Friday, January 13, 2012

Wird Selbstmord salonfähig?


Wird Selbstmord salonfähig?

Seit wann ist es ein Menschenrecht, jemanden zu erlauben mir eine tödliche Spritze zu geben?"


Von Dr. Edith Breburda 
Madison (kath.net) Zwei Eheleute erschossen sich, es handelte sich um Selbstmord. Der bekannte amerikanischer Rundfunkjournalist Bill Heywood (75) wollte nicht weiterleben ohne seine Frau Susan (70), die an einer tödlichen Herzerkrankung litt. Andere schwererkrankte Menschen sind aus verschiedenen Gründen nicht fähig, ihren Selbstmord ohne Hilfe Dritter durchzuführen. Doch die Übergänge vom Selbstmord über aktive Sterbehilfe auf Patientenwunsch bis zur mehr oder weniger freiwilligen Euthanasie sind fließend.
In Kanada wurde im Dezember 2011 eine Umfrage über diese Themen durchgeführt. 1.160 Kanadier ab 18 Jahre wurden am 13. Dezember 2011 nach ihrer Meinung befragt, ob Ärzte ihren Patienten die "Todesspritze" verabreichen dürfen. 67 Prozent befürworteten einen ärztlich assistierten Selbstmord. 21 Prozent waren dagegen und 12 Prozent unentschieden (T. Blackwell, National Post, Ontario, Dez. 29, 2011). Befürworter und Gegner sind der Meinung, dass das Ergebnis einer Umfrage nicht ausschlaggebend sein sollte, um Gesetze zu ändern. Lorne Bozinoff, Vorsitzender der Umfrage "Forum Research", interpretierte, dass Kanadier sich dem Trend anderer Länder, wie z.B. der Schweiz, wo der begleitete Freitod gang und gebe sei, anschließen wollen.
Dem widerspricht Alex Schadenberg, Direktor der Euthanasie Prävention. "Die Frage ist nicht, ob Kanadier Euthanasie und Sterbehilfe legalisiert haben wollen, sondern was sie wirklich wollen." Schadenberg beruft sich auf eine andere Umfrage (Environics poll) von LifeCanada von 2010. In dieser hatten sich nur 21 Prozent der Kanadier für eine Sterbehilfe ausgesprochen. 47 Prozent befürchten, dass alte, behinderte, kranke, verwirrte Leute ohne ihre Einwilligung euthanasiert werden könnten, da dieses bereits in anderen Ländern passiere. 66 Prozent in dieser Umfrage hoffen auf eine Verbesserung der Palliativpflege. 76 Prozent machen sich Sorgen, dass alte Leute unter Druck gesetzt werden könnten, ihren eigenen Tod durch Sterbehilfe anzustreben. Schadenberger fügt hinzu: Eigentlich wollten sie, „dass wir uns besser um sie kümmern".
Russell Ogden von der Farewell Foundation, einer Pro-Euthanasie-Organisation, argumentierte gegenüber der Nationalen Post Nachrichten-Agentur, dass Kanada assistierten Suizid legalisieren sollte. Dabei bezeichnete er das "Recht auf Selbstmord als ein Menschenrecht. Er berief sich auf Schwerkranke, die vor Gericht gegangen seien und für das Recht kämpften, euthanasiert zu werden. Sue Rodriguez war so ein Fall, der vor 20 Jahren behandelt worden war. Sie fragte damals, "Wem gehört mein Leben?" Viele Kanadier antworten, es gehöre mir selber. So einfach ist das für Russel Ogden.
Schadenberg kann Euthanasie nicht als Menschenrecht anerkennen. "Es geht eher darum, ob ein Arzt das Recht hat, den Tod seiner Patienten bewusst durch eine Injektion herbeizuführen, oder am Ableben seiner Patienten aktiv beteiligt zu sein". Schadenberg fragt: "Seit wann ist es ein Menschenrecht, jemanden zu erlauben mir eine tödliche Spritze zu geben?"
Über den gemeinsamen Selbstmord des Scottsdaler Ehepaares waren jedenfalls viele, und nicht nur die Freunde von Bill und Susan Heywood, entsetzt. Bill war ein beliebter und berühmter Radiosprecher. Seit 35 Jahren war er überglücklich mit Susan verheiratet. Freunde beschrieben das Paar als "Siamesische Zwillinge" da sie immer zusammen waren. Gray Edens, ein Freund von Bill, wusste um die schwere Herzkrankheit von Susan. Wenn er danach fragte, wich der sonst so leutselige Bill der Antwort aus. Auch finanzielle Schwierigkeiten, die das Paar hatte, waren bekannt. Am 6. Januar 2012 berichtete die Polizei von Scottsdale gegenüber "Arizona Republik", dass das Ehepaar seine Beerdigung arrangiert und Anweisungen an die Familie und Freunde hinterlegt habe. Bill oder Susan legte eine Notiz vor die Zimmertür, auf der stand, dass sich zwei Selbstmörder in dem Raum befänden. Diesen Zettel fand das Zimmermädchen am nächsten Tag. Zwei Pistolen wurden neben den leblosen Körpern gefunden. Es sei ziemlich klar, dass alles geplant worden war betonte der Polizeibeamte.
Bill und Susan hatten am Valentinstag 1977 geheiratet. 2009 verloren sie ihr Haus und zogen in eine kleine Wohnung in Phoenix. Susans Gesundheitszustand belastete Bill immer mehr. Er brauchte seine Frau, ohne sie konnte er nicht leben, sagten Freunde. Aber auch Bill wusste das und so schien es nur eine Lösung zu geben.
So undurchsichtig die Geschichte auch zu sein scheint, muss man doch wissen, dass viele Amerikaner, vor allem sogenannte Snowbirds, die den Winter in den wärmeren Staaten verbringen, von ihren eigenen Kindern allein gelassen werden. Es ist nicht selten, dass Ehepaare ihre Kinder seit 20 Jahren nicht mehr gesehen haben. Schadenberg's Analyse, dass man sich besser um die alten Mitmenschen kümmern, sollte ist so gesehen nicht falsch. 

