Freitag, 31. Juli 2015

Christenverfolgung im Nahen Osten

Dr. Edith Breburda

Veröffentlicht in Zenit, 5.8.2015

Das Christentum, dessen Präsenz im Nahen Osten 600 Jahre zurückdatiert, ist im Begriff, aus dem Nahen Osten zu verschwinden. Die Ägyptischen Kopten können zwar eine Atempause unter Abdel Fatah al-Sissi gefunden haben, aber nach ihrer Verfolgung unter der früheren Muslimbruderschafts-Regierung  wissen sie, wie prekär ihre Existenz im 90 Prozent muslimischen Ägypten bleibt.

In anderen Ländern ist es noch viel schlimmer. Einundzwanzig Kopten wurden vom  Islamischen Staat in  Libyen wegen des Verbrechens Christen zu sein, enthauptet. In großen Teilen von Syrien und dem Irak, wo der  Islamischen Staat regiert, sind die Folgen für die Christen schrecklich - Versklavung, Exil, Folter, Massaker, Kreuzigung.

Im Laufe der letzten Jahre haben viele Christen den Nahen Osten nach dem Aufstieg des politischen  Islam und der Intensivierung des wilden sektiererischen Krieges einfach verlassen. Die Libanesischen Christen, die einmal mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, werden jetzt in etwa auf ein Drittel geschätzt. In Bethlehem beispielsweise hat die Zahl der Christen unter der Palästinensischen Autonomiebehörde um die Hälfte abgenommen. (Die Ausnahme bildet Israel, wo arabische und nicht arabische Christen nicht nur Schutz genießen, sondern Bürgerrechte haben. Ihre Zahl nimmt zu. Aber das ist eine andere Geschichte.)
Am meisten gefährdet sind die Christen in Syrien. Vor vier Jahren lebten dort rund 1,1 Millionen. Mittlerweile  sind 700.000 geflohen. Viele von denen, die im Land verblieben sind, stehen unter der radikal-islamistischen Herrschaft. Da die große christlichen Welt passiv zuschaut, wird  ihre Zukunft, so wie auch die Zukunft des Christentums des Nahen Ostens, durch den Iran, die Hisbollah, die Assad-Dynastie, den Islamischen Staat, die Nusra Front, verschiedene andere lokale Gruppierungen und von regionalen Mächten bestimmt werden.
Es gibt aber auch Beispiele dafür, was auf einer begrenzten Skala dagegen getan werden kann. Vor drei Wochen wurden 150 syrische Christen nach Polen ausgeflogen, wo sie Zuflucht und Sicherheit erhielten
Der Weidenfeld- Fond ermöglichte den Flug und unterstützt die Flüchtlinge so lange,  bis sie ein neues Leben angefangen haben.
Die Person, die hinter dem Fond steht ist der jetzt 95 Jahre alte Lord George Weidenfeld:  Philanthrop, Herausgeber (Weidenfeld & Nicolson, gegründet 1949), Gründer des Institute for Strategic Dialogue, um klassische liberale europäische Werte zu fördern, Ehrenvizepräsident des World Jewish Congress, lebenslanger Zionist (er diente einst als Chef des Kabinetts des ersten Israelischen Präsidenten, Chaim Weizmann.
Weidenfeld weiß, dass die Anzahl der bisher mit Hilfe seines Fonds geretteten Christen tragisch klein ist.
Sein Ziel ist es, 2.000 Familien zu retten. Im Vergleich zu dem Blutbad in Syrien durch die unbarmherzigen Kämpfe mit 230.000 Toten und 11 Millionen vertriebenen Einwohnern aus ihren Häusern  -  ist das eine lächerliche Anzahl. Aber es sind echte Menschen, die gerettet werden. Und für Weidenfeld zählt nur das.
Doch er hat für die Rettung nur Christen vorgesehen. Die US-Regierung wird sich nicht beteiligen, weil Yeziden, Drusen oder Schiiten nicht einbezogen werden. Für Weidenfeld ist das eine merkwürdige Auffassung. Weil er nicht alles tun kann, wird er für den Versuch, etwas zu tun, kritisiert.
Und für ihn ist es eine persönliche Angelegenheit. 1938, noch als Teenager, war er von Wien nach London gebracht worden, wo ihn Christen aufnahmen und für ihn gesorgt haben. Das hat er nie vergessen. Mit seinem Rettungsfond versucht er, die Freundlichkeit zurückzuzahlen, die er vor 77 Jahren von Christen erfahren hat.
Weiterlesen: Charles Krauthammer
Among the ruins is a case of righteousness

