Donnerstag, 11. Februar 2016

Zika-Virus, immer mehr Babys werden mit Mikorozephalie geboren. Wievile Kinder erkrankten wirklich und soll man sie abtreiben?

Dr. Edith Breburda
 Lebensforum, Nr.117,  1. Quartal 2016
Neuigkeiten über einen Virus, der durch Mücken übertragen wird, sind erschreckend. Das Zika-Virus ist besonders für ungeborene Kinder gefährlich. Viele fordern eine Legalisierung der Abtreibung. Muss man Kinder töten, um eine Krankheit zu behandeln?“
Woher kommt das Zika-Virus?
Reisende wissen, dass sie sich durch Insekten mit Malaria, Dengue Fiber, West-Nil-Virus infizieren können.
1952 wurde die Zika-Erkrankung das erste Mal beschrieben. Im Dezember 2015 lagen nur 214 Veröffentlichungen über Zika vor. Im Jahr 2005 waren weniger als 15 Fälle bekannt. Doch 2007 kam es zu einem massiven Ausbruch auf der Westpazifischen Marianen Insel Yap. Von dort verbreitete sich Zika. Bald schon erkrankten Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Zwischen 2013 und 2014 war jeder zehnte Bewohner von Französisch-Polynesien erkrankt. Durch die Fußball-Weltmeisterschaft wurde das Virus nach Brasilien eingeschleppt. 2015 infizierten sich dort etwa 1,5 Millionen Menschen.
Warum häuften sich die Erkrankungen so plötzlich?
Die sich schnell verbreitenden Aedes aegypti Mücken -und möglicherweise auch die Asiatischen Tigermücken- sind Träger des Virus. Die globale Erwärmung soll eine Migration der Moskitos begünstigen. Heimkehrende USA Bürger trugen das Virus in sich. Wenn sie von einer Mücke gestochen wurden, konnte das Virus beim nächsten Stich weitergegeben werden.
Didier Musso, Virologe des Lous Malardé Institutes in Tahiti, fand in 593 Blutspende-Proben Antikörper gegen Dengue-, Zika-, Japan B-Encephalitis-und dem West-Nil- Flavivieren. Daraufhin forderte er, die Transfusionsmedizin besser zu überwachen. Auch bei einem ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgt eine Infektion, weil im Sperma Zika-Viren gefunden wurden.
Gibt es Zika bald auch in den USA?
Der Infektiologe Prof. Duane Gubler der Duke-National University in Singapur rechnet damit. Als 2008 die Insektenkundler Foy und Kobylinski der Colorado-State-Universität nach einem Forschungsaufenthalt im Senegal zuhause plötzlich geschwollene Gelenke, Kopfschmerzen und Hautausschläge erlitten, wussten sie nicht, woran sie erkrankt waren. Ihre Symptome passten zu keiner Virusinfektion. Ein Jahr später trafen sie den Virologen Andrew Haddow, der zu Recht auf Zika Viren tippte.
Normalerweise kommt es nach einer Inkubationszeit von 12 Tagen noch zu Fieber, Schüttelfrost, Augenentzündungen und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Die Infektion klingt häufig wieder von selber ab.
US-Behörden sind besorgt, obwohl man das Virus schneller entdecken und bekämpfen könnte. Für Experten sind Florida und Texas besonders exponiert. Das Risiko, sich mit Zika zu infizieren, ist zwar gering, trotzdem sollte man feuchte Gebiete meiden.
Wissenschaftler vermuten, dass sich in Europa oder in den USA weniger Menschen infizieren. Bei einem Ausbruch von Dengue in Florida, Texas und Hawaii erkrankten nur einige hundert Menschen. In 2007 litten in Norditalien nur 197 Menschen an einem Moskito-Virus, der von Indien eingeschleppt wurde. Ein Grund dafür ist, dass Europäer mehr Zeit in ihren Häusern verbringen. Auch ist die Population der Insekten kleiner.  
Mit Mikrozepahlie Geborene!
Es war bisher nicht bekannt, dass Zika-Viren eine Mikrozephalie hervorrufen. Als Ursachen kamen toxische Substanzen wie z.B. Roundup, genetisch induzierte Fälle, bzw. Infektionen wie Herpes oder Röteln in Frage.
In Brasilen vermehren sich nun Meldungen einer kongenitalen Mikrozephalie. Forscher vermuten, dass eine Zika-Virus Infektion während der Schwangerschaft zu einer Fehlbildung des Zentralnervensystems der Ungeborenen führt.
Der brasilianische Arzt Dr. João Ricardo de Almeida hat in den letzten Monaten viele Babys mit Mikrozephalie untersucht. Er ist über seine Ergebnisse erschrocken. Diese Kinder passen nicht in das Bild, das wir von anderen Erkrankungen durch Toxoplasmose, Cytomegalovirus bzw. Rötelvirus haben. Die Oberfläche des Gehirns ist mit Furchen durchzogen. Bei den Mikrozephalen Babys war sie hingegen glatt. Eine Rehabilitation eines derartigen Defektes ist unmöglich. Diese Kinder brauchen bis an ihr Lebensende Pflege.