Thursday, January 12, 2012

ZWANGSSTERILISATION IN DEN USA



Opfer des Staates North Carolina sollen Entschädigung bekommen 
 Von Dr. Edith Breburda

ROM, 12. Januar 2012 (ZENIT.org). - Mehr als 30 U.S.-Staaten hatten von 1929 bis 1974 ein Gesetz, das die chirurgische Sterilisation von Frauen erlaubte. Auf Anordnung eines Arztes oder Juristen wurde mehr als 60.000 Frauen die Fähigkeit genommen, eigene Kinder zu bekommen.  „Man trampelte auf grundlegenden Menschenrechten herum", erklärte  Dr. Laura Gerald, Kinderärztin und Vorsitzende des Greminums der North Carolina Regierung für  Entschädigung für Opfer von Zwangssterilisationen. Mehr als 7.600 Frauen wurden in ihrem Staat zwangssterilisiert. Nicht nur geistig zurückgebliebene, sondern auch viele arme und „afro-amerikanische" Frauen wurden für ungeeignet erklärt, Kinder zu bekommen. Man wollte damit die Gesundheit und Intelligenz der Bevölkerung verbessern. Da Zwangsterilisation mit Nazi-Deutschland in Verbindung gebracht wurde, gab man dieses Gesetz in den USA weitgehend nach dem 2. Weltkrieg auf. Im Bundesstaat North Carolina verhielt es sich anders. Unfruchtbarkeitsoperationen gegen den Willen der Betroffenen erreichten dort in den 50erJahren ihren Höhepunkt.
2011 hat der Demokratische Gouverneur Beverly Perdue von North Carolina eine Arbeitsgruppe aus fünf Personen, bestehend aus einem Anwalt, einem Arzt, einem  ehemaligen Journalisten, einem Richter und einem Historiker, zusammengerufen, die den Geldbetrag für eine angemessene Entschädigung der Opfer festzustellen sollte. Am Dienstag, dem 10. Januar 2012, wurde bekanntgegeben, die Betroffenen mit  jeweils 50.000 Dollars zu entschädigen. 1.500 bis 2.000 Opfer sollen noch leben.  Einige haben noch lebende Verwandte. Unter ihnen ist Elaine Riddick. Die 57 Jährige wurde mit 14 Jahren zwangssterilisiert, nachdem sie einen Sohn,  der aus einer Vergewaltigung stammte, geboren hatte.
„Normalerweise zahlst du für ein Verbrechen, das du begangen hast, aber dieses Mal war ich zweimal Opfer," so Elaine. „Der Staat von North Carolina beging ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit." Elaine wischt sich Tränen aus dem Gesicht. „Alles, was ich tun kann, ist, zu akzeptieren und mein Leben weiterzuleben."
„Viele Staaten haben nicht mehr getan als sich bei den Opfern zu entschuldigen, während North Carolina nun eine klare Botschaft aussendet, die Fehler eingesteht und eine Bürokratie, die auf Menschenrechten herumtrampelte, nicht toleriert," erläuterte Dr. Laura Gerald gegenüber der Presse (M. Waggoner, The Arizona Republic, 11. Januar 2012).
In den 50iger Jahren war Margaret Sanger, die als Mutter der Pille gilt und „Planned Parenthood“ begründete, in den USA sehr einflussreich. Sie forderte eine Begrenzung der Kinderzahl der „unteren Klassen". Armut und Verbrechen waren ihrer Meinung nach durch Geburten genetisch minderwertiger Kinder bedingt. Die Welt müsse, um überleben zu können, ihr genetisches Potential verbessern. Die Pille als ein Instrument der chemischen Sterilisation sollte dazu verhelfen, dass nur erfolgreiche Menschen Kinder zeugten. (siehe auch: E. Breburda, Promises of New Biotechnologies, 294 Seiten, Paperback, ISBN-13 978-0615548289, 2011, Scivias, USA).

Friday, December 16, 2011

Das Café-Baby


Fünf Prozent aller Kinder in den USA haben ihr Dasein einem Samenspender zu verdanken. Ein KATH.NET-Hintergrundbericht von Edith Breburda



New York (kath.net) Künstliche Befruchtung bei allen möglichen Tierarten gekonnt auszuüben, bereitet so manchem Tiermedizinstudenten Kopfzerbrechen und benötigt viel Fingerspitzengefühl. Künstliche Befruchtung ist jedoch schon lange nicht mehr eine rein veterinärmedizinische Angelegenheit. Frauen die ohne Partner ein Kind wollen, wenden sich meist an Samenbanken, "Sperm-Agency's" (Samen-Agenturen), oder suchen im Internet. Spender für Samenbanken im Alter zwischen 21 und 39 haben einen Vertrag und spenden für etwa zwei Jahre ihren Samen.

