Thursday, July 7, 2016

Essen, eine neue Religion, die ein ewiges Leben auf Erden verspricht

Dr. Edith Breburda 
Christliches Forum, 9. July 2016 
Superfood, Rohkost, Vegetarisch, Vegan, Brain Food, Gluten freie Diät, Figur besorgter Ökomenschen, Locavores, Low Carb und so viele andere neue Trends der gesunden Ernährung huldigen unserem Körper. Erklärt man Essen zu einer neuen Religion, deren Mitglieder schlank, fit, schön sind?  
Man gilt schon fast als asozial, wenn man nicht in einen Fitnessclub eingeschrieben ist. In den Gesundheitstempeln werden die neuesten Cardio-How to burn fat und Grocery-Store Tours usw. neben Joga angeboten. Ein hochdotierter persönlicher Trainer steht den manchmal auch eingebildeten Übergewichtigen zur Verfügung, hässliche Pfunde loszuwerden.
Im Internet findet man, wie man sich ernähren muss, um Alzheimer oder Krebs loszuwerden. Das was wir essen, sei ungesund. Ratgeber erregen mit ihrem wissenschaftlichen Anhauch die Gemüter. Es heißt, Wurst und Fleischwaren verursachen Darmkrebs; Zucker zerstört Darmbakterien. Auch Milch kann krank machen.

Auswege aus der Fehlernährung werden uns von selbsternannten Experten angeboten. Ihre Anweisungen schüchtern uns so ein, dass wir unüberlegt ihren Ratschlägen folgen und dafür tief in die Tasche greifen. Wir verzichten ungezwungen auf Nahrungsmittel, die wir eigentlich lieben. Veganer meiden sämtliche Lebensmittel tierischen Ursprungs, während es bei Vegetariern nur Fisch und Fleisch ist. Die Paläo-Diät verbietet Getreide und Milch aufzunehmen und die Clean-Food-Anhänger verabscheuen industriell zubereitete Nahrung. Die Regale in den Geschäften sind vollgestopft mit Gluten- und Lactose freien Produkten, obwohl in Deutschland nur geschätzte 15 Prozent an einer Lactoseintoleranz leiden und nur 1:500 kein Gluten vertragen.

Dr. Weil, dessen Trufood Restaurants von essensbewussten Kunden überrannt werden, vermarktet sich, wie so viele andere, als „spiritueller Führer“.
Kritik ist bei den Anhängern des US-Mediziners, so wie des Wirtschaftsingenieurs Nico Richter oder der Physikerin Attila Hildmann unerwünscht. Alle drei sind keine Köche. Sie bereichern sich persönlich mit ihren Gesundheitstipps, die sie leichtgläubigen Verbrauchern geben. Der vollendete Körper, ein Trainingsarmband, das jede Sünde registriert, vereint Fitnessbesessene in einer Art Glaubensgemeinschaft.

Fasten und sich im Trainingsraum zu geißeln, sind Eigenschaften, denen man früher Mönchen zukommen ließ. Fast schon dogmatisch wird die inhaltstoffarme Nahrung verteidigt. Man dichtet ihr eine Heilwirkung an, obwohl sie bei näherer Betrachtung ungesund ist. Intoleranz trifft jeden, der seinen Körper nicht perfektioniert. Dennoch herrscht Unsicherheit darüber, wie man denn nun seinen Körper behandeln muss, um ein ewiges Leben schon hier auf Erden zu erhalten.

Essen muss vor allem die benötigten Nährstoffe enthalten und satt machen. Fett, Zucker, Zusatzstoffe aber auch Getreide und tierische Produkte sollen dennoch fehlen. Markenzeichen ist oft der Preis der Nahrung, ganz so, als ob dies eine Garantie für die Wirkung sei. Die Qualität lässt trotzdem zu wünschen übrig. Nur sehr selten berichtet man darüber, wie sehr z.B. Chiasamen und Quinola mit Umweltgiften belastet sind (1).


Auf Genuss und Freude am Essen, welches man früher in der Gemeinschaft aufnahm, wird in Amerika verzichtet. Dass die Familie zum Essen zusammenkommt, das gibt es an Thanksgiving in Amerika; dem Land, wo man sich selbst um die gesunde Nahrung der Haustiere Sorgen macht.
Auch der Hund soll ernährungsbewusst fressen. In kalifornischen Restaurants gehört eine Speisekarte für Fifi zum guten Ton. Man bedankt sich vielmals bei dem Hund, wenn dieser das ihm auf einem Teller gereichte Essen auffrisst.

Vergessen sind die Menschen, die nichts zu essen haben; die versuchen, irgendetwas auf den Teller zu bekommen. Im übersättigten Kalifornien, ist man allerdings entsetzt, wenn in Süd-Korea Hunde auf der Speisekarte stehen. Wahrscheinlich ist es nicht das einzige Land, das pro Jahr 2.5 Millionen Hunde und Katzen als Nahrungsmittel verarbeitet. 

Wir kennen Korea als den Produzenten von Samsung, Hyandai, Kia, LG, Sk, und Daewoo. Wie kann so ein Land Hunde in verlausten, engen Käfigen halten? Von Geburt an kennen diese Tiere nichts anderes als Schmerz. Vor ihren Augen werden ihre Leidensgenossen erhängt, geschlagen, sie bekommen ihre Kehlen durchgeschnitten und werden oft noch lebend verbrannt oder in heißes Wasser geworfen.

Der Mythos, dass, je mehr der Hund leidet, desto besser sein Fleisch schmeckt, steigert die Phantasie der Schlächter, die Tiere zu quälen. Katzen müssen für ein Gesundheitselixier immer lebend gekocht werden.

