Thursday, March 12, 2015

Embryonenspende: Die einzige Chance, aus dem Gefrierschrank zu kommen

Von Dr. med. vet. Edith Breburda

Christliches Forum 16. Januar 2015
Natürlich gibt es Frauen, die voller Verzweiflung sind, weil sie keinen Nachwuchs haben; ihnen fehlt eine fertile Eizelle zu ihrem Glück. Sie sind voller Dankbarkeit, weil sie seit 2014 nun auch in Deutschland die Möglichkeit zu haben, “übrig gebliebene” Embryonen eines andern Kinderwunschpaares zu übernehmen. 
Davon abgesehen sollte es eigentlich in Deutschland keine “leftover” geben, die tiefgefroren darauf warten, Adoptiveltern zu finden, die sich bereit erklären, sie auszutragen.
In Tschechien oder dem EU-Land Spanien bietet man selbst Frauen jenseits des gebärfähigen Alters eine, wie man es ironischerweise nennt, “jungfräuliche Geburt” an. Mit dem nötigen Kleingeld ist alles möglich. Bis zu 5000 Frauen nehmen diesen “Reproduktions-Dienst” pro Jahr in Anspruch.
In Deutschland gibt es schätzungsweise sechs Millionen Paare, die kein eigenes Kind zeugen können, weil die Fertilität (Fruchtbarkeit) der Frau dazu nicht imstande ist. Hier spielen immer mehr Umweltfaktoren oder auch die lange Einnahme von Verhütungsmitteln eine Rolle. Das ist mittlerweile kein Geheimnis mehr.
Für Frauen besteht in den USA seit 20 Jahren die Möglichkeit, Kinder mit einem völlig fremden Erbgut zu bekommen. Nun sollen die sogenannten “Snowflake Children” (Schneeflocken-Kinder) mit Hilfe des „Netzwerkes Embryonenspende“ auch deutschen Eltern zur Verfügung stehen.  
Die in Deutschland lebenden, 3 bis 4% onkologisch behandelten oder auch erbkranken Frauen, die selber keine fruchtbaren Eizellen produzieren, können sich auf eine Warteliste für Embryonen anderer Paare setzten lassen.
Hans-Peter Eiden, der Gründer eines extra dafür gegründeten Vereins, will damit Frauen zu einem erfüllten Leben verhelfen. Es sei alles andere als “Menschenhandel”, betont er.
In Bayern und im württembergischen Aalen haben sich bereits 17 Kinderwunschzentren zum “Netzwerk Embryonenspende” zusammen getan. Vermittelt wird zwischen Paaren, die bereits erfolgreich eine Kinderwunschbehandlung abgeschlossen haben und jenen, bei denen keine In-Vitro-Fertilisation mit eigenen Eizellen möglich ist.
In Deutschland ist zwar eine Eizellspende oder der Handel mit Embryonen verboten. Weil aber die Beteiligten im Fall der Kinderwunschzentren keinen Gewinn machen, wird aber das Gesetz nicht tangiert.
Das Embryonenschutzgesetz verlangt, dass der Arzt nicht mehr als drei Embryonen in die Gebärmutter einbringt. Mit 50% ist die Befruchtungsrate dieser Reproduktionstechnik nicht sehr hoch. 
Angelika Eder von Profertilita-Kinderwunschzentrum in Regensburg befürwortet, sechs Eizellen zu befruchten, um aus ihnen die zwei “schönsten” Embryonen einpflanzen zu können: 
“Was aber soll mit jenen mühsam unter Hormonstimulation generierten Embryonen geschehen, die nicht anschließend in den Bauch der auf eine Schwangerschaft vorbereiteten Frau wandern?”, fragt sie.
Das Bundesland Bayern hat in seinen 16 Kinderwunschkliniken rund 28.000 Embryos erzeugt. Tiefgefroren warten sie darauf, aufgetaut zu werden und nach Reifung zum Blastozysten-Stadium in einem In-Vitro-Kulturmedium in den Uterus der Frau eingebracht zu werden, die sie adoptiert.  
Meist werden sie auch als eine Art Reserve auf Eis gelegt, um der weiteren Familienplanung des Spenderpaares zu dienen.
Erst wenn die Familienplanung abgeschlossen ist, wird an eine Weitergabe der Embryos gedacht. Ein Geschäft mit den Embryos gibt es nicht. Sie werden nicht erschaffen, um nachher an andere Frauen vermittelt zu werden. Eine Entschädigung für die Spenderpaare gibt es auch nicht. 
Die Lagerungsgebühr im Stickstofftank beträgt mehrere hundert Euro pro Jahr. Um sie zu sparen, könnte das Spenderpaar ihren übriggebliebenen Embryo sofort weitergeben. Das Netzwerk wünscht im gegebenen Fall eine externe Beratung, die auf die Konsequenzen der Abgabe eines “Geschwisterchens” aufklärt. Die Eltern müssen sich bewusst werden, dass ihr Kind in eine fremde Familie hineingeboren wird.
Und nebenbei: Stammzellforscher der USA behaupten, Eltern wollen das nicht und tiefgefrorene Embryos sollten deshalb der Forschung zur Verfügung stehen.
Vor der Freigabe des Embryos wird ein HIV-Test durchgeführt, um die austragende Frau zu schützen. Das Netzwerk ist bemüht, das Aussehen des Kindes mit jenem der Empfängerin in Einklang zu bringen. 
Grobe äußere Übereinstimmungen wie Haar- und Hautfarbe zwischen Spender und Empfänger sollten vorhanden sein, damit das Kind nicht unnützen Nachfragen ausgesetzt wird. Das Risiko, möglicherweise ein behindertes Kind auszutragen, liegt allein beim Empfänger.
Die Paare werden sich niemals kennen lernen. Die Daten der Spender bleiben unter Verschluss. Nach dem 18. Geburtstag des Kindes sind sie auf Wunsch zugänglich. In den USA und in Spanien können auch alleinstehende oder lesbische Frauen gefrorene Embryos adoptieren. In Deutschland geht das nicht. Hier darf die Empfängerin nicht älter als 45 Jahre sein.
Die Frage bleibt, wieso es vor allem in Süddeutschland möglich ist, auf diese Weise ein Kind zu empfangen.
Das Embryonenschutzgesetz von 1990 wird in Deutschland streng gehandhabt. Juristen halfen dem Netzwerk, seine Aktionen rechtlich anzuerkennen. Die anderen Bundesländer wollen noch warten, bis die Rechtslage eindeutig ist.
Die Staatsanwaltschaft München stellte Ermittlungen gegen mehrere Reproduktionsmediziner ein. Reproduktionsmediziner aus dem Ausland hatten geklagt, weil mehr als drei Eizellen befruchtet wurden.
In vielen europäischen Staaten ist die Embryonenspende bereits erlaubt. Meist ist die Spende anonym. In Tschechien wird dem Kind die genetische Information verwehrt. Durch einen entsprechenden finanziellen Beitrag bekommt man Embryonen, welche die gewünschten Eigenschaften besitzen.
Kirchliche Einrichtungen betrachten eine Embryonenspende nicht als Lösung für die übrig gebliebenen Embryonen. Mitglieder des Deutschen Ethikrates, wie der Weihbischof von Augsburg, Anton Losinger, warnen vor den Gefahren der Selektion (Auslese).
Länderübergreifende Umfragen ergaben, dass Wissenschaftler eine Embryonenspende begrüßen. Eltern, die sich ihren Kinderwunsch durch In-Vitro-Fertilisation erfüllen wollen, sehen das schon wieder anders. 
Einerseits begrüßen sie es, dass ihre Kinder nicht im Stickstoff gefroren bleiben, andererseits widerstrebt es ihnen, jegliches Mitspracherecht über das weitere Leben ihre Kindes abzutreten. Die Frau, die das Kind empfangen hat, bleibt vor dem Gesetz immer die Mutter. Zu akzeptieren, dass ihr Kind keines ihrer Gene trägt, fällt trotzdem schwer.
Das „Netzwerk Embryonenspende“ hofft, dass sich die deutsche Embryonenspende bewährt und bald so selbstverständlich in Anspruch genommen wird wie die künstliche Befruchtung im Labor. Man hofft, dass ein “ausländischer Schwangerschaftsservice” bald zu mühsam wird für Paare mit Kinderwunsch.
Literaturhinweis: Lederer E. Embryonenspende: Ü-Ei sucht Adoptiveltern! DocCheck News vom 5. Januar 2015