 

Dienstag, 28. Juli 2015

Desensibilisierung der Gesellschaft durch Abtreibung und Euthanasie

US-Skandalvideo belegt Handel mit Organen abgetriebener Föten  
Dr. Edith Breburda


Max war ein fröhlicher Junge. Ein Teenager, voller Streiche, die er an seiner High- School in Madison, im US-Bundestaat Wisconsin, ausheckte. Er spielte oft mit seinen beiden Brüdern, besuchte seine vielen Tanten und Onkel und saß oft stundenlang am großen Fenster mit Seeblick im Haus seiner Großeltern. Jeder der ihn sah war sofort eingenommen von seinem einvernehmenden Wesen und mitreißendem Lächeln. So steht es in der Todesanzeige des 16 Jährigen vom 25. Juli 2015. Was seltsam anmutet in der Nachricht ist, dass es heißt: Max hatte Angelman Syndrom. Sein Vater verstarb einen Tag nach Max, am 23. Juli 2015.
Nachbarn erinnern sich gern an den sehr beliebten Max. Die Polizei gab an, dass der Vater mit Max am 22. Juli in einen Stadtpark fuhr, um dort seinen Sohn zu erschießen. Der 49-jährige Mann versuchte sich danach selbst das Leben zu nehmen. Er erlag seinen selbst zugefügten Verletzungen am darauffolgenden Tag .
Durch seine Krankheit, dem Angelman Syndrom, musste Max Tag und Nacht unter Aufsicht sein. Das kann an den Kräften einer Familie zehren.
Der Sheriff von Dane County, dem Landkries von Madison, bestätigte, dass Max unter einer seltenen genetischen Krankheit litt, die ihn in seiner Entwicklung beeinträchtigte. Oft litt er unter Krämpfen, konnte nicht sprechen oder hatte Koordinationsstörungen.
 “Bis heute kann kein Erkrankter ein selbständiges Leben führen. Er braucht ein ganzes Leben rund um die Uhr Betreuung. Die Erkrankten leben oft 60 Jahre und länger. Die Pflege ist kostspielig. Sie brauchen Krankengymnastik, Spezialbetten, Windeln, spezielle Rollstühle. Da kommt man leicht auf astronomische Zahlen. Wenn man nur 15 Dollars Betreuungsgeld pro Stunde rechnet, kommt man im Jahr auf 131.000 Dollars. Der Staat oder private Förderungsmittel können das nicht aufbringen“, sagt Eileen Braun, Direktorin der Angelman Syndrome Foundation.
„Angelmann Patienten sind verhaltensauffällig und leiden unter Angstzuständen, wenn sich auch nur irgend etwas in ihrem Umfeld ändert“, erläutert Frau Braun weiterhin. Der Sheriff  will untersuchen, ob eine neue Situation in der Pflege um Max entstand, die den Vater Theodore R. Peterson veranlasst haben könnte seinen Sohn und sich selbst umzubringen.
“Wir haben  Glück, unsere Nachbarn wissen, dass unser Sohn krank ist. Das war bei Max nicht so”, sagt Mary Pipal aus dem kleinen Städtchen Dodgeville. Brendan ist 24. Auch er hat Angelman Syndrom. Das Leben der Eltern richtete sich nach ihrem Kind. Immer muss jemand zuhause sein. Auch in den Urlaub fahren sie nur getrennt.
Mary arbeitet halbtags. Der Nachmittag gehört ihrem Sohn. Sobald er aus seiner Schule kommt, ist die Mutter für ihn da. “Brendan benimmt sich wie ein Kleinkind. Er ist fast 2 Meter groß, kann nicht sprechen, nicht alleine laufen und trägt spezielle Windeln. Er steht um 3 Uhr früh auf, wenn wir Vollmond haben. Ich kann ihn nicht mal alleine in die Küche lassen. Er würde sich verletzten, wenn keiner bei ihm ist.”
