Dr. Edith Breburda
Christliches Forum, 10. April 2025
In einem Artikel des Deutschen Ärzteblatts vom 6. Dezember 2019 wird von einer geglückten Reanimation einer 34-jährigen Britin berichtet, die mehr als sechs Stunden nach einem Herzstillstand und damit dem Versagen des Kreislaufs im Universitätskrankenhaus Vall d’Hebron in Barcelona- gelungen ist.
Die Frau hatte beim Wandern in den spanischen Pyrenäen einen Herzstillstand erlitten. Ihr Ehemann bemerkte, dass seine Frau seltsame und zusammenhangslose Sätze von sich gab. Kurz darauf war sie bewusstlos.
Aufgrund schlechten Wetters konnte ein Hubschrauber erst nach mehr als zwei Stunden dem Ehepaar zu Hilfe kommen. Die Körpertemperatur war zu diesem Zeitpunkt bereits auf 18 Grad Celsius abgesunken, berichtet das Deutsche Ärzteblatt.
Lebenzeichen waren nicht vorhanden, als die Patientin in der Klinik eintraf. Ihr behandelnder Arzt, Eduard Argudo, ging davon aus, dass die vorhandene Hypothermie eine Überlebenschance, wenn auch nur eine geringe, einräumte:
„Diese starke Unterkühlung hätte zwar fast den Tod der Britin verursacht, schützte aber gleichzeitig ihren Organismus und ihr Gehirn vor bleibenden Schäden.“
Auf dem Flug ins Krankenhaus wurde die Frau reanimiert. Nach mehr als sechs Stunden, und nachdem ihre Temperatur auf 30 Grad gestiegen war, konnte sie mithilfe eines Defibrillators wiederbelebt werden.
Die Initiierung und Aufrechterhaltung einer Wiederbelebung, selbst in einem „Krankenhaussetting“, wo sofort mit einer Defibrillation begonnen werden kann, stellt einen ethischen Normenkonflikt in unserer Gesellschaft dar, der sich mit theologischen, philosophischen sowie auch juristischen Einwänden und Reflexionen auseinandersetzten muss.
Nicht nur bemühen sich Experten darum, den „Hirntod“ zu definieren, sondern ist es zunehmend Inhalt des letzten Willens, ob man überhaupt wiederbelebt werden möchte. Man erwartet, dass Angehörigen diesen Wunsch respektieren.
Die Komplexität dieses Themas greift auch auf das Anliegen einer Generalindikation zur künstlichen Ernährung über, wobei sich ein Paradebeispiel vor 20 Jahren vor unseren Augen abspielte.
Als der am 2. April 2005 verstorbene Heilige Papst Johannes Paul II. kurz zuvor noch eine Magensonde verabreicht bekam, die ihn mit Flüssignahrung versorgte, wurde dies fast zeitgleich der unter einem hypoxischem Hirnschaden leidenden und zum Pflegefall gewordenen Terri Schiavo verweigert, die am 31.März 2005 verhungerte.
20 Jahre sind vergangen, seit ein US-Richter aus Florida auf Bitten des Ehemannes Michael Schiavo anordnete, dass Terris Magensonde 14 Tage zuvor entfernt wurde und sie weder Flüssigkeit noch Nahrung erhielt.
Terri kollabierte 1990 in ihrem Haus in Florida. Sanitäter lieferten sie in ein nahegelegenes Krankenhaus ein, wo sie mit einer hypoxischen Enzephalopathie - einer neurologischen Schädigung des Gehirns, hervorgerufen durch Sauerstoffmangel - diagnostiziert wurde.
Sie wurde daraufhin künstlich beatmet, und bald pflegten die Eltern ihre Tochter, die seitdem im Wachkoma lag.
Der Streit zwischen den Eltern und dem Ehemann ging durch mehrere Gerichte, dem obersten US-Gerichtshof und erreichte schließlich das Weiße Haus. Der Ehemann erklärte, Terri wolle so nicht leben. Eine Behauptung, welche die Eltern widerlegten.
Arthur Caplan von der New York Universität berichtete 2015 gegenüber ABC News:
„Schiavo war ein wichtiger Meilenstein für die Wahrung des Rechts von Ehepartnern, jegliche medizinische Intervention zu unterlassen. Aber es warf auch viele unangenehme Fragen darüber auf, wann es akzeptabel ist, lebenserhaltende Maßnahmen zu unterbinden, selbst wenn das Gesetz dies klar vorsieht. (2)
Der Fall Schiavo entfachte die Problematik von Wachkomapatienten. Oft hören wir von Badeunfällen, bei denen eine Sauerstoffunterversorgung des Gehirns schwerwiegende Schäden hervorrief.
Die Konsequenzen reichen von schwersten Behinderungen bis zum Tod. Das Überleben und der neurologische Behandlungserfolg hängen von Minuten ab, in denen die Erstmaßnahmen ergriffen werden müssen.
Celine, heute 23 Jahre alt, hatte vor 19 Jahren einen Badeunfall. Sie war klinisch tot, konnte aber reanimiert werden und liegt seitdem im Wachkoma. „Nur durch Zufall wurde der leblose Körper von Celine entdeckt. Sie lag dann drei Wochen in Graz auf der Intensivstation und kam dann für neun Monate zur Behandlung nach Wien, erzählt ihre Mama. (3)
Im Fall des kleinen Vincent aus Phoenix, dessen wunderbare Rettung man der Fürbitte von Kardinal Pell zuschreibt, und von dem selbst die Ärzte von einem medizinischen Wunder sprachen, weil er 52 Minuten nicht atmete und wer weiß, wie lange am Boden des Swimmingpools lag, bis er gefunden wurde, stehen wir vor einem nicht erklärbaren Phänomen, das ganz anders hätte ausgehen können.
Vor allem, weil es zudem an ein Wunder grenzte, dass die Sanitäter den Jungen nicht aufgaben, obwohl anzunehmen war, dass seine Organe bereits irreversible Schäden durch einen Sauerstoffmangel erlitten hatten, als der Vater ihn fand.
(1) Reanimation nach sechs Stunden ohne Herzschlag geglückt. Deutsches arzteblatt, 6. Dezember 2019
(2) Chris Williams. Terri Schiavo: 20 years after her death, her case still shapes end-of life debates. LiveNow 30. März 2025
(3) Christine Ziechert. Badeunfall: Celine (23) ist seit 19 Jahren im Wachkoma. Heute 7.12.2023

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