Neuer Trend: Späte Mutterschaft durch künstliche Befruchtung und Eizellspende

Von Dr. med.vet. Edith Breburda

Christliches Forum, 13. Feburar 2015
In den USA konnte man Anfang 2015 in einer Seniorenzeitung lesen, dass eine über 50-jährige Frau mit Hilfe der In-Vitro-Technologien noch Kinder bekommen hat.
Die 59-jährige Sarajean Grainson lebte in ihrer zweiten Ehe mit einem evangelischen Pastor zusammen. Ihr Mann, David Grainson, ist 46 Jahre alt. Als sie heirateten, war Sarajean über 50. Sie hatte schon drei  Kinder aus ihrer ersten Ehe. 
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Dass sie noch Kinder haben wollte lag daran, dass sie ihrem Mann die Gelegenheit geben wollte, selber Vater werden zu können, weil er vorher noch nicht verheiratet war.
Sie wollte ein Kind von ihm. Genetisch gesehen wollte sie seine Kinder, weil sie selber eine Eizellspenderin in Anspruch nehmen musste. Die Familie Grainson ist sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Den  Stress, den alle neuen Eltern mitmachen, fürchtete sie trotz ihres Alters nicht.
Sarajean hatte allerdings vergessen, wie anstrengend es war, Mutter von kleinen Kindern zu sein. Sie bedauerte nichts und würde alles wieder genauso machen. „Mit Gott und der Technologie kann man sogar die Menopause überwinden“, strahlt die junge und doch auch alte Mutter.
In den USA nehmen die über 50-jährigen Mütter zu. Es ist mittlerweile fast ein Trend. 2013 hatte jedes 13. Kind, das in den USA geboren wurde, eine Mutter, die 50 Jahre und älter war. Die meisten wurden durch künstliche Befruchtung schwanger.
Sarajean G. berichtet über ihren Mann, der sich um ihre Gesundheit sorgte und das Thema Kind in ihrem Alter gar nicht erst ansprechen wollte. Dazu ihr Mann: “Wir haben 2001 geheiratet und dachten erst gar nicht an Kinder. Dann sah Sarajean eine Frau im Fernsehen, die dieses Thema behandelte.”
„Das ist meine letzte Chance“, sagte sich die Frau, die dann mit 51 und 53 Jahren noch Kinder bekam. Es ist eigentlich gar nicht so unmöglich, meint die alte Mutter. 2008 gebar die 70-Jährige Rajo Devi Lohan ein Kind in Indien. Sie wurde die bisher älteste Mutter.  

Die Geburten bei Frauen im Alter zwischen 50 und 54 Jahren verdreifachten sich. 2000 waren es noch 255 Geburten in dieser Altersklasse. 2013 hatten 677 Kinder eine alte Mutter. Die Geburtenrate ist mit der In-Vitro-Fertilisation (IVF), also der künstlichen Befruchtung verbunden.
Die gesellschaftliche Einstellung gegenüber Technologien, die so etwas ermöglichen, ist gespalten. Eine Umfrage im Jahr 2014 mit 2000 Probanden in Groß-Britannien zeigte, dass 75 Prozent der Befragten es unakzeptabel finden, wenn Frauen jenseits des gebärfähigen Alters noch Kinder bekommen. US-Bürger wurden diesbezüglich noch nicht interviewt. Experten vermuten aber, dass auch in den USA keine andere Meinung vorherrscht. 
Skeptiker fragen sich, wie lange wohl eine über 50-jährige Mutter fähig sein wird, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern. Bonnie Steinbock, eine Bioethikerin der Universität in Albany im Staat New York, fürchtet, eine Mutter diesen Alters verfüge nicht über die dazu notwendige Kondition:
„Wie wird sie einem bockigem Zweijährigen behandeln? Vor allem aber, wie fühlt sich das Kind, Eltern zu haben, die so alt sind wie die Grosseltern ihrer Spielgefährten?“, fragt die Ethikerin. Andere Menschen glauben schlichtweg, es sei unnatürlich, im Alter noch eine IVF in Anspruch zu nehmen.  
Prof. Steinbock sieht bei den älteren Damen, die sich noch zu einem Kind entschließen, eine Zunahme der “prokreativen Freiheit”: „Die Leute sollen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Auch wenn ihre Mitmenschen das beanstanden sollten. Es ist dies letztlich keine Angelegenheit von Nörglern”, behauptet Frau Steinbock. Es gibt einige, welche die Meinung der Bioethikerin teilen.
„Es handelt sich doch um intelligente Frauen. Sie sind nicht dumm oder leichtsinnig“, sagt Dr. Mark Sauer, ein Befürworter der IVF.  Er ist Direktor der Gynäkologie und Geburtshilfe der Universitätsklinik von New York. Er hat sich auf die IVF bei älteren Damen spezialisiert. „Die Frauen sind gesund. Sie verstehen das Risiko, das eine späte Schwangerschaft mit sich bringt. Sie können dadurch auch sterben.“ 
Die Schauspielerin Laura Leggett Linney wurde mit 49 Jahren schwanger, Halle Berry mit 47, Kelly Peterson war auch schon 48, als sie ein Kind austrug. Die meisten der über 50-Jährigen verdanken ihre Schwangerschaft einer Eizelldonation. Die Fruchtbarkeit der Frau nimmt schon im Alter von 30 Jahren ab, sagen Medizinexperten.
Auch Sarajean nahm die Eizelle einer viel jüngeren, anonymen Frau in Anspruch. Die Universitätsklinik von Columbia bietet Spenderinnen 8000 Dollars für eine Eizellengewinnung.

