstorbenen ging kurz vor Beginn des Requiems in die Sakristei und stellte dem Priester ihre lesbische Partnerin vor. Dem Priester war keine Zeit gegeben, näher mit der Tochter zu reden. Als diese zum Priester kam, um die hl. Kommunion zu empfangen, verweigerte er diese der Frau diskret, was sie veranlasste, zum Kommunionhelfer zu gehen.

Ich bin zu Pfarrer Marcel gegangen, um die hl. Kommunion zu empfangen“, sagt die Frau. „In diesem Moment legte er seine Hand über den Kelch, schaute mir in die Augen und sagte: Ich kann Ihnen keine Kommunion geben, weil sie mit einer Frau zusammen sind und das ist in den Augen der Kirche eine Sünde.“
Nach der Messe zeigte die Frau den Priester an und dieser wurde daraufhin vom Priesteramt suspendiert. Sie wollte damit nur verhindern, dass es anderen Personen so geht wir ihr. Deshalb fand sie es wichtig, dass der Priester gehen muss (2).

Literatur
1) CNA: ACLU Blame Claim: Christians caused Orlando shooting, 14.6.2016
2) Hayes C.: Catholic priest refuses lesbian communion at her own mothers funeral. Irish Central, 3. März, 2012

Adulte Stammzellen ermöglichen dauerhafte Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Dr. med. vet. Edith Breburda

Adulte Stammzellen helfen Schlaganfallpatienten noch nach Jahren. Knochenmarkzellen, die man sechs Monate bis 3 Jahre nach einem Apoplex injizierte, verbesserten erheblich die Lebensqualität.

Die Fachzeitschrift Stroke (Paywall) berichtet über 18 Probanden, denen genetisch veränderte Zellen in das durch einen Schlaganfall veränderte Gehirn eingepflanzt wurden. Studienleiter Prof. Gary Steinberg von der Neurochirurgie der Standford University in Kalifornien erforschte, wie sicher, machbar und wirksam seine Behandlung ist.
Eine 71-jährige Frau, die zum Beginn der Studie nur ihren linken Daumen bewegen konnte, kann jetzt gehen und ihren Arm über ihren Kopf heben. Die deutlichsten Verbesserungen betrafen Stärke, Koordination, Gehfähigkeit, die Fähigkeit, die Hände zu benutzen und das Kommunikationsvermögen“, erklärt der Professor.
Mesenchymale adulte Stammzellen aus dem Knochenmark wurden dahingehend verändert, dass sie ein (Notch-) Signal beeinflussen, welches die Zelldifferenzierung reguliert. Die Zellen können sich zwar nicht in Nervenzellen umwandeln, sie produzierten jedoch Wachstumsfaktoren, welche andere Moleküle und Proteine beeinflussen: „Vereinfacht gesagt verwandeln sie das adulte Gehirn in das Gehirn eines Neugeborenen, welches sich sehr gut von einem Schlaganfall erholen kann“, erklärt Steinberg.
Die genmanipulierten Zellen überlebten im Tiermodell einige Monate. Die Rehabilitation scheint von Dauer. Das Unternehmen SanBio aus Kalifornien, welches neurologische Behandlungen erforscht, will Prof. Seinberg weiterhin unterstützen. Das britische Unternehmen ReNeuron hat bereits mit der Phase-2-Studie an 21 Patienten angefangen.
Versuche, bei denen Stammzellen intravenös verabreicht werden, sind jedoch nicht so erfolgreich. Einige Patienten klagten im Zusammenhang mit dem chirurgischen Eingriff über Kopfschmerzen. Deshalb sind weitergehende Untersuchungen dringend notwendig. Prof Steinberg plant eine Phase-2b-Studie, zu der sich bereits 156 Patienten gefunden haben. Ein Drittel der Teilnehmer bekommt eine Scheinbehandlung. Bleiben die Ergebnisse weiterhin so erfolgversprechend, gehen sie in Phase 3 über.
Wir haben noch viel zu lernen, unter anderem, welche Zelle die richtige für den Job ist, die richtige Dosis und den richtigen Übertragungsweg. Die Ergebnisse legen nahe, dass Stammzellentherapie selbst Monate oder Jahre nach einem Schlaganfall die Rehabilitation fördern könnten, was vielen Menschen Hoffnung gibt, die derzeit mit einer Behinderung leben“, erklären die Experten.

