Samstag, 26. Juli 2014

US-Bürgermeister vertreibt grassfed beef Metzger; Putin verbietet McDonald's Burger

Dr. med. vet. Edith Breburda

Bürgermeister verjagt Ökometzger aus Black-Earth


In den USA ist es eine Seltenheit, Gras-gefüttertes Rindfleisch beim Metzger zu finden. Im US-Bundestaat Wisconsin gibt es nur einen Metzger, der sein eigenes organisches Schlachthaus hat und Tiere der Umgebung "verarbeitet". 
 Seit 7 Jahren betreibt er sein Geschäft, welches schlichtweg floriert. Er versendet sein Fleisch in die ganze USA. So kam es, dass er immer mehr schlachtete, was die Anwohner in dem kleinen Dorf Black Earth, etwa 20 km von der Hauptstadt Madison entfernt, ärgerte. Der Bürgermeister klagte gegen den Metzger. Dieser bot verschiedene Lösungen an, nur wurden sie alle vor Gericht abgewiesen. Der Metzger muss sein Geschäft schließen. Einige Anwohner, die sich über den Viehverkehr und den Geruch beschwert haben, wollen den Metzger aus dem Dorf vertreiben. Sein Geschäft steht vor dem Aus. In ein paar Tagen, Ende Juli 2014, muss er den Laden für immer zumachen. Er kann nichts dagegen tun. Die einzige Lösung wäre, dass der Bürgermeister die Klage zurückzieht.
  
Treibhauseffekt und Rindermast
Vor ein paar Tagen konnte man im Wisconsin State Journal einen Bericht der BBC-News über Umweltbelastung durch Rindfleischproduktion lesen.
Wissenschaftler denken vor allem an den Treibhauseffekt aufgrund der Methangasausscheidung und die hohen Nitratgehalte, die sie dieser Tierhaltung zuschreiben. Jetzt fanden sie heraus, dass Mastrinder 28 mal mehr Landfläche und 11 mal mehr Wasser zur Fleischerzeugung benötigen als Schweine oder Geflügel. Die National Academy of Science schlägt deshalb vor, weniger Hamburger zu essen. Vielleicht sieht sich der Bürgermeister von Black Earth durch diesen Bericht in seiner Klage gegen den Metzger seines kleinen Dorfes im Mittleren Westen der USA bestätigt.

Factory Farming oder gesundes Fleisch?
Für Leute, die mit der modernen Massentierhaltung in den USA und dem Modell des Factory Farming nicht einverstanden sind, ist die Schließung der Metzgerei unbegreiflich. Mediziner weisen immer wieder auf die gesundheitlichen Vorzüge von grasgefüttertem Rindfleisch hin. Der Trend zu diesem Nahrungsmittel nimmt zu. Selbst der Zeitungskolumnist Mark Morford vom San Francisco Chronicle, ein ehemaliger Vegetarier, isst nur das Fleisch von grasgefütterten Rindern. Er will gar nicht an die Grausamkeiten der Tierhaltung denken, über die man so oft hört. Zum Beispiel an eine Mast von Tausenden von Rindern mit Sojaschrot, mitten in der Wüste von Arizona. Solche Einrichtungen werden auch als Kuh-Konzentrationslager bezeichnet.  

Rinder konkurrieren mit Menschen um Essen
Rindermägen sind nun einmal in der Lage Gras zu verwerten.
Rinder in enge Buchten zusammenpferchen und mit Mais, Soja oder Getreide füttern entspricht überhaupt nicht ihrer Physiologie. Das Sojamehl ist meist genmanipulierte Importware aus Argentinien oder Brasilien. Um es herzustellen werden Indianer von ihrem Land vertrieben und Unmengen an Wasser und chemischen Spritzmitteln verwendet. Aber so weit muss man gar nicht gehen, wenn man herausfinden will, welche Tierhaltung artgerechter ist. Eine Studie aus der ehemaligen Sowjetunion zeigte, dass die Fleischproduktion ökonomische Probleme mit sich brachte, weil die Rinder 3 mal soviel Getreide konsumierten als die Menschen.
Getreidefütterung führt in Rindermägen dazu, dass bis zu 25% unverdaut wieder ausgeschieden werden. Frances Moore Lappe schrieb in ihrem Buch: "Diet for a small Planet", dass in den USA 16 Pfund Soja und Getreide gefüttert werden müssen, um daraus ein Pfund Rindfleisch zu produzieren. Es liegen Berechnungen vor, dass die an das Vieh verfütterten Mengen an Getreide und Hülsenfrüchten reichen würden um 3 Milliarden Menschen zu ernähren.
Rinder werden nicht umsonst als Nahrungskonkurrenten des Menschen angesehen.