Für die schwierige Entscheidung, eine Risikoschwangerschaft auf sich zu nehmen, stehen Experten zu Seite. Medizinische Tests geben letztendlich Aufschluss darüber, ob es für die über 50-Jährigen mit Kinderwunsch sicher ist, diesen Schritt zu wagen. 
„Ich würde sagen, bei weniger als zehn Prozent der über 50-jährigen Frauen, die zu uns kommen, ist es keine gute Idee. schwanger zu werden. Das liegt meist an einem hohen Blutdruck. Auch ein fibröser Tumor des Uterus ist ein Hindernisgrund.”
Eine Studie von 2012 ergab, dass die Gesundheitsrisiken einer Schwangerschaft bei über 50-Jährigen, die eine Spendereizelle benötigen, kaum von denen bei einer jungen Mutter abweichen.
Allerdings ist eine gute medizinische Betreuung notwendig, die noch lange nach der Geburt anhält. Trotzdem existieren medizinische Risiken. Im Alter ist die Möglichkeit von  Bluthochdruck, Diabetes oder Präeklampsie gegeben. Die Ursachen der Präklampsie, d.h. erhöhter Blutdruck, vermehrte Eiweissausscheidung im Urin, sind unbekannt. Der Bluthochdruck kann zu einer Schädigung anderer Organe führen.
Manchmal kann man der Schwangeren und dem Kind nur durch einen sofortigen Notkaiserschnitt helfen. Auch sind Fehlgeburten, Frühgeburten oder Mehrlingsschwangerschaften mit einer In-Vitro-Fertilisation verbunden.
Deshalb sollte jede Frau über 50, die noch ein Kind haben will, zuallererst einen Maternal-Fetal Mediziner aufsuchen Danach steht der Fortpflanzungs-Endokrinologe auf der Liste, empfiehlt Irina Burd, von der John Hopkins School of Medicine. 
„Sie können die Gesundheits-Risiken benennen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt. Manchmal sind die „Schäden“ irreversibel. Ein hoher Blutdruck oder ein sich entwickelnder Diabetes Mellitus könnte bis ans Lebensende bestehen bleiben“, sagt Burd.
Krankheiten, die das Kind betreffen, wie Down Syndrom oder genetische Abnormalitäten, werden durch eine Spendereizelle von einer jungen Frau reduziert. Manchmal lassen junge Frauen deswegen ihre Eizellen einfrieren, um sie später zu nutzen. 
Mehrlingsgeburten sind durchaus eine Folge der In-Vitro-Fertilisation, da die Ärzte empfehlen, bei Frauen über 40 bis zu vier Embryos einzupflanzen, um die Möglichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft zu erhöhen.
Eine unter diesen Bedingungen induzierte Schwangerschaft für über 50-Jährige ist nicht billig. Sie kann pro Versuch bzw. Zyklus zwischen 25.000 bis 30.000 US-Dollars kosten, zusätzlich entstehen Kosten für die Eizellspende. 

Versicherungen in den USA tragen meist nicht die Kosten. Trotzdem spielen für einige Paare die Kosten keine Rolle, wenn ihr Ziel darin besteht, noch im hohen Alter Kinder bekommen zu können.
Elisabeth Gregory, Autorin der Zeitung Ready, geht der Frage nach: „Warum begrüssen Frauen den neuen Trend zu einer späten Mutterschaft?“
Gregory, Direktorin der Gender und Sexual Studien-Programme, ist der Meinung, dass Frauen, die spät im Leben schwanger werden, sehr optimistisch, körperbewusst und fit sind. „Diese Leute sind sehr energiegeladen und meinen, sie hätten die entsprechende Energie, eine Schwangerschaft durchzuziehen“, sagt Gregory, die selber im Alter von 48 Jahren ein Kind adoptiert hat. „Ein Baby zu haben, hält einen fit“, ist ihre Auffassung.
Einige der älteren Frauen sind zum ersten Mal Mütter. Sie hatten sich entweder auf ihre Karrieren konzentriert oder sind gerade eine neue Partnerschaft eingegangen. Einige bleiben auch weiterhin Single. Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind unter den älteren Müttern zu finden. Alle wollen die biologische Mutter sein und nicht Kinder adoptieren, wenn sie älter als 50 sind.
Eigentlich ist dieser Satz so nicht richtig. Denn ihre Gene sind in dem Kind, welches sie austragen, ja oft nicht vorhanden. Sie greifen meist auf Eizellen einer viel jüngeren Spenderin zurück. Es handelt sich im besten Falle nur um die Gene ihres Partners. Er ist der biologische Vater.