Literatur
Aho-Ritter A.: Stammzellen nach Schlaganfall: Läuft wider. DocCheck News, 13. Juni 2016
 

Freitag, 3. Juni 2016

Wenn man einen Schöpfergott verleugnet, zählt das Leben eines vom Aussterben betroffenen Gorillas mehr als das eines Jungen

Dr. med.vet.Edith Breburda


Christliches Forum, 6.6.2016
Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir unsere Tiere fast abgöttisch lieben. Die Nachricht, dass ein Gorilla im Zoo von Cincinnati erschossen wird und eine Frau wegen ihres Hundes stirbt, erregt dennoch die Gemüter.
Als der Engländer Eric Blair, der unter dem Synonym George Orwell bekannt wurde, als Polizist in der Kolonie Burma tätig war, musste er einen Elephanten erschießen, weil dieser einen Tagelöhner getötet hatte. Orwell gibt uns in seinem Bericht „Shooting an Elephant“, einen Einblick in die Gepflogenheiten des Imperialismus. Seine Kollegen waren damals sehr entrüstet. Ihr Kommentar: „Es ist eine Schande, einen wertvollen Elephanten, wegen eines einfachen Mannes zu töten,“ beschreibt die damalige Gefühlsleere gegenüber den Mitmenschen.
Diese Art der Kosten-Nutzenrechnung ist leider nicht ein Relikt aus der Kolonialzeit. Sonst würden Tierpfleger nicht angeklagt werden, weil sie einen 17-jährigen Gorilla töteten, um einem vierjährigen Jungen zu helfen.
Seitdem häufen sich die Beschwerden, dass das falsche Leben gerettet wurde.
„Es leben 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Wieso müssen wir deshalb einen vom Aussterben bedrohter Gorilla töten, um einen Jungen zu befreien?“, schrieb ein US-Bürger auf einer Medienseite.
Wesley J. Smith, ein Amerikanischer Anwalt und Autor, erläutert in der Onlinezeitung First Things:
 „Derartige Reaktionen verwischen die sozialen und rechtlichen Unterschiede zwischen Mensch und Tier und deuten auf das Ende des humanen Exzeptionalismus hin. Die dreiste Behauptung, das Leben eines Affen sei wertvoller als das eines Kindes, ist schon weiter in der Gesellschaft verbreitet, als wir annehmen. Dieser Sinneswandel ist in einer Welt, die nicht mehr christlich geprägt ist und die einen Schöpfergott, der uns Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, zunehmend verleugnet, vorhersehbar. So gesehen ist die Empörung vieler Tierfreunde plausibel, wenn ein vom Aussterben bedrohter westlicher Tiefland-Gorilla erschossen wird. Wir denken nur noch daran, bestimmte Quoten einzuhalten, deshalb Sorgen wir uns um unsere Menschenaffen.“
Papst Johannes Paul II, redet bereits in seiner Enzyklika: „Evangelium-Vitae“ von einer „neuen Form von Anschlägen auf die Würde des Menschen“.
In der Öffentlichkeit herrscht zunehmend die Meinung, Verbrechen gegen das Leben im Namen der Rechte und der individuellen Freiheit am Ende sogar zu genehmigen. Er warnt vor einer Tyrannei der Starken über die Schwachen, wenn wir menschliches Leben nur nach seinen Leistungen bewerten.
Vor 20 Jahren erläuterte der Heilige Papst Johannes Paul II, dass wir in der modernen Gesellschaft eine Kultur des Todes haben, in der ein Feindbild gegenüber Behinderten aufgebaut wird. Aber nicht nur ihnen gegenüber, sondern jedem, der durch seine Existenz den Wohlstand und Lebensstil des begünstigteren Mitmenschen beeinträchtigt.
Das Paradoxe ist, dass sich Tierschützer eigentlich immer als Gegner einer derartigen Kultur sahen. Sie setzten sich für die Rechter der Armen, Ausgebeuteten ein und verliehen denen eine Stimme, die keine haben. Plötzlich wird dem Leben eines Gorillas im Namen der Gerechtigkeit Vorrang gegeben.
Die Frage kommt auf, wieviel ein Menschleben wert ist?
Der Irische Nobelpreisträger für Literatur von 1925, George Bernhard Shaw, erstellt ein Zukunft-Szenario, in dem wir uns vor einer Kommission rechtfertigen müssen, ob wir überhaupt weiterleben dürfen. Denjenigen, die nicht fähig sind, sich selbst zu erhalten, sollte man sagen: “Ihr Leben ist für uns nicht profitabel und damit auch für sie selbst nutzlos (1).”
Dass wir den Respekt voreinander verlieren, sieht man in vielen US-Schulen. Kinder dürfen nicht mehr diszipliniert werden. Lehrer haben sich daran gewöhnt, von ihren Schülern angeschrien, bedroht und geschlagen zu werden. Es gibt Berichte, dass sie sich nicht mal mehr trauen, die Polizei zu holen, und wenn sie es doch tun, storniert der Direktor der Schule den Notruf. Zu groß ist die Sorge, so etwas könnte dem Ruf seiner Schule schaden. Auch Lehrer müssen mittlerweile Angst um ihre Stelle haben, wenn sie Kindern schlechte Noten geben (2).
Vielleicht haben wir heute mehr Respekt vor Tieren. Wenn man in den USA einen Hund aus dem Tierheim „adoptieren“ will, ist das eine lange Prozedur. Bei den leisesten Anzeichen einer Misshandlung von Tieren droht dem Besitzer eine Gefängnisstrafe, zumindest verliert er sofort seinen Job.
Tierbesitzer werden heute ganz selbstverständlich als Hundeeltern bezeichnet. Sie selber reden von ihren Babys. Der 43-jaehrigen Liz Krenzke aus Yorkville ging es nicht anders. Am ersten Juni besuchte sie ihre Freundin. Gegen 3 Uhr früh wollte sie ihren Hund Jax aus dem Auto holen, doch dieser entwischte und rannte davon. Als sie ihn auf der Straße gefunden hatte und ihn holen wollte, wurde sie von einem Lastwagen erfasst, der sie tötete.
„Sie liebte ihren Hund so sehr, dass sie für ihn starb“, sagte Liz Freundin Haney. „Ich hörte den Unfall und dachte, Jax sei überfahren worden. Aber er saß auf der Veranda, als ich heimkam. Jax hatte den Unfall überstanden. Er war nur sehr schmutzig.“ Krenzek war seit 20 Jahren Gefängnisaufseherin. „Sie erhellte uns stets die dunkelsten Stunden. Dein Tag wurde sofort besser, wenn sie mit dir sprach (3).“