Jedes Tier kann so enden. Selbst Jindos, eine besondere und unter Artenschutz stehende Hunderasse, die als Nationaler Schatz gilt, werden nicht verschont. Viele Besitzer haben auf diese Weise schon ihren Hund verloren. Sie wissen, wo ihr geliebter Begleiter gelandet ist. Der Endverbraucher hat keine Ahnung, welches Tier er konsumiert. Es war vielleicht der Hund des Nachbarn.

Ein anderes Problem besteht für die Leute, die in Korea neben einer sehr unsanitären Hundefarm leben. Das Wasser ist verschmutzt, und ein Gestank liegt in der Luft. Das Zitat von Mahatma Gandhi:
„Die Größe einer Nation und sein moralischer Fortschritt wird danach beurteilt, wie sie ihre Tiere behandeln“, kommt Protestlern auch nicht zugute. Die Farmen überschatten das Leben aller Menschen. Kinder werden unbewusst zu Zeugen der Grausamkeiten; denn manchmal werden die Hunde gleich neben einer Schule gehalten.

Die Hauptfrage bleibt, wie gesund es ist, sich mit Fleisch von diesen Hunden zu ernähren, die mit meist verdorbenen, Parasiten befallenen Essensabfällen gefüttert wurden und zahlreiche Medikamente und Antibiotika verabreicht bekamen.

Das hochtoxische Fleisch beeinträchtigt die Gesundheit der Menschen, was Diabetes und Krebs auslösen kann. Das Nahrungsmittel ist prädestiniert, Lebensmittelvergiftungen beim Endverbraucher hervorzurufen. Es ist zwar eine alte Tradition, Hundefleisch zu konsumieren, trotzdem sollte man damit brechen. Normalerweise verbindet uns Stolz und Freude, Gebräuche aufrecht zu erhalten. Sie sollten genossen werden, von den Menschen, die sich damit identifizieren. Hundefleisch zu essen, erfüllt keines dieser Ansprüche. Es passt nicht zu dem Bild, das wir von Korea haben.
Das Gewerbe wird geduldet, unterliegt aber keinen offiziellen Regulierungen, man sollte es auch niemals legalisieren. 

Tierschützer aus den USA prangern an, dass führende Mitglieder der Koreanischen-Gesellschaft damit angeben, Hundefleisch zu essen. Damit verharmlost man das Übel, was einen Rückschritt der Kultur bedeutet. In einer modernen, aufgeschlossenen Kultur sollte man keine Hunde oder Katzen verspeisen. In den Philippinen und Thailand ist dies bereits verboten. Die Hoffnung der Protestler ist es, auch China, Vietnam und Indonesien dazu zu bewegen, mit dem grausamen Töten der Tiere aufzuhören. Das würde nicht nur den Tieren im Land zugute kommen, sondern allen Tieren, die momentan irgendwo auf der Welt unter den inhumanen Bedingungen leiden (2).


Die moderne Küche orientiert sich allerdings mehr, als uns lieb ist, an den alten Gebräuchen. Nicht, dass es sich überall um Hundefleisch handelt. Nein, in der Stadt Mexico City können Touristen des City’s Ferstin de Insectos Comestibles (des City-Festes der Essbare Insekten) lange schwarze Insekten, die in Schokolade gehüllt sind, verkosten. Die Würmer sind tot, und wenn man nicht so sehr darauf achtet, was man sich auf der Zunge zergehen lässt, kann man es fast genießen.

Zumindest haben die Lebensmittel der Ureinwohner sehr viel Proteine. Mexico hat die kulinarische Tradition ihrer Vorfahren wiederentdeckt. „Wollen sie Fliegen mit ihrem Gericht?“, fragen sie ihre Kunden. Es gibt Honig-Ameisen, die auf einem Schokoladenstückchen liegen, Pizzas, verziert mit gegrillten Grasshüpfern, Brötchen mit Fliegenlarven und Tocos mit „escamoles“. Die Ameiseneier sind eine Delikatesse, die man auch als Mexikanischen Kaviar bezeichnet. „Wir versuchen unsere aztekisch-gastronomischen Wurzeln wiederzuentdecken“, sagt Laurencio Lopez Maya, der Besitzer des Restaurants, Tlacoyotitlán. Als Delikatesse findet man auf seiner Speisekarte eine besondere Käfersuppe und chinicuile (Maguye Wurm) quesadillas.

Früher aßen die Azteken 92 verschiedene Insekten. Viele von ihnen waren eine Delikatesse. „Als Mexikaner zierten wir uns sie zu essen, aber nun liegen wir im Trend, sie unseren Kunden anzubieten“, sagt Lopez (3) .

Viele schauen bei der Nahrung, die als gesund deklariert wird, am besten nicht so sehr hinter die Kulissen. Nicht alles, was wir konsumieren, fördert unser Wohlbefinden. Die Unverträglichkeite kann auch schon bei Rohkost und Vollkornprodukten auftreten. Man muss dazu nicht einen kulinarischen Trip in ferne Länder unternehmen. 

 


Auszug aus dem demnächst erscheinenden Buch: „Gentopia, das gelobte Land“, von E. Breburda

REFERENZEN:

[1] Urologenblog: „Ich bin Klempner von Beruf“, Ideologischer Eifer. 2. 7.2016
[2] Koreandogs.com, The south Korean dog meat trade. Compassion through action, 2016
[3] Kroth M.: You want flies with that? Sampling the fare at the Mexican capital’s edible insect celebration. Hemisphere, June 2016



Wednesday, June 15, 2016

Wie begegnen wir der Trauer, wenn unser Glaube in Frage gestellt wird?