Einige Paare wollen eine neue Familie gründen, nachdem ihre Kinder aus erster Ehe oder auch aus der gleichen Partnerschaft schon lange erwachsen sind. „Ältere Ehepaare möchten einfach kein leeres Nest haben“, bemerkt Dr. Sauer. Im Grunde wollen sie permanent Eltern bleiben.
„Nicht jede ältere Mutter möchte über ihre Erfahrungen reden, da die Leute so viele Vorurteile haben. Sie fragen sich, warum tut diese Frau so etwas? Sie ist zu alt. Sie könnte doch leicht die Grossmutter des Kindes sein“, sagte die Psychologin Susan Newman aus New York.
Cyma Shapiro, Schreiber des Blogs Motheringinthemiddle.com, der speziell Eltern in der Mitte ihre Lebens anspricht, weiß über die vielen Gründe, die ältere Mütter bewegt, nicht in die Öffentlichkeit zu gehen. 
Cyma hat viele von ihnen überall in den USA aufgesucht, um sie zu interviewen. Jedes Mal baten sich die älteren Damen höchste Diskretion aus. Sie fürchteten, ihre Arbeitgeber, Freunde oder Verwandte könnten ihnen Schwierigkeiten bereiten. 
„In zehn Jahren wird man anders über alte Frauen reden, denen die modernen Technologien ein so spätes Mutterglück bescherten. Dann wird so etwas das Normalste von der Welt sein“, glaubt Shapiro.
Literaturhinweis: Saraceno J.: Last Chance Babies. Sure they Do it- but should They? AARP Bulletin. Vol 56. 1, January-February 2015

Künstliche Befruchtung, Third-Party-Reproduktion und das Leid der Betroffenen

Von Dr. med. Edith Breburda

Christliches Forum, 10. Jan. 2015
Bruce Feiler schrieb 2013 einen Artikel in der New York Times, worin er sich über das schlechte Miteinander seiner Familie bei Familienfeiern beschwert. Nach so einer Zusammenkunft fragt sich Bruce immer, wie lange seine Familie noch zusammenhalten und nicht doch bald auseinander fallen wird. 
So fing er an nachzuforschen, was eine glückliche Familie ausmacht. Er fand die Studie: Do you Know? des Psychologen Marshall Duke von der Emory-Universität, der Kindern 20 Fragen über ihre Familie vorlegte. 
Sie wurden u.a. gefragt, ob sie wüssten, wo ihre Eltern zur Schule gegangen sind, wo ihre Grosseltern aufgewachsen waren und wem sie in ihrer Familie am ähnlichsten sehen. 
Eine gute emotionale Gesundheit und eine glückliche Kindheit hatten jene Kinder, die die Fragen am besten beantworteten, stellte Duke überrascht fest: “Je besser die Kinder ihre Familienverhältnisse kannten, desto selbstbewusster und erfolgreicher waren sie. Sie hatten ihr Leben unter Kontrolle, wenn ihre Familie funktionierte.“
Diese Ergebnisse sind nicht verwunderlich, wenn man sieht, wie populär in Amerika die Webseite Ancestry.com ist. Auf dieser Seite werden die Benutzer eingeladen, ihre Herkunft zu erforschen. Der Satz “Wer denkst Du, wer du bist” zeigt, dass unsere Identität in unseren Vorfahren verwurzelt ist.
So gesehen ist es unverständlich, dass die heutige Gesellschaft eine Technologie als ganz selbstverständlich annimmt, die Kindern absichtlich ihre Vorfahren, ihre Familiengeschichte und einen Teil ihrer Familie vorenthält.
Donor-Samen oder -Eizellen von anonymen Spendern für die künstliche Befruchtung eines Wunschkindes in Anspruch zu nehmen: dies ist heute gang und gäbe. 
Die Reproduktionsmedizin kann bei der sog. “Third-Party-Reproduktion” nur durch Spendergameten, die bei der künstlichen Befruchtung, der In-Vitro-Fertilisation und bei Leihmüttern angewendet wird, ein Kind erzeugen.
Viele dieser Third-Party-Reproduktions-Kinder sind heute erwachsen und äussern sich entsetzt darüber, was ihnen wiederfahren ist. Sie fühlen sich schrecklich, weil ihnen mit Absicht verweigert wird, was den Schlüssel für eine erfüllte wohlbehütete und frohe Kindheit darstellt: das Wissen um seine Familiengeschichte, wie Dr. Duke das ausdrückt. 
Die Öffentlichkeit erkennt oft nicht diese Ungerechtigkeit und ist der Meinung, diese Kinder sollten eher froh sein, überhaupt am Leben zu sein, anstatt sinnlos über ihren Stammbaum nachzuforschen. 
Man denke nur an die Kinder von Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die von ihren Vätern gezeugt wurden, als sie auf Heimaturlaub waren. Nicht wenige der heute 70 bis 75-Jährigen fragen sich noch Jahrzehnte nach ihrer Geburt, ob es wirklich ihr Vater war, den sie erst nach  dem Krieg kennen gelernt haben. Kann man es ihnen verdenken zu zweifeln?
Wir versuchen, für die Kriegskinder Verständnis aufzubringen, obwohl die heutigen Donor-Kinder oft hören: „Seid still und froh über euer Leben“.  –  Dies sind die Standardworte, die Third-Party-Kinder erhalten, wenn sie versuchen über ihren Schmerz und ihre Trauer zu berichten.