Literatur
1)    Lindeman M. How tears for Gorilla waters seeds for the culture of death. 31 May 2016, Aleteia, Society
2)    Vicky McKenna: Blood on the blackboard: Violence against teachers in Milwaukee public schools, Milwaukee’s News/talk show station.AM 1310, 2. June 2016
3)    Leary P. Yorkville woman hit, killed by truck while chasing her dog. Wisconsin State Journal, 1. June 2016

Montag, 16. Mai 2016

Im Labor erzeugte Embryonen fachen die ethische Debatte wieder an


Dr. Edith Breburda

Veröffentlicht in Schattenblick, 17. Mai 2016
Es ist leicht, eine Regel zu beachten, wenn man nicht das nötige Wissen besitzt, sie zu umgehen. Seit langem haben sich Forscher darauf geeinigt, Embryonen, die der Forschung zur Verfügung stehen, am 14. Lebenstag abzutöten. Bisher war das kein Problem, weil sie höchstens sieben Tage nach der In-Vitro-Fertilisation überlebten. Am siebten bis neunten Tag nistet sich ein Affen- oder Menschen-Embryo in der Gebärmutter ein. Deshalb ist es bisher keinem Wissenschaftler gelungen, Embryos über den 7. Tag hinaus das lebenserhaltende Nährmedium bereitzustellen.