Samen-Agenturen rekrutieren ihre Spender über das Internet, sie lassen ihn wissen, zu welchem Zeitpunkt er seinen Samen bereitstellen muss. Die Versendung erfolgt über einen Kurierdienst damit Anonymität gewahrt bleibt. 5% aller Kinder in USA haben ihr Dasein einem Samenspender zu verdanken –allerdings wissen sie meist nichts über Ihren Vater, der die Rechte auf seine Vaterschaft abgegeben hat. In den USA werden nur die nötigsten Daten des Samenspenders festgehalten wie Blutgruppe, Hautfarbe und eine geforderte Gesundheitsinformation. "Wir haben mehr Regeln, um einen Gebrauchtwagen zu kaufen als eine Samenspende zu erwerben", bemerkte Debora L. Spar, Präsidentin der Barnard Colleges und Autorin des Artikels "The Baby Business: How Money, Science and Politics Drive the Commerce of Conception", neulich gegenüber der New York Times. Da es keine Information über die Väter gibt, sondern eventuell nur seine „Kennzeichen-Nummer“, gründeten im Jahr 2000 Wendy Kramer und ihr Sohn Ryan, sowie weitere Kinder von Donor[Spender]-Vätern, das "Donor Sibling Registry." 8894 Halbgeschwister fanden bereits zueinander. Registriert sind 34560 Mitglieder. Die Webseite wird täglich von Tausenden besucht. Der Focus der Organisation will Ei-, Samen- und Embryospender ausfindig machen. Anrufe werden getätigt, vor allem vor Weihnachten, damit Geldspender gefunden werden um die Samenspenderfindung zu finanzieren. Beth Gardner und Partnerin Nicole suchen schon seit langem einen Samenspender, berichten sie einem Reporter der U.S. Zeitung Newsweek vom Oktober 2011 in der Rubrik Gesundheit und Fruchtbarkeit (Health-Fertility). Zuerst wendeten sie sich an die üblichen Samenbanken, wo man Spender mit allem nur vorstellbaren Hintergrund finden kann: adelig, intellektuell... einfach alles.Nur der Preis für die Angelegenheit war den beiden Frauen zu hoch. Außerdem war der Vater anonym. Sie wollten, daß ihre Kinder später die Möglichkeit hätten etwas über ihren Vater zu erfahren. Ein paar Mausklicks und die Suchenden befanden sich im "Internetuntergrund", der aus einem Mischmasch von Anzeigen und nur für Mitglieder von Webseiten bestand, die alle das gleiche Ziel hatten: Samenspender anzupreisen. Die meisten Spender behaupten, sie hätten keine Erbkrankheiten und seien gesund. Auch verzichten sie auf ihre Elternrechte. Im Unterschied zu ihren offiziellen Konkurrenten wollten sie kein Geld für ihre Spende und gaben ihre Identität preis. Ihre Kinder könnten sie so später kontaktieren. Einige Männer gaben unverblümt zu, damit ihren Genpool verbreiten zu wollen.Beth und ihre Lebenspartnerin, die in der Nähe von San Diego wohnen, wägten die Spender sorgsam ab. "Viele waren sehr gebildet", erklärt die 35 jährige Beth. Wie so viele Frauen die sich in Ihrer Situation befinden zogen sie die künstliche Befruchtung, im Gegensatz zu der auch angebotenen natürlichen Befruchtung, vor. Beth und Nicole versuchten alles so zu arrangieren, dass man sich in einem Café traf. Der Donor [Spender] verschwand in der Herrentoilette, um danach sein kleines Latex-Gefäß den beiden Frauen zu übergeben. Danach saß man noch zu einer Tasse Café beieinander. Schwanger wurden die Frauen diesmal nicht. Sie versuchten es weiter mit einer "Free Donor Registry Website", die so ähnlich wie eine Partnerschaftsvermittlungs-Agentur funktioniert und sehr verbraucherfreundlich ist, behauptet Beth. Die Agentur verfügt über 400 Spender und hat bis jetzt zwölf Schwangerschaften erzielt. Frische Samenzellen, kostenfrei erhältlich, können nun, dank der modernen Reproduktionsmedizin, weltweit versendet werden. Frauen, egal in welchem Stand, können jederzeit (anonym) schwanger werden, ohne dem Vater jemals begegnet zu sein. Viele Frauen sind der Meinung, dass ihr Kind seinen Vater kennen sollte. Spermienbanken verweigern jedoch die Preisgabe der Identität der Väter. Somit sind Webseiten usw. für dieses Geschäft beliebter. Die Annahme, dass nur Lesben, die sich ein Kind wünschen, diesen Weg der Reproduktion gehen, ist falsch. Geschiedene, Alleinstehende, die eine Abtreibung hinter sich haben oder Karrierefrauen, die nun im reiferen Alter ein Kind wollen, aber auch Ehepaare die natürlicherweise kein Kind bekommen, sind unter den Usern ausfindig zu machen. „Wendy“ identifizierte sich auf einer Webseite als Ehefrau. Ihr Mann ist zeugungsunfähig. Er suchte zusammen mit Wendy ein Kind. Allerdings sollte es durch künstliche Befruchtung erzeugt werden. Das fühle sich eher als sein eigenes Kind an, gibt der Ehemann zu bedenken. Ray, der seinen wahren Namen nicht preisgibt und 2009 seine eigene Donor-Webseite gründete, behauptet, der natürliche Weg sei erfolgreicher. Er selber habe bereits zwei Kinder über "one-night stands" gezeugt.Mütter geben an, nur das Beste für ihr Kind zu wollen, der beste Vater soll es sein, wenn sie sich ihren Traum vom Kind erfüllen. Ein Mann behauptete, er habe einen überdurchschnittlich hohen IQ, berichteten Beth und Nicole. Er wolle den Frauen helfen, hochintelligente Kinder zu bekommen und damit die Gesellschaft zu verändern. Und doch waren U.S. Amerikaner entsetzt, als im September 2011 darüber berichtet wurde, dass ein Vater durch seinen Samen 150 Kindern das Leben ermöglicht hatte. Mediziner warnen, weil sich seltene Erbkrankheiten auf solche Weise schneller ausbreiten sowie Halbgeschwister unwissentlich untereinander heiraten könnten. In den Niederlanden wurde bereits folgender Fall bekannt: ein Mann litt unter dem Asperger's Syndrome (eine milde Form von Autismus), verschwieg seine Krankheit und wurde mittels Samenspende Vater von 22 Kindern. Samenspendern und Banken wird oft Geldgier vorgeworfen.U.S. College-Schüler können im Jahr bis zu $12.000 durch ihre Samenspende verdienen. Viele Kinder in Schulen der USA sind Donorkinder. Internetseiten sind gefüllt mit Berichten von unglücklichen Kindern, die ihre Geschichte der Welt kundtun. Sie sind frustriert, verängstigt und deprimiert. Jeder könnte ihr Vater sein. Sie fühlen sich halb adoptiert. "Das ganze System ist schwer geschädigt", sagt Wendy, Gründerin des "Donor Sibling Registry" die auf ihre Weise hilft, Halbgeschwister ausfindig zu machen.