Alana New, das Kind eines anonymen Samenzellspenders, gründete das Anonymous US Project. Sie beabsichtigt, ehrliche und sichere Informationen über die third-party-reproductionzu vermitteln und sammelt Berichte von Eltern, Spendern und Leihmüttern. Jede Geschichte beleuchtet spürbar die Empfindungen der Kinder:  
„Danke vielmals, dass Du mir ermöglicht hast zu leben, anonymer Vater. Auch für die Technik, die Dir ermöglichte, anonym zu bleiben. Ich fühlte mich niemals so sehr meiner Rechte beraubt und über den Tisch gezogen“,schreibt eine Betroffene.
„Ich verabscheue die Frage, woher ich komme. Welche Nationalität habe ich, oder warum bin ich ein Einzelkind? Das Wunschkind mit Hilfe eines Samenspenders zu sein, macht meine Situation nicht leichter. Im Gegenteil, die Frage, woher ich komme, wird immer bohrender.“
Das California Assembly Committee on Health ist überzeugt: es handelt sich um einen Verstoß gegen die Menschenrechte, wenn Kindern aus der third-party-reproduction die Beziehung zu mindestens einem ihrer biologischen Eltern vorenthalten wird. 
Anonymous US ist nicht die einzige Webseite, auf der Kinder, die durch eine Samen- oder Eizellspende empfangen wurden, auf ihre Situation aufmerksam machen können. 
Jo Rose, gehört zu ihnen. Sie ist empört, wie unsensibel die englische Zeitung The Guardian war, die ihren Bericht, ein Kind eines anonymen Spenders zu sein, einfach abgewiesen hatte: 
„Was mich bei der ganzen Angelegenheit, wie ich erzeugt wurde, am meisten erschüttert, ist die offenkundige doppelte Moral. Meiner Mutter wurde zugestanden, einen Einblick in das genetische Erbe des Samenspenders zu erhalten. Ich hingegen werde niemals erfahren, wer mein Vater ist, dessen Gene ich in mir trage.“
Keiner kann mehr daran zweifeln, dass Kinder einer third-party-reproduktion zu dem Schluss kommen, dass sie um ihre Naturrechte beraubt wurden. Unglücklicherweise sieht das die Gesellschaft nicht so. Sie tut sich schwer, die Perspektiven dieser Kinder nachzuvollziehen.
Die Geschichte von Gracie Cane, einem Teenager aus Großbritannien, verdeutlicht die Situation am besten. Gracie hatte Angst. Es handelte sich bei ihr aber nicht um die Verzweiflung, die jeder Teenager in seinem Stadium durchmachen muss. Nein, sie wurde als Embryo adoptiert, weil sie aus einer In-Vitro-Fertilisation übrig geblieben war. Sie fühlte den Verlust ihrer genetischen Wurzeln besonders deutlich. Aufgrund der Gesetze ihres Staates wird sie niemals in Erfahrung bringen können, wer ihre biologischen Eltern sind.
„Mein Schmerz darüber ist so akut, dass ich mir oft wünsche, ich wäre niemals geboren worden“, sagt sie. Leute, die von Gracie’s Geschichte hörten, bezeichneten sie als egoistisch. Sie schimpften, sie solle doch dankbar sein, Eltern zu haben, die sie lieben. Viele verglichen ihre Situation mit der einer Adoption eines neugeborenen Babys und betrachteten Gracies Kommentare als widerlich. 
Es handelt sich in ihrem Fall jedoch nicht um eine klassische Adoption. Trotzdem musste sie versuchen, das Beste aus einer nicht optimalen Situation zu machen. Doch muss man in Betracht ziehen: Gracie war eigentlich kein Wunschkind. Sie wurde nicht absichtlich im Labor gezeugt. Sie war ein Extrakind, auf das man zurückgegriffen hätte, falls ihre Geschwister nicht die Prozedur der In-Vitro-Fertilisation überstanden hätten. 

Das war eigentlich die einzige Chance, die sie ursprünglich hatte, um ihr Leben zu erlangen. Sie weiß, irgendwo da draußen ist die perfekte Familie, die in ihren Brüdern und Schwestern ihre Wunschkinder sehen. Aber sie hat da nicht hineingepasst, obwohl alles in ihr danach verlangt, ihre Eltern und Geschwister kennen und lieben zu lernen.
Gracie hat wundervolle Adoptiveltern. Doch man sollte wahrnehmen, wie sehr sie den Schmerz fühlt, als Restposten oder Leftover geschaffen worden zu sein. Als eine Art Versicherung, falls ihre Brüder oder Schwestern sich nicht im Uterus ihrer Mutter eingenistet hätten. 
Können wir nachvollziehen, was es heißt, im Stich gelassen worden zu sein? Eingefroren darauf zu warten, dass eine Frau kommt, die sie aus dem Gefrierschrank rettet und austrägt? 

Wir müssen in Betracht ziehen, dass sie absichtlich verstoßen wurde. Mit einbegriffen ist auch ihr Familien-Stammbaum, der ihr vorenthalten wird. 
Die katholische Kirche sieht den Schaden, den eine third-party-reproduktion anrichtet. Sie betont die Rechte der Kinder auf ihre biologischen Eltern und betrachtet die Ehe als den Ort, wo Kinder durch die Liebe der Eltern hervorgebracht werden sollten. 
Der Katechismus der Katholischen Kirche hebt hervor, wie schädlich und unmoralisch es ist, wenn eine dritte Person in die natürliche Zeugung von Mann und Frau involviert ist. Künstliche Befruchtung  oder eine Inseminierung führen dazu, dass das Kind seinen wahren Erzeuger niemals kennen lernt. 
Es ist nicht die Absicht der Kirche, unfruchtbare Ehepaare zu belehren. Es geht ihr vielmehr darum, dass bei der third-party-reproduction Kindern das fundamentale Recht genommen wird, glücklich und wohlbehalten in einer Familie aufwachsen zu können. 
Wir können den so entstandenen Kindern kein Stillschweigen über ihre Herkunft auferlegen. Im Gegenteil, sie sind die Personen per se, die uns über die Nebenwirkungen der modernen Reproduktionsmedizin aufklären sollten.

 

Literatur: Taylor R.: ‘Shut Up, and be grateful for your life’. We need to listen to children conceived through third-party reproduction. National Catholic Register. 20. December 2014

Veröffentlicht Christliches Forum
10. Jan. 2015 

Affront gegen Frauen in Indien

Dr. Edith Breburda

Siehe auch Christliches Forum, 28. März 2015
Als eine 23-Jährige Medizinstudentin aus Indien am 16. Dezember 2012 in einem Bus in Delhi vergewaltigt wurde, war die Welt erschüttert. Viele Jugendliche versammelten sich auf den Straßen und forderten Gerechtigkeit für Frauen, die Opfer sexuellen Missbrauchs wurden. Die Regierung musste strengere Gesetze versprechen.

Zwei Jahre später gehen die Vergewaltigungen scheinbar unbekümmert weiter. Laut einer Statistik von 2013 des Nationalen Strafregister Büros werden in Indien jeden Tag durchschnittlich 93 Frauen vergewaltigt. Die Zahl der Frauen, die eine Anzeige erstatteten, nahm zu. Proteste dagegen schienen nutzlos zu sein. 
Die Ursache sehen Experten darin, dass Mädchen in Indien eine untergeordnete Rolls spielen. Sie werden meist abgetrieben - und wenn sie es schaffen, geboren zu werden und durch ihre Kindheit zu kommen, werden sie immer in Gefahr sein, von Männern missbraucht zu werden. 
Nirgendwo sind sie vor sexuellen Übergriffen sicher, nicht einmal zuhause. Man sagt ihnen, sie dürfen sich nicht beschweren, und sollten stillhalten, sonst bringen sie nur Schande über ihre Familien.