Jetzt ist dies jedoch zwei Forschungsgruppen gelungen, was die alte Debatte um die „14-Tage-Regel“ neu entfacht.
Der Embryo muss das Blastozystenstadium erreichen, bevor er sich einnisten kann. In den Tagen nach der Befruchtung wandert der Embryo normalerweise den Eileiter hinunter, um sich später im Uterus zu implantieren. Im Acht-Zellenstadium, bzw. am dritten Tag, sind seine Zellen omnipotent. In der Tierzucht kann man den Embryo teilen und auf diese Weise acht Zwillingstiere erhalten, wenn Leihmütter-Tiere die Trächtigkeit fortsetzen.
Die Blastozyste ist das Stadium, in dem sich der Embryo ab dem fünften Tag befindet. Ein «Preimplantation’s Embryo» besitzt 150 Zellen.
Die Blastozyste sieht aus wie ein Siegelring. Die Siegelringstruktur stellt den Embryoblasten dar. Es handelt sich um eine Anhäufung von etwa 30 Zellen, die man auch «inner cell mass» nennt und woraus wir uns entwickeln.
Die Zellen des Embryoblasten sind pluripotent, weil sich die Zellen in mehr als 220 Körperzellen differenzieren können. Um aus diesen Zellen, Stammzelllinien für die Forschung gewinnen zu können, muss der Embryo zerstört werden.
Wie man Stammzellen differenziert, ist nach wie vor schwierig herauszufinden. Sobald dieses erreicht ist, sei man am Ziel der Forschung angelangt. Die Forscher könnten es sich leichter machen, indem sie „Embryos“ länger am Leben erhalten. Am 14. Tag der menschlichen Embryogenese fangen die Zellen an, sich in die drei Grundformen: Mesoderm, Ektoderm und Entoderm zu differenzieren.
Weil die weitere „Ernährung“ des Embryos außerhalb des Uterus - und damit ohne eine Einnistung – bisher noch nicht gewährleistet werden konnte, war es bis jetzt technisch nur möglich, Embryos so lange im Labor am Leben zu erhalten, wie sie entwicklungsphysiologisch ohne Nahrung auskommen können. Also bis zum Tag ihrer Implantation.