Dr. med. vet. Edith Breburda

Christliches Forum,  22. Juni 2016
Bischof John Noonan von Orlando schrieb am Montag: „Wir müssen um den Weltfrieden beten und die Würde des Menschen unter allen Umständen beschützen.“
Die Schießerei in Orlando am 12. Juni 2016 wird als die schlimmste in der Geschichte der USA bezeichnet. In den frühen Morgenstunden eröffnete der 29-jährige Omar Mateen von Port St. Lucie in Florida das Feuer in einem homosexuellen Nachtclub. 49 Menschen wurden getötet, 53 sind zum Teil schwer verletzt.
Der Präsident von Amerika redete von einer Terrorattacke. Wenn man den Opfern die das Massaker überlebt haben zuhört, danken sie zu aller erst Gott, nicht erschossen worden zu sein und schätzen es, dass man überall auf der Welt für sie betet.
Chase Strangio, Anwalt der Civil Liberties Union der USA (ACLU/ Amerikanischen zivilen Freiheit’s Union) kritisierte hingegen den Aufruf vieler Amerikaner, für die Opfer zu beten. So mehren sich auch Slogans wie „don’t pray“. Die ACLU sieht zudem nicht den sich zur ISIS bekennenden Täter als den Hauptschuldigen an, sondern macht die Christen dafür verantwortlich.
Er bezeichnete die Solidarität zu den Opfern als Islamophobie. Für ihn haben doch gerade Christen dieses Klima geschaffen. Christen beeinflussen seiner Meinung nach den Gesetzgeber, auf die Gewissensfreiheit zu achten, wenn es z.B. darum geht, Homosexuelle Hochzeiten auszutragen. „Im letzten halben Jahr gehen 200 anti-homosexuelle Anzeigen auf christliche Organisation zurück. So stimmt die Behauptung nicht, dass der Islam die Schuld an dem Massaker trägt?“.
Auch für Eunice Rho klingt der Aufruf, für die Opfer zu beten und sich solidarisch ihnen gegenüber zu zeigen, wie Hohn. Sind es doch gerade die Gesetzesmacher, die am schärfsten gegen die Homolobby voranschreiten.
Christliche Organisationen in Amerika widersprechen diesem Ansinnen. Ihre Intention ist nach wie vor, jedes menschliche Leben zu schützen, unabhängig von seinen sexuellen Neigungen.
Christliche Führer sagen: jeder hat das Recht nicht an einer Homohochzeit teilzunehmen. Das heißt aber noch lange nicht, dass dies in Verbindung mit dem Massaker in Orlando steht.
Der Direktor des religiösen Witherspoon Institutes Matthew Franck erklärte gegenüber dem Nachrichtensender CNA: "Das Festhalten an der christlichen Lehre über die Ehe ist nicht mit Gewalt gleichzusetzen. Christen, welche die Ehe nicht neudefinieren und die ihren Glaubens-Grundsätzen treu bleiben, hassen keinen Menschen. Gesetze, die gemacht werden, um ihre Freiheit zu schützen, sind nicht gegen die Homolobby gerichtet. Man kann seine politischen Gegner nicht einfach als das Übel selber dämonisieren und damit mundtot machen."
Der Jurist Robert George von der Princeton Universität, sagt man könne in der gegenwärtigen Situation die Aussagen, die nach so einem Horrorakt gemacht wurden, nicht auf die Waagschale legen. Es handele sich um ein traumatisierendes Ereignis, und wenn wir böse oder traurig sind, sagen wir oft viel Unüberlegtes. Wir sollten deshalb nicht mit dem Finger aufeinander zeigen, sondern miteinander trauern.
Kommentare wie z.B. aus dem Römerbrief, 12:15: „Wir weinen mit denen, die ihre Lieben verloren haben - und mit denen, die über die Gewalttätigkeiten dieser Welt trauern....“, findet man seitdem in den Tweeds der Medienseiten (1).
Es ist ganz natürlich, Anteilnahme mit den Trauernden zu zeigen. Nur müssen wir im Namen der Solidarität unseren Glauben über Bord schmeißen und gegen unser Gewissen handeln? Wenn z.B. ein Betrunkener, oder Andersgläubiger die hl. Kommunion empfangen will, ist dann der Glaubenshüter per se verpflichtet sie diesem zu geben, nur weil die Person in Trauer ist?
Neulich las man in den Medien über eine Beerdigung. Die Tochter der Verstorbenen ging kurz vor Beginn des Requiems in die Sakristei und stellte dem Priester ihre lesbische Partnerin vor. Dem Priester war keine Zeit gegeben, näher mit der Tochter zu reden. Als diese zum Priester kam, um die hl. Kommunion zu empfangen, verweigerte er diese der Frau diskret, was sie veranlasste, zum Kommunionhelfer zu gehen.

„Ich bin zu Pfarrer Marcel gegangen, um die hl. Kommunion zu empfangen“, sagt die Frau. „In diesem Moment legte er seine Hand über den Kelch, schaute mir in die Augen und sagte: Ich kann Ihnen keine Kommunion geben, weil sie mit einer Frau zusammen sind und das ist in den Augen der Kirche eine Sünde.“
Nach der Messe zeigte die Frau den Priester an und dieser wurde daraufhin vom Priesteramt suspendiert. Sie wollte damit nur verhindern, dass es anderen Personen so geht wir ihr. Deshalb fand sie es wichtig, dass der Priester gehen muss (2).

Literatur
1) CNA: ACLU Blame Claim: Christians caused Orlando shooting, 14.6.2016
2) Hayes C.: Catholic priest refuses lesbian communion at her own mothers funeral. Irish Central, 3. März, 2012

Adulte Stammzellen ermöglichen dauerhafte Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Dr. med. vet. Edith Breburda

Adulte Stammzellen helfen Schlaganfallpatienten noch nach Jahren. Knochenmarkzellen, die man sechs Monate bis 3 Jahre nach einem Apoplex injizierte, verbesserten erheblich die Lebensqualität.