Dr. Albert Ko von der Yale Universität vermutet, dass wir noch mehr Missbildungen sehen werden die Entwicklungsschäden hervorrufen. „Wir sehen Kinder, deren Kopf normal ausgebildet ist. Sie besitzen jedoch neurologische Veränderungen, oder ihre Augen sind missgebildet. Das bedeutet: Kinder, die normal aussehen, bleiben in ihrer Entwicklung zurück. Je mehr Einblicke wir erhalten, desto beunruhigender sind unsere Ergebnisse. Mikrozephalie könnte nur die Spitze des Eisberges sein“, sagt er.
Zika als mögliche Ursache?
Viele Wissenschaftler verneinen das. In Brasilen traten zwar vermehrt Fälle auf, in denen Babys mit einem kleineren Kopf geboren wurden. Es wird jedoch mehrere Monate dauern, bis die Ergebnisse der Kontrollstudien vorliegen. Dies liegt an der limitierten Diagnose. Am verlässlichsten ist es eine virale RNA im Blut der Erkrankten zu finden. Das kann nur mit absoluter Sicherheit in der ersten Woche der Erkrankung erfolgen. Danach kann man zwar noch Zika finden, es könnte sich jetzt um Antikörper gegen Dengue Fiber handeln, die in Brasilien und in Lateinamerika fast jeder in sich trägt. So ist eine genaue Aussage, ob die Mikrozephalie des Ungeborenen wirklich auf eine Zika-Infektion zurückzuführen ist, schwierig.
Etwa 4.783 brasilianische Babys und Föten wurden seit Januar 2016 mit einer Nervenerkrankung registriert. Unter ihnen hatten 404 eine Mikrozephalie entwickelt. In 17 Fällen lag die Erkrankung vor, berichtete das Brasilianische Ministério da Saúde, Bulletin am 02.02.2016.
76 Mikrozephale Babys sind intrauterin verstorben. Der Gesundheitsminister Marcelo Castro will abklären, ob es sich wirklich um eine Epidemie handelt.
Was sagt die Weltgesundheitsorganisation?
Für die WHO gehört seit neustem nicht mehr HIV, Tuberkulose, Malaria, Influenza oder Dengue zu den gefährlichen Krankheiten, sondern Ebola, das Marburg-Fiber, MERS, SARS und Zika-Fiber. Die WHO Direktorin Dr. Chan vermutet eine enge Beziehung des Zika-Virus zu der neurologischen Missbildung. Man sollte den Gesundheitsnotstand ausrufen.
Der Tropenmediziner Dr. David Heymann ist anderer Meinung. Er sagt: „Die schnelle Verbreitung des Virus hat nichts mit einem Notstand zu tun, weil Zika keine ernsthafte Erkrankung hervorruft. UN-Behörden räumten ein, dass die Verbindung zu Mikrozephalie bis jetzt nicht geprüft ist. Man sollte trotzdem einen Notstand ausrufen.
Welche Maßnahmen wurden ergriffen?
Dem „European Center for Disease Prevention and Control“ reichen die Beweise nicht aus. Die brasilianischen Behörden wollen jedoch nicht länger warten. Sie schickten 25.000 Soldaten in den Nordosten Brasiliens, um den Zika-Virus auszurotten. Es ist schwierig, weil jede kleine Wasserpfütze als Brutstätte der Mücke dient.
Forscher erhoffen sich einen Erfolg mit transgenen, sterilen Mücken und versuchen, die Übertragung der Vieren mit Wolbachia-Bakterien zu unterbinden. Allerdings dauert es, bis man einen Erfolg verzeichnen kann.
Gibt es einen Impfstoff?
Nein, und es wird auch Jahre dauern, bis wir ihn haben. Schwangeren und denjenigen, die es werden wollen, wird geraten, sich möglichst wenig im Freien aufzuhalten, nicht zu reisen, Fliegengitter zu benutzen, ihre Haut zu bedecken und Insektenspray anzuwenden, schreibt das Science Magazin am 29. Jan 2016.
Abtreibung als Lösung?
Man empfiehlt Frauen aus Lateinamerika eine Schwangerschaft hinauszuzögern. In El-Salvador sollen sie zwei Jahre mit ihrem Nachwuchs warten.
Infizierte Schwangere sind beunruhigt. Für die Madrider Direktorin des Programmes Women’s Link Worldwide Monica Roa, die sich für Menschenrechte von Frauen einsetzt, ist der Vorschlag unrealistisch:
„Man vergisst, dass Frauen bei einer Vergewaltigung schwanger werden können. 50% haben eine ungeplante Schwangerschaft. Infizierte Frauen sollten die Möglichkeit haben abzutreiben. Leider ist das oft illegal. Frauen sterben oft bei einer illegal vorgenommen Abtreibung. Deshalb muss die Empfehlung, eine Schwangerschaft zu verzögern, mit der Erlaubnis einer Abtreibung verbunden sein“, sagt sie.
Aber wie „sicher“ ist schon eine Abtreibung? Im Januar hörte man von einer Abtreibung in Italien. Die Teenagermutter, die nicht wusste, dass sie schwanger war, behandelte ihre Akne mit einer Salbe. Aus Angst, dem Kind geschadet zu haben, rieten Ärzte zu einer Abtreibung. Bei dem Eingriff verblutete die Mutter. Wie sich herausstellte, war ihr Kind gesund.

Literatur:
Vogel G. Cohen J  und Enserink M. Yika Virus: Your question answered. Scince Magazine, Jan 29, 2016
Smith M.: Brazil: Reported Micorcephaly number rising. But among investigated cases, 60% were ruled out. Medpage 02.03.2016
Breburda E.: Werden wir durch Yika-Virus unfähig, gesunde Kinder zu bekommen. Schattenblick, 11.2.2016

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