Der Filmproduzent Leslee Udwin macht in seinem Dokumentar Film India's Daughter auf diese Gegebenheiten der Indischen Gesellschaft aufmerksam. Der Film berichtet über die Vergewaltigung und Ermordung der 23 Jahren alten Studentin in Delhi.
Er wurde vom BBC gedreht und sollte am Internationalen Tag der Frauen, am 8. März 2015, in den Kinos anlaufen. 
Als die Film-Produzenten bekannt gaben, dass sie einen der Täter im Gefängnis interviewt haben, wurde der Film in Indien am 4. März von der Regierung verboten.  In England wurde er dennoch gezeigt. Auch wurde er auf YouTube aufgeladen, bis am 5 März die Indische Regierung auch YouTube blockierte. Der kontroverse Film sorgte für großes Aufsehen.
Doch warum?
Im  Interview zeigte Mukesh Singh, einer der fünf Vergewaltiger, keinerlei Reue oder Einsicht. Er deutete darauf hin, dass die junge Frau nicht getötet worden wäre, wenn sie eingewilligt hätte. Auch der Anwalt der Attackierten äußerte sich im Film. Er sagt: <<Es gibt in unserer Gesellschaft keinen Platz für ein freundschaftliches Verhältnis von Männern und Frauen. Wir haben die beste Kultur...Da ist kein Platz für Frauen>>.

<<Gibt es ein besseres Statement über die moralische Benachteiligung von Frauen?>>, fragt Ritu Sharma in einem Artikel über India’s Culture of Rape, vom 11. März 2015. 
<<Neulich>>, fährt sie fort, <<sprach ich mit einer alten Frau aus Haryana. Sie sagte mir: es ist das normale Schicksal eines jeden Mädchens, vergewaltigt zu werden. Eltern müssen sehr auf ihre Tochter aufpassen, bis sie endlich verheiratet ist. Sie können nicht dauernd hinter ihr herlaufen. So ist es viel besser, einen Jungen zu haben. Der ist pflegeleichter>>.

Shabnam Hashmi, eine Frauen Aktivistin aus Delhi, erklärt sich die Situation so:
<<In der patriarchalen Gesellschaft von Indien werden Jungen viel mehr Freiheiten eingeräumt. Sie werden dazu erzogen, die Freiheiten von Frauen zu kontrollieren. Zuerst die ihrer Schwestern und dann ihrer Ehefrauen. Eine männerdominante Gesellschaft gibt Frauen vor, wie sie sich zu verhalten haben. Wie sie sich in der Öffentlichkeit kleiden und wann sie zu Hause sein müssen. 
Leider haben wir vergessen, die Jungen zu erziehen, wie sie sich in der Gesellschaft von Mädchen verhalten sollen. Es würde sicher einen Unterschied machen, wenn sie  wüssten, dass es sich gehört, einer Frau Respekt zu zollen.

In den meisten Familien nehmen Jungen eine gehobene Stellung ein. Sie denken, es gehört zum guten Geschmack, eine Frau zu necken und sich ihr gegenüber verächtlich zu  zeigen. Es ist die Mentalität in unserer Gesellschaft, die einen Mann dazu erzieht, eine Frau zu kontrollieren. 
Wir machen uns keine Gedanken über ihre Sicherheit. 
Keiner würde seine Frau daheim einsperren, um sicher zu gehen, dass ihr nichts passiert. Männer meinen, sie hätten keine Pflichten oder  Verantwortungen gegenüber einer Frau. Wenn Männer aufhören würden, in einer Frau eine sexuelle Ware zu sehen, die sie, wann immer es ihnen gefällt, benutzen können, dann müssten Frauen auch keine Angst mehr haben missbraucht zu werden>>.

Der Prämierminister von Indien, Narendra Modi, setzte sich erst im Januar 2015 dafür ein, Mädchen eine Ausbildung zukommen zu lassen. Derartig Programme werden missglücken, solange Mädchen sich nicht frei und in einem sichereren Umfeld bewegen können.  Ist es so verwunderlich, dass viele lieber einen Sohn, als eine Tochter haben?

<<Warum sollen wir  Töchter haben, wenn sie oft ein solch brutales Ende finden?>>, sagte eine ärgerliche Frau, die gegen Vergewaltigung demonstrierte. 
<<Hat sie nicht recht? Warum soll man ein Mädchen so einer Gesellschaft aussetzten, die ihre wahren Werte nicht anerkennt>>. Es ist fast eine Ironie, weil in Indien so viele weibliche Gottheiten verehrt werden. Die lebenden Frauen werden hingegen geringschätzig behandelt.
Wir können die Notwendigkeit nicht verneinen, dass es in Indien strengere Gesetzte geben muss, um Vergewaltigungen strenger zu bestrafen. Nur muss man in den Familien anfangen, die Mentalität zu ändern. 
Die Mädchen der Gesellschaft müssen ihre Rechte kennen, damit sie zuversichtliche junge Frauen werden. Die Söhne sollten die Würde der Frau anerkennen. Das wäre der erste Schritt. Ein kleiner Anfang. Nur so könnte man  Müttern und Töchtern helfen. 

Ein Anfang wäre der Dokumentar-Film von Udwin gewesen, der leider verboten wurde Er hätte eine ehrliche Diskussion über das männliche Verhalten gegenüber Frauen angefacht. Der Innenminister Rajnath Singh sagte im Parlament: <<die Kommentare des Vergewaltigers im Film waren sehr abfällig und bildeten einen Affront gegen die Würde der Frau>> Was er nicht erwähnte war, dass diese Haltung allgegenwärtig in Indien vorherrscht. 

Ein Polizeisprecher von Delhi ging einen Schritt weiter. Seiner Meinung nach hat der Film fragwürdige Inhalte, die eine Störung der öffentlichen Ordnung bewirken könnten. Sind aber nicht Empörung und Verurteilung die einzigen logischen Antworten, um verachteten Frauen in Indien zu helfen? fragt Ritu Sharma in ihrem Artikel: India’s Sons must learn to respect India’s daughters, vom 6. März 2015, UCANews, ASIA’s most trusted independent Catholic news Source (http://www.ucanews.com/news/indias-sons-must-learn-to-respect-indias-daughters/73121).

Tuesday, March 3, 2015

Sex-Kult aus Neugierde -wie sind wir da hingekommen?