Seine Mutter ist voller Sorge um Brendans Zukunft. Sie und ihr Mann brauchen die Hilfe von Freunden, um auf den Sohn aufzupassen. Sie zahlen für seine Pflege mit dem Geld das sie verdienen, mit Steuerfreibeträgen, mit ihrer Sozialversicherung und mit Hilfe von Medicaid.
Die Eltern sorgen sich, wer das alles mal übernimmt, wenn sie nicht mehr können oder gestorben sin? Die kleine Stadt unterstützt sie. Pipals Wunsch ist es, dass auch andere Patienten mit Angelman Syndrom unterstützt werden und erfahren, was die Krankheit bedeutet.
In Fall von Max wollte sich der Sherriff die Anklage genauer überlegen und auf mildernde Umstände plädieren[i].
Verliert ein Mord seine Abscheulichkeit, wenn er aus Mitleid, oder Geldnöten begangen wird? Dr. Charles Krauthammer, ein bekannter Kolumnist, spricht von einer Desensibilisierung, die er das erste Mal in Holland bemerkte, als man den assistierten Selbstmord legalisierte. Damals argumentierte man, man wolle Menschen vor unnützen Leiden erlösen. Heute wird ein Fünftel der Patienten euthanasiert, ohne dass diese dafür ihr explizites Einverständnis gegeben haben.
Als vor einigen Tagen auf einem Video auf YouTube eine Abtreibungsärztin von Planned Parenthood zu sehen war, die in ihrem Mittagsessen herumstocherte und so nebenbei beschrieb, wie sie Organe von abgetriebenen Kindern bestmöglichst erhält, um sie zu verkaufen, damit sie sich von dem Geld einen Luxuswagen kaufen kann, vermisste man jedes Mitgefühl mit den Ungeborenen.
„Diese Abgestumpftheit ist genau das was passiert, wenn einige tagtäglich Leben zerstören. Abtreibungsgegner warnen schon lange vor den Folgen, die eine Abtreibung auf die Gesellschaft haben“, bemerkt Krauthammer. „Wir werden unsensibel. Planned Parenthood wird es vielleicht verboten werden, Organe von abgetriebenen Kindern zu verkaufen. Das Video über den Organhandel von Planned Parenthood verdeutlicht jedoch  ganz unverblümt, was wirklich bei einer Abtreibung passiert. Die Organe eines gesunden Kindes werden zum Verkaufsobjekt. Deswegen benutzt Planned Parenthood eine <weniger zerstörende Technik.-Wir zertrümmern den Kopf, um die Organe zu schonen>, heißt es in dem Video. Bereits Ultraschallbilder hatten ihren Effekt. Plötzlich war jedem klar, dass das Ungeborene ein lebendes Wesen ist. So könnte dieses Video den Effekt haben, eine Abtreibung nach der 20. Woche zu verbieten. Über das Schmerzempfinden eines Ungeborenen nach der 20. Woche scheint man sich inzwischen einig zu sein.
Generell werden Abtreibungen wahrscheinlich nicht verboten werden. Weil in den USA viel Uneinigkeit über den Status eines Ungeborenen in den ersten 3 Monaten herrscht. Ein Kind nach der 20. Woche hat allerdings jetzt Sympathien gewonnen, weil Experten dargelegt haben, wie man das Leben terminiert. Späte Abtreibungen könnten deshalb in Zukunft in den USA verboten werden, schreibt Krauthammer[ii].