Die Fachzeitschrift Stroke (Paywall) berichtet über 18 Probanden, denen genetisch veränderte Zellen in das durch einen Schlaganfall veränderte Gehirn eingepflanzt wurden. Studienleiter Prof. Gary Steinberg von der Neurochirurgie der Standford University in Kalifornien erforschte, wie sicher, machbar und wirksam seine Behandlung ist.
„Eine 71-jährige Frau, die zum Beginn der Studie nur ihren linken Daumen bewegen konnte, kann jetzt gehen und ihren Arm über ihren Kopf heben. Die deutlichsten Verbesserungen betrafen Stärke, Koordination, Gehfähigkeit, die Fähigkeit, die Hände zu benutzen und das Kommunikationsvermögen“, erklärt der Professor.
Mesenchymale adulte Stammzellen aus dem Knochenmark wurden dahingehend verändert, dass sie ein (Notch-) Signal beeinflussen, welches die Zelldifferenzierung reguliert. Die Zellen können sich zwar nicht in Nervenzellen umwandeln, sie produzierten jedoch Wachstumsfaktoren, welche andere Moleküle und Proteine beeinflussen: „Vereinfacht gesagt verwandeln sie das adulte Gehirn in das Gehirn eines Neugeborenen, welches sich sehr gut von einem Schlaganfall erholen kann“, erklärt Steinberg.
Die genmanipulierten Zellen überlebten im Tiermodell einige Monate. Die Rehabilitation scheint von Dauer. Das Unternehmen SanBio aus Kalifornien, welches neurologische Behandlungen erforscht, will Prof. Seinberg weiterhin unterstützen. Das britische Unternehmen ReNeuron hat bereits mit der Phase-2-Studie an 21 Patienten angefangen.
Versuche, bei denen Stammzellen intravenös verabreicht werden, sind jedoch nicht so erfolgreich. Einige Patienten klagten im Zusammenhang mit dem chirurgischen Eingriff über Kopfschmerzen. Deshalb sind weitergehende Untersuchungen dringend notwendig. Prof Steinberg plant eine Phase-2b-Studie, zu der sich bereits 156 Patienten gefunden haben. Ein Drittel der Teilnehmer bekommt eine Scheinbehandlung. Bleiben die Ergebnisse weiterhin so erfolgversprechend, gehen sie in Phase 3 über.
„Wir haben noch viel zu lernen, unter anderem, welche Zelle die richtige für den Job ist, die richtige Dosis und den richtigen Übertragungsweg. Die Ergebnisse legen nahe, dass Stammzellentherapie selbst Monate oder Jahre nach einem Schlaganfall die Rehabilitation fördern könnten, was vielen Menschen Hoffnung gibt, die derzeit mit einer Behinderung leben“, erklären die Experten.

Literatur
Aho-Ritter A.: Stammzellen nach Schlaganfall: Läuft wider. DocCheck News, 13. Juni 2016
 

Friday, June 3, 2016

Wenn man einen Schöpfergott verleugnet, zählt das Leben eines vom Aussterben betroffenen Gorillas mehr als das eines Jungen