Dr. Edith Breburda

Am 26. Februar 2015 wurde Mohammad Hossain, ein 19-jähriger Student aus Chicago, verhaftet, nachdem er in das Zimmer einer Studentin einbrach, sie fesselte, mit einem Gürtel schlug und vergewaltigte. Das Mädchen wehrte sich. Der Student gab zu seiner Verteidigung an, er wäre von dem Film: Fifty Shades of Grey inspiriert worden und wollte die Szenen, die er dort gesehen hatte, nachspielen.
<< In einer Zeit, wo wir fast schon eine Epidemie von Vergewaltigungen und sexuellen Missbräuchen registrieren und versuchen diese Probleme zu loesen, preisen wir eine Filmgeschichte, in der es um Sex und Gewalt geht und die männliche Dominanz als eine verlockende und spannende Option dargestellt wird.  
Die Hochschulen verharmlosen den sexuellen Missbrauch, der sich nur allzu oft auf ihrem Campus abspielt, leider zu oft. Man redet sich heraus, alles sei möglich, solange es im gegenseitigen Einverständnis geschieht. Dadurch wird das sexuelle Klima auf dem Unigelände allerdings nicht verbessert>>, schreibt der Psychiater Dr. Aaron Kheriaty in seinem neuen medizinischen Artikel: Hooked Up and Tied Down: The Neurological Consequences of Sadomasochism.
Der Student, der die Szenen aus dem Film Fifty Shades of Grey nachspielte, war verwundert, dass ihn die Polizei nicht frei ließ, nachdem er doch die Gründe für sein Handeln genannt hatte. Viele glauben, dass der Film nun zu mehr sexueller Gewalt gegen Frauen führen wird.
Jonathon van Maren, vom Kanadischen Zentrum für Bioethische Reformen, ist der Meinung: <<Nicht jede Einwilligung ist dieselbe. Leute posaunen die dumme Idee heraus, dass wenn jemand sein Einverständnis gegeben hat, falle die Tat um die es geht nicht mehr unter die Rubrik des Missbrauchs. Wenn also jemand die Erlaubnis gibt, dass der andere ihn schlägt, ohrfeigt, erniedrigt und noch alle anderen mögliche Dinge mit ihm tut, bedeutet das dann, die Handlung sei weniger anstößig, ekelhaft oder gewalttätig? Jeder der mit Opfern von Gewalttaten arbeitet weiß, es bleibt trotzdem eine Misshandlung, auch wenn jemand seine Erlaubnis gegeben hat. Frauen, die das Buch und den Film Fifty Shades of Grey verteidigen und behaupten, sie würden ihr Sexualleben bereichern, handeln egoistisch und unglaublich fahrlässig. Der Gedanke, dass dieses Buch und der Film anderen Frauen in  den verschiedensten Situationen, vor allem junge Mädchen, die leicht zu beeinflussen sind, schaden kann, kommt ihnen nicht>>.
Die Tat von Mohammad Hossain bleibt ein Verbrechen, für das er bestraft werden muss, selbst wenn das Opfer zugestimmt hätte. Die Tat wäre die gleiche geblieben.
Müssen wir uns nicht fragen, was Teenager dazu veranlasst hat, zu denken, andere an ein Bett zu fesseln, sie zu schlagen.. würde ihrem Sexualleben gut tun?
Die Antwort liegt in den Folgen der Erbsünde. Unsere Fähigkeiten sind nahezu unbegrenzt, immer neue Wege einzuschlagen, um bei der nächsten Gelegenheit in der Sünde zu verharren, auch wenn wir sie eigentlich verachten sollten. Es sollte uns nicht verwundern, dass je mehr unsere Kultur von dem eigentlichen Sinn der Ehe Abschied nimmt, in ihren Verhaltensweisen immer bizarrer wird. Am Ende steigern sich die gewaltsamen Verhaltensweisen. Sie werden zum Ersatz für eine permanente, engagierte Liebe, die untrennbar mit der Fortpflanzung verbunden ist. Die Möglichkeiten sind endlos. Deshalb muss man sich im Klaren sein, dass Lust zurecht als Todsünde bezeichnet wird[i].

Veröffentlicht Christliches Forum
10. März 2015



[i] Jansen J. Teenager arrested for „Fifty Shades“ inspired rape: How did we get there? LifeSiteNews, 26. Feb. 2015

Monday, February 23, 2015

Psychiater und Exorzist warnt vor dem Film, "Fifty Shades of Grey"

Dr. Edith Breburda
Der Psychiater Dr. Aaron Kheriaty von der Irvine Universität in Kalifornien ist der Überzeugung, das Buch und der Film Fifty Shades of Grey ändern unseren Geist und unseren Körper.
Kheriaty fand in zwei Studien von 2013 heraus, dass Frauen, die das Fifty Shades Buch, gelesen haben, ihr Verhalten gegenüber missbräuchlichen Beziehungen ändern:
„Wir dürfen eine Filmromanze und die Gewalt nicht miteinander vermischen. Die neuronalen Vernetzungen in unserem Gehirn, die sich auf unser Sexualverhalten beziehen, sind so geschaltet, dass sie unsere sexuellen Erfahrungen in subtiler Weise prägen. Bestimmten Gehirnregionen ordnen wir der Aggression und dem Zorn zu. Ihre Ausprägung verstärkt sich, wenn wir in gewalttätigen oder herrschsüchtigen Verhaltensweisen engagiert sind.
Anderen separaten Hirnarealen ordnen wir Angst und Furcht zu. Sie werden in ihrer Intensität durch furchteinlösende und erschreckende Erfahrungen erhöht. Was passierte demzufolge in den Gehirnen der Hauptdarsteller des Films? Christian und Anastasia bringen ihre Liebe durch ein brutales Verhalten zum Ausdruck. Wenn wir Sex, Aggression und Furcht in einer Handlung miteinander vermischen, passt sich unsere Geist und auch unser Körper diesem Verhalten an.
Das Gehirn verknüpft die Handlungen miteinander, die normalerweise nichts miteinander zu tun haben und speichert sie im Gedächtnis ab. Es handelt sich um Lernprozesse, die wir der Plastizität unseres Gehirns zu verdanken haben.
Menschen, die mit sadomasochistischen sexuellen Praktiken experimentieren, sind zuerst verwirrt. Die erlebten Ereignisse bleiben jedoch dauerhaft im Gedächtnis und beeinflussen das zukünftige Verhalten, das zudem mit einer starken emotionalen Beteiligung einhergeht. Morphologische  Umbauvorgänge im Gehirn, die aufgrund der Kombination von Reizen erfolgen, aktivieren das Langzeitgedächtnis[1].“
Kheriaty beruft sich bei seinen Erläuterungen auf das Hebb’sche Prinzip[2].
„Wenn die separaten Hirnareale sich vereinigen, werden wir Aggression ganz automatisch mit Sex verbinden. Desweitern steigern Angst und Furcht unser sexuelles Interesse. Wenn diese Verhaltensweise auffällig wird, sehen wir die Leute oft in unserer Praxis. Sie beschweren sich, dass ihr sexuelles Verhalten an all die zuvor beschriebenen Dinge gekoppelt ist. Sie können nichts dagegen tun.
Filme und Bücher wie Fifty Shades, welche die Allgemeinpräsenz von Pornographie in der breiten Masse der Gesellschaft propagieren, zwingen vor allem junge Menschen sich genau zu überlegen, was sie sich ansehen. Und sei es auch nur, um der Versuchung mit dem Feuer zu spielen, auszuweichen.
Bevor wir uns durch unser Sexualverhalten bestimmen lassen, müssen wir uns fragen, was wir unserem Gehirn und Körper antun wollen. Welche neuronalen Verschaltungen sollen uns prägen? Wollen wir Sex mit Liebe; Sex mit Vertrauen, Sex mit Verpflichtung, Sex und Selbstlosigkeit, Sex und Geborgenheit miteinander verbinden?
 Oder wollen wir unsere Neuronen derart manipulieren, dass sie Sex und Gewalt; Sex und Dominanz, Sex und Unterordnung, Sex und Kontrolle miteinander koppeln. Unser Gehirn wird durch unsere Entscheidungen geprägt. Automatisch macht es sich die wiederholenden Gewohnheiten zu nutze. Die initiierende Handlung, welchen Weg wir gehen wollen, hängt von uns ab[3].“