Literatur:

[i] Stein Kate: Life with Angelman syndrome puts pressure on families.
[ii] Krauthammer Charles: Humanity pays a price for fetal body parts. The Washington Post, 23. July 2015
Veröffentlicht in: Christliches Forum, 30. Juni 2015
Neuerscheinung: Reproduktive Freiheit, free for what

Freitag, 17. Juli 2015

Die Gesundheit der Ungeborenen wird durch viele Faktoren beeinflußt und manchmal ist ein Pränataltest schlichtweg falsch

Dr. Edith Breburda

Christliches Forum, 19. Juli 2015

Amerikaner greifen oft zu Antidepressiva. Sie scheinen zur täglichen Tagesration zu gehören. Eine von fünf Frauen hat Depressionen. Es handelt sich um eine ernste kräftezehrende Erkrankung. Eine von 7 Frauen nimmt auch während einer Schwangerschaft Antidepressiva, wie Paxil oder Prozac, ein.

 Jetzt stellte man jedoch fest, dass es gerade diese Mittel sind, die bei Ungeborenen zu Geburtsdefekten führen. Eine neue Studie des Federal Centers for Disease Control and Prevention analysierte 28.000 Geburten. Antidepressiva wie Zoloft, Celexa und Lexapro schienen keinen Einfluß auf die Gesundheit der Ungeborenen zu haben. Edward McCabe, der Medizinische Direktor der March of Dimes Fundation, einer US Organisation, welche die Gesundheit der Schwangeren und der Kinder verbessern möchte, begruesst diese Studie, weil Frauen damit die Möglichkeit haben, ihre Depressionen mit Medikamenten zu behandeln, ohne dem Kind zu schaden."
Die Studie, die im British Medical Journal, einer der ältesten Medizinischen Zeitschriften veröffentliche wurde, fragte Frauen, was sie in den ersten 3 Monaten ihrer Schwangerschaft zu sich genommen hatten. Dann wurden die Daten analysiert und man kamen zu dem Schluß, dass einige Medikamente prädestiniert schienen Geburtsdefekte auszulösen. "Es ist zwar noch nicht hundertprozentig bewiesen, dass Paxil (paroxetine) und Prozac (fluoxetine) Ungeborenen schaden" sagt Jennita Reefhuis. Die Medikamente bewirken jedoch unausweichlich Defekte, die den Blutfluß in Herz und Lunge behindern. Mit Löchern in der Herzscheidewand und mit Anencephalie, wobei Kinder ohne Schädelknochen geboren werden.
Depressionen während der Schwangerschaft sollten behandelt werden.
Schwangere, welche Antidepressiva einnehmen, sollten jedoch besser auf Medikamente ausweichen, die man nicht mit Geburtsdefekten in Verbindung bringt[1].

Doch welche Auswirkungen hat es, wenn die Mutter während einer Schwangerschaft an Epilepsie leidet? Statistiken zeigen, dass zehn Prozent aller Menschen unter Krämpfen leiden, wobei es sich bei einem Prozent um eine aktive Epilepsie handelt. Epileptische Anfälle während der Schwangerschaft sind risikoreich. Sie treten bei 0,2 bis 0,5 Prozent auf. Sarah MacDonald aus Boston wertete Daten von 4,2 Millionen Schwangeren aus. Bei 14.151 Frauen wurde die Diagnose Epilepsie gestellt. Von 100.000 Schwangeren sterben 80 Frauen während der Entbindung. Das Sterberisiko erhöht sich, wenn eine Epilepsie zugrunde liegt. MacDonald fand heraus, dass epileptische Frauen häufiger an Präklampsie, das heißt an einer Blutdruckveränderung oder Eiweißausscheidung im Urin, leiden. Auch mußten ihre Kinder häufiger durch einen Kaiserschnitt entbunden werden. Das Geburtsgewicht der Kinder war geringer. Forscher fordern dingend weitere Untersuchungen, inwieweit Antiepileptika die Schwangerschaft der Mutter beeinträchtigen[2].

Wenn ein pränataler Test negative Ergebnisse liefert, nehmen wir automatisch an, dass der Fetus sich abnormal entwickelt. Nichtinvasive Tests werden zunehmend angewendet, um z.B. Down Syndrom frühzeitig zu diagnostizieren. Im Blut der Schwangeren befinden sich kleine fetale DNA-Segmente des Ungeborenen, die man auswertet um Chromosomen-Anomalien festzustellen. Jetzt fand eine Studie, die im Journal der American Medical Assoziation am 13. Julie 2015 veröffentlicht wurde, heraus, dass die Befunde nicht den Fetus betreffen, sondern die Mutter. Wenn die Mutter an Krebst leidet, der nicht entdeckt wurde, ist das Ungeborene völlig gesund. Der Test zeigt also nicht, ob die Mutter oder das Kind einen 'Defekt' haben. Pränatale Test ergaben bei 4.000 von 100.000 Frauen, dass ein kindlicher Chromosomendefekt vorlag. In einigen Fällen waren die Babys jedoch gesund, während die Mütter innerhalb von einigen Wochen oder Monaten nach dem Test an Leukämie, Darmkrebs oder einem Lymphom erkrankten. Nichtinvasive vorgeburtliche Tests, die fehlerhafte Chromosomen bei Ungeborenen feststellen sollen, werden vor allem bei Frauen vorgeschlagen, die ein erhöhtes Risiko tragen, ein Down Syndrom Kind zu erwarten.
Weltweit werden etwa 2 Millionen dieser Tests durchgeführt, erklärte Dr. Diana Bianchi, Direktorin des Tufts Medical Centers Mother Infant Research Institute. Falsche Ergebnisse können durch eine Zwillingsschwangerschaft zustande kommen, wenn ein Zwilling gestorben ist, oder z.B. von einem Organ-Transplantat, welches die Mutter von einem männlichen Spender bekam, bzw. von Krebszellen herrühren. Es handelt sich zwar um eine sehr seltene Konstellation, dennoch sollten wir derartige falsche Testergebnisse in Betracht ziehen, sagt die Expertin. Wir wissen nicht wie viele Frauen mit einer sogenannte stillen Krebserkrankung herumlaufen, die ein pränataler Test zufällig entdeckt. Deshalb brauchen wir mehr Studien, um uns Klarheit zu verschaffen, wie wir die betroffene Frauen richtig beraten[3].