Dr. med.vet.Edith Breburda


Christliches Forum, 6.6.2016
Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir unsere Tiere fast abgöttisch lieben. Die Nachricht, dass ein Gorilla im Zoo von Cincinnati erschossen wird und eine Frau wegen ihres Hundes stirbt, erregt dennoch die Gemüter.
Als der Engländer Eric Blair, der unter dem Synonym George Orwell bekannt wurde, als Polizist in der Kolonie Burma tätig war, musste er einen Elephanten erschießen, weil dieser einen Tagelöhner getötet hatte. Orwell gibt uns in seinem Bericht „Shooting an Elephant“, einen Einblick in die Gepflogenheiten des Imperialismus. Seine Kollegen waren damals sehr entrüstet. Ihr Kommentar: „Es ist eine Schande, einen wertvollen Elephanten, wegen eines einfachen Mannes zu töten,“ beschreibt die damalige Gefühlsleere gegenüber den Mitmenschen.
Diese Art der Kosten-Nutzenrechnung ist leider nicht ein Relikt aus der Kolonialzeit. Sonst würden Tierpfleger nicht angeklagt werden, weil sie einen 17-jährigen Gorilla töteten, um einem vierjährigen Jungen zu helfen.
Seitdem häufen sich die Beschwerden, dass das falsche Leben gerettet wurde.
„Es leben 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Wieso müssen wir deshalb einen vom Aussterben bedrohter Gorilla töten, um einen Jungen zu befreien?“, schrieb ein US-Bürger auf einer Medienseite.
Wesley J. Smith, ein Amerikanischer Anwalt und Autor, erläutert in der Onlinezeitung First Things:
 „Derartige Reaktionen verwischen die sozialen und rechtlichen Unterschiede zwischen Mensch und Tier und deuten auf das Ende des humanen Exzeptionalismus hin. Die dreiste Behauptung, das Leben eines Affen sei wertvoller als das eines Kindes, ist schon weiter in der Gesellschaft verbreitet, als wir annehmen. Dieser Sinneswandel ist in einer Welt, die nicht mehr christlich geprägt ist und die einen Schöpfergott, der uns Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, zunehmend verleugnet, vorhersehbar. So gesehen ist die Empörung vieler Tierfreunde plausibel, wenn ein vom Aussterben bedrohter westlicher Tiefland-Gorilla erschossen wird. Wir denken nur noch daran, bestimmte Quoten einzuhalten, deshalb Sorgen wir uns um unsere Menschenaffen.“
Papst Johannes Paul II, redet bereits in seiner Enzyklika: „Evangelium-Vitae“ von einer „neuen Form von Anschlägen auf die Würde des Menschen“.
In der Öffentlichkeit herrscht zunehmend die Meinung, Verbrechen gegen das Leben im Namen der Rechte und der individuellen Freiheit am Ende sogar zu genehmigen. Er warnt vor einer Tyrannei der Starken über die Schwachen, wenn wir menschliches Leben nur nach seinen Leistungen bewerten.
Vor 20 Jahren erläuterte der Heilige Papst Johannes Paul II, dass wir in der modernen Gesellschaft eine Kultur des Todes haben, in der ein Feindbild gegenüber Behinderten aufgebaut wird. Aber nicht nur ihnen gegenüber, sondern jedem, der durch seine Existenz den Wohlstand und Lebensstil des begünstigteren Mitmenschen beeinträchtigt.
Das Paradoxe ist, dass sich Tierschützer eigentlich immer als Gegner einer derartigen Kultur sahen. Sie setzten sich für die Rechter der Armen, Ausgebeuteten ein und verliehen denen eine Stimme, die keine haben. Plötzlich wird dem Leben eines Gorillas im Namen der Gerechtigkeit Vorrang gegeben.
Die Frage kommt auf, wieviel ein Menschleben wert ist?
Der Irische Nobelpreisträger für Literatur von 1925, George Bernhard Shaw, erstellt ein Zukunft-Szenario, in dem wir uns vor einer Kommission rechtfertigen müssen, ob wir überhaupt weiterleben dürfen. Denjenigen, die nicht fähig sind, sich selbst zu erhalten, sollte man sagen: “Ihr Leben ist für uns nicht profitabel und damit auch für sie selbst nutzlos (1).”
Dass wir den Respekt voreinander verlieren, sieht man in vielen US-Schulen. Kinder dürfen nicht mehr diszipliniert werden. Lehrer haben sich daran gewöhnt, von ihren Schülern angeschrien, bedroht und geschlagen zu werden. Es gibt Berichte, dass sie sich nicht mal mehr trauen, die Polizei zu holen, und wenn sie es doch tun, storniert der Direktor der Schule den Notruf. Zu groß ist die Sorge, so etwas könnte dem Ruf seiner Schule schaden. Auch Lehrer müssen mittlerweile Angst um ihre Stelle haben, wenn sie Kindern schlechte Noten geben (2).
Vielleicht haben wir heute mehr Respekt vor Tieren. Wenn man in den USA einen Hund aus dem Tierheim „adoptieren“ will, ist das eine lange Prozedur. Bei den leisesten Anzeichen einer Misshandlung von Tieren droht dem Besitzer eine Gefängnisstrafe, zumindest verliert er sofort seinen Job.
Tierbesitzer werden heute ganz selbstverständlich als Hundeeltern bezeichnet. Sie selber reden von ihren Babys. Der 43-jaehrigen Liz Krenzke aus Yorkville ging es nicht anders. Am ersten Juni besuchte sie ihre Freundin. Gegen 3 Uhr früh wollte sie ihren Hund Jax aus dem Auto holen, doch dieser entwischte und rannte davon. Als sie ihn auf der Straße gefunden hatte und ihn holen wollte, wurde sie von einem Lastwagen erfasst, der sie tötete.
„Sie liebte ihren Hund so sehr, dass sie für ihn starb“, sagte Liz Freundin Haney. „Ich hörte den Unfall und dachte, Jax sei überfahren worden. Aber er saß auf der Veranda, als ich heimkam. Jax hatte den Unfall überstanden. Er war nur sehr schmutzig.“ Krenzek war seit 20 Jahren Gefängnisaufseherin. „Sie erhellte uns stets die dunkelsten Stunden. Dein Tag wurde sofort besser, wenn sie mit dir sprach (3).“


Literatur
1)    Lindeman M. How tears for Gorilla waters seeds for the culture of death. 31 May 2016, Aleteia, Society
2)    Vicky McKenna: Blood on the blackboard: Violence against teachers in Milwaukee public schools, Milwaukee’s News/talk show station.AM 1310, 2. June 2016
3)    Leary P. Yorkville woman hit, killed by truck while chasing her dog. Wisconsin State Journal, 1. June 2016

Tuesday, May 17, 2016

Stimmung vor den Wahlen in den USA. Für wen sollten sich Katholiken entscheiden? Der Politologe Vasyl Bazylev schätzt die Lage ein.


Ein Interview von Dr. Edith Breburda mit einem bedeutenden US-Politologen 


Bezüglich der anstehenden Wahlen in den USA interessiert, wie beide Kandidaten die moralischen Werte einer Gesellschaft vertreten. Der amerikanische Politologe Vasyl Bazylev von der Universität Madison, WI, beschreibt die Situation folgendermaßen:

"Viele sind weder mit dem Wahlprogramm der Demokraten noch der Republikaner einverstanden. Die Demokraten sind eine alteingesessene katholische Partei. Aber wen soll man heute als Katholik wählen? Es ist unsere Verpflichtung zu wählen, doch weder Hillary Clinton noch Donald Trump entsprechen den Vorstellungen. Keinen von beiden sehen die Amerikaner als qualifiziert genug an, die Stelle des Präsidenten einzunehmen. Der Gedanke, man solle das kleinere Übel wählen, oder der eine Kandidat weiß besser, wie man mit Putin umzugehen hat, ist vielen unbehaglich. 


Am Ende werden Gesetze von den Senatoren gemacht. Wir nennen uns zwar eine Demokratie, doch rufen wir wirklich die Abgeordneten an, um ihnen unsere Wünsche kundzutun? Wir Amerikaner haben es in der Hand, unsere Politiker zu beeinflussen. Wir sollten ihnen sagen, wofür sie sich einsetzen sollen- und nicht umgekehrt. Oft geht es darum, den maximalen Profit herauszuschlagen. Unser amerikanisches Konsumverhalten macht uns sehr egoisitsch. Wir beschäftigen uns so sehr mit uns selbst, dass wir blind dafür geworden sind, wie wir die Gesellschaft wirklich verändern können. Die Präsidentschaftskandidaten verhalten sich nach dieser ureigenen amerikanischen Norm. Wir töten z.B. Kinder und bald auch alte Leute, nur, um weiterhin ein komfortables Leben führen zu können.