Monday, October 17, 2011

Unterrichte die Kinder im Glauben und im Katechismus



Our Lady of Good Help” ist der erste anerkannte Marienerscheinungsort der USA. Impressionen vor Ort von Edith Breburda


Green Bay (kath.net) Vor 152 Jahren erschien die Muttergottes in Wisconsin/USA. Erst letztes Jahr war der Ort offiziell als Erscheinungsort anerkannt worden, kath.net hatte berichtet. Bischof David Ricken von Green Bay feierte am vergangenen Sonntag, dem 9. Oktober 2011, das Hochamt mit den vielen Pilgern, die die ganze Nacht durchgebetet hatten. 
„Our Lady of Good Help“ ist eine kleine Kapelle sprichwörtlich in "the middle of nowhere", in einem kleinen Fleck im Staat Wisconsin, im Mittelwesten der USA, und ist doch etwas ganz Besonderes für die Katholiken Nordamerikas. Es handelt sich nämlich um den einzigen anerkannten Erscheinungsort des nördlichen Kontinents, an dem die Muttergottes erschienen ist. 
Der Erscheinungsort ist noch immer ein Insidertipp. Kein Tourismus, keine Hotels, keine Devotionalienläden, keine Gasthäuser. Nur eine kleine Straße, umzäunt von grasenden Kühen der Leistungsrasse „Holsteiner“. 
Viele Pilger pilgern von weit her zum Heiligtum, besonders, seit es seit Mitte dieses Sommers von Patres des Ordens "Father's of Mercy" betreut wird. Die Elf-Uhr-Messe ist auch werktags voll, man kann nur einen Platz ergattern, wenn man pünktlich ist. Während der Predigt kräht der Hahn von der Nachbarfarm, die schon fast zerfallen ist. Weihrauchgeruch vermischt sich mit würziger Landluft und manchmal kommt eine frische Brise vom Lake Michigan heraufgeweht.
Eindrücke, die sich dem Pilger im Oktober 2011 aufdrängen
Ein ungewöhnliches, fast himmlisches Sommerwetter herrscht und die Bäume auf der Peninsula färben sich rot. 26 km vom Bischofssitz Green Bay entfernt befindet sich die kleine Kapelle, die direkt über dem Erscheinungsort erbaut worden ist. Im ihrem Keller steht eine Statue von "Our Lady of Good Help". Auf dem Weg von der Kapelle zur Krypta sieht man ein paar Dutzend Krücken an der Wand.
Die Wisconsin Erscheinung wurde am 10. Dezember 2010 anerkannt. 
1859 erschien die Muttergottes der jungen Belgischen Einwanderin Adele Josephine Brise. Sie wollte eigentlich nicht mit den Eltern auswandern sondern in Belgien Ursulinin werden. Ihr Beichtvater riet ihr mit den Eltern mitzugehen, sie könne doch vielleicht in der Neuen Welt in ein Kloster eintreten. 
Um 1850 kamen viele Einwanderer aus Belgien. Sie besiedelten die waldreiche Halbinsel, die von Green Bay aus in den Michigansee hineinreicht. Der Staat Wisconsin wurde 1848 gegründet. Es war den Einreisenden nicht bekannt, dass der Wald, mit dem sie Geld machen wollten nicht viel wert war, weil die Bäume wegen des sehr rauen Klimas im Winter nicht sehr hoch waren. 
Adeles Eltern verließen Anfang Juni 1855 die Belgische Provinz Brabant. Sieben Wochen dauerte die Reise bis New York. Im August waren sie auf der Halbinsel von Wisconsin angekommen und kauften sich Land. 
Adele war durch einen Jugendunfall - sie kam in Kontakt mit Lauge - auf einem Auge blind und nur sehr dürftig gebildet. Sie war eine sehr gläubige junge Frau. 
Die Bevölkerung in dieser Region von Wisconsin wuchs 1840-1850 sehr schnell. Die kirchliche Betreung konnte nicht mithalten. Die Einwanderer waren auf der Halbinsel verstreut. Viele der Neuankömmlinge bauten sich Holzblockhütten, die ihnen jedoch keineswegs Schutz im Winter boten. Viele Familien erfroren in ihren Hütten gleich im ersten Winter nach ihrer Ankunft. Dazu kam die Asiatische Cholera, die die Leute hinwegraffte. 
Adele und ihre Familie mussten elf Meilen in die Kirche laufen, um den einzigen Priester der Halbinsel zu erreichen. Für viele Familien der Halbinsel schien ein geordnetes religiöses Leben unmöglich, so verlor so mancher der Einwanderer seinen Glauben. Vor allem den Kindern fehlte es an Bildungsmöglichkeiten. 
Eines Tages, im Oktober 1859 auf dem Weg zur Mühle, sah Adele eine weiss gekleidete Frau zwischen zwei Bäumen stehen. Adele erschrak, die Vision verschwand langsam. Als sie ihren Eltern von dem Gesehenen berichtete meinten diese es handle sich um eine arme Seele für die Adele beten solle. 
Am folgenden Sonntag, dem 9. Oktober, war Adele mit ihrer Schwester und einer Freundin auf dem Weg zur Hl. Messe. Auch diesmal sah sie die Erscheinung am gleichen Ort. Ihre Begleiterinnen sahen nichts. Adele offenbarte sich ihrem Beichtvater an, der sie ermutigte die Erscheinung im Namen Gottes zu fragen wer sie sei und was sie wolle. "...Ich bin die Königin des Himmels. Bete für die Sünder, dass sie sich bekehren, sonst kann ich die Strafen meines Sohnes nicht länger aufhalten. Versammle die Kinder in diesem wilden Land und unterrichte sie in ihrem Glauben und in allem, was sie für ihre Erlösung brauchen. Den Katechismus, wie sie das Kreuzzeichen zu machen haben und wie sie die Sakramente empfangen sollen. Das ist, was ich von Dir wünsche. Gehe und habe keine Angst, ich werde Dir helfen..." 
