Dienstag, 27. November 2012

Wo ist der Glaubenseifer der Katholischen Kirche der USA geblieben?

Ein sorgloses Amerika, dass dahin tendiert, Thanksgiving und Weihnachten zusammen zu feiern. Dr. Edith Breburda

Madison-Wisconsin (kath.net) Schon Tage, bevor die USA Thanksgiving feiert, hört man Weihnachtslieder. Obwohl es politisch korrekt ist nur noch von "Holidays" zu reden. Überall stehen prachtvoll geschmückte Holidaytrees und drunter liegen Geschenkpakete. Die Thanksgiving-Buffets in den 5-Sterne Hotels, die mit 110 Dollars pro Person nicht gerade billig sind, waren schon Wochen zuvor ausgebucht. 

Es türmen sich die verschiedensten Essensangebote von Putenbraten, Preiselbeeren, Kürbis-Kuchen, Bohnen, gebackenen Maiskolben und vielem mehr. Die Tische scheinen zu bersten. Stolz nehmen die Köche Haltung vor ihrem Turkey. Eine Dame berichtet noch am "Black Friday", dem Super-Einkaufstag unmittelbar nach dem Thanksgiving-Feiertag, dass sie mit ihrer Familie Thanksgiving und Weihnachten zusammen gefeiert habe und nun  der ganze Streß vorbei sei - alles in einem Aufwasch. "Das ist eine wundervolle Idee", bestätigt ihre Gesprächspartnerin.

Präsident Abraham Lincoln deklarierte 1863 Thanksgiving zu einen Feiertag. Ein Fest, das alle Amerikaner selbst während des Amerikanischen Bürgerkrieges vereinte. In seiner Thanksgiving Proklamation war er voller Dank über ein äußerst segensreiches Jahr, das eine reiche Ernte bescherte. "Jedoch sollten wir bei den guten Dingen, mit denen wir so reich beschenkt wurden, nicht den allmächtigen Gott vergessen, von dem wir sie haben. Wir Amerikaner haben traditionellerweise immer verstanden, dass Gott letztendlich der Lenker aller Dinge ist", schreibt Pfarrer Martin Hellriegel, ein Deutsch-Amerikanischer Priester aus Saint Louis. Der Priester verfasste 1941, das Lied: "To Jesus Christ our Sovereign King" um daran zu erinnern wer wirklich von aller Ewigkeit her regiert. "Diese Wahrheit ist selbstevident. Da alle Menschen gleich erschaffen worden sind und von ihrem Schöpfer mit  unveräußerlichen Rechten wie ihrem Leben, ihrer Freiheit und ihrem Bestreben nach Glückseligkeit ausgestattet worden sind". Auf diese Rechte, die in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von Thomas Jefferson festgesetzt worden sind, bezieht sich Abraham Lincoln in seiner Proklamation.

Pfr. Hellriegel beschreibt in seinem Lied die majestätische Vorstellung von Gott und der Menschheit unter Gottes Führung. 
"To Jesus Christ, our Sovereign King, 
Who is the world's salvation, 
All praise and homage do we bring, 
And thanks and adoration. 
Christ Jesus Victor, Christ Jesus Ruler"
heißt es in der ersten Strophe des Liedes.

Doch wie feiert die wohlhabende Katholische Kirche 2012 in einer Süd-Kalifornischen Küstenstadt ihr Christkönigsfest? Vor der Messe tönen Lieder aus dem Lautsprecher, ganz so wie man es aus den Kaufhäusern gewohnt ist. Links und rechts neben dem Altar befinden sich Leinwände um auf die Aktivitäten der kommenden Woche hinzuweisen. 

Langsam füllt sich die Kirche. Lange nach der Predigt sind die Platzanweiser immer noch damit beschäftigt Plätze zuzuweisen. Da die ersten zu dieser Zeit schon wieder gehen, muss wenigstens keiner stehen.

Vor der Messe kommt ein älterer Mann auf den Priester zu, der den Pfarrer wegen eines Sterbefalles in dessen Familie vertritt. "Father", ruft er, "ich möchte noch beichten." Dann gehen die beiden Männer einen Schritt zur Seite und nach einer kurzen Weile macht der Priester eine flüchtige Handbewegung über den Pönitenten, was wahrscheinlich ein Kreuzzeichen symbolisieren sollte.