E-Coli, Antibiotika und Genfutter
Intensive Tierhaltung hat gesundheitliche Folgen für das Tier. Kühe verfügen mit ihren vier Mägen, dem Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen über die optimale Kondition Gras zu verdauen. Der Pansensack kann bis zu 60 Kilogramm Futter aufnehmen. Bakterien und Einzeller produzieren Säuren, die schwerverdauliche Pflanzenmassen aufschließen. Durch das Wiederkauen gelangt alkalischer Speichel in den Pansen um einen pH-Wert von ca. 6,5 zu erreichen.
Früher wurde eine Kuh mit einem Alter von 4-5 Jahren geschlachtet. Heute liegt in den USA das Schachtalter bei 14-15 Monaten. Man muss also die Ernährung der Tiere so gestalten, dass sie sehr schnell an Gewicht zunehmen. Das heißt, sie benötigen enorm viel Getreide, Soja-Eiweiß, Antibiotika und Wachstumshormone. Unter ökonomischen Gesichtspunkt macht diese Art der Tiermast einen Sinn.

Tiere die mit Getreide gefüttert werden hören jedoch auf wiederzukauen. Ihr Pansen übersäuert, die Tiere hören auf zu fressen, keuchen und geben viel Speichel ab. Die Tiere können Durchfall bekommen, Geschwüre, Lebererkrankungen, ihr Immunsystem wird geschwächt und am Ende sterben sie. Ihr Verdauungsapparat wird durch die vorhandene Übersäuerung empfänglicher für das Wachstum bestimmter pathogener Keime wie z.B. den tödlichen Keim der Escherichia coli 0157:H7 Bakterien. Ein nicht vollständig erhitzter Hamburger könnte uns damit einen Krankenhausaufenthalt bescheren. Zeitungen berichteten am 25. Juli 2014, dass Russland Hamburgers in allen 356 McDonald's Restaurants wegen gesundheitsgefährdenden Qualitätsmängeln verbieten will.
Methangase die über das Wiederkauen abgegeben werden, bleiben bei Getreide- und Sojabohnenfütterung im Pansen und am Ende gasen die Tiere auf. So beschreibt es der Autor Michael Pollan in seinem Buch. Auch für uns Endverbraucher ist so ein Fleisch gesundheitsschädlich, fährt Pollan fort. Der einzige Weg, um diese Mast zu betreiben besteht in einer Beifütterung von Antibiotika. Ohne sie geht es eigentlich gar nicht mehr. Nur, dieses führt wieder zu einer Antibiotika Resistenz, die wir Menschen zu spüren bekommen. Heute redet doch fast jeder von "superbugs", den Superbazillen, die wir selber zu verantworten haben und die eine medizinische Behandlung mit Antibiotika erschweren.

Gesundes Fleisch nicht mehr gewöhnt
Die Welt kann man mit grasgefütterten Rindern nicht ernähren. Auch wenn das Fleisch mehr Omega 3-Fettsäuren erhält, reicher an Vitamin E ist und einen höheren Anteil an konjugierten Linolsäuren enthält, was die Krebserkrankungsrate mindert.
Der Muskelanteil der frei herumlaufenden Tiere übertrifft den Fettgehalt im Fleisch bei dieser Tierhaltung.
Viele Amerikaner lieben jedoch die Marmorierung des Fleisch-Fettanteils, die durch eine Mast auf engem Raum entsteht. Sie sind es nicht mehr gewohnt Gras- gefüttertes Fleisch zu konsumieren, weil es ihnen am Ende gar nicht schmeckt.

Umweltgesundheit
Die Annahme, dass grasgefüttertes Rindfleisch umweltfreundlicher erzeugt wird, wurde in Brasilien widerlegt, weil Weidetiere Methan erzeugen. Zudem wachsen die Tiere langsamer und somit hält die Methan-Emission länger an.
Aber was macht man mit dem Dung und der Gülle der Tiere die beim factory farming in viel größeren Mengen auftreten, weil man hierbei viel mehr Tiere auf engstem Raum hält.
Die Umwelt leidet unter beiden Arten der Tierhaltung. Einen Ausweg sieht auch der Autor Robbins darin, ganz einfach weniger Rindfleisch zu essen, egal wie es gehalten wurde. Grassfed-Beef scheint sowieso nur etwas für Konsumenten zu sein, die sich die teuren Preise des so erzeugten Fleisches leisten können (Robbins J. The truth about grassfed Beef, 19. Dez. 2012).

Metzger muss gehen
Unverständlich bleibt, dass man die einzige Metzgerei in Wisconsin, die eine Nische in der Vermarktung von grasgefüttertem Rindfleisch und Fleisch aus lokalen Betrieben erschlossen hat, nun daran hindert weiterhin zu schlachten. Denn Schlachthäuser im herkömmlichen Sinn, wie bei uns in Deutschland, zu denen die Bauern ihre Tiere bringen, gibt es in den USA schon lange nicht mehr.

Veröffentlicht: Christliches Forum 1. August 2014

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