Literatur:


[1] Painter Kim: CDC: Some antidepressants, but not others, linked with birth defects. USA TODAY, 9. July 2015
[2] MacDonald Sahra et al.: Mortality and Morbidity during delivery and hospitalization among pregnant women with epilepsy in the United States. JAMA Neurol. July 6, 2015
[3] Tanner Lindsey: Study: Silent cancer in moms a rate result in prenatal tests. Chicago Associated Press, 17. July 2015

Weiterführende Literatur:
http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html


Schaden oder nutzen Ultrashalluntersuchungen am Ungeborenen?


Dr. Edith Breburda

Gynäkologen in den USA warnen vor zu vielen Ultraschalluntersuchungen bei normalen Schwangerschaften. Milena Mrosovsky erzählt, dass sie mindestens ein Dutzend Ultraschalluntersuchungen hatte, als sie schwanger war. "Ich war glücklich über die vielen Bilder und klebte sie alle in mein kleines Album."
Solche Aussagen sind nicht ungewöhnlich für Eltern. Amerikanische Frauen lassen heute immer mehr Ultraschalluntersuchungen an ihren Ungeborenen durchführen. Sie posten die Bilder stolz auf Facebook oder anderen modernen Medienseiten.
Seit 2004 konnte man einen 92% Anstieg dieser Untersuchungen beobachten. Jeder Besuch beim Arzt beinhaltet eine Ultraschalluntersuchung. Experten warnen nun davor, dass es medizinisch nicht gerechtfertigt ist, bei einer risikoarmen Schwangerschaft so viele Untersuchungen durchführen zu lassen. Im Mai 2014 machten verschiedene medizinische Gesellschaften, wie auch die Amerikanischen Gynäkologen und Geburtshelfer darauf aufmerksam, dass eine oder zwei Untersuchungen bei einer Schwangerschaft ohne Komplikationen genügen sollten.
"Ultraschall sollte für die kurzmöglichste Zeit und mit der geringsten Energiefrequenz an einem Ungeborenen angewendet werden, und auch nur dann, wenn es unbedingt nötig ist", empfehlen die Fachleute.
Daniel O'Keefe, Vizepräsident der Gesellschaft für Maternal-Fetal Medizin, beschreibt 2013 im medizinischen Journal Seminars Perinatology, dass 4-5 Ultraschalluntersuchungen übertrieben sind. Wenn Frau Milena Mrosovsky dieses Wissen bei ihrer Schwangerschaft gehabt hätte, wäre sie nicht so naiv den Anweisungen ihres Doktors gefolgt. "Früher bestand man auf einer Untersuchung um die 20igste Woche herum. Neuerdings empfiehlt man die 12. Woche. Leider lesen Ärzte nicht ihre Fachzeitungen", bemerkt Dr. O'Keeffe.
Ob Ultraschall dem Fötus schadet untersuchte man das letzte Mal 1992. Damals war die Dosierung, mit der die Apparate arbeiteten, viel geringer. Die Schallwellen, die letztendlich vom Körper des Ungeborenen reflektiert oder absorbiert werden, verwandeln sich in elektrische Impulse, die vom Ultraschallgerät verstärkt und auf einem Bildschirm dargestellt werden.
Wie man heute weiß, sind zu viele Mamogramme, Darmspiegelungen und andere medizinische Ultraschalluntersuchungen meistens gar nicht notwendig. Eltern sind jedoch begeistert, dass ihnen die moderne Technik einen Einblick in die Gebärmutter ermöglicht. Immer genauere Bilder müssen gemacht werden. Weil man wissen will, wie das Baby aussieht. Ob man dafür nun mehr Schallintensität benötigt und eventuell dem Kind schadet, interessiert keinen.