Viele meinen unser System ist deshalb krank, weil der Wähler seine Rechte selten wahrnimmt. Wir wissen gar nicht mehr, wen wir wählen können. Vielleicht brauchen wir eine dritte Partei.

Selten fragen wir uns, ob wir den richtigen Kampf kämpfen. Die wichtigste Frage ist, was tun wir, um die Gesellschaft so zu verändern, dass sie sich für Kinder einsetzt, anstatt sie im Mutterleib zu töten? Wir müssen daran arbeiten, eine kinderfreundliche Gesellschaft aufzubauen. Haben wir denn keine Persönlichkeiten mehr, die versuchen, nach den uns von Gott gegebenen Gesetzen zu leben und Kinder zu lieben? 

Wenn jemand gegen Abtreibung ist, heißt es gleich, er sei ein Ultrakonservativer und man müsse die Rechte der Frauen wahren. Mütter sollen das Recht auf Selbstbestimmung haben. Sich um Kinder zu kümmern, versklave sie. 

Wo bleiben die moralischen Werte, die eine Gesellschaft ausmacht? Wir erlauben einer Mutter ganze drei Wochen Mutterschaftsurlaub und sagen, unsere Ökonomie kann sich nicht mehr leisten. Geht es nicht um ein Kind, das als Erwachsener seine Talente und Arbeitskraft einbringt?

Ein Vater muss 16 Stunden am Tag arbeiten, um seine Familie einigermaßen zu ernähren. Wir produzieren lieber in China, weil es dort billiger ist. Damit haben wir unsere ganze Mittelschicht zerstört. Kinderreiche Familien sind der tragende Faktor für eine Gesellschaft. Aber heute haben wir Alleinerziehende, die in mehreren Jobs arbeiten, um über die Runden zu kommen. Statistiken zeigen, dass Armut und Hunger gerade in solchen Haushalten zunehmen. 

Wir brauchen immer mehr Essenskarten für die ärmer werdende Bevölkerung.
Früher, ich meine ganz früher, also noch in der Bibel, sprach man von dem einen Denar als Tageslohn. Das reichte aus, um eine Familie zu ernähren und schenkte dem Vater zudem noch Zeit, die er mit seinen Lieben verbringen konnte. Und heute? Was will man mit 9 Dollars in der Stunde. Damit kann man keine Familie ernähren. Um das zu gewährleisten muss ein Vater mindestens 20 Dollars pro Stunde verdienen. 

Ich kann noch viele Beispiele nennen und möchte hier nur zwei herauspicken, um einen Einblick in die momentane Situation zu geben.
Welche Optionen hat eine Frau, die schwanger ist? Ich kannte eine Frau, die eine Stelle als Schuhverkäufern hatte. Nach der Geburt ihres Kindes bekam sie 3 Wochen Mutterschaftsurlaub. Das ist die Zeit, welche sie hier in den USA hat. In unserer Gottlosen-Gesellschaft frage ich mich, was eine Frau nach 3 Wochen machen soll. Sie wird nach der Geburt ihres Kindes wieder zur Arbeit gezwungen. Was soll sie mit dem Kind machen? Wenn sie nicht arbeitet, verliert sie auch ihre Krankenversorgung. Sogenannte Day-Care-Zentren für Säuglinge kosten zwischen 1200 und 1600 Dollars im Monat. Soviel verdient eine Frau nicht. Welche Optionen hat sie? Das Kind zur Arbeit mitnehmen? 


Ich arbeitete an einer Finanzfirma. Man hatte dort einen extra Raum für Mütter, damit sie alle zwei Stunden ihre Kinder stillen konnten. Dieses Zimmer war immer leer. Ich war oft in ihm, und dann fragte ich mich, wie die Babys überhaupt zur Mutter kommen sollten? Zur Arbeit konnten sie es nicht mitbringen, und sie hatten keinen, der es ihr von zuhause zum Stillen bringen konnten. Wer sollte auch auf das Kind aufpassen? Es war alles nur eine Vorschrift- im Grunde fragte kein Mensch, wo die Mutter ihr Baby hatte. 

Erwarten wir, dass ein Kind nach 3 Wochen auf sich selbst gestellt sein kann und dass es nach dieser kurzen Zeit die notwendige emotionale, physiologische und psychologische Reife erworben hat? Ein Kind sollte mindestens ein Jahr bei der Mutter sein können. Das hat momentan gar nichts mit Nächstenliebe zu tun. Es handelt sich eher um eine Handhabung die uns die Natur vorschreibt. Hat denn nicht jedes Kind ein Recht auf mütterliche Wärme und Geborgenheit? Schon das Immunsystem eines Babys braucht so viel Zeit für seine Entwicklung. 

Bis jetzt gab es keinen Präsidentschaftskandidaten, der in diesem Fall eine humanistische oder ökonomische Lösung anbietet. Es fällt schwer, eine Gesellschaft als christlich zu bezeichnen, wenn sie nicht bestrebt ist, junge Mütter zu unterstützen. 