Adele blieb diesem Auftrag bis zu ihrem Tod im Jahr 1896 treu. 50 Meilen von ihrem Haus entfernt wanderte sie die Halbinsel auf und ab, um Kindern Religionsunterricht zu erteilen. Weder schlechtes Wetter noch sonst irgend eine Anstrengung scheute sie um von Hof zu Hof zu ziehen. Ein Priester schlug Adele vor, Geld zu sammeln um eine Schule und einen Konvent zu bauen, damit die Kinder zu ihr und sie nicht zu ihnen gehen muss. Dankbare Eltern schickten sehr bald ihre Kinder zu Sr. Adele wie sie sie nun nannten. 
Einige Frauen gesellten sich zu ihr und sie lebten nach den Regeln des Dritten Ordens des Hl. Franziskus. Schwester Adele selber ist sehr verkannt worden. Ihre eigenen Mitschwestern waren ihr oft nicht freundlich gesonnen, aber Adele ertrug alle Widerwärtigkeiten ohne zu klagen, mit viel Vertrauen und erstaunlicher Courage.
Der erste Bischof von Green Bay, Joseph Melcher, verbot den Pilgern die Kapelle zu besuchen. Er handelte aus Unwissenheit und weil er nicht richtig informiert worden war, schreiben die Chronisten. Er drohte Sr. Adele mit der Exkommunikation wenn sie weiterhin von der Erscheinung berichte. 
Einmal, als Adele mit ihren Schulkindern der Sonntagsmesse beiwohnte wurde sie nicht in die Kirchenbank gelassen und so kniete sie während der ganzen Messe im Mittelgang der Pfarrkirche. Bischof Melcher besann sich und suchte Adele mit zwei Ärzten auf, die ihren Geisteszustand überprüfen sollten. Die Pilger protestierten und so wollte der Bischof ihre Schule schliessen und verlangte den Schlüssel. Sr. Adele kaufte das Nachbar-Grundstück um notfalls dort eine Schule zu bauen. Dann übergab sie dem Bischof den Schlüssel. Ihre Bemerkung, der Bischof wäre nun verantwortlich für die Kinderseelen, bewirkte, dass Adele den Schlüssel zurückbekam. Der zweite Bischof von Green Bay, F. X. Krautbauer, besuchte unangemeldet die Kapelle. Adele erfuhr erst später davon und entschuldigte sich, dass ihr Pastor, der genauestens über die Erscheinung wußte, den Bischof nicht empfangen hatte. Adele fragt den Bischof, was sie sich habe zu schulden kommen lassen, dass die Kirche so abweisend gegenüber dem Erscheinungsort sei. Ob Adeles Anfrage die Meinung des Bischof's gegenüber dem Wallfahrtsort änderte, ist nicht bekannt. Zumindest kamen immer mehr Pilger und auch die Schule florierte. 
Die erste Kapelle über dem Erscheinungsort baute Adeles Vater. 1861 wurde eine steinerne Kapelle errichtet. Sie hatte die Aufschrift, "Notre Dame de Bon Secours, priez pour nous" was dem Ort den Namen gab „Unsere Liebe Frau der Guten Hilfe“. 
Der Ort wurde eine sehr beliebte Pilgerstätte und so wurde eine grössere Kapelle 1880 gebaut. 
Green Bay ist heutzutage bekannt durch seine Papierfabriken. Holzfäller schlugen grosse Schneisen in den Krüppelwald der Halbinsel. Das Holz fing am 8. Oktober 1871 Feuer und ein Brand vernichtete Siedlungen und Wälder. Fast 2000 Leute kamen in den Flammen ums Leben. Als der Feuersturm auf den Erscheinungsort zuraste weigerte sich Adele den Ort zu verlassen. Sie organisierte statt dessen eine Prozession der Pilger, die mit der Statue der Muttergottes rosenkranzbetend um die Kapelle gingen. Die Pilger, die Zuflucht gesucht hatten, ihr Vieh und der Erscheinungsort blieben unversehrt. Nur der Zaun des Wallfahrtsortes erlitt Feuerschaden. Ein kleiner Brunnen versorgte alle mit Wasser. 
Fast 4.900 Quadratkilometer Land wurden zerstört, es war der schlimmste Brand in der Geschichte der USA. Für die Leute war das das Wunder, das alle Zweifel an der Erscheinung endgültig ausräumte. Es dauerte nicht lange und über viele Wunder wurde berichtet, blinde Kinder sahen wieder, Verkrüppelte konnten wieder gehen. Gehörlose konnten wieder hören. Tuberkulosekranke Jugendliche wurden geheilt-alle während einer Wallfahrt zu "Our Lady of Good Help." Bischof Ricken von Green Bay zelebrierte die Hl. Messe am 152. Erscheinungs-Gedächtnistag, dem 9. Oktober 2011. 
In seiner Predigt ermunterte Bischof David Ricken von Green Bay die Gläubigen, fröhlich aber auch couragiert unsere Mitmenschen zu evangelisieren und die Kirche zu verteidigen. Die Muttergottes war und ist der größte Evangelist. 
Die Pilger sprachen von einer tiefen und innigen Feier und empfanden grossen Dank für alle die Gnaden, die die Mutter Gottes an diesem Ort austeilte. Dem Ort, an dem Die Königin des Himmels die Erde berührte.