"Selbst Ärzte machen sich über die Sicherheit von pränatalen Ultraschalluntersuchung keine weiteren Gedanken. Krebs kann man davon nicht bekommen, es sei schließlich keine Röntgenstrahlung damit verbunden", sagt Dr. Jacques Abramowicz von der Wayne State Universität.
Ärzte warnen Frauen, sie sollten keinen Alkohol zu sich nehmen, kein heißes Bad, und Stress vermeiden, wenn sie schwanger sind.
Aber über die Sicherheit und Effizienz von Ultraschalluntersuchungen redet kaum ein Arzt. Man hofft, dass Frauen sich stärker an ihr Ungeborenes binden, wenn sie es sehen.
"Lernen sie ihr Kind kennen, bevor es geboren wird", wirbt die Firma General Electric auf ihrer Webseite. Sie verkauft ihre Maschinen nur an Gesundheitseinrichtungen. Einige Eltern drängen darauf, mehr von ihrem Kind zu sehen, als die Ärzte befürworten. Andere Ärzte sind besorgt, irgend ein Detail über die Gesundheit des Ungeborenen übersehen zu können. Gynäkologen werden an erster Stelle herangezogen, wenn es um Kunstfehler geht. Oft wird dann behauptet, weitere Ultraschallbilder hätten Klarheiten gegeben.
Doch wie sicher sind die Apparate? Die Amerikanische Food und Drug Administration, die gleichbedeutend mit unserer Lebens- und Arzneimittelbehörde ist, warnte im Dezember 2014 vor einigen Ultraschallgeräten. "Sie erhitzen das Gewebe und verursachen die Bildung von kleinen Blasen."
Die Langzeiteffekte, welche diese Maschinen ausüben, kennt man nicht. Einige Tierversuche an Hühnern und Mäusen lassen eine schädliche Auswirkung vermuten. Einige Neurowissenschaftler haben ungeborene Tiere Ultraschalluntersuchungen ausgesetzt. Eine Studie der Yale Universität, die 2006 in den Proceedings of the National Academy of Science erschien, brachte neurologische Auffälligkeiten bei jungen Mäusen mit den Untersuchungen in Verbindung. Australische Forscher beschrieben 2009 im International Journal of Developmental Neuroscience, Küken-Eier mit Ultraschall bestrahlt zu haben. Die Küken hatten nach ihrem Schlüpfen Gedächtnisstörungen. Ihre Lernfähigkeit lag hinter der von anderen Küken. Die Universität von Washington berichtetet 2014 im Autism Research Journal von überaktiven Mäusen, die vorgeburtlich mit Ultraschall behandelt wurden. Dr. Pasko Rakic vom Nationalen Institute of Health untersuchte Affenhirne auf mögliche neurologische Folgen nach der intrauterinen Anwendung von Ultraschall. Frank A. Chervenak, Direktor der Gynäkologie des New Yorker Presbyterian Krankenhauses ist der Überzeugung, dass eine oder zwei Ultraschalluntersuchungen bei einer normalen Schwangerschaft nicht überschritten werden sollten. Eine Studie von 2012, die im Amerikanischen Journal of Obstetrics and Gynecology erschien, ergab, dass vermehrte Ultraschalluntersuchungen manchmal ein falsches Bild geben. Manchmal meint man das Ungeborene sei zu groß und man macht einen Kaiserschnitt, der gar nicht nötig gewesen wäre[i].