Ganz nebenbei, auch ein Exorzist warnt vor dem Film: Fifty Shades of Grey. Pater Patrick, und sein Team bezeichnen es als das Grey Phänomen, vor dem die Kirchenoberhäupter der USA warnen. Sie sind nicht alleine. Selbsthilfegruppen gegen häusliche Gewalt, selbst Filmkritiker verurteilen aufs Schärfste die sexuelle Gewalt, die sich hier zeigt. Der Film basiert keineswegs auf der Realität. In den ersten drei Tagen, die er in den Kinos der USA zu sehen war, brachte er 81,7 Millionen US-Dollars ein.
Pater Patrick, wie ihn die Autorin Patti Armstrong nennt, ist nicht sein richtiger Name. Patti will seine Identität schützen, so wie das bei Exorzisten im Allgemeinen üblich ist. Der Priester war sechs Jahre lang unter der Obhut eines kompetenten Exorzisten tätig. Heute hat er seine eigene Pfarrei. Seit fünf Jahren ist er nebenbei als Exorzist einer US-Diözese tätig. Seine Mitarbeiter, sein Deliverance Team, wie er sie nennt, sind immer mit dabei, wenn der Priester seinen Dienst vollzieht. Sie beten mit den Leuten, die zu Pater Patrick kommen und um seine Hilfe bitten.
Patti hat den Priester am Telefon interviewt. Sein Team war mit ihm und konnte über Lautsprecher mithören. Der Priester erläuterte:
„Wenn wir uns einen Film wie diesen anschauen, nehmen wir die Handlungen in uns auf. Er verbiegt unsere Sinne und wird sich in unseren Beziehungen widerspiegeln. Man sagt zwar, ein Film ist dazu da, um uns zu entspannen, deshalb genießen wir es ins Kino zu gehen. Kann man wirklich einen Film als Rekreation bezeichnen, der sich über Gottes Kreation lustig macht, bzw. sie entheiligt? Es ist fast eine Ironie, dass der Hauptdarsteller den Namen Christian Grey trägt. So wie er würde nie ein Christ handeln. Außerdem können keine Schatten auf dem Christentum liegen. Es geht hier um alles oder nichts. Eine  Grauzone, wo wir nicht zwischen richtig und falsch entscheiden können, spottet einem jeden Gläubigen. In der heiligen Messe zelebrieren wir das Opfer unseres Erlösers Jesu Christus. Die schwarze Messe dreht alles um. Das uns Heilige wird als unheilig deklariert.
So wie es sich bei der Sexualität in der Ehe um einen heiligen Akt, ein Geschenk Gottes handelt, wird in dem Film die Tugend der Keuschheit und Gottes Schöpfung pervertiert. Wir sind Gottes Kinder. Wenn wir uns einen Film ansehen, der das Böse fördert, begeben wir uns auf sehr dünnes Eis. Unsere Sinne können dann nicht mehr entscheiden, was richtig und falsch, rein und unrein ist. Wir verlieren unser geistiges Gespür. Das gleiche passiert auch, wenn wir uns Vampir-Filme ansehen. Warum lieben wir sie? Welche Geister laden wir in unser Leben ein? Blutsaugen ist konträr zu dem, was uns heilig ist. Wir begeben uns in eine dunkle Welt, wo jemand unwiderruflich tot ist. Menschen lassen diese Dunkelheit in ihr Leben. Ihre mitmenschlichen rechtschaffenen Beziehungen werden nicht besser. All unsere Kontakte, jeder Atemzug, jeder Gedanke, sollte uns näher zu unserem Schöpfer bringen. Viele verfallen oft dem Sex-Kult aus Neugierde. Wir degradieren die Würde unserer Mitmenschen, wenn wir uns da einlassen. Am Ende rechtfertigen wir unsere Sünden und dann fehlt uns die Unterscheidungskraft. Unser Hauptanliegen sollte nicht so sehr sein, ob etwas mit dem Film nicht in Ordnung ist, sondern ob es gut für unsere Psyche ist, ihn uns anzusehen“, erklärt Pater Patrick[4].

Literatur:
[1] Reichenbach A.: Neurophysiologische Grundlagen des Lernens. Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung, Leipzig, 17. April 2007
[2] Hebb D. H.: The Organization of Behavior. Psychology Press, 1949, 1. May 2002
[3] Desmond J.: Psychiatrist: How Fifty Shades of Grey changes your mind and body. National Catholic Register, 18. Feb. 2015
[4] Armstrong P.M.: An Exorcist warns of the Dangers of “Fifty Shades of Grey”. Aleteia, 20. Feb. 2015

Veröffentlicht Christliches Forum
10. März 2015

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