Dr. Edith Breburda
Christliches Forum, 9. May 2023
“Mich interessiert der König nicht, ich bin im Team Harry“, ist einer der vielen Kommentare, die man in den letzten Tagen zu hören bekommt. Eine wertneutrale Reflektion - in Hinsicht auf die Krönung - ist schwer zu finden. Zu hochgespielt sind Vorurteile, Empathie und eventuell auch Intoleranz gegenüber einer jahrtausendealten Tradition der Westminster Abbey.
Seit 70 Jahren wartete man darauf, ein neues Haupt des uralten Geschlechtes zu krönen. Es ist ein einmaliges Erlebnis vieler von uns. Vor allem, weil Königin Elisabeth II. bisher die längste Monarchin Englands war.
Keiner, der 1953 ihre Krönung plante, ist heute noch am Leben, sagt man. Nur der König und zwei seiner Cousins waren damals dabei. Doch warum sollte uns das betreffen? Selbst viele Amerikaner betrachten all den Pomp-Pomp um Charles irrelevant.
Mit dem Tod von Königin Elisabeth trauerte eine ganze Nation und darüber hinaus. Ein Phänomen, das wir beim Hinscheiden Papst Johannes Paul II. beobachteten. Eine Parallelität ist deshalb gegeben, weil Königin Elisabeth das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche war. Sie war aber auch Oberhaupt aller Briten und so haben viele katholische Gemeinden für ihr Seelenheil gebetet. Hat sie doch in der christlichen Kultur eine herausragende Rolle gespielt. Es wurde ihr die Verteidigerin des Christentums bei ihrer Krönung anvertraut.
Charles hingegen, wollte alle Religionen vereint in seine Rolle einbeziehen. Was nicht unbedingt den Eine-Weltreligion/ New-Age Sympathisanten eine Plattform zukommen lässt und damit die wachsende Aversion gegenüber der Monarchie rechtfertigen könnte. Man sollte sich ins Bewusstsein bringen, dass katholische Kirchenführer schon lange den Dialog mit den Weltreligionen führen und dies nicht erst seit der Huldigung der Pachamama‘s salonfähig gemacht wurde.
Eine Monarchie scheint für viele trotzdem nicht mehr zeitgemäß. Vor allem im 21. Jahrhundert, wo unter anderem Gläubige von Gleichberechtigung, Equity und Gerechtigkeit beten.
Aber verdeutlichen diese Begriffe, welche an die französische Revolution erinnern, uns auch daran, dass jeder von uns in den Augen Gottes seine von ihm gegebene Rolle zugeteilt bekommen hat. Und, wie ein Heiliger Pfarrer von Ars sagte, es irrelevant ist, ob wir eine Berufung zum Bettelmann oder König haben. Es käme nur darauf an, wie wir unsere Berufung - dem Willen Gottes entsprechend - leben.
„Es sind ganz normale Menschen, mit gewöhnlichen Vorlieben, Interessen und Fähigkeiten. Einzigartig sind ihre Privilegien und die damit verbundene Verantwortung, in die sie hineingeboren wurden“, analysiert Dr. Holly Ordway die Stellung von König Charles, in seinem Artikel: „The Coronation of King Charles III.“
Charles, wurde mit dem Tod seiner Mutter, Königin Elisabeth II., die am 8. September 2022 gestorben war, eigentlich automatisch König. Doch seine offizielle Krönung fand - wie die seiner Vorfahren- im Westminster Abbey statt.
Die Krönungsmesse, ein archaisches Ritual, das uns an die Salbung der Könige des alten Testamentes erinnert, hat eine tiefe christliche Symbolik, die wir nicht so ganz als überholt abtun sollten. Und wenn man nur unverbindlich hineinschaut, erinnert sie an eine Priester-Weihe.
Gleich zu Beginn, fragte ein Page im Namen der Jugend Charles III. nach seinem Ansinnen, und warum er gekommen sei. „Ich bin hier, um dem König der Könige zu dienen“, war die Antwort des 74-Jährigen.
Bereits seine Mutter sah ihre Aufgabe im Dienst am anderen. Ihr Engagement und vorbehaltloser Einsatz, wurde über ihr Grab hinaus gerühmt. Dokumentarfilme loben ihre Selbstvergessenheit. Es ging ihr nie um die Person oder ihre Wünsche, sondern immer um das Amt. Ihr Leben wurde von ihrer Pflicht geprägt.
Sie konnte die Politik und Gesetzgebung ihres Landes nicht als konstitutionelle Monarchin gestalten. Sie traf sich mit den Premierministern, Woche für Woche, die ein Thema mit einer wertneutralen, unparteiischen Person mit jahrzehntelanger Erfahrung absolut vertraulich diskutieren konnten.
Sie regierte durch ihre Moral und Persönlichkeit, was nicht heißt, all ihre Unterfangen waren von Erfolg geprägt; sondern, dass sie ihre Lebensberufung Königin zu sein, ernst nahm.
Prinz William erklärte die Krönung seines Vaters mit einem Wort – „Dienen“.
König Charles einzigartige Position und Privilegien, als auch die seiner Mutter, kann jedem Menschen und vor allem Christen ein Vorbild sein, seine Berufung als das Wichtigste der Welt anzusehen.
König zu sein, ist im wahrsten Sinne eine Berufung. So wie im Alten Testament, wo Könige von Gott auserwählt wurden. Es vermittelt ein Bündnis, zwischen dem Erschaffer der Welt und seinen Kindern. Es ist eine Art Zugeständnis, dass auf Gott weist, der die Geschicke der Welt in der Hand hält. Verdeutlicht nicht die Zeremonie einer Königskrönung die Ergebenheit seines Dieners in Gottes Willen?
„Dienen bedeutet Freiheit“, erläuterte der anglikanische Erzbischof, welcher den König, den Blicken der Anwesenden verborgen, salbte. Der Thron war auf den Altar gerichtet – nicht zum Volk. Die Prunk-Gewänder und Rituale, sowie die Anrufung des Heiligen Geistes vermittelten ein Mysterium, welche die Salbung zum hohen Priestertum verdeutlicht.
Menschlich gesehen, ist keiner der geeignetste Kandidat für ein Königsamt. Es ist verständlich, dass Charles aufgrund seines Lebenswandels viel Kritik erntet.
Aber es ist nicht ein Amt, das durch Wahlen oder eine politische Ansicht, eine besondere Intelligenz bzw. Wohlhaben „erkauft“ werden kann. Sondern, es handelt sich um eine Stellung, die durch die Geburt erlangt wird. Keiner kann aus dieser Rolle schlüpfen. Weder Prinz William noch sein Sohn Georg.
Der einzige Ausweg aus dieser von Gott gegebenen Auserwählung ist, dass man sich vor seiner Verantwortung drückt, und sie so nicht wahrnimmt.
Doch ob ein Prinz Harry glücklich mit der Entscheidung ist, nicht mehr seine Rolle eines „working Royal“ auszuführen, ist dahingestellt. Seine Körpersprache verriet seine Stimmung.
Begeistert schienen die vielen Zuschauer von der Schwester von König Charles. Prinzessin Anne hatte einen wunderbaren roten Federbusch, der ihren Hut zierte. Ihrem „Feathergate” – wie er so passend von den Zuschauern genannt wurde, haben wir es zu verdanken, dass weder die Medien noch der Prinz einen freien Blick hatten.
Literatur
Dr. Holly Ordway „The Coronation of King Charles III: A Reflection“. Word on Fire Catholic Ministries. May 5. 2023

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