Rebecca Loretz und ihr Mann Michael wollten immer eine große Familie. Doch als ihr zweites Kind durch einen Kaiserschnitt zur Welt kam, warnten die Ärzte vor weiteren Kindern. Die Narbe, die durch den Kaiserschnitt entstand, könnte einreißen, sagten sie. Die Eltern beachteten den Rat nicht. Die medizinische Literatur beschrieb das Risiko mit nur einem Prozent. Das wollten die beiden gerne auf sich nehmen. Es folgten sechs weitere Geburten. Alle Kinder wurden durch Kaiserschnitt entbunden. Nach dem 8. Kind dachten die Eltern, ihre Familie sei komplett. Und dann, im Mai 2013, erwarteten  sie wieder ein Kind. "Das war wirklich eine Überraschung. Wir dachten diese Schwangerschaft würde wie alle anderen verlaufen", sagte Michael. Die erste Ultraschalluntersuchung ergab, dass das Baby genau auf dem Narbengewebe der Gebärmutter implantiert war. Man sagte den Eltern, so eine ektopische Schwangerschaft auszutragen käme einer Katastrophe gleich. Die Ärzte gaben dem Kind keine Chance. Es müßte abgetrieben werden, um das Leben der Mutter zu retten. Selbst Ethiker würden in so einem extremen Fall zustimmen, die Stelle der Gebärmutter zu entfernen, wo sich das Kind implantiert hat. Normalerweise spricht man von einer ektopischen Schwangerschaft, wenn sich das Kind im Eileiter eingenistet hat. Der Eileiter kann sich nicht ausdehnen, wie die Gebärmutter. Er kann platzen, sobald das Kind grösser ist. Eine Operation würde aber auch unweigerlich den Tod des Kindes hervorrufen. Theologen argumentieren, dass das Kind  hierbei indirekt getötet wird. Die Ärzte bedrängten Rebecca, ihr neuntes Kind durch die Einnahme von Methotrexate abzutreiben. Es sollte also direkt getötet werden. Das sehr gläubige Ehepaar brachte das nicht über das Herz. Einen Plan B hatte das Krankenhaus nicht, weil noch nie eine Mutter in so einem Fall eine Abtreibung verweigert hatte. Rebecca wurde in das Krankenhaus eingeliefert, um genauer beobachtet zu werden. Die Ärzte bedrängten die Mutter in den kommenden Tagen. Sie kamen alleine oder zogen andere Experten hinzu. Sie sollte das Leben des Babys endlich beenden, um ihr eigenes zu retten. Ein Arzt sagte zu Michael: "Ihre Chance, am Ende der Schwangerschaft ein lebendes Baby in den Armen zu halten ist gleich Null. Höchstwahrscheinlich stirbt auch ihre Frau. Ist es das was sie wollen? Sie wollen einfach nicht die Realität sehen und deshalb hören sie auch nicht auf den Rat der Experten." Erst nachdem den Ärzten klar wurde, dass sie das Paar nicht zu einer Abtreibung bringen konnten, sympathisierten einige Ärzte mit den Eltern und fingen sogar an, mit ihnen für das Ungeborene zu beten.

Bei der nächsten Ultraschalluntersuchung hörten sie, dass die Schwangerschaft fehldiagnostiziert worden war. Das Baby hatte sich nicht über der Narbe eingenistet, sondern im Muttermund. "Ist das besser", fragte Michael hoffnungsvoll. Er erinnert sich an die schmerzliche Antwort. "Nein. Im Grunde ist das noch schlimmer."
Ein drittes Ultraschallbild, das viel später gemacht wurde, brachte dann dennoch Hoffnung. Es sah nur so aus, als ob das Baby im Muttermund eingenistet wäre. Aber es war in Wirklichkeit doch in der Gebärmutter. Nur eben sehr nahe an der Cervix. Dies gab allen eine kleine Erleichterung, auch wenn die Beteiligten noch sehr besorgt blieben. Das Ehepaar gab zu, dass die Schwangerschaft sehr an ihnen zehrte. Nur das Wissen, dass viele Leute für Mutter und Kind beteten, half. "Fünf Wochen war ich vor der Geburt im Krankenhaus. Die Ärzte hatte Sorge, meine Gebärmutter würde zerreißen. Ich betetet unentwegt, dass Gott mir dieses Kind schenkt. Nach einiger Zeit übergab ich mich in den Willen Gottes", sagt Rebecca. 
Am 1. November 2013 wurde die kleine Philomena nach einer vierstündigen Operation entbunden. Das Kind war volkommen gesund. Auch wenn es fast unmöglich schien, dass es überhaupt  hätte geboren werden können. Die Eltern beteten die ganze Zeit zur Heiligen Philomena und versprachen, ihrem Kind den Namen Philomena zu geben, wenn es ein Mädchen werden sollte. Während ihrer ganzen Ehe beteten sie, Gottes Willen folgen zu können und so großmütig wie möglich zu sein. Das brachte ihnen viel Kritik ein.
Michael war erstaunt als er in der Literatur fand, dass seit 1967, 60.000 ähnliche Schwangerschaften zu 99.7% mit einer Abtreibung endeten. Ihr Fall wurde  bei einem wissenschaftlichen Symposium präsentiert. Es wurde empfohlen, beim Vorliegen einer ektopischen Schwangerschaft mit einer Abtreibung länger zu warten und genauere Untersuchungen heranzuziehen[ii].