Wednesday, August 31, 2011

SELEKTION BEI UNERWÜNSCHTEN MEHRLINGSSCHWANGERSCHAFTEN

Assistierte Reproduktion und Pränataler Fetozid

von Dr. Edith Breburda



NEW YORK, 31. August 2011 (ZENIT.org). -  Die New York Times veröffentlichte am 10. August 2011 einen Artikel über Jenny. Eine eigentlich ganz normale Familienmutter, die im Alter von 45 Jahren noch einmal ein Kind bekommen wollte, obwohl ihre älteren Kinder schon fast flügge geworden waren. Seit sechs  Jahren experimentierten Reproduktionsmediziner an ihr herum. Jenny kann ein Lied singen von Hormoninjektionen, Eizellen, die sie von einer Eizellspenderin aussuchte, da sie selber schon im vorgerückten Alter war, und vor allem über die hohen Rechnungen der Fruchtbarkeitskliniken. Oft war sie bitter enttäuscht. Doch jetzt war sie schwanger und in der 14. Woche. Es hatten sich zwei Embryos eingenistet.
Reproduktionsmediziner hatten Leben „kreiert", was auf natürlichem Wege nicht mehr möglich zu sein schien. Paradoxerweise hatten sie zu viel Leben kreiert  und  vor allem eine Mehrlingsschwangerschaft. Ein Ausweg war, das „überzählige"  Baby intrauterin zu töten. Man spricht von Embryonenreduktion, rein technisch handelt sich um eine selektierte Abtreibung. Auch Jenny und ihr Mann trafen die Entscheidung eines der beiden gesunden Feten mit einer Kaliumchlorid (Potassium Chloride) - Injektion abtreiben zu lassen. In den USA werden auch zum Tode Verurteilte mit einer Kalium-Chlorid-Injektion exekutiert.
Jenny beschreibt sich selbst als eine gute Mutter, aber Zwillinge würden ihre Kräfte bei weitem übersteigen und ihren schon fast erwachsenen Kindern würde die mütterliche Liebe nicht mehr so zuteil werden, wenn sie sich um zwei Babys kümmern müsste. Sie wollte ein Kind, das sie und ihr Mann doch irgendwie selber geschaffen hatten, wenn auch auf medizinisch-technischem Wege. Gemeinsam suchten sie eine Eizellspenderin, die Eizellen wurden dann mit dem Samen des Ehemannes befruchtet und schließlich in Jennys Uterus eingebracht. Sie hatten von Anfang an die Kontrolle über diese Schwangerschaft und sich nur für ein Kind zu entscheiden war konsequent. „Wenn wir 15 Jahre jünger wären und auf natürliche Weise Zwillinge empfangen hätten oder finanziell besser gestellt wären, hätten wir niemals einen Zwilling abtöten lassen. Zu einem „natürlich" empfangenen Kind hat man einen anderen, nicht so fremden Bezug. „ Niemals hätten wir auch nur entfernt daran gedacht, da hineinzupfuschen", bemerkte Jenny gegenüber der New York Times Reporterin Ruth Padawer.
Jenny räumte ein, dass sie Schuldgefühle habe. Sie und ihr Mann würden niemandem von der Tötung des Zwillings erzählen.
Ärzte und Klinikpersonal, die ein Zwillingskind selektieren und töten, sind verunsichert. Sie fühlen sich unwohl, selbst wenn sie sonst nichts gegen Abtreibung einzuwenden haben. Vielleicht erinnern sie sich an die Studie: „Wired to Be Social: The Ontogeny of Human Interaction" vom 7. Oktober 2010 (PLoS one). Dr. Umberto Castiello von der Universität Padua berichtet hier von Zwillingen, die bereits in der 14. Schwangerschaftswoche zueinander Kontakt aufnehmen und sich gegenseitig beeinflussen. Sie haben Kenntnisse über ihr Umfeld und wissen, dass sie nicht alleine im Uterus sind.
Die heutige Gesellschaft sieht Kinderlosigkeit als Krankheit an und künstliche Befruchtung als Therapie. Aber was ist das für eine Behandlung, wenn Reproduktionsmediziner Mehrlings-Schwangerschaften „reduzieren"? Künstliche Befruchtung führt oft zu Mehrlings-Schwangerschaften, da man mehrere Eizellen befruchtet, in der Hoffnung, dass sich wenigstens eine in der Uterus-Schleimhaut einnistet. Die Uterusschleimhaut selbst wird durch Hormone vorbereitet. Neueste Forschungen zeigen, dass sich ein Embryo besser einnistet, wenn die Gebärmutterschleimhaut dicker ist. Verhütungsmittel bewirken eine Verdünnung der Uterusschleimhaut und verhindern damit eine Einnistung  zwischen dem 7-9 Lebenstag. Reproduktionsmedizinische Techniken, die zum Kinderbekommen (IVF) oder Nichtbekommen (Kontrazeptiva) eingesetzt werden, sind im Allgemeinen mit einer sehr hohen „Verlustrate" bzw. „Sterberate"- verbunden. Die „Behandlung" von Megaschwangerschaften bedeutet einen selektiven Embryozid bzw. Fetozid. Argumentiert wird, dass durch Mehrlingsschwangerschaften das Leben aller Kinder und eventuell der Mutter gefährdet würde. Man nimmt die Tötung Unschuldiger in Kauf, damit letztlich ein Kind geboren werden kann. Es wird behauptet, auf diese Weise Menschenleben zu retten.
Die Kirche bezeichnet in dem Dokument Dignitas Personae die „In Vitro Fertilisation“ als Quelle aller ethischen Probleme. Sie betrachtet die „Intrauterine Selektive Reduktion“ von Ungeborenen als eine Unrechtssituation, die durch die IVF geschaffen wurde. Der Mensch selbst hat durch sein Handeln bewirkt, dass es zu Mehrlingsschwangerschaften kommt. Die Tötung eines Kindes kann damit nicht gerechtfertigt werden.
Unfruchtbare Ehepaare stehen der Reproduktionsmedizin mit einer gewissen Konsumenten-Einstellung gegenüber. Man könnte fast meinen, es herrsche die unterschwellige Meinung, „wer zahlt schafft an". Das Kind wird zum Objekt herabgewürdigt. Seine Entstehung beruht auf dem Wunsch der Eltern.  Durch  die Erzeugung eines Embryos im Labor scheint die Würde und Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben verloren gegangen zu sein. Dignitas Personae betont die „unveränderliche Würde und den Wert jedes einzelnen unwiederholbaren Menschen, der ins Leben gerufen worden ist".
Der US- Mediziner Dr. Hunnell schreibt am 17. August 2011:  „IVF turns pregnancy into a shopping expedition.. with deadly results", dass einige Ehepaare nicht zur biologischen Elternschaft berufen sind. „Gott verlangt von uns niemals, etwas Unmoralisches zu tun, um unserer Berufung gerecht zu werden. Wenn einige nur durch reproduktionsmedizinische Maßnahmen Eltern werden können, dann trifft auf solche Ehepaare die Berufung zu einer biologischen Elternschaft nicht zu.“
*Die Autorin ist als Biomedizinexpertin in Madison, der Metropole der US-Stammzellenforschung, tätig. Im deutschen Sprachraum veröffentlichte sie neben der Autorentätigkeit für die Lebensschutzorganisation ALfA unter anderem das Buch:
Edith Breburda: Die Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Stein am Rhein, Christiania Verlag 2010.