Es ist leicht, sich verbal für- oder gegen Abtreibung zu äußern. Und darum geht es im Grunde auch nicht. Es geht darum, was wir als Bürger für unsere Kinder tun. Wenn wir junge Mütter unterstützen würden und uns für junge Familien einsetzen, dann hätten sie gar keinen Grund, ein Kind abzutreiben. Dann würde unsere Gesellschaft nicht veralten. Dann müssten wir keine Angst haben, dass wir keine Pfleger für unsere Großeltern finden und Altenheime senile und schwer Pflegebedürftige auf die Straße setzen, sobald sie für die Pflegeversicherung zu teuer werden. Das ist alles hier bei uns passiert. Die Überalterung der Gesellschaft stellt nicht nur ein ökonomisches Problem dar, sondern ist auch ein Sicherheitsrisiko. 

Einwanderer sind so gesehen ein Glücksfall. Doch wie oft hören wir, dass hochgebildete Leute, von denen wir einen großen Nutzen haben könnten, die größten Schwierigkeiten haben. Ich kenne viele Doktoren, die ihren Abschluss an Eliteunis machten. Sie dürfen hier nicht arbeiten und müssen stattdessen Jahrelang auf ihre Green-Card warten. Politiker sagen dann einfach, es sei ein Gesetz und das könne keiner ändern. 

Haben wir als eines der wohlhabendsten Länder der Welt wirklich nicht die ökonomischen Mittel, unsere Mitmenschen besser zu betreuen? In die Präsidentschaftswahlen ist so viel Geld involviert.
Ich persönlich denke an ein ganz praktisches Modell. Wir haben so viele alte alleinstehende Leute. Warum fragen wir sie nicht, ob sie eine junge Mutter für einige Zeit in ihr Haus aufnehmen würden. 

Die junge Frau könnte sich um die Herrschaften kümmern und wäre gleichzeitig mit ihrem Kind zusammen. Eine derartige Hilfe würde beiden zugutekommen. So gesehen, ist es nicht so wichtig, welcher Kandidat den besseren Nachfolger für Justice Scalia hat. Denn wir sind es, ganz persönlich, die etwas beitragen können, dass Amerika humaner wird. Wir können unsere Verantwortung nicht auf Politiker und ihre Gesetze abschieben. Ob Abtreibung legal oder illegal ist, hilft letztendlich der betroffenen Mutter nicht, die unser persönliches Engagement in dieser Situation am meisten braucht."



Monday, May 16, 2016

Im Labor erzeugte Embryonen fachen die ethische Debatte wieder an


Dr. Edith Breburda

Veröffentlicht in Schattenblick, 17. Mai 2016
Es ist leicht, eine Regel zu beachten, wenn man nicht das nötige Wissen besitzt, sie zu umgehen. Seit langem haben sich Forscher darauf geeinigt, Embryonen, die der Forschung zur Verfügung stehen, am 14. Lebenstag abzutöten. Bisher war das kein Problem, weil sie höchstens sieben Tage nach der In-Vitro-Fertilisation überlebten. Am siebten bis neunten Tag nistet sich ein Affen- oder Menschen-Embryo in der Gebärmutter ein. Deshalb ist es bisher keinem Wissenschaftler gelungen, Embryos über den 7. Tag hinaus das lebenserhaltende Nährmedium bereitzustellen.

Jetzt ist dies jedoch zwei Forschungsgruppen gelungen, was die alte Debatte um die „14-Tage-Regel“ neu entfacht.
Der Embryo muss das Blastozystenstadium erreichen, bevor er sich einnisten kann. In den Tagen nach der Befruchtung wandert der Embryo normalerweise den Eileiter hinunter, um sich später im Uterus zu implantieren. Im Acht-Zellenstadium, bzw. am dritten Tag, sind seine Zellen omnipotent. In der Tierzucht kann man den Embryo teilen und auf diese Weise acht Zwillingstiere erhalten, wenn Leihmütter-Tiere die Trächtigkeit fortsetzen.
Die Blastozyste ist das Stadium, in dem sich der Embryo ab dem fünften Tag befindet. Ein «Preimplantation’s Embryo» besitzt 150 Zellen.
Die Blastozyste sieht aus wie ein Siegelring. Die Siegelringstruktur stellt den Embryoblasten dar. Es handelt sich um eine Anhäufung von etwa 30 Zellen, die man auch «inner cell mass» nennt und woraus wir uns entwickeln.
Die Zellen des Embryoblasten sind pluripotent, weil sich die Zellen in mehr als 220 Körperzellen differenzieren können. Um aus diesen Zellen, Stammzelllinien für die Forschung gewinnen zu können, muss der Embryo zerstört werden.
Wie man Stammzellen differenziert, ist nach wie vor schwierig herauszufinden. Sobald dieses erreicht ist, sei man am Ziel der Forschung angelangt. Die Forscher könnten es sich leichter machen, indem sie „Embryos“ länger am Leben erhalten. Am 14. Tag der menschlichen Embryogenese fangen die Zellen an, sich in die drei Grundformen: Mesoderm, Ektoderm und Entoderm zu differenzieren.
Weil die weitere „Ernährung“ des Embryos außerhalb des Uterus - und damit ohne eine Einnistung – bisher noch nicht gewährleistet werden konnte, war es bis jetzt technisch nur möglich, Embryos so lange im Labor am Leben zu erhalten, wie sie entwicklungsphysiologisch ohne Nahrung auskommen können. Also bis zum Tag ihrer Implantation.