Veröffentlicht im Christlichen Forum 27. Juli 2015

Siehe auch Neuerscheinung: 



Literatur

[i]Helliker Kevin: The case for fewer fetal scans. Obstetrics expert says frequent ultrasound in low-risk pregnancies aren't medically justified. The Wall Street Journal, July 18-19, 2015
[ii] Jalsevac John: Abort, or die: Pregnant with an ectopic pregnancy after 5 c-sections, this couple found a miracle. LifeSite, 17. July 2015

Freitag, 3. Juli 2015

Die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA könnte ein Abtreibungsverbot bewirken


Dr. Edith Breburda

In einem Kommentar von Francis Wilkinson berichtet das Wisconsin State Journal vom 3 Juli 2015, dass der Triumph der Liberalen bezüglich Legalisierung der Homo-Ehe zu einem Verbot der Abtreibung führen könnte:
 
Die Konservativen Gruppen der USA sind mutlos geworden, seitdem das Urteil des Obersten Gerichtshofes  zugunsten der homosexuellen Ehe in allen 50 Staaten ausgesprochen wurde. Es handelt sich um einen Meilenstein bei der Erweiterung der Rechte, der Macht und der moralischen Legitimität einer zuvor marginalisierten Gruppe.
Die Legalisierung weiterer Rechte könnte den Samen für einen konservativen Sieg bei einem anderen wichtigen Anliegen enthalten: beim Verbot der Abtreibung.
Der wichtigste Teil im Programm der US-amerikanischen Liberalen ist die permanente Anstrengung, den bürgerlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmen für die Menschen zu erweitern. Dieser Prozess, der kein Ende zu haben scheint, hat bisher z. B. zur Einführung des Frauenwahlrechts, der Bürgerrechte, der Erweiterung der Rechte von Immigranten und von  Homosexuellen geführt. Eine erfolgreiche Legalisierung der Transgender-Rechte scheint fast sicher in der Zukunft. Es gibt sogar bereits überzeugende Argumente dafür, ein Recht für Inzest und Polygamie einzuführen.

Die anhaltende Anerkennung und Stärkung der Rolle der bisherigen Randgruppen bewirkt allerdings Spannungen bei der liberalen Unterstützung der Abtreibungsrechte. In der Tat könnte die Unterstützung der Abtreibungsrechte durch die Liberalen abnehmen. Umfragen zeigen, dass sich die Wähler selbst häufiger als „liberal“ identifizieren, als in der Vergangenheit. Die liberale Aufschwung ist u.a. auf die öffentliche Unterstützung der homosexuellen Ehe zurückzuführen. Nur noch 52 Prozent der Baby-Boomer sagen, Abtreibung sollte legal sein in allen oder den meisten Fällen.

Die Ausweitung der Rechte auf gefährdete Gruppen stellt ein interessantes Dilemma dar. Ungeborene haben bisher keine Rechte. Bei den Liberalen hat sich jedoch die Meinung, dass ein Fötus nur ein „Zellhaufen" ohne inneren Wert ist, weitgehend geändert. Stattdessen hört man Forderungen, die Abtreibung solle "sicher und selten" sein.

Der libertäre Impuls in der amerikanischen Kultur ist stark, und Rechte, wie homosexuelle Ehen, verstärken diesen Impuls und stehen ihm nicht entgegen. Dennoch ist es nicht schwer, sich vorzustellen, wie sich eine Erweiterung der Rechte auf die Gesellschaft auswirken könnte. In konservativen Regionen kann sich das Recht auf Abtreibung deutlich schwieriger durchsetzen, weil die politischen Führer zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Fötus das verfassungsmäßige Recht der Frauen auf legale Abtreibung behindern.
Selbst für Tiere, die in den USA als humane Pets bezeichnet werden, fordert die Tierrechtsbewegung einen weitaus größeren Schutz, als für einen menschlichen Fötus. Für Tierquälerei kann man zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden.

Einem Fötus sollt die gleiche Würde und der gleiche Rechtsschutz gewährt werden, wie allen anderen Lebewesen.
Frauen, sind in den USA lange an den Rand gedrängt worden. Durch das gesetzliche Recht auf Abtreibung sollte ihre soziale Würde gestärkt werden. Aber, nachdem der Einfluss der Frauen auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gewachsen ist, scheint ihr Nachwuchs paradoxerweise weniger schutzbedürftig zu sein. Ein neues Persönlichkeits-Recht für die heute noch marginalisierten menschlichen Föten könnte eines Tages zu einem Verbot der Abtreibung führen. Wenn das jemals zustande kommen sollte, könnten die Abtreibungsgegner der liberalen Revolution dafür dankbar sein.

Veröffentlicht im Christlichen Forum am 5. Juli 2015

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