Friday, August 19, 2011

Für die embryonale Stammzellforschung braucht man Eizellen - Gefährliches Verfahren der Gewinnung, viele ethische Probleme

Gefährliches Verfahren der Gewinnung, viele ethische Probleme

Von Dr. Edith Breburda



MADISON, 19. August 2011 (ZENIT.org). - Die Forschung mit embryonalen Stammzellen gilt nach wie vor als das Non plus Ultra der modernen Medizin. Die sogenannten pluripotenten embryonalen Stammzellen, die durch Zerstörung eines Embryos gewonnen werden, besitzen rein theoretisch das Potential sich in alle 220 Zelltypen des Körpers zu verwandeln. Forscher sind jedoch nach eigenen Angaben noch weit davon entfernt, embryonale Stammzellen in Organ- oder Nervenzellen zu verwandeln. Organe für Transplantate sind rar, adulte Stammzellforscher sehen den kürzeren Weg zum erwünschten Erfolg darin, adulte Stammzellen direkt in andere Körperzellen zu verwandeln. Ein Schritt der in der Medizin bereits angewandt wird, denn man hat festgestellt, dass auch adulte Stammzellen eine gewisse Plastizität besitzen, die man bisher nur embryonalen pluripotenten oder induzierten pluripotenten Stammzellen zugeschrieben hatte. Bevor man jedoch die Differenzierung der Zellen erforschen kann, egal ob man embryonale oder induzierte Stammzellen heranzieht, muss man sehr viele Hindernisse überwinden. Bei induzierten Stammzellen nimmt man ausdifferenzierte Organ- oder Hautzellen und dreht die Uhr zurück, bis sie wieder fähig sind, sich in alle 220 Zellen zu differenzieren. Allerdings wird die Rückverwandlung der bereits ausdifferenzierten Zellen durch das sogenannte epigenetische Gedächtnis blockiert. Diese Blockade zu lösen ist fast unmöglich. Daher ist die Anzahl von induzierten Zellen sehr klein.
Dr. Hwang aus Süd Korea, bekannt durch den größten Forschungs-Skandal, nahm für seine Versuche frische Eizellen. Forscher sehen darin die Überlegenheit der humanen embryonalen Stammzellen gegenüber den „ethisch unbedenklichen" induzierten pluripotenten Stammzellen. Die humane embryonale Stammzellforschung benötigt humane Eizellen. Dr. Hwang wurde zu Fall gebracht, weil er Eizellen „ethisch nichtakzeptabel" von Mitarbeiterinnen gewonnen hatte.
Bioethiker der USA streiten sich darum, ob man Eizellspenderinnen vergüten solle oder nicht. Eine Eizellenentnahme ist sehr aufwändig. Die Eizell-Spenderin verbringt etwa 50 Stunden in ambulanter Behandlung mit Bluttests, Ultraschalluntersuchungen, Hormon-Injektionen und am Ende mit der nicht ungefährlichen Eizellentnahme. Die Eierstöcke werden mit Follikel-stimulierenden Hormonen angeregt. Dabei reifen mehrere Eizellen heran. Mit zunehmender Stimulation nehmen allerdings auch die Komplikationen zu, wie z. B. das lebensbedrohliche Hypersimulationssyndrom, das bei der Spenderin zu Nierenversagen, Thromboembolien, Atembeschwerden, Unfruchtbarkeit und Tod führen kann. Mit hohen Hormongaben werden mehr Eizellen mit Chromosomenanomalien gebildet. Angestrebt wird eine Stimulation die zu 10-15 Eizellen führt. Judy Norsigian, die Direktorin einer US-Frauen-Gesundheitsorganisation, genannt „Our Bodies Ourselves", ist besorgt, dass man Spenderinnen alle diese Risiken verschweigt, aus Angst, dass sich weniger freiwillige Spenderinnen melden (Breburda, Promises of New Biotechnologies, Kindle Amazon Ebook, 2011).
Wissenschaftler versuchen seit langer Zeit, Ei- und Samenzellen im Labor herzustellen. Nicht nur, um fundamentale Fragen der Reproduktionsmedizin besser zu verstehen, sondern auch, um neue Wege zu gehen, um unfruchtbaren Paaren zu helfen, oder auch, damit die Stammzellforschung nicht mehr von Spenderinnen abhängig ist. Am 4. August 2011 veröffentlichte das Science Magazin einen Artikel von D. Normille mit dem Titel: „Sperm Made (Mostly) in a Dish Produce Normal Mice." Embryonale und induzierte Stammzellen können sich theoretisch auch in Ei- und Samenzellen umwandeln. Viele Wissenschaftler hatten bei diesen Umwandlungs-Experimenten in den letzten Jahren allerdings keinen Erfolg.
Jetzt ist es einem Team der Kyoto Universität in Japan gelungen, einen Weg zu finden, Mäuse-Samenzellen aus embryonalen Mäusezellen zu gewinnen, welche erfolgreich Nachwuchs erzeugten. Diese Forschungsergebnisse könnten in ferner Zukunft dazu führen, die männliche Unfruchtbarkeit einzudämmen, berichtete Mitinori Saitou, der Chef des Kyoto-Teams. Ei- und Samenzellen entwickeln sich aus sogenannten Keimzellen, die schon in einem sehr frühen Stadium im Embryo vorhanden sind. Zu embryonalen Stammzellen gaben die Forscher ein Gemisch aus Eiweißen und Wachstumshormonen, um keimzellenähnliche Zellen zu gewinnen. Diese Keimzellen wurden in den Hoden von unfruchtbaren Mäusen gepflanzt und daraus entwickelten sich normale Samenzellen mit denen man Mäuse-Eizellen befruchtete und in Leihmuttertiere pflanzte. Die daraus entstandenen Mäuse waren fähig, sich weiterhin fortzupflanzen. Saitou erklärte, dass noch viele Hürden zu überwinden seien. Letztendlich wolle man auch Eizellen im Labor züchten. „Wir müssen sehen, ob unser Mäuserezept auf den Menschen übertragbar ist", erklärte Saitou. Die bisherige Praxis zeigt jedoch, dass viele Experimente nur bei der Maus gelingen, aber niemals bei Menschen.
*Die Autorin ist als Biomedizinexpertin in Madison, der Metropole der US-Stammzellenforschung, tätig. Im deutschen Sprachraum veröffentlichte sie neben der Autorentätigkeit für die Lebensschutzorganisation ALfA unter anderem das Buch:
Edith Breburda: Die Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Stein am Rhein, Christiania Verlag 2010.

Tuesday, August 16, 2011

Darf man tiefgefrorene Embryonen adoptieren?