Die Blastozyste besteht des Weitern aus dem Trophoblasten, einem äußeren Ring von Zellen, welche die Zellhöhle, auch Blastocoel genannt, umgeben.
Aus der Ringstruktur, dem Trophoblast bildet sich die Plazenta und die Eihäute. Der Trophoblast dringt in die durch Hormone vorbereitete Uteruswand ein: Zellproliferation, Uterusdrüsenbildung, Gefäßneusprossungen sind auf Hochtouren, um die Einnistung des Embryos zu gewährleisten. Die Plazenta übernimmt die Ernährung, womit die embryonale und fötale Entwicklung gewährleistet wird.
Das ganz spezielle Uterine-Environment und die Plazentation, die für ein Weiterleben des Embryos notwendig sind, im Labor nachzuahmen, ist eine große Herausforderung an Wissenschaftler.
Seit 1990 darf man in Groß-Britannien im Kontext der Fertilitätsforschung mit bis zu 14 Tage alten menschlichen Embryos experimentieren. Verwendet werden durften allerdings nur gespendete Embryos, die bei der In-Vitro-Fertilisation übriggeblieben waren und ansonsten vernichtet worden wären. In England wurden mehr Embryos erzeugt, als eigentlich gebraucht wurden. Der Anspruch der Wissenschaftler entzündete schon damals eine enorme bioethische Debatte.
Man einigte sich, den Embryo bis zum Erscheinen eines markanten Entwicklungsstadiums, der Primitivrinne, die am 14. Tag nach der Befruchtung vorliegt, wachsen zu lassen.
Danach sind die Entwicklungsstufen ineinander übergehend. Wenn Biomediziner diese Einigung nicht akzeptieren, kann es passieren, dass Forscher den Zeitpunkt der Zerstörung des Embryos hinauszögern, in der Hoffnung, dass sich der Embryo von selbst differenziert. Forscher argumentierten schon damals, dass der festgesetzte Termin ein Hindernis für sie sein könnte, um den Weg der Zelldifferenzierung herauszufinden (1).
Magdalena Zernicka-Goetz, Entwicklungsbiologin an der Englischen Cambridge Universität war die erste Forscherin, der es vor vier Jahren gelang, Mäuseembryonen über ihr Einnistungsstadium hinaus am Leben zu erhalten. Allerdings ist das natürlich nicht der 14. Tag, weil Mäuse überhaupt nur 21 Tage trächtig sind.
Seitdem hat sie ihre Methode modifiziert und konnte in Kollaboration mit dem Stammzellforscher Ali Brivanlou von der New–York-Rockefeller-Universität, die Lebensdauer von humanen Embryos verlängern.
Beide Forscherteams entfernten die äußere Membran, welche den Embryo umgibt und kultivierten ihn anschließend in zwei verschiedenen Nährmedien. Eines der Medien bestand aus Kälberserum. Forscher konnten eine Art Anhaftung des Throphoblasten auf dem transparenten Plastikmedium dokumentieren. Sie hatten damit ein Modell, um die Einnistung zu studieren. Viele Entwicklungsdefekte gehen auf eine fehlerhafte Nidation zurück. Eine Alternative dazu boten bisher histopathologische Untersuchungen an Affen- bzw. am Primaten-Embryo, der sich zum selben Zeitpunkt einnistet.
Nach der "Pseudoeinnistung" reorganisierten sich Mäuseembryonen. Ein humaner Embryo wurde auf Gebärmuttergewebe gegeben und entwickelte verschiedenen Zelltypen, obwohl die Ernährung durch das tote Gewebe nicht gewährleistet war.
Beide Forschungsgruppen stellten ihre Versuche nach 14 Tagen ein. Wie sie beobachteten, boten Mäuseembryonen keinen adäquaten Ersatz. „Wir müssen diese Forschung an humanen Embryos durchführen, um sie richtig deuten zu können. Die „14-Tage-Regel“ hält uns davon ab, die Eigenheiten eines menschlichen Embryos und seine spätere Entwicklung zu studieren. Aber die Regelung hat es uns auch ermöglicht, überhaupt Forschung mit menschlichen Embryos durchzuführen“, sagt Zernicka-Goetz.
Mit der neuen Methode der beiden Forscherteams fordern Wissenschaftler, die sogenannte „14-Tage- Regel“ neu zu überdenken.
George Daley, Stammzellforscher der Harvard Universität, berichtete: „Embryos besitzen so etwas wie einen Autopiloten. Sie länger am Leben zu erhalten, könnte Wissenschaftlern helfen, wichtige Fragen zu erforschen, z.B. wie sich das Nervensystem aufbaut. Die 14-Tage-Schwelle abzusetzen, würde eine ausführliche Diskussion erfordern, nicht nur mit Politikern. Die Gesellschaft müsste der Wissenschaft ihr Vertrauen entgegenbringen.“
Insoo Hyun, Bioethiker der Case-Western-Reserve-Universität von Cleveland des US-Bundestaates Ohio, ist Kommentator eines Artikels in der Fachzeitung Nature. Er ruft dazu auf, mit der 14 Tages-Regel zu brechen: „Wir sind eher da, als wir dachten. Wenn wir Embryos länger am Leben erhalten können, müssen wir uns darüber unterhalten, ob die „14-Tage-Regel“ wissenschaftlich noch tragbar ist. Sie wurde eingeführt, um der Forschung zu helfen und war nicht als absolute feststehende moralische Aussage gedacht. Doch wenn wir die Regel ändern wollen, brauchen wir viele Fürsprecher.“
Man kann Stimmen hören, dass nicht mit dem Zeitpunkt der Befruchtung, sondern mit der Erscheinung der Primitivrinne, menschliches Leben beginnt. Deshalb besteht man auf der „14- Tage-Regel.“
Pfarrer Tadeuz Pacholcyzk vom Nationalen-Katholischen-Bioethischen-Zentrum in Philadelphia nennt die Regel ein „Lippenbekenntnis, um Embryonen eine Art moralischen Status zu geben. Man hätte von Anfang an dagegen sein sollen.“

Literatur:
Edith Breburda: Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Christiana Verlag: ISBN-10: 3717111728, ISBN-13: 978-3717111726 oder Ebook. 2010
Patrick Monahan: Why this lab-grown human embryo has reignited an old ethical debate. Science 4. May 2016





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