Die Hl. Messe beginnt, der Diakon zieht mit dem Priester ein. Links und rechts kann man die Liedertexte auf der Leinwand mitlesen. Die Kantorin und ein paar ältere Gitarristen schunkeln im Takt zur Musik. Bedächtig liest eine Dame im neusten Outfit die Lesung vor. Dann tritt der Diakon an den Ambos um das Evangelium zu verkünden. Danach predigt er wie er seine lutherische Frau kennen gelernt hat. Die ganze Predigt bezieht er auf sein wundervolles Eheleben. Er endet damit dass Christus für ihn, für seine Frau und für uns der König sei.

Die Gemeinde ist keine 50 Meilen von Mexico entfernt. Einem Land in dem vor 80 Jahren Christeros für ihren Glauben starben und so dem Christkönigsfest ihren Ursprung gaben. Die Märtyrer der damaligen Zeit sind vergessen. Das Beispiel des 14-jaehrigen Jose Sanchez del Rio, der am 20. November 2005 seliggesprochen wurde, und der 1928 qualvollem Leiden unterlag, nur um seinem Glauben treu zu bleiben, spornt hier keinen mehr an. Man scheint viel mehr besorgt, dass einem die möglichst kürzeste Wartereihe zuwiesen wird um die Hl. Kommunion unter beiderlei Gestalt möglichst schnell empfangen zu können. Schließlich möchte man das "Happy Sonntagsevent" nicht zu lange hinziehen. Die älteren Herrschaften, die in der letzten Bank auf ihren Kommnuionhelfer warten, unterhalten sich derweil über Thanksgiving und über "Black Friday" und warum die Lissi heute nicht in die Kirche gekommen ist.

Derartige Sonntagmessen scheinen für die superreichen Gemeinden der USA nichts Besonders zu sein. Man muss dazu nicht in Kalifornien sein, man kann das auch z. B. in Scottsdale in Arizona erleben. Eben in Orten, die ganz nahe an Mexiko grenzen. Und trotzdem hat die kalifornische Gemeinde Priesterberufungen aufzuweisen. Der Enkel des Filmschauspielers John Wayne feierte 2002 hier seine Heimatprimiz. Einer kleinen Schaar treuer Beter, die es auch hier gibt, hatte die Gemeinde ihren Neupriester zu verdanken. Es gibt sie also noch, die Glaubenseifrigen in den USA und sie haben viel für die Wahl der USA gebetet und geopfert. War es umsonst?

Ein Priester aus dem Mittleren Westen, genauer gesagt aus Wisconsin, der gerade zu Thanksgiving das Buch: "Church Militant Field Manual" fertigstellte,, redet davon, dass er oft wie auf Eiern laufen muss um die Leute nicht vor den Kopf zu stoßen. Es war dem Autor Pfarrer Richard Heilman ein Anliegen, sich auf die vielen katholischen Brauchtümer und alteingesessenen Gebet in seinem 292 seitigen Buch zu beziehen. Er gründete vor einigen Jahren die Ritter der Barmherzigkeit. Seine Knights of Divine Mercy kommen mittlerweile aus ganz Wisconsin zusammen. Sie wollen keine lauwarmen Katholiken sein, und erst recht keine Mitläufer. So gibt es Apotheker die keine Kontrazeptiva ausgeben und damit automatisch ihre Lizenz verlieren. Ärzte, die sich weigern Abtreibungen zu vollziehen und Wissenschaftler, die keine Forschung mit humanen embryonale Stammzellen betreiben wollen. Sobald sie ihre Gesinnung kundtun, können sie ihre Anstellung vergessen, da wie es scheint, die neuen Gesetzte und nicht das Gewissen Recht haben. Es ist tröstlich in Erinnerung zu haben, dass es vor nicht allzulanger Zeit auch in Deutschland solche Menschen gab, die sich weigerten gegen ihr Gewissen zu handeln und lieber Schmach und erhebliche Benachteiligung erduldeten. 

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