Bei jeder In-Vitro-Befruchtung entstehen überflüssige Embryonen. Was tun mit diesen jungen Menschen, töten, medizinischen Forschungszwecken zuführen, adoptieren? Von Edith Breburda



Madison (kath.net) Bei jeder In-Vitro-Befruchtung entstehen zahlreiche überflüssige Embryonen. Sie werden zunächst eingefroren (genauer: kryokonserviert) und stehen für eventuelle weitere In-Vitro-Fertilisationen zur Verfügung. Doch was soll mit mit diesen jungen Menschen geschehen, wenn sich die Eltern gegen sie entscheiden? Soll man sie töten, medizinischen Forschungszwecken zuführen, adoptieren?

"Ob man tiefgefrorene Embryos aus ethischer und moralischer Sicht adoptieren kann, darüber hat der Vatikan noch nicht gesprochen. Rom wird diesem Ansinnen ablehnend gegenüber stehen", erklärte der bekannte Bioethiker Pfr. Tadeusz Pacholczyk im März 2004 in einer kleinen Runde in Madison, Wisconsin
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Pfarrer Pacholczyk meinte damals, die Kirche sei gegen die künstliche Befruchtung und so würde das Thema, tiefgefrorene Embryos zur Adoption freizugeben von der Kirche nicht unterstützt werden. Mann müßte zudem annehmen, dass dann vermehrt In-Vitro-Fertilisation (IVF) zum Einsatz käme und diese im Nachhinein gerechtfertigt wird. Gegen diese Art der Adoption würde sich die Kirche immer aussprechen, so der Experte. 

Die Kirche hat bis jetzt nur in dem Dokument Dignitas Personae, veröffentlicht am 12. Dezember 2008, dem Fest der Muttergottes von Guadalupe, Patronin der Ungeborenen, auf die unzähligen gefrorenen Embryos hingewiesen und die Frage aufgeworfen was man mit ihnen tun soll. Sie für Forschungszwecke freizugeben oder als Biomüll zu entsorgen ist unakzeptabel. Das Dokument weist darauf hin, dass es lobenswert wäre diese Embryos zurück in Leihmütter zu verpflanzen. Allerdings würde eine Embryo-Adoption weitere Probleme mit sich bringen wie z.B. die der rechtswidrigen Ersatzmutterschaften. 

Der Selige Papst Johannes Paul II. forderte 1996 Wissenschaftler dazu auf die Produktion von Embryos einzustellen. Eine Embryoadoption wurde nie zuende diskutiert, heißt es in dem Artikel "Vatican Rules Out Adoption of Frozen Embryos - at Least for Now", vom 12. Dezember 2008. 

Anfang Juni 2011 fand im Christendom College in Front Royal, Virginia, eine Bioethik-Konferenz statt zu der Pfr. T. Pacholczyk vom National Catholic Bioethics Center (NCBC), Bishop Robert Morlino (Diözese Madison, WI), Chairman des NCBC Zentrums von Philadelphia, und Dr. Janet Smith, Sexual Ethik Expertin des Sacred Heart Major Seminars in Detroit geladen hatten. In einer der Sitzungen diskutierte Father Pacholczyk mit Dr. Smith ausgiebig um das moralische und ethische Thema der Embryoadoption. Dr. Smith stand einer Embryoadoption positiv gegenüber und bezeichnete sie als eine Art Adoption. Die Kirche sei zwar gegen die künstliche Befruchtung, aber man müsse hier anders an die Sache herangehen. So ähnlich wie wenn eine Mutter das Kind ihrer Schwester austrägt weil diese Krebs hat und nicht dazu in der Lage sei, ein Kind zu bekommen.

Pfr. Pacholczyk widersprach seiner Kollegin. Der Priester erläuterte das Eheliche Recht, das ausschließlich dem Ehemann ein "Recht" auf den Körper seiner Frau gibt. Er bezog sich auf ein Gespräch mit einem Freund und Vater von 5 Kindern, der es ablehnte, dass seine Frau einen fremden Embryo austrägt. Seine Frau, so der Freund weiter, sollte nur und allein von Ihm Kinder austragen. Der Zweck heilige niemals die Mittel, meinte der Bioethik-Experte und letztlich würde die In-Vitro-Fertilisation durch Embryoadoptionen zum Boomen kommen. "So tragisch es für diese 500 000 gefrorenen menschlichen Wesen ist - wir können diesen Weg nicht gehen und wir haben uns selber in diese Lage gebracht" sagte Fr. Pacholczyk. Dr. Smith glaubt nicht, dass die sexuelle Beziehung zwischen einem Ehepaar durch eine Embryo- Adoption gefährdet würde. Ein Kind auszutragen sei das Gleiche wie einem fremdem Kind Muttermilch zu geben (K. Gilbert, Top Catholic ethicist duel over frozen embryo adoption. Aug. 2. 2011). 

Unabhängig von diesen Ansichten könnte uns die Handhabung von Embryoadoptionen viel eher einen Aufschluß über die moralische und ethische Verantwortbarkeit geben. Übriggebliebene Embryos werden in Fruchtbarkeitskliniken bei äußerst niedrigen Temperaturen in flüssigem Stickstoff aufbewahrt (kryokonserviert). Mehr und mehr Paare diskutieren über die Möglichkeit diese Embryos zu adoptieren. Courtney und Tim A. konnten kein Kind empfangen. Sie wollten einen tiefgefrorenen Embryo adoptieren, um ihn vor der humanen embryonalen Stammzellforschung zu bewahren. 11 tiefgefrorene Embryos standen zur Verfügung, nur 3 überlebten den Auftauprozess. Am 15. September 2003 gebar Courtney schließlich einen Jungen. Beide Eltern waren überglücklich. "Mein Sohn und jedes Baby ist ein Wunder" sagte die Mutter dem Nationalen Fernsehen. "Für mich ist jeder Embryo, obwohl noch so klein, ein Kind - ich habe meinen Sohn in einer Petrischale gesehen und kann nicht verstehen wie man ein Kind für Forschungszwecke spenden kann".

2002 schrieb der Schottische Theologe Jon Berkman, dass Embryoadoptionen dazu führen könnten mehr Embryos zu erzeugen. Biologen sehen die Prozedur in sich selbst als zerstörerisch an, da nur wenige der Embryos, in dem obigen Fall nur einer von 11, das Licht der Welt erblicken (s. Kindle ebook "Promises of New Biotechnologies", E. Breburda).

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