Die Blastozyste besteht des Weitern aus dem Trophoblasten, einem äußeren Ring von Zellen, welche die Zellhöhle, auch Blastocoel genannt, umgeben.
Aus der Ringstruktur, dem Trophoblast bildet sich die Plazenta und die Eihäute. Der Trophoblast dringt in die durch Hormone vorbereitete Uteruswand ein: Zellproliferation, Uterusdrüsenbildung, Gefäßneusprossungen sind auf Hochtouren, um die Einnistung des Embryos zu gewährleisten. Die Plazenta übernimmt die Ernährung, womit die embryonale und fötale Entwicklung gewährleistet wird.
Das ganz spezielle Uterine-Environment und die Plazentation, die für ein Weiterleben des Embryos notwendig sind, im Labor nachzuahmen, ist eine große Herausforderung an Wissenschaftler.
Seit 1990 darf man in Groß-Britannien im Kontext der Fertilitätsforschung mit bis zu 14 Tage alten menschlichen Embryos experimentieren. Verwendet werden durften allerdings nur gespendete Embryos, die bei der In-Vitro-Fertilisation übriggeblieben waren und ansonsten vernichtet worden wären. In England wurden mehr Embryos erzeugt, als eigentlich gebraucht wurden. Der Anspruch der Wissenschaftler entzündete schon damals eine enorme bioethische Debatte.
Man einigte sich, den Embryo bis zum Erscheinen eines markanten Entwicklungsstadiums, der Primitivrinne, die am 14. Tag nach der Befruchtung vorliegt, wachsen zu lassen.
Danach sind die Entwicklungsstufen ineinander übergehend. Wenn Biomediziner diese Einigung nicht akzeptieren, kann es passieren, dass Forscher den Zeitpunkt der Zerstörung des Embryos hinauszögern, in der Hoffnung, dass sich der Embryo von selbst differenziert. Forscher argumentierten schon damals, dass der festgesetzte Termin ein Hindernis für sie sein könnte, um den Weg der Zelldifferenzierung herauszufinden (1).
Magdalena Zernicka-Goetz, Entwicklungsbiologin an der Englischen Cambridge Universität war die erste Forscherin, der es vor vier Jahren gelang, Mäuseembryonen über ihr Einnistungsstadium hinaus am Leben zu erhalten. Allerdings ist das natürlich nicht der 14. Tag, weil Mäuse überhaupt nur 21 Tage trächtig sind.
Seitdem hat sie ihre Methode modifiziert und konnte in Kollaboration mit dem Stammzellforscher Ali Brivanlou von der New–York-Rockefeller-Universität, die Lebensdauer von humanen Embryos verlängern.
Beide Forscherteams entfernten die äußere Membran, welche den Embryo umgibt und kultivierten ihn anschließend in zwei verschiedenen Nährmedien. Eines der Medien bestand aus Kälberserum. Forscher konnten eine Art Anhaftung des Throphoblasten auf dem transparenten Plastikmedium dokumentieren. Sie hatten damit ein Modell, um die Einnistung zu studieren. Viele Entwicklungsdefekte gehen auf eine fehlerhafte Nidation zurück. Eine Alternative dazu boten bisher histopathologische Untersuchungen an Affen- bzw. am Primaten-Embryo, der sich zum selben Zeitpunkt einnistet.
Nach der "Pseudoeinnistung" reorganisierten sich Mäuseembryonen. Ein humaner Embryo wurde auf Gebärmuttergewebe gegeben und entwickelte verschiedenen Zelltypen, obwohl die Ernährung durch das tote Gewebe nicht gewährleistet war.
Beide Forschungsgruppen stellten ihre Versuche nach 14 Tagen ein. Wie sie beobachteten, boten Mäuseembryonen keinen adäquaten Ersatz. „Wir müssen diese Forschung an humanen Embryos durchführen, um sie richtig deuten zu können. Die „14-Tage-Regel“ hält uns davon ab, die Eigenheiten eines menschlichen Embryos und seine spätere Entwicklung zu studieren. Aber die Regelung hat es uns auch ermöglicht, überhaupt Forschung mit menschlichen Embryos durchzuführen“, sagt Zernicka-Goetz.
Mit der neuen Methode der beiden Forscherteams fordern Wissenschaftler, die sogenannte „14-Tage- Regel“ neu zu überdenken.
George Daley, Stammzellforscher der Harvard Universität, berichtete: „Embryos besitzen so etwas wie einen Autopiloten. Sie länger am Leben zu erhalten, könnte Wissenschaftlern helfen, wichtige Fragen zu erforschen, z.B. wie sich das Nervensystem aufbaut. Die 14-Tage-Schwelle abzusetzen, würde eine ausführliche Diskussion erfordern, nicht nur mit Politikern. Die Gesellschaft müsste der Wissenschaft ihr Vertrauen entgegenbringen.“
Insoo Hyun, Bioethiker der Case-Western-Reserve-Universität von Cleveland des US-Bundestaates Ohio, ist Kommentator eines Artikels in der Fachzeitung Nature. Er ruft dazu auf, mit der 14 Tages-Regel zu brechen: „Wir sind eher da, als wir dachten. Wenn wir Embryos länger am Leben erhalten können, müssen wir uns darüber unterhalten, ob die „14-Tage-Regel“ wissenschaftlich noch tragbar ist. Sie wurde eingeführt, um der Forschung zu helfen und war nicht als absolute feststehende moralische Aussage gedacht. Doch wenn wir die Regel ändern wollen, brauchen wir viele Fürsprecher.“
Man kann Stimmen hören, dass nicht mit dem Zeitpunkt der Befruchtung, sondern mit der Erscheinung der Primitivrinne, menschliches Leben beginnt. Deshalb besteht man auf der „14- Tage-Regel.“
Pfarrer Tadeuz Pacholcyzk vom Nationalen-Katholischen-Bioethischen-Zentrum in Philadelphia nennt die Regel ein „Lippenbekenntnis, um Embryonen eine Art moralischen Status zu geben. Man hätte von Anfang an dagegen sein sollen.“

Literatur:
Edith Breburda: Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Christiana Verlag: ISBN-10: 3717111728, ISBN-13: 978-3717111726 oder Ebook. 2010
Patrick Monahan: Why this lab-grown human embryo has reignited an old ethical debate. Science 4. May 2016





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